Migräne: Ursachen, Formen und Behandlungsmöglichkeiten

Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, die durch starke, anfallsartige Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Diese Schmerzen werden oft als pulsierend, hämmernd oder bohrend beschrieben und können von Übelkeit, Erbrechen und Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet sein. Die Dauer einer Migräneattacke liegt meist zwischen vier und 72 Stunden.

Was ist Migräne?

Per Definition ist Migräne eine nicht ansteckende Krankheit mit sehr starken Kopfschmerzen. Diese Schmerzen treten in Anfällen (Attacken) auf. Meist betreffen die Schmerzen nur eine Seite des Kopfes oder den Hinterkopf. Betroffene beschreiben sie als pulsierend, hämmernd oder bohrend. Bei körperlicher Anstrengung verstärken sie sich. Oft werden die Migränekopfschmerzen von weiteren Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen oder Sehstörungen begleitet.

Im Akutfall beeinträchtigen die Beschwerden die Betroffenen in ihrem Alltag erheblich, besonders bei schweren Migräne-Anfällen. Die Dauer einer einzelnen Attacke beträgt zwischen vier und 72 Stunden. Sie kann sich - ebenso wie die Intensität der Beschwerden - von Attacke zu Attacke unterscheiden. Auch die Häufigkeit der Migräne-Anfälle und die zeitlichen Abstände dazwischen können variieren.

Je nach dem Grad der Ausprägung ist die Migräne durchaus einschränkend. In manchen Fällen ist es sogar möglich, wegen Migräne einen Antrag auf Behinderung zu stellen. Das ist allerdings von der individuellen Stärke und Beeinträchtigung im Alltag durch die Migräne abhängig. Nicht bei allen Betroffenen stellt die Migräne eine Behinderung dar.

Manche Patientinnen und Patienten leiden unter Migräne, die nachts auftritt. Dann beeinträchtigt die Migräne zusätzlich den Schlaf und verursacht Müdigkeit am nächsten Tag. Ob die Migräne tagsüber oder nachts auftritt, ändert nichts an der Behandlung oder Prophylaxe.

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Migräne stellt nach dem Spannungskopfschmerz die zweithäufigste Form von Kopfschmerzen dar. Weltweit leiden jeden Tag knapp 16 Prozent aller Menschen unter Kopfschmerzen, und vor allem die Häufigkeit von Migräne scheint immer weiter zuzunehmen. In Deutschland ist Migräne sogar die häufigste neurologische Erkrankung. In Deutschland leiden über acht Millionen Menschen an Migräne - damit ist sie eine der häufigsten Schmerzerkrankungen. Die Kopfschmerz-Attacken werden oft von weiteren Symptomen wie Übelkeit begleitet. Oftmals sind die Beschwerden so stark, dass die Betroffenen keiner Tätigkeit mehr nachgehen können - ob Arbeit, Kinder oder Termine, alles bleibt liegen.

Ursachen der Migräne

Die genauen Ursachen der Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch vermutet, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und verschiedenen Auslösern (Triggern) eine Rolle spielt.

Genetische Veranlagung

Migräne ist vererbbar, was bedeutet, dass das Risiko, an Migräne zu erkranken, erhöht ist, wenn Familienmitglieder ebenfalls betroffen sind. Nach Expertenmeinung liegt Migräne eine polygenetische Veranlagung zugrunde: Veränderungen (Mutationen) in mehreren Genen erhöhen das Migränerisiko. Manche dieser Gene sind an der Regulierung der neurologischen Schaltungen im Gehirn beteiligt. Andere Genveränderungen werden mit oxidativem Stress in Verbindung gebracht. Dabei handelt es sich um eine erhöhte Konzentration von aggressiven, zellschädigenden Sauerstoffverbindungen. Über welche biologischen Mechanismen diese Genmutationen genau eine Migräne begünstigen, ist bislang aber noch nicht geklärt.

