Plötzliche Lähmungen, Sprachstörungen oder Bewusstlosigkeit können auf eine Hirnblutung hindeuten. In solchen Fällen ist schnelle Hilfe entscheidend, um den Betroffenen den Weg zurück in den Alltag zu erleichtern. Die Magnetresonanztomographie (MRT) spielt eine zentrale Rolle bei der Diagnose und Beurteilung von Hirnblutungen.
Was ist eine Hirnblutung?
Als Hirnblutung werden alle Einblutungen im Schädelinneren (intrakranielle Blutungen) bezeichnet. Man unterscheidet zwischen Hämatomen im Gehirngewebe (intrazerebrale Blutung) und Blutungen in bzw. zwischen den Hirnhäuten (extrazerebrale Blutung).
- Intrazerebrale Blutung (ICB): Eine Einblutung direkt ins Gehirngewebe, bei der meist ein kleines Blutgefäß im Inneren des Gehirns platzt. Häufige Ursache ist Bluthochdruck. Die Blutung betrifft in der Regel einen größeren Bereich und wird deshalb manchmal auch Hirnmassenblutung genannt.
- Extrazerebrale Blutung (ECB): Betrifft die drei Hirnhäute (Meningen): Pia mater, Arachnoidea und Dura mater. Je nach Lokalisation unterscheidet man das Epiduralhämatom (zwischen Schädelknochen und Dura mater), Subduralhämatom (zwischen Dura mater und Arachnoidea) und Subarachnoidalhämatom (im Subarachnoidalraum unter der Arachnoidea).
Ursachen und Risikofaktoren
Die Ursachen für Hirnblutungen sind vielfältig:
- Bluthochdruck (Hypertonie): Die häufigste Ursache für eine Hirnblutung ist ein zu hoher Blutdruck, der die Hirngefäße schädigt. Epidemiologischen Studien zufolge kann eine arterielle Hypertonie bei bis zu 80% aller Patienten mit intrazerebralen Blutungen nachgewiesen werden.
- Hirngefäß-Fehlbildungen: Dazu zählen Fehlbildungen, bei denen viele Gefäße in einem Knäuel (Blutschwamm oder Angiom), Kurzschlüsse zwischen Gefäßen (sog. Fistel) oder eine Aussackung der Gefäßwand (sog. Aneurysma) vorliegen.
- Arteriosklerose: Indirekt gelten alle eine Arteriosklerose begünstigenden Umstände als Risikofaktoren für eine Hirnblutung. Hierzu zählen neben einem Bluthochdruck der Konsum von Nikotin und Alkohol, ein erhöhter Blutfettspiegel, eine Blutzuckerkrankheit, Bewegungsmangel und Übergewicht.
- Schädel-Hirn-Trauma: Blutungen sind meist Folge eines Schädel-Hirn-Traumas. Noxen, Medikamente, Gerinnungsstörungen und/oder Leberschäden können Hirnblutungen jedoch begünstigen.
- Blutgerinnungsstörungen: Bei einer Blutgerinnungsstörung kann es ebenfalls zu Hirnblutungen kommen.
- Weitere Ursachen: Seltenere Ursachen sind Kopfverletzungen, Hirntumore oder Gefäßfehlbildungen wie ein Aneurysma. Auch bestimmte Medikamente (Antikoagulantien, Thrombozytenaggregationshemmer, Fibrinolytika, Heparine) können das Risiko erhöhen.
Symptome einer Hirnblutung
Typisch sind Beschwerden, die schlagartig und meist aus völligem Wohlbefinden heraus ohne Vorboten auftreten (Schlaganfall). Die Hirnblutung führt zum Schlaganfall mit schlagartig auftretenden halbseitigen Lähmungen, Gefühlsstörungen, Sehstörungen oder Sprachstörungen oder Bewusstseinsverlust. Häufig sind zusätzlich Übelkeit, Erbrechen oder Kopfschmerzen vorhanden.
