Alzheimer-Untersuchung selbst bezahlen: Kosten, Nutzen und Risiken

Die Alzheimer-Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die durch Gedächtnisverlust, kognitive Beeinträchtigungen und Verhaltensänderungen gekennzeichnet ist. Da die Lebenserwartung steigt, nimmt auch die Zahl der Menschen mit Demenz zu, was viele dazu veranlasst, über Früherkennungsmöglichkeiten nachzudenken. Dieser Artikel beleuchtet die Kosten, den potenziellen Nutzen und die Risiken von Alzheimer-Untersuchungen, die selbst bezahlt werden müssen, insbesondere im Hinblick auf die Magnetresonanztomographie (MRT) und andere Diagnoseverfahren.

Demenz: Ein wachsendes Problem

In Deutschland leben etwa eine Million Menschen mit Demenz, wobei die Alzheimer-Krankheit die häufigste Form darstellt. Jedes Jahr kommen etwa 200.000 Neuerkrankungen hinzu. Die Häufigkeit steigt mit dem Alter deutlich an: Während bei den 65- bis 69-Jährigen etwa einer von 50 betroffen ist, leidet bei den über 90-Jährigen bereits jeder dritte an Demenz.

Die Rolle der Früherkennung

Eine treffsichere Früherkennung in Verbindung mit einer effektiven Therapie könnte potenziell Betroffene davor bewahren, eine schwere Demenz zu entwickeln. Aus diesem Grund wurden verschiedene Tests entwickelt, die einen üblichen, altersbedingten geistigen Abbau von einer beginnenden Demenz unterscheiden sollen. Auch die Magnetresonanztomographie (MRT) wird eingesetzt, um eine Demenz zu diagnostizieren und früh zu erkennen.

Magnetresonanztomographie (MRT) zur Früherkennung

Die Magnetresonanztomographie (MRT), auch Kernspintomographie genannt, ist ein bildgebendes Verfahren, das ohne Röntgenstrahlen auskommt. Sie erzeugt detaillierte Bilder des Gehirns und kann Veränderungen in Hirnstrukturen sichtbar machen, die auf Alzheimer hindeuten könnten.

Kosten einer MRT-Untersuchung

Eine MRT-Untersuchung des Gehirns kostet in der Regel zwischen 260 und 580 Euro.

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Wann zahlt die Krankenkasse?

Bei deutlichen Anzeichen einer Demenz oder einem auffälligen Hirnleistungs-Test kann die MRT-Untersuchung unter Umständen eine Kassenleistung sein. Zur Früherkennung müssen Versicherte die MRT jedoch aus eigener Tasche als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) bezahlen.

Nutzen und Risiken der MRT zur Früherkennung

Das wissenschaftliche Team des IGeL-Monitors hat untersucht, ob eine MRT-Untersuchung zur Früherkennung von Alzheimer bei Menschen ohne Anzeichen einer Demenz einen Nutzen bringt. Dabei wurden keine entsprechenden wissenschaftlichen Studien gefunden. Es ist also unklar, ob eine MRT zur Früherkennung tatsächlich etwas nützt.

Ein potenzielles Risiko besteht darin, dass die MRT nicht gut vorhersagen kann, ob jemand später eine schwere Demenz entwickelt. Menschen mit einem auffälligen MRT-Befund, die später ohnehin keine schwere Demenz bekommen, werden so unnötig stark beunruhigt. Sie und ihre Angehörigen machen sich dann Sorgen und stellen sich auf die Krankheit ein, obwohl das in diesem Ausmaß nicht nötig gewesen wäre. Möglicherweise nehmen die Betroffenen auch Medikamente ein, die sie nicht gebraucht hätten.

Bewertung der MRT zur Früherkennung

Der IGeL-Monitor bewertet die MRT-Untersuchung zur Früherkennung einer Alzheimer-Demenz mit „tendenziell negativ“. Diese Bewertung gilt für Menschen, die sich geistig fit fühlen.

Hirnleistungs-Checks zur Früherkennung

Neben der MRT gibt es auch Hirnleistungs-Checks, die die geistige Leistungsfähigkeit überprüfen sollen. Diese Tests ermitteln kognitive Fähigkeiten wie Denken, Merken, Ausdrücken und Nachmachen.

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Kosten eines Hirnleistungs-Checks

Ein Hirnleistungs-Check kostet in der Regel zwischen 7 und 21 Euro.

Wann zahlt die Krankenkasse?

Bei deutlichen Anzeichen einer Demenz können Ärzte einen Hirnleistungs-Check als Kassenleistung durchführen. Der Hirnleistungs-Check ist auch Bestandteil einer geriatrischen Untersuchung, die allen Menschen ab dem Alter von 70 Jahren zusteht, die beispielsweise leicht fallen, denen oft schwindelig ist und die inkontinent sind. In allen anderen Fällen müssen Versicherte Hirnleistungs-Checks aus eigener Tasche als IGeL bezahlen.

Nutzen und Risiken von Hirnleistungs-Checks zur Früherkennung

Das wissenschaftliche Team des IGeL-Monitors hat auch den Nutzen und die Risiken von Hirnleistungs-Checks zur Früherkennung untersucht. Es wurden keine Studien gefunden, die untersucht haben, ob eine Früherkennung am Ende nützt oder schadet.