Auslöser (Trigger)

Verschiedene innere oder äußere Faktoren können bei entsprechender genetischer Veranlagung eine Migräne-Attacke auslösen. Welche Faktoren im Einzelfall einen Anfall „triggern“, ist individuell verschieden. Einige Beispiele:

  • Stress: Ein häufiger Auslöser ist Stress im privaten oder beruflichen Umfeld.
  • Veränderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus: Betroffen sind oft Menschen, die im Schichtdienst arbeiten oder einen wechselnden Schlaf-Wach-Rhythmus haben. Wechselnder Schlaf-Wach-Rhythmus (z.B. zu viel oder zu wenig Schlaf).
  • Reizüberflutung: Wenn das Gehirn zu viele Eindrücke gleichzeitig verarbeiten muss, entsteht ebenfalls Stress.
  • Wetter/Wetterwechsel: Es gibt kein bestimmtes „Migräne-Wetter“, das Attacken verursacht. Viele Betroffene reagieren empfindlich auf schwülwarme Gewitterluft, starken Sturm, Föhnwetter oder sehr helles Licht an einem wolkenlosen Tag. Bei manchen wiederum löst Kälte Migräne-Attacken aus. Warum das so ist, konnte man noch nicht klären. Wetter- und Höhenveränderungen (Föhn, Kälte etc.).
  • Bestimmte Nahrungsmittel: Bei einigen Produkten wie Bananen oder bestimmten Käsesorten hat man Tyramin im Verdacht. Das ist ein Abbauprodukt von Eiweißbausteinen (Aminosäuren), das unter anderem die Ausschüttung des Botenstoffes Noradrenalin anregt. Dieser wirkt stark gefäßverengend - auch lokal im Gehirn. Dies könnte der Grund für eine Migräne-Attacke nach dem Genuss von tyraminhaltigen Lebensmitteln sein. Bestimmte Nahrungsmittel - z.B. Schokolade, Käse, Zitrusfrüchte, Alkohol (Rotwein!).
  • Unregelmäßige Mahlzeiten: Achten Sie darauf, regelmäßig zu essen. Häufig setzen Migräne-Anfälle ein, wenn man zu wenig gegessen hat (Unterzuckerung). Unregelmäßigkeiten im Tagesablauf - Unterzuckerung/Hungerzustand (z.B. aufgrund des Auslassens von Mahlzeiten).
  • Hormonelle Veränderungen: Geschlechtshormone haben einen starken Einfluss auf Migräne. So sind im Kindesalter Mädchen und Jungen noch etwa gleich häufig betroffen. Mit der Pubertät verschiebt sich das Verhältnis: Frauen leiden deutlich häufiger an Migräne als Männer. Vielfach steht die Migräne in Zusammenhang mit der Menstruation. So löst der Abfall des Östrogenspiegels vor der Regelblutung bei manchen Frauen eine Migräne-Attacke aus. Darüber hinaus können hormonelle Verhütungsmittel („Pille“) ebenfalls Migräne verursachen. Deshalb heißt diese Form auch „hormonelle Migräne“. Hormonveränderungen, z.B. während des Zyklus (Eisprung oder Menstruation) bzw. aufgrund der Einnahme von Hormonpräparaten (z.B. Anti-Baby-Pille, bei Beschwerden der Wechseljahre oder zur Osteoporose-Vorsorge).
  • Äußere Reize: Äußere Reize wie (Flacker)Licht, Lärm oder Gerüche.
  • Starke Emotionen: Starke Emotionen, z.B. ausgeprägte Freude, tiefe Trauer, heftige Schreckreaktion, Angst.
  • Verqualmte Räume Verqualmte Räume.
  • Medikamente: evtl. Medikamente z.B.

