Bauchschmerzen sind ein weit verbreitetes Symptom, das viele verschiedene Ursachen haben kann. In diesem Artikel werden wir uns auf Muskelschmerzen im Bauch konzentrieren, ihre Ursachen und die Rolle der Nerven bei der Schmerzentstehung.
Einführung
Bauchschmerzen sind ein häufiges Leiden, das von vielen verschiedenen Faktoren verursacht werden kann. Während einige Ursachen harmlos sind, können andere ein Zeichen für ein ernsteres Problem sein. Es ist wichtig, die Ursache Ihrer Bauchschmerzen zu identifizieren, um die richtige Behandlung zu erhalten. In diesem Artikel werden wir uns auf Muskelschmerzen im Bauch konzentrieren, ihre Ursachen und die Rolle der Nerven bei der Schmerzentstehung.
Anatomie der Bauchwand
Die Bauchwand besteht aus Haut, Muskeln, Sehnenplatten (Faszie), Fettgewebe und dem Bauchfell, das die Bauchhöhle von vorne und seitlich begrenzt. Bei Schmerzen im Bauch können all diese Strukturen betroffen sein. Schmerzen, die sich beim Anspannen der Bauchmuskeln verschlimmern, weisen meist auf ein Problem in der Bauchwand hin.
Ursachen von Muskelschmerzen im Bauch
Verschiedene Ursachen können das Zerren, Reißen oder Überlasten der Bauchmuskulatur verursachen. Häufig tritt der Muskelkater nach dem Training der Bauchmuskeln auf, zum Beispiel nach dem Ausführen von Sit-ups. Auch plötzliche Drehbewegungen des Körpers können zu langanhaltenden Bauchschmerzen führen. Wenn jemand ausrutscht und das Gleichgewicht verliert, spannen sich die Bauchmuskeln reflexartig an.
Einige spezifische Ursachen für Muskelschmerzen im Bauch sind:
Lesen Sie auch: Essentielle Nährstoffe für starke Muskeln und gesunde Nerven
- Muskelkater: Muskelkater tritt häufig nach ungewohnter oder intensiver körperlicher Aktivität auf, insbesondere nach Übungen, die die Bauchmuskeln beanspruchen.
- Muskelzerrung: Eine Muskelzerrung entsteht, wenn die Muskelfasern überdehnt oder gerissen werden. Dies kann durch plötzliche Bewegungen, Überanstrengung oder Traumata verursacht werden.
- Bauchwandhernie: Manchmal gibt es einen Vorfall des Bauchfells durch eine schwache Stelle oder Öffnung in der Bauchwand. Dies nennt man eine Bauchwandhernie oder Hernia abdominalis.
- Nervenkompression: Schädigungen der Nerven in der Bauchwand können Bauchschmerzen verursachen. Ein Beispiel hierfür ist das "abdominal cutaneous nerve entrapment syndrome" (ACNES), das insbesondere bei Frauen mit Übergewicht vorkommt.
- Fehlhaltungen und muskulär-fasziale Spannungen: Eine zu hohe muskulär-fasziale Spannung, oft durch Fehlhaltungen im Alltag, zu viel Sitzen und fehlenden Ausgleich, kann zu Bauchschmerzen führen.
Die Rolle der Nerven bei Bauchschmerzen
Schmerz entsteht, wenn Schmerzrezeptoren an den Organen Entzündung, Überdehnung oder verringerte Durchblutung der Organe oder bei Verschluss oder Verstopfung beispielsweise der Gallengänge oder Harnwege wahrnehmen und ein Signal weiterleiten, das über Nervenbahnen zunächst zum Rückenmark und dann an das Gehirn weitergegeben wird. In der Hirnrinde wird das Schmerzsignal verarbeitet. Dadurch entsteht eine Schmerzempfindung.
Häufig findet im Rückenmark auch eine Erregungsübertragung auf Hautnerven statt, die zu demselben Körpersegment gehören wie das betroffene Organ. Dadurch entsteht eine Schmerzempfindung in den entsprechenden Hautzonen (Head-Zonen). Dieser wird als übertragener beziehungsweise projizierter Schmerz bezeichnet. Es ist auch möglich, dass Schmerzen auch andere Körperregionen betreffen. Beispielsweise strahlt eine Gallenkolik in die rechte Schulter aus, eine Nierenkolik in die Leisten- und Genitalgegend und Bauchspeicheldrüsenerkrankungen in den Rücken.
Neben dem zentralen Nervensystem spielt auch das enterische Nervensystem, auch als Bauchhirn oder Zweites Gehirn bezeichnet, eine wichtige Rolle bei Bauchschmerzen. Neueste Forschungen zeigen, dass seelische Vorgänge und das Verdauungssystem über das Bauchhirn eng verknüpft sind. Auch kleinere Nervengeflechte, wie das Sonnengeflecht (Solar plexus), beeinflussen bestimmte Funktionen der inneren Organe, beispielsweise die Anspannung oder Erschlaffung der Magen- und Darmmuskeln. Bestimmte Lebenssituationen können also „auf den Magen schlagen" oder „Bauchweh verursachen".
