Muskelkrämpfe sind ein weit verbreitetes Phänomen, das von plötzlichen, unwillkürlichen und schmerzhaften Kontraktionen der Muskeln gekennzeichnet ist. Sie können in verschiedenen Muskelgruppen auftreten, besonders häufig jedoch in den Waden. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von harmlosen Auslösern wie Überanstrengung bis hin zu ernsthaften Erkrankungen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte von Muskelkrämpfen, einschließlich ihrer Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und präventiven Maßnahmen.
Was passiert bei einem Muskelkrampf im Körper?
Entgegen der landläufigen Meinung geht ein Muskelkrampf nicht vom Muskel selbst aus, sondern von den Nerven, die diesen steuern. Nervenzellen senden elektrische Impulse vom Gehirn an den Muskel, was zu dessen Anspannung führt. Normalerweise folgt auf die Anspannung die Entspannung des Muskels. Dieser natürliche Vorgang kann jedoch gestört werden, wenn Nervenzellen unkontrolliert Signale zur Kontraktion an den Muskel senden.
Ein Muskelkrampf ist also eine plötzlich auftretende, schmerzhafte Kontraktion des Muskels, die einige Sekunden bis Minuten andauern kann. Die Nervenimpulse überfluten den Muskel und regen die Schmerzrezeptoren in diesem Bereich an. Diese unwillkürlichen Kontraktionen treten häufig in der Wade oder im Fußgewölbe auf, besonders während Ruhephasen oder im Schlaf.
Formen von Muskelkrämpfen
Muskelkrämpfe können in nahezu jedem Bereich des Körpers auftreten und sowohl die quergestreifte (Skelett- und Herzmuskulatur) als auch die glatte Muskulatur (Muskelgewebe der Hohlorgane) betreffen. Es gibt drei Hauptformen von Muskelkrämpfen:
- Gewöhnlicher Krampf: Kurze, schmerzhafte Anspannung, wie z.B. morgendliche oder nächtliche Wadenkrämpfe.
- Klonischer Krampf: Zuckungsartige Krämpfe, die durch rhythmische, krampfartige Kontraktionen von Muskelgruppen ausgelöst werden. Die Muskeln erschlaffen zwischen den Kontraktionen.
- Tonischer Krampf: Langanhaltende Muskelkontraktionen ohne Zuckungen.
Welche Muskeln sind häufig betroffen?
Besonders häufig treten Muskelkrämpfe in der Wade oder im Oberschenkel auf, da es sich um Krämpfe der Skelettmuskulatur handelt. Spasmen können jedoch auch in der Gallenblase, im Darm oder in der Harnblase entstehen. Ist die glatte Muskulatur eines Hohlorgans betroffen und es entsteht ein Anfall krampfartiger Leibschmerzen, spricht man auch von einer Kolik. Handelt es sich um einen Muskelkrampf der Blutgefäße, bezeichnet man das als Vasospasmus. Ein Krampf in den Bronchien wird hingegen als Branchospasmus bezeichnet und ein Krampf im Kehlkopf als Laryngospasmus. Treten Muskelkrämpfe in Form von Zuckungen am ganzen Körper auf, spricht man von zerebralen Krampfanfällen.
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Mögliche Ursachen von Muskelkrämpfen
Die Ursachen von Muskelkrämpfen sind vielfältig. Für eine reibungslose Muskelfunktion benötigt der Körper wichtige Mineralstoffe wie Magnesium, Natrium, Kalium und Kalzium. Ein Mangel dieser Nährstoffe kann zu Muskelkrämpfen führen. Dieser Mineralstoffmangel kann wiederum auf folgende Faktoren zurückgeführt werden:
- Flüssigkeitsmangel
- Verstärktes Schwitzen
- Drogen- und Alkoholkonsum
- Fieber
- Durchfall
- Erbrechen
- Schwangerschaft
- Einnahme von Medikamenten wie Diuretika
Doch nicht immer muss ein Mineralstoff- bzw. Magnesiummangel die Ursache von Muskelkrämpfen sein. Manchmal führen auch eine Überbelastung des Muskels, zu enge Schuhe oder Fußfehlstellungen zu den schmerzhaften Krämpfen. Eine weitere mögliche Ursache für häufige Muskelkrämpfe können neurologische Erkrankungen wie Polyneuropathie sein. Bei dieser Erkrankung sind gleich mehrere periphere Nerven des Körpers betroffen. Spasmen können zudem ein Nebeneffekt von Diabetes oder hormonellen Erkrankungen sein.