Jeder Migräne-Patient kann durch Selbstbeobachtung und konsequente Führung eines Kopfschmerz-Tagebuchs/Kalenders seine verschiedenen, persönlichen Auslöser ermitteln:

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Formen der Migräne

Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (International Headache Society, IHS) unterscheidet verschiedene Arten von Migräne. Dazu gehören:

  1. Migräne ohne Aura, mit drei Unterformen:

    • Rein menstruelle Migräne ohne Aura
    • Menstruationsassoziierte Migräne ohne Aura
    • Nicht-menstruelle Migräne ohne Aura
  2. Migräne mit Aura, mit verschiedenen Unterformen:

    • Migräne mit typischer Aura (Unterformen: Typische Aura mit Kopfschmerzen, typische Aura ohne Kopfschmerzen)
    • Migräne mit Hirnstammaura (früher: basiläre Migräne)
    • Hemiplegische Migräne
    • Retinale Migräne
    • Rein menstruelle Migräne mit Aura
    • Menstruationsassoziierte Migräne mit Aura
    • Nicht-menstruelle Migräne mit Aura
  3. Chronische Migräne

  4. Migränekomplikationen, zum Beispiel:

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    • Status migraenosus
    • Migränöser Infarkt
    • Epileptischer Anfall, durch Aura getriggert
  5. Wahrscheinliche Migräne mit oder ohne Aura

  6. Episodische Syndrome, die mit einer Migräne einhergehen können, zum Beispiel:

    • Wiederkehrende Magen-Darm-Störungen (z. B. abdominelle Migräne)
    • Vestibuläre Migräne
  7. Stille Migräne

Die Hauptformen sind Migräne ohne Aura und Migräne mit Aura. Betroffene müssen nicht immer an der gleichen Form von Migräne leiden. Haben sie beispielsweise häufig Migräne-Attacken mit Aura, kann trotzdem einmal Migräne ohne die typischen Symptome einer Aura entstehen.

Migräne ohne Aura

Die Migräne ohne Aura ist die häufigste Form von Migräne. Typisch sind anfallsartig auftretende, einseitige, pulsierende Kopfschmerzen von mittlerer bis starker Intensität. Sie verstärken sich durch körperliche Routineaktivitäten (z. B. Gehen, Treppensteigen) und halten vier (bei Kindern und Jugendlichen zwei) bis 72 Stunden an. Begleitet werden sie von Übelkeit und/oder Licht- und Lärmempfindlichkeit.

Migräne ohne Aura bei menstruierenden Frauen

Bei manchen Frauen treten Migräne-Attacken im Zusammenhang mit der Menstruation auf. Das erlaubt die Unterscheidung von Unterformen der Erkrankung. Bei allen Formen sind die oben genannten Kriterien der „Migräne ohne Aura“ erfüllt, aber zusätzlich gilt:

  • Rein menstruelle Migräne ohne Aura: Die Migräne-Attacken treten ausschließlich zwei Tage vor bis drei Tage nach dem Einsetzen der Regelblutung auf, und zwar in mindestens zwei von drei Menstruationszyklen. Der restliche Zyklus ist stets migränefrei.
  • Menstruationsassoziierte Migräne ohne Aura: Auch hier treten die Migräne-Attacken in mindestens zwei von drei Zyklen im Zeitfenster zwei Tage vor bis zwei Tage nach Menstruationsbeginn auf - zusätzlich kann die Migräne aber auch zu einem anderen Zeitpunkt im Zyklus auftreten.

Migräne-Attacken, die während der Menstruation auftreten, sind im Allgemeinen von längerer Dauer und von stärkerer Übelkeit begleitet als Attacken ohne zeitlichen Bezug zur Regelblutung.

Bei menstruierenden Frauen mit Migräne-Attacken, welche die Kriterien der „Migräne ohne Aura“ erfüllen, aber weder die Kriterien der rein menstruellen noch der menstruationsassoziierten Migräne ohne Aura, spricht man auch von nicht-menstrueller Migräne ohne Aura.

Experten und Expertinnen sind sich noch nicht einig darüber, ob es sich bei „rein menstrueller Migräne ohne Aura“, „menstruationsassoziierter Migräne ohne Aura“ und „nicht-menstrueller Migräne ohne Aura“ tatsächlich um separate Migräneformen handelt oder nicht.

Migräne mit Aura

Die Migräne mit Aura ist seltener als die Migräne ohne Aura. Die Aura bezeichnet neurologische Symptome, die der Kopfschmerzphase vorausgehen oder zusammen mit dieser auftreten können.

