Symptome wie Husten, Kurzatmigkeit oder Erschöpfung können nach einer Corona-Infektion noch lange bestehen bleiben. Man spricht dann von Post oder Long Covid. Die Behandlung ist oft komplex. Etliche Genesene haben nach ihrer Infektion mit Sars-CoV-2 mit anhaltenden Beschwerden zu kämpfen und brauchen lange, um sich vollständig von ihrer Erkrankung zu erholen. Manchmal beginnen Covid-Symptome wie Atemwegsbeschwerden sogar erst zwei bis drei Wochen nach einer Infektion, wenn der Test längst wieder negativ ist. Sind die Symptome vier Wochen nach einer Ansteckung noch vorhanden, bezeichnet man das als Long Covid. Auch nach einem milden Verlauf, etwa mit der aktuell noch immer vorherrschenden Omikron-Variante des Coronavirus, kann Long Covid auftreten. Experten schätzen, dass sechs bis 15 Prozent aller Covid-Genesenen fortdauernde gesundheitliche Einschränkungen haben. Allerdings gibt es bisher keine eindeutigen Marker, um Long Covid zweifelsfrei zu diagnostizieren - dazu wird weiter intensiv geforscht. Die Symptome, über die Betroffene klagen, sind vielfältig: Studien zählen bis zu 200 unterschiedliche Long-Covid-Symptome auf. Die Stärke der Beschwerden kann individuell sehr unterschiedlich sein. Bei manchen Betroffenen entwickelt sich sogar ein ganzer Symptomkomplex, der dem chronischen Erschöpfungssyndrom (ME/CFS) gleicht. Wie lange die Beschwerden anhalten und ob sie überhaupt wieder vollständig verschwinden, ist schwer vorhersagbar. Vielfach bessern sich die Symptome binnen zwei bis drei Monaten.
Einführung in Long Covid und seine Vielfalt
Long COVID ist ein vielschichtiges Krankheitsbild. Es bezeichnet Langzeitbeschwerden, die nach durchlebter Akutphase einer Covid-19-Erkrankung auftreten können. Von Long COVID spricht man, wenn Betroffene länger als 4 Wochen nach einer akuten SARS-CoV-2-Infektion an körperlichen oder geistigen Beschwerden leiden. „Ein Post-COVID-19-Zustand tritt bei Individuen mit wahrscheinlicher oder gesicherter SARS-CoV-2 Infektion auf, gewöhnlich drei Monate nach Beginn von COVID-19 mit Symptomen, die mindestens zwei Monate anhalten und nicht durch alternative Diagnosen erklärbar sind. Häufige Symptome schließen Fatigue, Kurzatmigkeit, kognitive Dysfunktionen, aber auch andere ein, die gewöhnlich einen Einfluss auf Alltagsfunktionen haben. Symptome können neu auftreten, nach einer anfänglichen Erholung einer akuten COVID-19 Episode, oder seit der anfänglichen Erkrankung persistieren. Symptome können auch fluktuieren oder über die Zeit wieder auftreten. Wie viele Menschen genau vom Long COVID-Syndrom betroffen sind, lässt sich derzeit nicht sicher sagen. Schätzungen der WHO und dem Institute for Health Metrics and Evaluation in Seattle gehen indes im europäischen Raum von 3 Prozent aus. Wie und warum Long COVID entsteht, ist noch nicht abschließend geklärt. Aber mittlerweile gibt es vielversprechende Einblicke in die Hypothesen zur Entstehung des Syndroms. Forscherinnen diskutieren derzeit mehrere Theorien und Erklärungsansätze, aus denen sich bereits erste Ansatzpunkte für gezielte Therapiemöglichkeiten ableiten lassen. Der aktuelle Forschungsstand zeigt, dass das Long COVID-Syndrom durch eine Kombination verschiedener krankhafter Mechanismen im Körper verursacht wird. Verlässliche Aussagen zu Risikofaktoren gibt es nicht, allerdings zeigten zahlreiche internationale Studien, dass etwa das Alter, das Geschlecht und bestimmte Vorerkrankungen (etwa Asthma oder Diabetes) ebenso wie die Schwere des akuten COVID-19-Verlaufs das Risiko für Long COVID beeinflussen. häufiger an Long oder Post COVID. Zweifach geimpfte Personen zeigen ein geringeres Risiko