Morbus Parkinson: Prominente Betroffene und der Umgang mit der Krankheit

Morbus Parkinson ist eine neurodegenerative Erkrankung, die weltweit Millionen von Menschen betrifft. Die Krankheit ist nicht heilbar, aber es gibt Behandlungen, die helfen, die Symptome zu lindern. Viele Prominente haben öffentlich über ihre Parkinson-Erkrankung gesprochen, um das Bewusstsein für die Krankheit zu schärfen und andere Betroffene zu ermutigen.

Was ist Morbus Parkinson?

Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem das zentrale Nervensystem betrifft. Die Ursache von Morbus Parkinson ist bis heute nicht vollständig geklärt. Im Gehirn von Parkinson-Patienten sterben Nervenzellen ab, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Dopamin ist wichtig für die Steuerung von Bewegungen. Ein Mangel an Dopamin führt zu den typischen Symptomen von Parkinson.

Die typischen Krankheitszeichen sind - meist einseitig und schleichend beginnend - unkontrollierbarer Tremor, steife Muskeln (Rigor), verlangsamte Bewegungen (Bradykinese) sowie Gleichgewichtsstörungen. Sprach- und Schluckstörungen, vegetative Symptome, Schlafprobleme, Depressionen und anderes können hinzukommen.

Schon Jahre vorher können Frühzeichen der fortschreitenden Erkrankung beobachtet werden: REM-Schlaf-Verhaltensstörungen, Riechstörungen, Sehstörungen, Schmerzen in Muskeln und Gelenken, vermindertes Mitschwingen der Arme beim Gehen, Störungen der Feinmotorik (veränderte Handschrift), Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Unsicherheit und Zittrigkeit, informiert die Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DGP).

Prominente Betroffene

Viele bekannte Persönlichkeiten haben im Laufe der Jahre die Diagnose Morbus Parkinson erhalten. Einige haben sich entschieden, offen über ihre Erkrankung zu sprechen, um das Bewusstsein für die Krankheit zu schärfen und anderen Betroffenen Mut zu machen. Zu den bekanntesten prominenten Betroffenen gehören:

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  • Frank Elstner: Der bekannte TV-Showmaster Frank Elstner (77) sprach in der Wochenzeitung "Die Zeit" über seine Parkinson-Erkrankung. Er hat sich dazu entschieden, die Krankheit möglichst zu verdrängen und seine Fernsehkarriere fortzusetzen. Bei Frank Elstner ist die Krankheit offenbar noch nicht so weit fortgeschritten. Sein Gedächtnis funktioniere noch, auch könne er schlucken, sagte er der Zeitung. „Doch wenn ich heute Morgen meine Pille nicht genommen hätte, würde ich jetzt mehr zittern. Wenn ich eine nehme, dann hält es wieder ein paar Stunden.
  • Michael J. Fox: Schauspieler Michael J. Fox war 30 Jahre alt, als er die Diagnose erhielt. Über Jahre hielt er die Krankheit geheim, bevor er sich 1998 an die Öffentlichkeit wandte. Seither engagiert er sich unermüdlich für die Forschung. Seine Stiftung hat über eine Milliarde Dollar eingeworben. In einem Interview sagte er einmal: „Ich habe keine Wahl, ob ich an Parkinson erkranke oder nicht. Ich habe nur die Wahl, wie ich darauf reagiere.“
  • Muhammed Ali: Beim ehemaligen Schwergewichtsboxer Muhammad Ali wurde die Parkinson-Krankheit 1984 festgestellt. Auch Boxlegende Muhammed Ali hat eine Stiftung gegründet, im Muhammed Ali Parkinson Center werden Patienten behandelt.
  • Ottfried Fischer: Ebenso wie Elstner hat sich auch Schauspieler Ottfried Fischer, bekannt aus "Der Bulle von Tölz", dazu entschieden, weiterhin für das Fernsehen zu arbeiten. Der 65-Jährige tritt auch weiterhin als Kabarettist auf. Die Diagnose traf den beliebten Schauspieler und Kabarettisten bereits 2008. Damals stand er noch mitten in den Dreharbeiten zur Serie „Der Bulle von Tölz“. Ottfried Fischer zog sich danach schrittweise aus dem Fernsehen zurück. Heute nutzt er seine Prominenz, um über Parkinson zu sprechen. Dabei bleibt er humorvoll und reflektiert. „Im Prinzip ist der Parkinson eine feige Sau, den man ganz gut im Griff haben kann, wenn man aufpasst“, sagte Fischer 2013 zur „Süddeutschen“.
  • Markus Maria Profitlich: Komiker Markus Maria Profitlich, der seinen Durchbruch in der "Wochenshow" hatte, thematisierte seine Erkrankung 2012. Auch der 59-Jährige hat seine Karriere fortgesetzt, spielte etwa 2014 im Film "Auf das Leben!" von Regisseur Uwe Janson mit. Zuvor hatte Markus Maria Profitlich („Happiness“, „Wochenshow“) das Gefühl, sich über Jahre hinweg zunehmend verändert zu haben. Im humorvollen Buch „Einmal alles auf den Kopf gestellt: Gesund kann jeder“ berichtete er über seinen Umgang mit der Krankheit. Profitlich steht weiterhin auf der Bühne.
  • Alan Alda: Alan Alda, bekannt aus der Serie „MAS*H“, steht seit Jahrzehnten für kluge Fernsehunterhaltung. Im Jahr 2015 wurde bei ihm die Parkinson-Krankheit festgestellt. Der sechsfache Golden-Globe- und Emmy-Preisträger bemerkte erste Anzeichen in Form kleiner Muskelzuckungen. 2018 machte er seine Diagnose öffentlich und macht sich seitdem unermüdlich in Podcasts, Vorträgen und Interviews für das Thema stark.
  • Linda Ronstadt: Die Diagnose erhielt Linda Ronstadt im Jahr 2011, nachdem ihre Stimme erste Ausfälle gezeigt hatte. Kurz vor der Veröffentlichung ihrer Autobiografie „Simple Dreams: A Musical Memoir“ im Jahr 2013 sprach sie erstmals öffentlich darüber. Die Krankheit beendete ihre Gesangskarriere, in der sie Hits wie „You're No Good“, „It's So Easy“ oder „Don't Know Much“ hervorbrachte, abrupt. Seither lebt sie zurückgezogen, tritt aber vereinzelt in Dokumentationen auf.
  • Neil Diamond: Erst 2018 wurde bekannt, dass Neil Diamond an Parkinson erkrankt ist. Daraufhin sagte der Sänger eine geplante Welttournee ab. Seither konzentriert er sich auf seine Gesundheit und hat sich, abgesehen von seltenen Interviews und Auftritten, fast vollständig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Die Krankheit habe ihn, aber nicht seine Kreativität verändert, sagte er.
  • Papst Johannes Paul II.: Papst Johannes Paul II. war am Ende seines Lebens von der Krankheit gezeichnet, hatte sogar Lähmungserscheinungen. Abtreten vom Amt des Papstes wollte er aber nicht.

Weitere Prominente, die an Parkinson erkrankt sind oder waren, sind unter anderem Bob Hoskins, Peter Hofmann, Kurt Masur, Salvador Dalí, Raimund Harmstorf, Hans-Jochen Vogel, Ursula Staack, Brian Grant, Brett Favre, Morten Harket und Ute Freudenberg.

Umgang mit der Krankheit

Der Umgang mit Morbus Parkinson ist für jeden Betroffenen individuell. Einige Prominente haben sich entschieden, sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen, während andere weiterhin aktiv sind und ihre Karriere fortsetzen. Viele engagieren sich auch in der Parkinson-Forschung und unterstützen andere Betroffene.

Frank Elstner setzt auf Bewegung im Umgang mit seiner Parkinson-Erkrankung. Er trainiert gezielt mit Sport und Bewegung gegen die Symptome. „Ich möchte möglichst viele Menschen mit Parkinson dazu bringen, mit Sport gegen die Krankheit anzukämpfen“, sagte er der Schweizer „Coopzeitung“.

Für viele Betroffene ist es wichtig, sich mit anderen auszutauschen und Unterstützung zu suchen. Es gibt zahlreiche Selbsthilfegruppen und Organisationen, die Informationen und Unterstützung anbieten.

