MRT der Halswirbelsäule: Detaillierte Einblicke in Ihre Gesundheit

Die Magnetresonanztomographie (MRT) der Halswirbelsäule (HWS) ist ein fortschrittliches bildgebendes Verfahren, das ohne Strahlenbelastung detaillierte Bilder des Halses und des oberen Teils der Wirbelsäule erzeugt. Diese Methode ist sicher, schmerzfrei und ermöglicht es Ärzten, verschiedene Beschwerden und Erkrankungen der HWS präzise zu diagnostizieren. Prof. Dr. Volkmar Jacobi, ein erfahrener Radiologe und ehemaliger stellvertretender Direktor der Radiologie der Universitätsklinik Frankfurt, betont die Bedeutung dieser Untersuchung für die Früherkennung und Behandlung von HWS-Problemen. Gerne bespricht ein Spezialist Ihren Befund nach Durchführung eines MRT.

Anwendungsbereiche der MRT-HWS

Ein MRT der HWS kann bei einer Vielzahl von Beschwerden und Erkrankungen indiziert sein. Dazu gehören:

  • Verdacht auf Bandscheibenvorfall: Wenn der weiche Kern einer Bandscheibe durch den äußeren Faserring tritt und auf Nervenwurzeln oder das Rückenmark drückt, kann ein MRT dies sichtbar machen. Auch eine Vorwölbung des gesamten Faserrings kann erkannt werden. Die Bandscheiben dienen als Stoßdämpfer zwischen den Wirbeln.
  • Arthrose oder andere degenerative Veränderungen: Das MRT kann den Zustand der Wirbelkörper, kleinen Wirbelgelenke und Bandscheiben beurteilen und degenerative Veränderungen aufzeigen.
  • Schmerzen in Nacken, Schultern oder Armen: Anhaltende oder wiederkehrende Schmerzen in diesen Bereichen können auf Probleme in der HWS hinweisen.
  • Taubheit oder Kribbeln in Armen oder Händen: Diese Symptome können durch Nervenkompressionen im Bereich der HWS verursacht werden.
  • Muskelverspannungen im Nacken: Bestimmte Muskelverspannungen können mit HWS-Erkrankungen zusammenhängen.
  • Schwindel oder Gleichgewichtsprobleme: In einigen Fällen können diese Symptome durch Probleme in der HWS verursacht werden.
  • Anhaltende oder wiederkehrende Kopfschmerzen: Auch Kopfschmerzen können ihren Ursprung in der HWS haben.
  • Verletzungen oder Traumata der Halswirbelsäule: Nach Unfällen oder Verletzungen kann ein MRT helfen, das Ausmaß der Schädigung zu beurteilen.
  • Spinalkanalstenose: Eine Verengung des Wirbelkanals, in dem das Rückenmark und die Nervenwurzeln verlaufen, kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden, wie z.B. Vergrößerung der Wirbelgelenke, Bandscheibenvorwölbungen, knöcherne Auswüchse oder eine fehlerhafte Verlagerung der Wirbelsäule.
  • Entzündungen der Halswirbelsäule: Eine Schädigung oder Reizung des Gewebes im Halsbereich kann zu Schmerzen, Steifheit, Bewegungseinschränkungen, Schwindel und Schwäche in den Armen führen. Ursachen können Infektionen, Verletzungen, Überlastung, Verschleiß oder Autoimmunerkrankungen sein.
  • Tumore der Halswirbelsäule: Neubildungen von Gewebe im Bereich der Halswirbelsäule können gutartig oder bösartig sein und von Knochen, Weichteilen oder Nerven ausgehen. Symptome können Nackenschmerzen, Taubheitsgefühl, Schwäche, Bewegungseinschränkungen sowie Atem- und Schluckbeschwerden sein. Die Ursachen sind vielfältig.
  • Unklare Beschwerden im Bereich der HWS (HWS-Syndrom): Insbesondere, wenn diese über längere Zeit bestehen und/oder zunehmen.
  • Entzündungen des Rückenmarks: Zum Beispiel Multiple Sklerose und Transverse Myelitis.
  • Entzündliche Erkrankungen des Knochenmarks (Osteomyelitis)
  • Chronisch-entzündliche Krankheit der Wirbelsäule (Spondyloarthritis wie beim Morbus Bechterew)
  • Gefäßmissbildungen (arteriovenöse Fisteln, Aneurysmata) im Bereich der HWS
  • Anhaltende Beschwerden nach einem Schleudertrauma (HWS-Distorsion)

Vorbereitung auf die MRT-Untersuchung

Um eine optimale Bildqualität zu gewährleisten, sind einige Vorbereitungen notwendig:

  • Nüchternheit: In der Regel ist es nicht erforderlich, für eine MRT der HWS nüchtern zu sein.
  • Metallische Gegenstände: Vor der Untersuchung müssen alle metallischen Gegenstände wie Schmuck, Uhren, Piercings, Brillen und Zahnprothesen entfernt werden, da sie das MRT-Bild stören können. Moderne Zahnimplantate und Kronen sind jedoch MRT-tauglich und verursachen lediglich minimale Bildartefakte im Kieferbereich.
  • Kleidung: Tragen Sie bequeme, locker sitzende Kleidung ohne Metallteile. In der Nähe der MRT-Geräte befinden sich Umkleidekabinen, in denen Sie überflüssige Kleidung ablegen können.
  • Kontrastmittel: Bei Untersuchungen mit Kontrastmittel kann vorab ein venöser Zugang gelegt werden. Ob eine Kontrastmittelgabe erforderlich ist, entscheidet ein erfahrener Radiologe.
  • Kopfhörer: Sie erhalten Kopfhörer, um die Geräusche des MRT-Gerätes zu dämpfen und mit dem Fachpersonal in Kontakt zu bleiben.