für Long-COVID als Ungeimpfte. Auch Jahre nach der Pandemie besteht eine Gefahr, an Corona und folglich an Long COVID zu erkranken. Zu den häufigsten Beschwerden zählen gemäß der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Erschöpfung (Fatigue), Kurzatmigkeit und Gedächtnisprobleme. Darüber hinaus berichten Betroffene nicht selten von Gelenkschmerzen, Gürtelrose und Hautausschlag sowie Haarausfall. Die hausärztliche Praxis ist Ihre erste und zentrale Anlaufstelle, wenn Sie den Verdacht haben, an Long COVID oder einem Post-Vac-Syndrom erkrankt zu sein. Dies hat im Dezember 2023 der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) mit einer neuen Richtlinie beschlossen, um Betroffenen eine langwierige Ärzte-Odyssee zu ersparen. Generell ist es für Ärztinnen meist schwierig zu beurteilen, ob Patientinnen sicher von Long COVID oder einem Post-Vac-Syndrom betroffen sind. Viele der Symptome können auch auf andere Erkrankungen zurückzuführen sein. Bei Verdacht auf Long COVID oder ein Post-Vac-Syndrom ist die hausärztliche Praxis Ihre erste und zentrale Anlaufstelle. Rund um den Globus forschen Wissenschaftlerinnen in kontrollierten, klinischen Studien an medikamentösen und therapeutischen Verfahren - mit ersten richtungsweisenden Behandlungserfolgen. Diese werden jedoch noch nicht in der Praxis angewandt. Daher gibt es derzeit keine gesicherte medikamentöse Behandlungsmöglichkeit zur vollständigen Heilung des Long COVID-Syndroms. Die Fachgruppe empfiehlt Medikamente, welche bei zwölf häufigen Long COVID-Symptomen Beschwerden lindern können. Empfohlen werden verschreibungspflichtige Medikamente, die im Rahmen ihrer bestehenden Zulassungen (In-Label-Use) verordnet werden können. Eine Vielzahl bundesweiter Kliniken und Ambulanzen hat sich auf Long COVID-Therapien spezialisiert. Erfreulich sind Studienergebnisse aus der Rehabilitation. Sie zeigen, dass Sie durch individuelle Rehamaßnahmen regenerieren und ihre Lebensqualität verbessern können. Je nach persönlichem Symptomschwerpunkt kommen entsprechende Rehabilitationsmaßnahmen infrage. Auch das sogenannte „Pacing“ gilt als eine sehr wirkungsvolle Methode, um den eigenen Energiehaushalt bei starken Erschöpfungszuständen besser zu regulieren. Long COVID zeigt sich nicht immer auf den ersten Blick: Während die Beschwerden einerseits durchgehend über Wochen oder Monate nach COVID-19 bestehen bleiben können, kehren sie bei anderen Betroffenen nach einer vorläufigen Genesung unerwartet nach mehreren Wochen zurück und/oder schwanken dabei in ihrer Ausprägung. In besonders schweren Verlaufsfällen wird eine Myalgische Enzephalomyelitis / das Chronische Fatigue-Syndrom (ME/FCS) diagnostiziert. Bei dieser schweren neurologischen Erkrankung ist die Lebensqualität der Betroffenen oft stark eingeschränkt. Aktivitäten sind nur sehr mühsam und mit langen Erholungspausen möglich. Einer regelmäßigen Arbeit nachzugehen, ist für die meisten nicht mehr möglich.
Muskelschmerzen als Symptom von Long Covid
Symptome wie Müdigkeit, Atembeschwerden, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Konzentrationsprobleme oder Schlafstörungen sind nach einer Covid-19-Erkrankung keine Seltenheit. Mindestens 25 Prozent der Betroffenen entwickeln Muskelschmerzen (Myalgie) und eine frühzeitige Muskelermüdung. Muskelschmerzen können ein häufiges Symptom bei Patienten sein, die an COVID-19 erkrankt waren. Während der Infektion kann das Virus Entzündungen und Schädigungen in verschiedenen Geweben des Körpers verursachen, einschließlich der Muskeln. Muskelschmerzen können während der aktiven Infektion auftreten und auch nach der Genesung fortbestehen.