Diagnose von Muskelschmerzen im Bauch
Der Arzt oder Physiotherapeut versucht mit einem Gespräch und einer körperlichen Untersuchung herauszufinden, was die Beschwerden sind und woher sie kommen. Es ist nicht immer einfach, einen Unterschied zwischen Beschwerden der Bauchwand oder der Bauchorgane zu machen. Bei Beschwerden der Bauchwand oder Bauchmuskeln treten im Allgemeinen keine Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Fieber, eine veränderte Stuhlgang oder Schmerz, der von der Nahrung abhängt, auf. Sollte dies der Fall sein, könnte der Schmerz aus der Bauchhöhle und nicht aus der Bauchwand stammen.
Ein positives Carnett-Zeichen (Verschlimmerung der Schmerzen bei Palpation mit angespannter Bauchmuskulatur) kann auf chronischen Bauchwandschmerz hinweisen. Auch eine Triggerpunkt-Injektion mit einem Lokalanästhetikum kann helfen, den Verdacht abzuklären.
Lesen Sie auch: Symptome und Diagnose von Muskelbedingter Nervenkompression
Differenzialdiagnose
Es ist wichtig, andere Ursachen für Bauchschmerzen auszuschließen, bevor die Diagnose Muskelschmerzen im Bauch gestellt wird. Einige andere mögliche Ursachen für Bauchschmerzen sind:
- Erkrankungen der inneren Organe: Erkrankungen der inneren Organe lösen häufig Schmerzen aus. Schmerz entsteht bei Entzündung, Überdehnung oder verringerter Durchblutung der Organe oder bei Verschluss oder Verstopfung beispielsweise der Gallengänge oder Harnwege.
- Gefäßstörungen: Hierzu gehören das MALS (median arcuate ligament syndrome), die CMI (chronische mesenteriale Ischämie) und die SMVT (subakute Mesenterialvenenthrombose).
- Allergische Ursachen: Patientinnen und Patienten mit rezidivierenden Bauchschmerzen sollten immer auch nach Allergien in der (Familien-)Anamnese gefragt werden.
- Akute hepatische Porphyrie (AHP): Hier führt ein vererbter genetischer Defekt zur Störung der Häm-Biosynthese.
- Familiäres Mittelmeerfieber (FMF): Auch dahinter steckt ein Gendefekt, der im Gegensatz zur AHP bei Männern häufiger vorkommt.
Behandlung von Muskelschmerzen im Bauch
Die Behandlung von Muskelschmerzen im Bauch hängt von der Ursache der Schmerzen ab. Muskelkater nach Krafttraining der Bauchmuskeln verschwindet in der Regel innerhalb weniger Tage. Bei chronischen Bauchwandschmerzen können bei leichten Schmerzen Lidocainpflaster helfen, bei stärkeren Schmerzen eine Injektion mit Lidocain oder einem Glukokortikoid.
Weitere Behandlungsmöglichkeiten sind:
- Ruhe: Vermeiden Sie Aktivitäten, die die Schmerzen verschlimmern.
- Wärme: Tragen Sie eine Wärmflasche oder ein warmes Bad auf den Bauch auf.
- Dehnübungen: Dehnübungen können helfen, die Muskeln zu entspannen und die Schmerzen zu lindern.
- Physiotherapie: Ein Physiotherapeut kann Ihnen helfen, Übungen zu entwickeln, die die Bauchmuskeln stärken und die Flexibilität verbessern.
- Schmerzmittel: Bei Bedarf können Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen eingenommen werden.
- Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie Yoga oder autogenes Training können helfen, Stress abzubauen und die Schmerzen zu lindern.
- Osteopressur: Gezieltes Drücken von Punkten an der Knochenhaut kann helfen, hohe muskulär-fasziale Spannungen in der Körpervorderseite zu bekämpfen.
Vorbeugung von Muskelschmerzen im Bauch
Es gibt einige Dinge, die Sie tun können, um Muskelschmerzen im Bauch vorzubeugen:
- Regelmäßiges Training: Regelmäßiges Training kann helfen, die Bauchmuskeln zu stärken und die Flexibilität zu verbessern.
- Richtige Körperhaltung: Achten Sie auf eine gute Körperhaltung, um Fehlhaltungen und muskulär-fasziale Spannungen zu vermeiden.
- Vermeiden Sie Überanstrengung: Vermeiden Sie Aktivitäten, die die Bauchmuskeln überlasten könnten.
- Dehnen Sie sich regelmäßig: Dehnen Sie sich regelmäßig, um die Muskeln zu entspannen und die Flexibilität zu verbessern.
- Stressmanagement: Finden Sie gesunde Wege, um Stress abzubauen, da Stress Bauchschmerzen verursachen kann.
Lesen Sie auch: Biolectra Magnesium Nerven und Muskeln Vital im Test: Lohnt sich der Kauf?