Die Symptome der Aura setzen schleichend ein und zeigen sich auf einer Kopfseite. Sie können Lichtblitze, Flimmern, Sehen von gezackten Linien, Gesichtsfeldausfall, Sprachstörungen, Missempfindungen, unvollständige Lähmungen und Schwindel umfassen. Sie sind vorübergehend und verursachen keine bleibenden Schäden.

Ein CT oder MRT kann helfen, eine Migräne mit Aura von einem Schlaganfall zu unterscheiden. Motorische Symptome und Netzhautsymptome fehlen dagegen.

Symptome der Hirnstammaura können sein:

  • Sprechstörung (Dysarthrie)
  • Schwindel (keine Benommenheit!)
  • Ohrgeräusche (Tinnitus)
  • Hörminderung
  • Doppelbilder (kein Verschwommensehen!)
  • Störung der Bewegungskoordination (Ataxie)
  • Bewusstseinsstörung

Die Migräne mit Hirnstammaura wurde früher basiläre Migräne, Basilarismigräne, Migräne vom Basilaristyp oder Basilararterienmigräne genannt. Hintergrund war die Annahme, dass hier die Basilararterie (eine wichtige Hirnarterie) an der Entstehung der Attacken beteiligt ist. Das gilt mittlerweile aber als unwahrscheinlich, weshalb man heute den Begriff „Migräne mit Hirnstammaura“ bevorzugt.

Hemiplegische Migräne

Ebenfalls eine Form von „Migräne mit Aura“ ist die hemiplegische Migräne (auch „komplizierte Migräne“ genannt). Charakteristisch ist hier eine motorische Schwäche. Zusätzlich treten Symptome im Bereich des Sehens, der Sensibilität und/oder der Sprache bzw. des Sprechens auf.

Die motorische Schwäche bei einer hemiplegischen Migräne-Attacke bildet sich meist vor Ablauf von 72 Stunden vollständig zurück. Manchmal kann sie aber auch wochenlang bestehen bleiben.

Der Begriff „Hemiplegie“ bezeichnet eigentlich die vollständige Lähmung einer Körperhälfte. Bei den meisten Attacken einer hemiplegischen Migräne tritt aber keine solche Lähmung, sondern nur eine motorische Schwäche auf.

Unterformen

Eine sporadische hemiplegische Migräne (SHM) liegt bei Patientinnen und Patienten vor, bei denen kein Verwandter ersten oder zweiten Grades (z. B. Mutter, Kind, Großvater, Bruder) ebenfalls unter dieser Migräneform leidet.

Wenn dagegen mindestens zwei Verwandte ersten oder zweiten Grades Migräne-Auren mit motorischer Schwäche aufweisen, diagnostizieren Ärzte eine familiäre hemiplegische Migräne (FHM). Migräne mit Fieber ist eine seltene Form der FMH-Attacke. Normalerweise tritt Fieber bei Migräne nicht unbedingt auf.

Selten treten während einer FHM-Attacke noch andere Symptome als die bekannten auf: Bewusstseinsstörungen (bis hin zum Koma), Verwirrung und eine erhöhte Zellzahl in der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Liquorpleozytose). Zudem kommt es in etwa der Hälfte aller Familien mit FHM unabhängig von den Migräne-Attacken zu einer chronischen progressiven zerebellären Ataxie (chronische fortschreitende Störung der Bewegungskoordination), deren Ursache im Kleinhirn liegt.

Retinale Migräne

Die retinale Migräne (Netzhautmigräne) ist selten. Sie ist gekennzeichnet durch wiederholte Anfälle von einseitigen Sehstörungen wie Flimmern vor den Augen, Gesichtsfeldausfall (Skotom) oder - ganz selten - vorübergehender Blindheit. Zusätzlich ist bei dieser Migräne der Augen mindestens eines der folgenden drei Kriterien erfüllt:

  • Die Symptome entwickeln sich allmählich über fünf oder mehr Minuten hinweg.
  • Sie halten fünf Minuten bis eine Stunde lang an.
  • Begleitend oder innerhalb von 60 Minuten treten auch Migränekopfschmerzen auf.