Ursachen von Muskelkrämpfen und -schmerzen nach Long Covid
Die genaue Ursache des Long-Covid-Syndroms ist bisher nicht geklärt. Sie ist multifaktoriell und vermutlich nicht bei allen Betroffenen gleich. Die Covid-19-Infektion ist nach der aktuellen Studienlage eine Multisystemerkrankung, bei der die Entzündung der Blutgefäße eine wichtige Rolle bei spielt. Beim Long-Covid-Syndrom scheinen autoimmune Prozesse und eine Regulationsstörung des vegetativen Nervensystems für viele der auftretenden Symptome verantwortlich zu sein. Noch herrscht Unklarheit über die genaue Ursache des Long-Covid-Syndroms. Vieles deutet dabei auf eine anhaltende fehlgeleitete Immunantwort des Körpers auf das Coronavirus hin. Vermutlich spielen mehrere Mechanismen und Faktoren bei der Krankheitsentstehung eine Rolle. Die genaue Ursache für die Muskelschmerzen nach einer COVID-19-Infektion ist noch nicht vollständig verstanden. Es wird angenommen, dass Entzündungen und Gewebeschäden, die während der Infektion auftreten, eine Rolle spielen können. Darüber hinaus können auch allgemeine Schwäche und Inaktivität während der Krankheit zu Muskelschmerzen beitragen.
Weltweit wird intensiv an der Erforschung des Long-Covid-Syndroms gearbeitet. Folgende Theorien für die Entstehung von Long-Covid haben sich dabei u. a. herauskristallisiert:
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- Viruspersistenz im körpereigenen Gewebe: Dem Immunsystem gelingt es nicht, das Coronavirus vollständig zu entfernen. Ein Teil der Viren verbleibt also im Körper und kann und von dort aus immer wieder das Immunsystem herausfordern, vergleichbar mit einer chronischen Infektion mit z. B. wellenartigem Verlauf.
- Virenfragmente: Teile des Coronavirus könnten im Gewebe zurückbleiben und noch Monate nach der ursprünglichen Infektion eine Reaktion des Immunsystems auslösen, die dann in eine langanhaltende Immunreaktion des Körpers mündet. Die Symptome sind nach dieser Hypothese also Folge einer überschießenden Immunreaktion, die durch Virusbestandteile getriggert wird.
- Bildung von Autoantikörpern: Drittens könnten sich infolge der Viruserkrankung so genannte Autoantikörper bilden, die sich gegen das körpereigene Gewebe richten und dann bei manchen Patienten eine Autoimmunerkrankung auslösen. Auch nach dieser Hypothese würde das Coronavirus nicht direkt den Körper angreifen.
Auch weitere mögliche Ursachen werden untersucht und diskutiert, z. B. starke oder übermäßige Entzündungen, Gerinnungsstörungen/Gefäßerkrankungen, Störungen des Nervensystems und Stoffwechsel- oder hormonelle Veränderungen. Vermutlich beeinflussen sich die einzelnen Entstehungsmechanismen auch gegenseitig.
Weitere Faktoren, die Muskelschmerzen nach Covid-19 verursachen können:
- Direkte Virusschädigung der Muskelzellen: Das Virus kann direkt die Muskelzellen schädigen und so zu Schmerzen und Entzündungen führen.
- Entzündliche Prozesse: Das Virus kann Entzündungen im Körper auslösen, die sich auch in den Muskeln manifestieren können.
- Mikrozirkulationsstörungen: Das Virus kann die Durchblutung der Muskeln beeinträchtigen, was zu Schmerzen und Krämpfen führen kann.
- Immundysregulation: Das Virus kann das Immunsystem aus dem Gleichgewicht bringen, was zu einer Überreaktion und Entzündung der Muskeln führen kann.
- Längere Inaktivität während der Erkrankung oder Hospitalisierung: Durch die reduzierte Aktivität während der Erkrankung können die Muskeln abbauen und schwächer werden, was zu Schmerzen führen kann.
- Dekonditionierung (Muskelabbau): Durch Krankheit, Bettruhe oder längere Inaktivität bauen Muskeln relativ schnell ab.
- Fehlspannung & Schonhaltungen: Wer sich müde, kurzatmig oder unsicher fühlt, nimmt oft Schonhaltungen ein.
- Nervenbeteiligung: In manchen Fällen sind auch Nervenreize beteiligt.