Die Symptome können je nach Art, Lokalisation und Ausmaß der Blutung variieren. Einige häufige Symptome sind:
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- Sprach- und Sprechstörungen
- Übelkeit und Erbrechen
- Plötzlich sehr starke Kopfschmerzen
- Nackensteifheit
- Einseitig auftretende Lähmung am Körper, vor allem am Arm, Bein oder Gesicht
- Generelles Taubheitsgefühl
- Schluckstörung
- Sehstörung und vorübergehender Sehverlust auf einem Auge
- Pupillenerweiterung
- Gleichgewichts- und Koordinationsprobleme
- Schwindel mit Gangunsicherheit
- Verwirrtheit oder Benommenheit bis hin zur Bewusstlosigkeit oder Koma
- Krampfanfälle
Diagnostik: CT vs. MRT
Bei Verdacht auf eine Hirnblutung ist eine schnelle Diagnose entscheidend. Im Krankenhaus wird zunächst eine Computertomographie (CT) durchgeführt. Hirnblutungen sind unmittelbar nach ihrem Auftreten im CT erkennbar.
Die CT ist oft der erste Schritt, da sie schnell durchgeführt werden kann und Blutungen gut sichtbar macht. Allerdings hat die MRT Vorteile bei der Beurteilung von Schlaganfällen im Bereich des Hirnstamms und in der Frühphase eines Hirninfarkts. Im CT lässt sich auch beurteilen, wie groß das betroffene Hirnareal und wie gefährlich der Schlaganfall ist.
MRT-Untersuchung des Kopfes:
Eine MRT-Untersuchung des Kopfes kann beispielsweise erforderlich sein, um nach Ursachen bei Kopfschmerz oder bei Schwindel zu suchen oder auch um bestimmte Verdachtsdiagnosen auszuschließen. Auch zur Diagnostik von tumorösen, zystischen oder entzündlichen Zahn-, Mund- und Kiefererkrankungen kommt eine MRT des Kopfes häufig zum Einsatz. Bei der MRT-Untersuchung im Kopfbereich erstellen wir Schnittbilder vom knöchernen Schädel, den Gefäßen und dem Gehirn.Insbesondere bei der Schlaganfalldiagnostik kommen spezielle MRT-Untersuchungsmethoden zum Einsatz: die Diffusions-MRT und die Perfusions-MRT. Während bei der Perfusions-MRT direkt die Blutversorgung der einzelnen Hirnareale dargestellt wird, ermittelt der Arzt bei der Diffusions-MRT die Einwanderung (Diffusion) von Wasserstoffmolekülen. In Bereichen, die von einem Schlaganfall betroffen sind, gelangen die Wasserstoffmoleküle nur schlecht und erscheinen in der Bildgebung deshalb heller als gesundes Hirngewebe. Für bestimmte Fragestellungen ist bei einer Kopf-MRT (insbesondere in Verbindung mit einer Darstellung der Halsgefäße) die Gabe eines Kontrastmittels erforderlich. Bei einer Kopf-MRT mit Gefäßdarstellung (MR-Angiographie) lassen sich die hirnversorgenden Arterien abbilden und beurteilen - sowohl die Gefäße im Kopf als auch die Halsgefäße. Neben der Beurteilung der Hirnstrukturen, der knöchernen Anteile und Weichteile untersuchen wir bei der MR-Angiographie die Gefäße auf Einengungen (Stenosen) durch Plaques bzw. Verkalkungen und Aneurysmen (Aussackung der Gefäßwand, insbesondere der Schädelbasisarterien). MR-Angiographie der intrakraniellen Arterien: Hierbei handelt es sich um eine ca. 6 Minuten kurze, strahlungsfreie Untersuchung ohne Kontrastmittelgabe. Stenosen, Aneurysmen und Gefäßmissbildungen werden dabei gut erkannt und dargestellt. Schnittbildsequenzen des Gehirns (MRT): Auch diese ca. 15-minütige Untersuchung kommt ohne Kontrastmittel aus.