Die retinale Migräne ist nicht zwangsläufig mit Migränekopfschmerzen verbunden - es können auch nur die beschriebenen Sehstörungen auftreten.

Chronische Migräne

Wer an mindestens 15 Tagen pro Monat, und das über mehr als drei Monate hinweg, an Kopfschmerzen leidet, die an mindestens acht Tagen die Kriterien von Migränekopfschmerzen erfüllen, ist von chronischer Migräne betroffen. Sie kann sich aus einer Migräne ohne Aura und/oder einer Migräne mit Aura entwickeln.

Gemeint sind hier migräneartige und spannungstypartige Kopfschmerzen, aber nicht sekundäre Kopfschmerzen - also nicht solche, die auf eine andere Erkrankung oder äußere Einflüsse zurückzuführen sind (z. B. Kopfverletzung, Infektion wie Grippe, Bluthochdruck, Verspannungen, Alkohol bzw. Alkoholentzug).

Migräne und Begleiterkrankungen (Komorbiditäten)

Migräne kommt nicht immer allein. Tatsächlich können viele Patienten weitere Erkrankungen, in der Fachsprache Komorbiditäten genannt, entwickeln. Zum einen haben Menschen mit Migräne ein erhöhtes Risiko für psychische Störungen wie für Depressionen, generalisierte Angststörungen oder bipolare Störungen. Zum anderen steht Migräne schwach mit Epilepsie in Verbindung. Aber auch physische Leiden können mit Migräne zusammenhängen.

Migräne und Depressionen

Studien haben gezeigt, dass für Migräne-Patienten ein erhöhtes Risiko für Depressionen besteht, besonders für Frauen mit einer Migräne mit Aura. Die psychische Erkrankung äußerst sich durch eine Vielzahl an Beschwerden. Körperliche Symptome wie Schlafstörungen, Appetitlosigkeit oder Kopf- und Bauschmerzen gehören ebenfalls zu den Anzeichen einer Depression. Circa fünf Prozent der Deutschen sind von der Erkrankung betroffen.

Der Zusammenhang zwischen Migräne und Depressionen kann unter anderem durch Stoffwechselveränderungen im Gehirn erklärt werden. Bei beiden Erkrankungen scheinen Ungleichgewichte bestimmter Botenstoffe im Gehirn vorzuliegen. Einer davon ist Serotonin. Dieser Neurotransmitter ist an der Schmerzwahrnehmung beteiligt und bei Menschen mit Depressionen und Migräne oft aus der Balance geraten.

Bei der Behandlung von Migräne und Depression in Kombination versucht der Arzt zunächst herauszufinden, welche Erkrankung zuerst da war. Denn dieser sollte idealerweise auch der Schwerpunkt in der Therapie zukommen. Wenn Patienten beispielsweise eine Depression haben und deshalb Kopfschmerzen entwickeln, steht zunächst die Depression im Mittelpunkt der Behandlung. Umgekehrt kann es sein, das Betroffene aufgrund der ständigen Angst und des Leidendrucks durch Migräne in eine Depression fallen.

Neben Medikamenten gehören weitere Bausteine zur Behandlung.

Migräne und Angststörungen

Generalisierte Angststörungen und Migräne können sich gegenseitig bedingen - Migräne-Patienten haben ein vierfach erhöhtes Risiko für eine generalisierte Angst. Vor allem wenn Menschen unter chronischer Migräne leiden, besteht die Gefahr, dass sie Ängste vor der nächsten Attacke entwickeln. Diese können so ausgeprägt sein, dass sich allein aufgrund derer die Kopfschmerzen entwickeln.

Bestehen starke Emotionen wie Angst, triggern sie häufig Migräne. Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft beschreibt Kopfschmerzen, die aufgrund einer Angststörung entstehen, gar als eigene Erkrankung. Diese treten per Definition immer während Angstphasen auf.