Ablauf der MRT-Untersuchung

Die MRT-Untersuchung der HWS ist ein schmerzfreier und in der Regel unkomplizierter Prozess:

  1. Lagerung: Sie werden auf eine Untersuchungsliege gelegt und mit dem Kopf voran in die Öffnung des MRT-Gerätes gefahren. Eine leichte Fixierung des Kopfes ist wichtig, um Bewegungsunschärfen zu vermeiden. Moderne Praxen achten besonders auf eine schmerzarme Lagerung und optimieren die Position mit Kissen.
  2. Dauer: Während der Untersuchung sollten Sie etwa 15 bis 20 Minuten ruhig liegen und sich nicht bewegen. Die genaue Dauer hängt von der Schwierigkeit der Aufnahmen und dem Zustand des Patienten ab. In speziellen Fällen, z.B. bei Funktionsaufnahmen, kann die Untersuchung auch länger dauern.
  3. Geräusche: Während der Untersuchung erzeugt das Gerät Magnetfelder und Radiowellen, die laute Klopfgeräusche verursachen können. Die Kopfhörer helfen, diese Geräusche zu dämpfen.
  4. Kontrastmittelgabe: Falls erforderlich, wird das Kontrastmittel während der Untersuchung über den venösen Zugang injiziert, um bestimmte Strukturen besser sichtbar zu machen.
  5. Nach der Untersuchung: Nach der Untersuchung werden Sie aus dem MRT-Gerät gefahren und können sich wieder umziehen.

Risiken und Nebenwirkungen

Eine MRT-Untersuchung gilt im Allgemeinen als ungefährlich, da keine ionisierende Strahlung verwendet wird. Dennoch können in seltenen Fällen Nebenwirkungen auftreten:

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  • Platzangst: Manche Patienten leiden unter Platzangst (Klaustrophobie). In solchen Fällen kann ein Beruhigungsmittel verabreicht werden. Es besteht die Möglichkeit, die Untersuchung in einem offenen MRT-Gerät durchzuführen.
  • Allergische Reaktionen: Bei Verwendung von Kontrastmitteln können allergische Reaktionen wie Atemnot oder Hautausschlag auftreten.
  • Erwärmung der Haut: Bei Patienten mit Metallteilen im Körper kann es zu einer Erwärmung der Haut kommen.

Was wird bei einer MRT der HWS sichtbar?

Die MRT der HWS liefert detaillierte Bilder von:

  • Wirbelkörpern, kleinen Wirbelgelenken und Bandscheiben: Ermöglicht die Beurteilung von degenerativen Veränderungen, Bandscheibenvorfällen und Frakturen.
  • Rückenmark und Nervenwurzeln: Hilft bei der Diagnose von Stenosen, Tumoren und entzündlichen Erkrankungen. Die MRT zeigt auch die Wirbelarterien und kann Einengungen oder Verlagerungen darstellen.
  • Weichteilgewebe wie Muskeln und Bänder: Zeigt Verletzungen und Entzündungen in diesen Bereichen.
  • Angrenzende Strukturen: Teile der Lunge und des oberen Brustkorbs, was wichtig sein kann, um andere mögliche Ursachen für die Symptome auszuschließen.

Upright-MRT: Eine besondere Form der MRT

Das Upright-MRT Verfahren ermöglicht eine kernspintomographische Diagnostik aufrecht unter der natürlichen Gewichtsbelastung. Die Wirbelsäule lässt sich neben der neutralen, aufrechten Position auch unter Inklination, in Reklination, in lateraler Beugung oder auch in Rotation untersuchen. Dies kann besonders hilfreich sein, um Instabilitäten oder Veränderungen zu erkennen, die in liegender Position nicht sichtbar sind.

Einige Fallbeispiele, in denen die Upright-MRT zu einer besseren Diagnose führte:

  • Patient mit LWS-Schmerzen: Eine Patientin klagte über Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule mit Ausstrahlungen in den linksseitigen lateralen Ober- und Unterschenkel. Die Aufnahmen im Liegen ergaben keinen eindeutigen pathologischen Befund. Die Aufnahmen im Upright-MRT zeigten eine ventrale Verlagerung von LWK4 gegenüber LWK5 im Sinne einer degenerativen Spondylolisthesis.
  • Patient mit Halswirbel-Schleudertrauma: Eine Patientin erlitt vor ca. 40 Jahren ein Halswirbel-Schleudertrauma und litt seit dieser Zeit unter migräneartigen Kopfschmerzen. Bei der Untersuchung der Halswirbelsäule im Upright-MRT war eine Spaltbildung im Axis an der Basis des Dens sichtbar.
  • Patient mit Myelonkontusion: Ein Patient erlitt 1999 bei einem Treppensturz eine Myelonkontusion. Durch die Funktionsaufnahmen unter der natürlichen Gewichtsbelastung ließ sich die Instabilität bei HWK2/3 nachweisen.

Kosten und Überweisung

Mit einer gültigen Überweisung übernimmt die gesetzliche Krankenkasse in der Regel die Kosten für eine MRT der HWS vollständig. Privatpatienten erhalten eine Rechnung nach GOÄ, die üblicherweise erstattet wird. Für individuelle Gesundheitsleistungen ist eine Überweisung nicht zwingend erforderlich.

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