Mikrostrukturelle Veränderungen in der Muskulatur
Ein neurowissenschaftliches Forschungsteam am BG Universitätsklinikum Bergmannsheil, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum, hat untersucht, ob sich bei Menschen mit diesem Symptombild krankhafte Muskelveränderungen nachweisen lassen. Das Forschungsteam der Neurologischen Klinik unter der Leitung von Prof. Dr. Elena Enax-Krumova und Privatdozentin Dr. Lara Schlaffke hat die Beinmuskulatur von betroffenen Patientinnen und Patienten analysiert. In den Muskelpartien von Patientinnen und Patienten mit einem Post-Covid-Syndrom zeigten sich gegenüber der Kontrollgruppe mikrostrukturelle Veränderungen. Allerdings fanden sich keine Anzeichen von Entzündungsprozessen oder krankhafter Muskelumwandlung (Dystrophie). Diese könnten auf ein Schrumpfen von Muskelgewebe durch Dekonditionierung hinweisen. Denkbar wäre nach Ansicht der Forscherinnen und Forscher, dass sich diese Veränderungen im Rahmen eines Rehabilitationsprogramms mit gezieltem Muskelaufbau rückgängig machen ließen. „Unsere Ergebnisse liefern wichtige Anhaltspunkte, um die beschriebenen Krankheitssymptome besser zu verstehen. Beim quantitativen Muskel-MRT zeigten sich in der Post-COVID-Gruppe weder Anzeichen einer fortschreitenden Entzündung noch eines dystrophen Prozesses. Im Vergleich zur Kontrollgruppe wies die Beinmuskulatur der Betroffenen allerdings mikrostrukturelle Unterschiede auf. Die Studienautorinnen und -autoren vermuten, dass dies ein Anzeichen für eine reversible Muskelfaser-Hypotrophie infolge einer Dekonditionierung sein könnte. Vereinfacht ausgedrückt, könnte es also sein, dass die Muskeln vorübergehend geschwächt oder verkleinert sind, weil sie während der akuten Krankheitsphase zu wenig beansprucht wurden.
Diagnose von Muskelbeschwerden nach Long Covid
Für die Diagnosestellung wird die Krankengeschichte erfragt, zudem erfolgt eine genaue körperliche Untersuchung. Derzeit gibt es keine spezifischen Laborwerte oder Untersuchungen, um die DiagnoseLong-Covid-Syndrom zu stellen. Es werden aber verschiedene Untersuchungen durchgeführt, um andere Erkrankungen, die für die Beschwerden verantwortlich sein können, auszuschließen. Die zeitliche Nähe zu einer Corona-Infektion ist dann auch der bislang einzige objektivierbare Hinweis auf ein Long-Covid-Syndrom. Es gibt keinen Blutwert, der charakteristisch für das Long-Covid-Syndrom ist. Die Untersuchung von Lunge, Herz-Kreislaufsystem und Nervensystem bleiben in der Regel unauffällig. Je nach vorherrschenden Symptomen kann es trotzdem geboten sein, bestimmte Untersuchungen wie beispielsweise Blutwerte, Lungenfunktion, EKG oder Ultraschall durchzuführen, da es sich beim Long-Covid-Syndrom bisher um eine so genannte Ausschlussdiagnose handelt, d. h. andere mögliche Erkrankungen, die zu ähnlichen Symptomen führen könnten, müssen ausgeschlossen werden.
Wann sollte bei Muskelschmerzen ein Arzt konsultiert werden?
Es wird empfohlen, einen Arzt zu konsultieren, wenn die Muskelschmerzen nach einer COVID-19-Infektion stark sind, über einen längeren Zeitraum anhalten oder von anderen Symptomen begleitet werden. Ein Arzt kann eine genaue Diagnose stellen und eine angemessene Behandlung empfehlen. Bei schweren Muskelschmerzen oder fortschreitenden Beschwerden sind eine frühzeitige ärztliche Untersuchung wichtig, um andere mögliche Ursachen auszuschließen.