Der Muskel selbst kann ebenfalls ein Auslöser für Krämpfe sein. Bei sogenannten Myotonien handelt es sich um Erkrankungen der Muskeln, die allerdings sehr selten auftreten. Weitere mögliche Ursachen für Muskelkrämpfe sind Erkrankungen der Leber und Niere sowie Durchblutungsstörungen.
Auch bestimmte Medikamente können Muskelkrämpfe begünstigen. So können bestimmte Blutdrucksenker (Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker, manche Betablocker) das Risiko erhöhen, ebenso Entwässerungsmittel (Diuretika). Aber auch Asthmamedikamente und die Antibabypille fördern Muskelkrämpfe. Nicht nur die Einnahme, auch das Absetzen bestimmter Substanzen kann im Zusammenhang mit Muskelkrämpfen stehen. Solche Medikamente sollten daher nicht abrupt beendet werden, sondern die Dosis am besten langsam und schrittweise reduziert werden. Hören Alkoholabhängige plötzlich mit dem Trinken auf, steigt ebenfalls das Risiko für Muskelkrämpfe. Zudem können weitere, teils lebensbedrohliche Zustände resultieren, weshalb eine qualifizierte Entzugsbehandlung in einer Klinik dringend anzuraten ist.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Obwohl Muskelkrämpfe im Allgemeinen nicht gefährlich sind, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn die Krämpfe häufig auftreten, lange anhalten oder den Alltag einschränken. Hinter häufigen Muskelkrämpfen können sich auch ernsthafte Erkrankungen wie die Unterfunktion der Schilddrüse oder eine Entzündung im Muskel verbergen. Muskelkrämpfe sind ein vieldeutiges Symptom, welches beim Arzt abgeklärt werden sollte.
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Behandlung von Muskelkrämpfen
Die Behandlungsansätze bei Muskelkrämpfen sind so vielfältig wie ihre Ursachen. Liegt die Ursache für die Krämpfe in einem Magnesiummangel, können eine ausgewogene Ernährung sowie Magnesiumtabletten als unterstützende Maßnahme weiterhelfen.
Medikamentöse Behandlung
Bei häufigem Auftreten von Muskelkrämpfen wird beispielsweise das Malariamedikament Chinin verschrieben. Dieses ist jedoch oft mit Nebenwirkungen verbunden. Zwar arbeiten Forscher derzeit an einer Therapie von Krämpfen mit Epilepsie-Medikamenten, allerdings ist noch nicht sicher, welches dieser Medikamente im Einzelfall wirklich hilft. Manchmal werden auch Botox-Spritzen eingesetzt um den Krampf zu beenden. Diese können jedoch zu Lähmungserscheinungen führen und belasten Betroffene oft zusätzlich.
Alternative Methoden
Fehlen dem Körper essenzielle Nährstoffe wie Magnesium, kann es vermehrt zu Muskelkrämpfen kommen. Ein Magnesiummangel entsteht häufig durch Flüssigkeitsmangel und starkes Schwitzen. Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Ist ein Magnesiummangel bereits aufgetreten, können Sie Magnesiumtabletten als unterstützende Maßnahme einnehmen. Diese helfen, Ihren Magnesiumhaushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Magnesium ist in vielen Darreichungsformen wie Tabletten, Kapseln oder Brausetabletten erhältlich. Experten empfehlen bei wiederholt auftretenden Muskel- und Wadenkrämpfen 300 bis 600 Milligramm Magnesium täglich.
Hausmittel
In Akutfällen haben sich Massage, Dehnung und Erwärmen des Muskels bewährt. Lassen Sie warmes Wasser über ein Tuch laufen und legen Sie es auf die schmerzhafte Stelle. Wenn der Schmerz nachlässt, empfiehlt es sich, zu einer kalten Kompresse zu wechseln. Dafür müssen Sie lediglich ein paar Eiswürfel in ein Handtuch wickeln und auf die betroffene Stelle legen. Das sorgt dafür, dass der Muskel wieder völlig entspannt.