Eine MRT des Schädels ist unter anderem bei Verdacht auf eine der folgenden Erkrankungen angezeigt: Schlaganfall, Hirntumore, Hirn- oder Hirnhautentzündung (Meningitis), Hirnblutungen, Gefäßveränderungen (Verengungen, Aussackungen), Demenzerkrankungen oder Parkinsonerkrankung.
Vorteile der MRT
- Hochauflösende Bilder: Die MRT liefert detaillierte Bilder des Gehirns, die es ermöglichen, die genaue Lokalisation und Ausdehnung der Blutung zu bestimmen.
- Keine Strahlenbelastung: Im Gegensatz zur CT kommt die MRT ohne schädliche Röntgenstrahlen aus.
- Spezielle Untersuchungsmethoden: Diffusions- und Perfusions-MRT können zusätzliche Informationen über die Durchblutung des Gehirns liefern.
- Gefäßdarstellung: Mit der MR-Angiographie lassen sich die Hirngefäße detailliert darstellen und auf Verengungen, Aussackungen oder andere Anomalien untersuchen.
Ablauf einer MRT-Untersuchung des Kopfes
- Vorbereitung: Der Patient wird über den Ablauf der Untersuchung informiert und muss metallische Gegenstände ablegen.
- Lagerung: Der Patient liegt auf dem Rücken, und der Kopf wird in einem speziellen Gestell fixiert, um Bewegungen zu vermeiden.
- Untersuchung: Die MRT-Untersuchung dauert in der Regel 15 bis 30 Minuten. Während der Untersuchung können laute Klopfgeräusche auftreten, die durch Kopfhörer mit Musik überdeckt werden können.
- Auswertung: Der Radiologe wertet die Bilder aus und erstellt einen Bericht für den behandelnden Arzt.
Einige Patienten sind im MRT anfällig für Platzangst, denn der Kopf muss mit Kissen in einem speziellen Gestell fixiert werden. Dies stellt sicher, dass der Patient wirklich absolut still liegt und die Aufnahmen gelingen. In unserer Praxis sind wir auf Angstpatienten jedoch sehr gut vorbereitet. So hat unser MRT-Gerät einen besonders großen Röhrendurchmesser von 71 cm. Kopfhörer mit Musik lenken außerdem von den lauten Klopfgeräuschen während der Untersuchung ab, und schließlich verfügt unser MRT über ein einzigartiges „MR-Kino“ mit Kurzfilmen, die das Gesichtsfeld des Patienten ausfüllen und für Ablenkung und Entspannung sorgen. Auf Wunsch können Patienten vor der Untersuchung auch ein Beruhigungsmittel erhalten.
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Behandlung einer Hirnblutung
Die Akutbehandlung hängt unter anderem vom Ort und der Menge des ausgetretenen Blutes sowie der Ursache der Hirnblutung ab. Bei Verdacht auf eine Hirnblutung werden Betroffene vom Rettungsdienst unverzüglich in ein Krankenhaus gebracht. Wichtig zu beachten: Bei Verdacht auf eine Hirnblutung muss unverzüglich der Rettungsdienst (Notruf 112) alarmiert werden, damit im Krankenhaus notwendige Untersuchungen (CT, MRT) und Behandlungen (Blutdrucktherapie, ggf. Operation) erfolgen können.
Konservative Behandlung
- Blutdrucktherapie: Besonders wichtiger Auslöser einer Hirnblutung ist die Hypertonie. Die Therapie erfolgt auf der Stroke Unit oder Intensivstation, wobei die Blutdrucktherapie wichtig ist.
- Medikamentöse Behandlung: Starke Kopfschmerzen, Fieber oder Krampfanfälle werden mit Medikamenten wie Schmerzmitteln, Fiebersenkern und krampf lösenden Mitteln behandelt.
- Vorbeugung einer Hirnschwellung (Hirnödem): Diese ist oft eine Folge einer starken Hirnblutung und sorgt für einen gefährlichen Druckanstieg im Schädel.