Red Flags (Warnzeichen):
- Schmerzen mit deutlicher Muskelschwäche einhergehen
- Gefühlsstörungen
- du einen bekannten Vorerkrankungs-Risikofaktor hast
Behandlungsansätze bei Muskelkrämpfen und -schmerzen nach Long Covid
Zur Behandlung des Long-Covid-Syndroms gibt es bislang keine ursächliche Therapie. Es wird symptomorientiert behandelt. Für die klassischen Symptome nach überstandener Covid-19-Infektion, wie anhaltende Erschöpfung oder Atembeschwerden, bietet wir vom Krankenhaus für Naturheilweisen (KfN) in München mit unserem integrativen Behandlungsansatz gute Therapieoptionen. Durch die Kombination von konventioneller Schulmedizin mit bewährten Therapiemaßnahmen aus der Naturheilkunde und der Homöopathie können therapeutische Synergieeffekte entstehen, die durch Einzelmaßnahmen so nicht erzielt werden können. Da die Entstehung des Long-Covid-Syndrom noch nicht ausreichend geklärt ist, gibt es dementsprechend auch noch keine ursächlichen Therapieansätze. Die Erkrankung wird symptomatisch behandelt. Dabei kann die Komplementärmedizin mit ihrem multimodalen Ansatz einen wichtigen Beitrag leisten.
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Bislang gibt es für Long-Covid-Symptome nur individuelle Heilversuche - etwa die Gabe von Medikamenten, das Erlernen von Atemtechniken oder aber Pacing (übersetzt etwa: "sich selbst das richtige Tempo vorgeben"). Die Behandlungsmethode richtet sich nach dem Schwerpunkt der Symptome. Bei Sprach- oder Schluckstörungen kann Logopädie zum Einsatz kommen, bei Kribbeln oder Gefühlsstörungen in Armen und Beinen hilft Ergotherapie. In Reha-Kliniken werden gezielte Atemtherapien eingesetzt und mit Physiotherapie wieder Kraft und Kondition aufgebaut. Auch hierbei sollte mittels Pacing darauf geachtet werden, die eigenen Belastungsgrenzen nicht zu überschreiten. Bislang gibt es keine speziell zugelassenen Medikamente für die Behandlung von Long Covid. Lungenfachärzte verordnen bei Lungenbeschwerden zum Teil Kortisonspray, um die überschießende Immunreaktion herunterzufahren. Zusätzlich können je nach Symptom verschiedene Medikamente zum Einsatz kommen, die für andere Erkrankungen zugelassen sind.
Konservative Behandlungsmethoden:
- Schmerzmittel: Schmerzmittel können helfen, die Muskelschmerzen zu lindern. Es ist jedoch wichtig, vor der Einnahme solcher Medikamente einen Arzt zu konsultieren.
- Physiotherapie: Eine gezielte physiotherapeutische Behandlung kann helfen, die Muskelschmerzen zu lindern und die Beweglichkeit und Kraft wiederherzustellen. Ein Physiotherapeut kann individuelle Übungen und Techniken empfehlen, um die Muskeln zu stärken und zu dehnen.
- Ruhe und Erholung: Ausreichende Ruhe und Erholung sind wichtig, um den Körper zu heilen und die Muskelschmerzen nach einer COVID-19-Infektion zu lindern. Es ist wichtig, dem Körper Zeit zu geben, sich zu erholen und nicht zu überanstrengen. Ein ausgewogener Schlaf und regelmäßige Pausen können dazu beitragen, die Muskeln zu entspannen und Schmerzen zu reduzieren.
- Warme Kompressen: Das Auftragen von warmen Kompressen auf die schmerzenden Muskeln kann dazu beitragen, die Durchblutung zu verbessern und Muskelverspannungen zu lösen. Dies kann vorübergehende Linderung bieten und die Genesung unterstützen.
- Dehnen und sanfte Bewegung: Kontrollierte Dehnübungen und sanfte Bewegung können helfen, die Muskeln zu entspannen und die Beweglichkeit zu verbessern. Es ist jedoch wichtig, sich dabei nicht zu überanstrengen und auf den eigenen Körper zu hören. Ein Physiotherapeut kann dabei helfen, geeignete Übungen zu finden.