Achten Sie auch auf eine ausgewogene Ernährung. Trinken Sie mindestens zwei Liter am Tag. Fügen Sie Ihrem Wasser nach dem Sport eine Messerspitze Salz hinzu. Auf diese Weise wird der Körper mit wichtigen Nährstoffen versorgt. Präventiv können Sie auch auf krampflösende Tees wie Rosmarin, Lavendel, Zitronenmelisse oder Pfefferminze zurückgreifen. Diese Tees versorgen den Körper mit ausreichend Flüssigkeit. Essenzielle Nährstoffe für die Muskelfunktion liefern auch Mandeln, Bananen und Apfelessig.
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Ebenfalls bewährt hat sich das Einreiben der krampfenden Muskeln mit ätherischen Ölen. Reiben Sie die schmerzenden Muskeln vor dem Schlafengehen beispielsweise mit Rosmarin- oder Orangenöl ein.
Sofortmaßnahmen bei einem akuten Wadenkrampf
Als Erste-Hilfe-Maßnahme bei einem nächtlichen Wadenkrampf wenden die meisten Personen oft instinktiv das richtige Mittel an: Sie dehnen die Wadenmuskulatur, indem sie - auch unter Zuhilfenahme der Hände - die Ferse nach vorne ausstrecken und die Zehen zurückziehen. Das führt in vielen Fällen dazu, dass sich der Krampf schnell auflöst. Alternativ können Sie versuchen, den schmerzenden Muskel mit den Händen leicht zusammenzuschieben. Schieben Sie dazu mit sanftem Druck gleichzeitig von Kniegelenk und Ferse aus den Unterschenkel mit den Handflächen zusammen.
Muskelkrämpfe beim Sport - Was tun?
Blitzschnell fährt der Schmerz in die Wade und der Muskel zieht sich zusammen: Ein Muskelkrampf während dem Sport ist besonders unangenehm. Häufig treten die Spasmen in der Wade beim Laufen oder im Oberschenkel beim Radfahren auf. Selbst vor der Fußsohle machen die tückischen Krämpfe nicht Halt. Doch was sind die Ursachen für diese schmerzhaften Kontraktionen beim Sport? Und was kann man dagegen tun? Treten die Krämpfe häufig auf, sollte dies zunächst bei einem Arzt abgeklärt werden. Hinter Spasmen können sich nämlich auch ernsthafte Erkrankungen verbergen.
Oft sind die Ursachen für Krämpfe jedoch im sportlichen Bereich zu finden. Muskelkrämpfe beim Sport sind häufig auf eine Überbelastung der Muskeln, Flüssigkeitsmangel oder nicht ausreichende Ruhephasen zurückzuführen. Um Krämpfe während dem Laufen, Schwimmen oder Radfahren zu vermeiden, sollten Sie Ihr Training unbedingt anpassen. Athleten sollten Wettkämpfe entsprechend ihres Leistungsstandes bestreiten und dem Körper ausreichende Ruhepausen gönnen. Achten sie zudem auf eine ausgewogene und gesunde Ernährung. Um Krämpfe während dem Training hinauszuzögern, haben sich auch kohlenhydrathaltige Elektrolytgetränke bewährt.
Muskelkrämpfe in der Schwangerschaft
Sie treten meist ab der zweiten Schwangerschaftshälfte und häufig nachts auf: Wadenkrämpfe. Werdende Mütter verlieren durch starkes Schwitzen und häufigen Harndrang vermehrt Flüssigkeit und essenzielle Nährstoffe. Dies kann bei schwangeren Frauen zu einem Magnesiummangel führen, der wiederum Muskelkrämpfe begünstigen kann. Der Mineralstoff ist ein wichtiger Faktor für die Entspannung der Muskulatur. Doch auch ein Calciummangel kann als Ursache für Wadenkrämpfe bei schwangeren Frauen in Betracht gezogen werden. Weitere Ursachen für Muskelkrämpfe in der Schwangerschaft sind eine Überbelastung der Beinmuskulatur durch das höhere Gewicht, Durchblutungsstörungen, ein eingeklemmter Nerv, eine ungünstige Schlafposition oder eine Venenentzündung.