Die Kölner Psychologin und Gerontologin Dr. Ann-Kristin Folkerts wurde in der Kategorie „Versorgungsforschung“ mit 50.000 Euro ausgezeichnet. Sie erforscht unter anderem, wie Menschen mit Morbus Parkinson und deren Angehörige mit der Angst vor dem Fortschreiten der Erkrankung umgehen. Diese „Progredienzangst“ tritt häufig auf, mehr bei Frauen und bei aktueller Berufstätigkeit. Psychologisch relevant sind „wenig Selbstwirksamkeit und Gesundheitskompetenz“. Wie lange die Parkinson-Erkrankung dauert und wie schwer sie verläuft, hat keinen wesentlichen Einfluss. „Behandlungsbedürftige Progredienzängste sind in jedem Krankheitsstadium anzutreffen“, betont die Forscherin. In ihrem aktuellen Projekt will ihr Team herausfinden, ob und wie sich eine kurze kognitiv-verhaltenstherapeutische Gruppentherapie in stationärer Reha eignet, um die Angst vor dem Fortschreiten der Erkrankung zu lindern.

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Forschung und Therapie

Morbus Parkinson ist bis heute nicht heilbar. Forschende in aller Welt suchen nach ursächlichen Therapien, verstärkt auch nach Frühmarkern und Behandlungsmöglichkeiten, um das Absterben von Nervenzellen zu verhindern. Um neue Therapien zu entwickeln, bedarf es vertiefter Ursachenforschung.

Warum bekommt jemand Parkinson? Was passiert in der Nervenzelle? Diese Fragen interessieren auch die Grundlagenforscher Prof. Dr. Tiago Fleming Outeiro und Dr. Annekatrin König von der Universitätsmedizin Göttingen. Ganz speziell: Wie hängen Zucker und Parkinson zusammen? Im Fokus steht das Protein alpha-Synuclein. Es ist ein Hauptbestandteil der Lewy-Körperchen, die in den Zellen von Parkinson-Betroffenen toxisch werden. Aber warum? „Die Proteine werden falsch gefaltet. Das ist die molekulare Basis zahlreicher neurodegenerativer Erkrankungen“, so die Erklärung. Es ist bekannt, dass Diabetes-Patienten ein höheres Risiko haben, an Parkinson zu erkranken. Hohe Blutzucker-Werte beeinflussen das alpha-Synuclein. Das Göttinger Team will mit dem Preisgeld von 100.000 Euro in der Kategorie „Grundlagenforschung“ Antikörper entwickeln, die Zuckerveränderungen an den Proteinen erkennen. Davon erhoffen sie sich neue Therapieansätze. „Wir wollen die molekularen Ursachen finden, nicht nur Symptome behandeln“, so die Motivation.

Für die Parkinson-Forschung wird viel Geld benötigt. Der selbst erkrankte Fernsehmoderator Frank Elstner engagiert sich seit vielen Jahren für die Aufklärung über die Krankheit und wirbt Spenden ein. Dafür wurde er jetzt mit dem Muhammad Ali Gedächtnispreis der Deutschen Parkinson Hilfe geehrt. Sein Preisgeld von 2.000 Euro spendete er der Parkinson-Forschung.

Ein geeigneter Sport für Parkinson-Betroffene ist Tischtennis, obwohl die wissenschaftliche Expertise dazu aussteht. Der vor 2 Jahren gegründete Verein PingPongParkinson Deutschland erfreut sich zunehmender Beliebtheit, auch bei Angehörigen. Er hat Regionalgruppen in allen Bundesländern und nimmt an Weltmeisterschaften teil. Zudem finden Vernetzungs- und Informationsveranstaltungen statt.

Weiterführende Informationen

Für Parkinson-Betroffene und deren Angehörige gibt es zahlreiche Informations- und Unterstützungsangebote:

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  • Deutsche Parkinson Vereinigung
  • Parkinson-Online Akademie der Parkinson-Stiftung: Allgemeinverständliche Videovorträge von Expertinnen und Experten
  • Parkinson-Wegweiser der DGP: Informationen und Organisationen
  • PingPongParkinson Deutschland e.

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