Spezifische Therapieansätze im Krankenhaus für Naturheilweisen (KfN):
Die Behandlung von Patienten mit Long-Covid wird vom kompetenten Team aus Ärzten des Krankenhauses für Naturheilweisen unter der Leitung der Chefärztin Dr. med. Michaela Moosburner und Chefarzt Robert Schmidt durchgeführt. Unsere Ärzte konnten seit Beginn der Corona-Pandemie bereits viel Erfahrung mit der Behandlung des Long-Covid-Syndroms sammeln und haben sich mittlerweile zu Spezialisten in der Long-Covid-Behandlung entwickelt. Seit vielen Jahren haben unsere Experten auch Erfahrung in der Therapie des chronischen Fatigue-Syndroms, dessen Symptome dem Long-Covid Fatigue-Syndrom sehr ähneln. Durch verschiedene Zusatzqualifikationen - z. B. in klassischen Naturheilverfahren, der Homöopathie oder der Ernährungsmedizin - verbinden unsere Ärzte gezielt das Beste aus evidenzbasierter Schulmedizin und Komplementärmedizin. Sie sind kompetente Ansprechpartner bei allen Fragen zum Long-Covid-Syndrom.
Wir vom KfN sind Mitglied im Long-Covid-Netzwerk der Stadt München und unsere Türen stehen offen für die stationäre Behandlung von Patienten mit Long-Covid-Syndrom Symptomen. Als eine der größten komplementärmedizinischen Kliniken Deutschlands setzen wir bei Long-Covid ein modernes, integratives Behandlungskonzept ein: Wir erweitern die evidenzbasierte Schulmedizin um bewährte Methoden aus der Naturheilkunde und die Homöopathie. Bei uns ist eine stationäre Behandlung des Long-Covid-Syndroms möglich, jedoch keine Rehabilitation. Der Aufenthalt dauert ca. zehn Behandlungstage. Für die stationäre Aufnahme reicht eine „normale“ Krankenhauseinweisung durch den Hausarzt oder Facharzt mit der Diagnose Long-Covid-Syndrom. Nach der stationären Aufnahme sichten unsere Ärzte zuerst die Vorbefunde und leiten falls nötig weitere Diagnoseverfahren ein. Dann wird entschieden, ob eine spezifische Therapie nötig ist und es wird ein individueller Behandlungsplan mit den passenden Therapiebausteinen zur Linderung der Long-Covid-Symptome erstellt. Dabei hat die Komplementärmedizin eine ganze Reihe an Therapiemaßnahmen zu bieten.
Unser ganzheitlicher Therapieansatz stellt die Betroffenen als einzelne Individuen in den Mittelpunkt der Behandlung. Dieser individuelle Behandlungsansatz erfasst dabei sowohl die körperlichen wie auch die geistig-seelischen Symptome. Unsere bisherigen Erfahrungen im KfN haben uns gezeigt, dass es möglich ist, beim Long-Covid-Syndrom durch die naturheilkundlichen Komplexbehandlung eine gute Verbesserung der Symptome zu erzielen. Ähnliche Erfahrungen haben wir auch beim chronischen Fatigue-Syndrom gemacht, wobei diese Erkrankung dem Long-Covid Syndrom in Ursache und Erscheinung sehr ähnlich ist. Die naturheilkundlichen Komplexbehandlung bietet beim Long-Covid-Syndrom eine Reihe von unterstützenden Behandlungsmöglichkeiten: Bei der naturheilkundlichen Komplexbehandlung werden verschiedene Verfahren aus der Naturheilkunde kombiniert und in hoher Therapiedichte angewendet. Durch die Kombination bewährter Therapiemaßnahmen aus der Naturheilkunde entstehen Synergieeffekte, die durch Einzelmaßnahmen so nicht zu erzielen sind. Die einzelnen naturheilkundlichen Maßnahmen werden individuell und zielgerichtet auf die Symptome und die körperlichen Ressourcen jeder/jedes Einzelnen abgestimmt. Sie wirken therapieunterstützend und können dazu beitragen, die chronische Erschöpfung zu lindern, die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit zu steigern, Atembeschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Damit eröffnen sich neue Behandlungswege für eine langfristige Besserung der Beschwerden. Zusätzlich zum direkten Effekt der Therapien profitieren unsere Patienten auch durch Schulung und Information zur Lebensstilveränderung. Es ist uns ein Anliegen, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten.
Atemtherapie
Die Atemtherapie bei Long-Covid wird im KfN häufig eingesetzt. Gerade bei Kurzatmigkeit und Atemnot sind aktive Atemübungen sowie die reflektorische Atemtherapie für Long-Covid-Patienten sehr hilfreich. Das Zwerchfell als „Motor“ der Atmung kann durch gezielte Übungen gestärkt und die Atemtechnik verbessert werden.