Reißt der Krampf schwangere Frauen mitten in der Nacht aus dem Schlaf, können folgende Sofortmaßnahmen angewendet werden:
- In einem ersten Schritt sollte der betroffene Muskel gedehnt werden.
- Danach hilft es, aufzustehen und hin- und herzulaufen. Das regt die Durchblutung an.
- Um die Muskulatur wieder zu lockern, haben sich danach Massagen als hilfreich erwiesen.
Werdende Mütter können Wadenkrämpfen in der Schwangerschaft durch eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung vorbeugen. Regelmäßiges Wechselduschen hat sich ebenfalls als präventive Maßnahme bewährt.
Präventive Maßnahmen gegen Muskelkrämpfe
Sicher ausschließen lassen sich Muskelkrämpfe zwar nie, allerdings können Sie typischen Krämpfen zumindest teilweise vorbeugen. Grundsätzlich sollten Sie auf eine ausgewogene Ernährung achten, um einem Mineralstoffmangel vorzubeugen. Für eine reibungslose Muskelfunktion sind Nährstoffe wie Magnesium, Kalium und Calcium unverzichtbar. In Vollkornbrot, Nüssen und Bananen steckt beispielsweise wertvolles Magnesium. Wichtige Calciumlieferanten sind hingegen Fenchel, Grünkohl, Broccoli, Lauch, Brombeeren, Johannisbeeren, Himbeeren sowie Nüsse und Kräuter. Kalium ist zum Beispiel in Aprikosen, Mais, Tomaten und Kohlrabi enthalten. Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und trinken Sie mindestens 2 Liter täglich. Bei Anstrengung, Sport und Hitze empfiehlt es sich, deutlich mehr zu trinken. Apfelsaftschorle, Mineralwasser und Elektrolytgetränke sind bei häufigem Sport empfehlenswert.
Vorbeugende Maßnahmen im Überblick
- Ausreichend trinken: Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, besonders bei körperlicher Anstrengung und Hitze.
- Elektrolyte ausgleichen: Trinken Sie Elektrolytgetränke oder fügen Sie Ihrem Wasser eine Prise Salz hinzu, um den Mineralstoffhaushalt auszugleichen.
- Ernährung optimieren: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Magnesium, Kalium und Kalzium.
- Regelmäßige Dehnung: Dehnen Sie Ihre Muskeln regelmäßig, besonders vor dem Schlafengehen.
- Bewegung: Bleiben Sie aktiv und bewegen Sie sich regelmäßig, um die Durchblutung zu fördern und die Muskeln zu stärken.
- Alkohol und Koffein meiden: Reduzieren Sie den Konsum von Alkohol und Koffein, da diese den Elektrolythaushalt beeinflussen können.
- Medikamente überprüfen: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über mögliche Nebenwirkungen Ihrer Medikamente und ziehen Sie gegebenenfalls einen Wechsel in Betracht.
Was hilft am besten gegen den Schmerz im Bein?
Bei leichten Krämpfen können Sie das Problem meist selbst gut in den Griff bekommen. Empfohlen werden regelmäßiges Dehnen der betroffenen Muskeln oder leichte sportliche Betätigung, etwa auf dem Heimtrainer, für einige Minuten vor dem Schlafengehen. Außerdem sollten Sie ausreichend trinken, mindestens anderthalb bis zwei Liter pro Tag - insbesondere nach dem Sport, nach körperlicher Arbeit und an warmen Tagen. Meiden Sie dagegen Alkohol und Koffein.
Lösen Medikamente bei Ihnen Wadenkrämpfe aus, können Sie - in Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt - einen Wechsel des Präparats in Betracht ziehen. Es kann auch helfen, die Einnahme von Abführ- und Entwässerungsmitteln zu reduzieren, sollte dies möglich sein. Bei einer verkürzten beziehungsweise verspannten Muskulatur helfen regelmäßige Fußgymnastik und leichter Sport wie Walking, Radfahren und Schwimmen, die Ihre Muskeln trainieren. Auch Yoga und andere Übungsformen können helfen. Verkrampfen sich Ihre Muskeln leicht, kann es zudem hilfreich sein, diese täglich sanft zu massieren.
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