Operative Behandlung
Bei großen Hirnblutungen kann es durch die Volumenzunahme im durch den Knochen begrenzten Schädel zu einer lebensbedrohlichen, druckbedingten Verdrängung und Funktionsstörung des umliegenden Gehirngewebes kommen. In diesem Fall können eine operative Eröffnung des Schädelknochens (sog. Trepanation) und ggf. eine Entfernung des Blutes zur Entlastung des Gehirns führen. Auch das Einbringen einer Sonde zur Druckmessung oder eines Schlauchs zur Ableitung von Flüssigkeit aus dem Gehirn kann notwendig sein.
- Intrazerebrale Blutung: Bei dieser Form der Blutung im Hirn wird sorgfältig abgewogen, ob ein operativer Eingriff durchgeführt wird. In der Regel wird zusätzlich ein Katheter oder Shunt gelegt, um Nervenwasser abzuleiten.
- Subarachnoidalblutung: Handelt es sich beim Auslöser dieser Hirnblutung um ein Aneurysma, wird bei einem operativen Eingriff dieses abgeklemmt. Häufiger jedoch wird das sogenannte „Coiling“ angewandt. Auch bei der Subarachnoidalblutung muss ein Shunt zum Ablassen des Nervenwassers gelegt werden, damit der Hirndruck gesenkt wird.
- Subduralhämatom: Ein kleines subdurales Hämatom erfordert keinen operativen Eingriff. Handelt es sich allerdings um eine größere subdurale Blutung muss es operativ entfernt werden.
- Epiduralhämatom: Hier sollte die Blutansammlung zwischen Schädeldecke und äußerer Hirnhaut schnellstmöglichst operativ entfernt werden, vor allem wenn es sich um ein größeres Hämatom handelt.
Rehabilitation
Die Rehabilitation dient der Wiederherstellung der durch die Schädigung des Gehirngewebes beeinträchtigten Funktionen. Die Dauer der Therapie, die an eine Hirnblutung anschließt, variiert von Fall zu Fall und hängt vom Ausmaß der Blutung ab. Eine Reha nach einer Hirnblutung wird stationär durchgeführt und kann zwischen vier und sechs Wochen dauern. Darüber hinaus sind für die Betroffenen und ihre Angehörigen eine psychosoziale Betreuung und Beratung entscheidend.
Leben nach einer Hirnblutung
Eine Hirnblutung kann einige Folgeschäden oder Langzeitschäden sowohl körperlicher als auch geistiger Natur mit sich bringen. Einige Patientinnen und Patienten schaffen es sich nach einer Hirnblutung relativ schnell vollständig zu erholen, während andere Monate bis Jahre brauchen. Je nach Ausmaß der Hirnblutung gibt es auch Folgeschäden, die nicht durch eine Therapie verbessert werden können. Einige der Folgeschäden einer Hirnblutung sind:
- Bewegungsstörungen
- Sprachstörungen (Aphasie)
- Sprechstörung (Dysarthrie)
- Seh- oder Gedächtnisstörung
Bei der anschließenden Therapie nach einer Hirnblutung werden gemeinsam Strategien entwickelt, um die Folgeschäden bestmöglich zu behandeln oder zu erlernen, wie man am besten mit ihnen im Alltag zurechtkommt. Grundsätzlich gilt, dass je früher eine Rehabilitation nach einer Hirnblutung beginnt, desto größer sind die Erfolgsaussichten.
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Prävention
Neben einer medikamentösen Behandlung und der regelmäßigen Selbstmessung des Blutdrucks können Betroffene selbst durch einen Wandel des Lebensstils dazu beitragen, zukünftig Hirnblutungen zu verhindern. Es gibt einige Faktoren, die Sie positiv beeinflussen können, um einer Hirnblutung vorzubeugen. Zu diesen Risikofaktoren gehören Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht, Rauchen und Konsum von Alkohol oder Drogen.
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