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Pacing: Energiemanagement bei Long Covid
Auch das sogenannte „Pacing“ gilt als eine sehr wirkungsvolle Methode, um den eigenen Energiehaushalt bei starken Erschöpfungszuständen besser zu regulieren. In Ermangelung von Therapien, die nicht nur die Symptome lindern, sondern auch die Ursache des Post-COVID-Syndroms und ME/CFS beheben, empfiehlt Dr. Bellmann-Strobl den Patient:innen vor allem, ihre Energiereserven durch das sogenannte Pacing gut einzuteilen und eine Überlastung zu vermeiden. Hilfsmittel können beispielsweise Schrittzähler, Herzfrequenzmesser, ein Aktivitätstagebuch und Entspannungsübungen sein. „Durch das Pacing lässt sich die Postexertionelle Malaise, eine Verschlechterung des Zustands, verhindern. Je besser Betroffene das Pacing beherrschen, desto weniger Beschwerden haben sie durch ihre Erkrankung. Dabei sollte man sich sehr vorsichtig an die Belastungsgrenzen herantasten; eine professionelle Anleitung kann dabei helfen, eine Überanstrengung zu vermeiden.“
Physiotherapie und dosierte Bewegung
Viele Betroffene profitieren von dosierter Bewegung: also kleinen, planbaren Bewegungseinheiten, die sich fordernd, aber nicht überfordernd anfühlen. Entscheidend ist, die Belastung langsam zu steigern und auf Körpersignale zu achten. Komplette Ruhe über längere Zeiträume führt meist zu weiterer Muskelabnahme und Schwächung. Physiotherapie kann - nach ärztlicher Verordnung - dazu beitragen, deine Belastbarkeit Schritt für Schritt zu steigern, Muskelkraft aufzubauen und Beweglichkeit zu verbessern. Durch angeleitete Übungen, Dosierungsstrategien und manuelle Techniken kann sie helfen, besser mit Muskelschmerzen umzugehen und deinen Alltag wieder aktiver zu gestalten. Hier kann eine gezielte Dosierung der Belastung helfen. In der Physiotherapie wird häufig mit stufenweisen Belastungsplänen gearbeitet.
Phasen der Belastungssteigerung in der Physiotherapie:
- Phase 1 (ca. Woche 1-2): Sanfte Aktivierung: leichte Mobilisationsübungen (z. B. kurze Bewegungsintervalle im Alltag (z. B. am besten kurz notieren, wie du dich während und nach der Belastung fühlst (z. B.
- Phase 2 (ca. Woche 3-4): Moderate Belastung: Subjektive Belastung z. B.
- **Phase 3 (ab ca. alltagsnahe Übungen (z. B.
Wichtig: Dieses Schema ist nur ein Orientierungsrahmen und kein starrer Plan. Statt einmal in der Woche „alles zu geben“, sind bei Muskelschmerzen nach Corona oft kleine, regelmäßige Bewegungseinheiten sinnvoll.
Weitere physiotherapeutische Maßnahmen:
- individuell angepasste Krankengymnastik, z. B.
- Anleitung zu Heimübungen und Alltagstipps (z. B.
Ernährung
Ernährung ersetzt keine medizinische Behandlung, kann aber ein Baustein sein. Eine eiweißreiche Ernährung unterstützt den Muskelaufbau, ausreichend Flüssigkeit ist ebenfalls wichtig. Einige Menschen berichten, dass eine ausreichende Versorgung mit z. B.
Verlauf und Dauer von Muskelschmerzen nach Long Covid
Die Dauer kann sehr unterschiedlich sein. Manche Menschen berichten, dass die Beschwerden nach einigen Wochen deutlich nachlassen, bei anderen können Muskelschmerzen über mehrere Monate anhalten. Faktoren wie Vorerkrankungen, Belastungsniveau und Umgang mit Aktivität/Erholung spielen eine Rolle. Häufig sind Muskelschmerzen nach Corona Ausdruck von Entzündungsreaktionen, Dekonditionierung und Fehlspannungen und damit unangenehm, aber nicht automatisch gefährlich. Dennoch sollten sie ernst genommen werden - insbesondere, wenn starke Schmerzen, Muskelschwäche, Fieber, Atemnot oder andere Warnzeichen (siehe Red Flags) hinzukommen.
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