Ein potenzielles Risiko besteht darin, dass nur einer von zwei Menschen mit einer frühen, leichten Demenz später eine schwere Demenz entwickelt. Das bedeutet, dass auch einer von zwei Menschen unnötig beunruhigt und eventuell auch unnötig behandelt wird.

Bewertung von Hirnleistungs-Checks zur Früherkennung

Der IGeL-Monitor bewertet den Hirnleistungs-Check zur Früherkennung einer Demenz mit „tendenziell negativ“. Dies gilt für degenerative oder vaskuläre Demenzen bei Menschen unter 70 Jahren ohne Anzeichen einer Demenz.

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Alternative Diagnoseverfahren

Zur Diagnose einer Demenz und um andere Ursachen für nachlassende geistige Fähigkeiten auszuschließen, kommen verschiedene Verfahren zum Einsatz:

  • Körperliche Untersuchung und psychopathologischer Befund
  • Verhaltensuntersuchungen
  • Labortests
  • Gentests
  • Untersuchung der Gehirnflüssigkeit (Liquor)
  • Elektroenzephalogramm (EEG)
  • Ultraschall
  • Computertomographie (CT)

Neue Entwicklungen in der Alzheimer-Diagnostik und -Therapie

Die Diagnose und Behandlung von Alzheimererkrankten könnten sich in naher Zukunft stark ändern. Der monoklonale Antikörper Lecanemab hat in einer Phase-III-Studie eine klinische Wirksamkeit erzielt. Lecanemab konnte im Frühstadium der Krankheit die Bildung von Amyloid-β-Plaques sowie das Fortschreiten der kognitiven Demenz verlangsamen. Ein weiterer Antikörper, Donanemab, wurde ebenfalls für die Behandlung von Alzheimer zugelassen.

Diese neuen Therapien können künftig nur dann sinnvoll eingesetzt werden, wenn eine frühzeitige Diagnose der Krankheit sicher machbar ist. Forschende suchen daher nach einfacheren und trotzdem zuverlässigen Verfahren zur Bestimmung von Demenzerkrankungen vor dem Auftreten erster klinischer Symptome, zum Beispiel durch Bluttests.

Die Rolle von Bluttests in der Früherkennung

Einige Marker, die auf eine Alzheimer-Erkrankung hinweisen, sind im Blut bereits nachweisbar, bevor die betroffene Person Symptome entwickelt. Das Screenen von scheinbar gesunden Personen auf eine mögliche, noch unerkannte Erkrankung erscheint mit Bluttests potenziell möglich.

Sensitivität und Spezifität von Tests

Um einschätzen zu können, ob ein Test für die Diagnose einer Einzelperson oder zum Screening einer Gruppe genutzt werden kann, gilt es die ermittelte Sensitivität und Spezifität zu berücksichtigen:

  • Sensitivität: Der Test erkennt die die untersuchte Person zuverlässig als krank („positiv“).
  • Spezifität: Der Test erkennt eine gesunde Person zuverlässig als gesund („negativ“).

Tests können in der Regel auf einen gewünschten Wert entweder bei der Sensitivität oder bei der Spezifität eingestellt werden, der jeweils andere Wert ergibt sich dann daraus. Grundsätzlich gilt: Je höher der eine Wert ist, desto niedriger ist der andere Wert.

Praktische Anwendungen von Bluttests

Für die praktische Anwendung ist es relevant, wie hoch der Anteil der Positiven und Negativen in der zu untersuchenden Population ist (Prävalenz). Je nach Situation ist die Sensitivität oder die Spezifität wichtiger:

  • Screening: Soll ein Screening in der Bevölkerung stattfinden, muss zumeist die Spezifität hoch sein.
  • Diagnose: Hier gibt es meist schon den Verdacht der Positivität (Symptome, Voruntersuchungen), der Anteil der wirklich Positiven ist viel höher als bei einem breiten Screening.

Gentests zur Risikoabschätzung

Einige vererbte Genmutationen erhöhen das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, andere verursachen deterministisch die Erkrankung. Bei Verdacht auf eine autosomal-dominante Erkrankung kann eine genetische Beratung und gegebenenfalls eine genetische Testung durchgeführt werden. Zu den familiär vererbbaren Mutationen, die zu Alzheimer führen, gehören: Amyloid precursor protein (APP), Presenilin-1 (PS-1) und Presenilin-2 (PS-2), APOE4.

Die Bedeutung der persönlichen Auseinandersetzung mit dem Thema

Die Auseinandersetzung mit dem Thema Alzheimer und Früherkennung ist für viele Menschen mit Ängsten und Unsicherheiten verbunden. Es ist wichtig, sich umfassend zu informieren und die eigenen Beweggründe für eine Untersuchung zu hinterfragen.

Das Recht auf Nichtwissen

Jeder Mensch hat das Recht, nicht zu wissen, ob er ein erhöhtes Risiko für eine bestimmte Krankheit hat. Dieses Recht sollte respektiert werden.

Die Rolle des Hausarztes

Der Hausarzt ist ein wichtiger Ansprechpartner bei Fragen rund um das Thema Alzheimer und Früherkennung. Er kann über die verschiedenen Diagnoseverfahren informieren und bei der Entscheidung für oder gegen eine Untersuchung beraten.

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