Auch bei Angststörungen besteht wahrscheinlich ein Ungleichgewicht bestimmter Neurotransmitter wie Serotonin, ähnlich wie bei Migräne. Gute Verbesserungen bei der Behandlung zeigt die kognitive Verhaltenstherapie. Diese Methode der Psychotherapie kann ebenso bei Migräne hilfreich sein. Zusätzlich verschreiben Mediziner in manchen Fällen Medikamente, meist Antidepressiva. Hier sollte auf Wechselwirkungen mit möglichen Medikamenten gegen Migräne geachtet werden.

Migräne und Reizdarm

Immer mehr Studien zeigen, dass auch ein Reizdarmsyndrom womöglich mit Migräne in Verbindung steht. Ob ein Reizdarm eine Begleiterkrankung von Migräne ist oder andersherum, lässt sich nicht eindeutig bestimmen. Aber beide Erkrankungen weisen zahlreiche Parallelen auf, wie beispielsweise mögliche Trigger, das Fehlen von organischen Ursachen oder ein periodisches Auftreten. Laut einer Studie besteht für Menschen mit Migräne ein 1,95-fach erhöhtes Risiko, das Reizdarmsyndrom zu entwickeln. Wie bei Migräne steht zudem Serotonin in Verdacht, bei Reizdarmsyndrom eine Schlüsselrolle zu spielen. Eventuell besteht auch hier ein Zusammenhang.

Letztlich müssen weitere Untersuchungen zeigen, ob sich die Hinweise auf eine Assoziation von Reizdarm und Migräne erhärtet und sich daraus resultierend neue Empfehlungen für Therapien der beiden Krankheiten ergeben.

Migräne und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Migräne ist mit einem erhöhten Risiko für Erkrankungen des Herzens und der Blutgefäße verbunden, einschließlich Herzinfarkt, Schlaganfall, Blutgerinnsel und einer unregelmäßigen Herzfrequenz. Der Zusammenhang zwischen Migräne, vor allem Migräne mit Aura, und Schlaganfällen ist schon lange etabliert. Laut einer aktuellen Auswertung der Nurses' Health Study II haben junge Frauen, die an Migräne leiden, längerfristig ein um 50 Prozent höheres Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse als Frauen ohne Migräne. Das Team untersuchte Langzeitdaten von über 115.000 Menschen, darunter knapp 18.000 Migränepatienten. "Unsere Auswertung legt nahe, dass Migräne als ein wichtiger Risikomarker für Herz-Kreislauf-Erkrankungen betrachtet werden muss, insbesondere bei Frauen", erklärt der Studenleiter, Prof. Tobias Kurth vom Institut für Publice Health der Charité. Denn die Auswertung zeigte: Auch das Herzinfarktrisiko war deutlich erhöht bei Migränepatientinnen - nämlich um fast 40 Prozent. Und: In dieser Studie konnte nachgewiesen werden, dass die höheren Risiken für kardiovaskuläre Erkrankungen, die Herzinfarkt und Schlaganfall bedingen, sogar unabhängig von der Frage war, ob der Migränepatient vor den Anfällen eine Aura sieht oder nicht.

Diagnose

Für die richtige Diagnose einer Migräne sollten Sie auf jeden Fall Kontakt mit einem Facharzt aufnehmen. Während der Untersuchung fragt der Arzt nach den Symptomen, der Schwere und Häufigkeit der Attacken, sowie nach begleitenden Symptomen und Ihrem Medikamentenkonsum. Aufbauend auf dem Gespräch mit dem Patienten und einer klinischen und neurologischen Untersuchung kann der Arzt dann eine potenzielle Migräne Diagnose stellen. Häufig werden Patienten im Rahmen der Migräne-Diagnostik gebeten ein Migräne-Tagebuch über einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen zu führen. Die Dokumentation Ihrer Migräne-Symptome kann dazu beitragen, mögliche Auslöser zu erkennen und in der Folge zu vermeiden. Nutzen Sie unsere Dokumentationshilfe , um Schmerzdauer, Schmerzintensität und mögliche psychische, körperliche oder ernährungsbedingte Ursachen zu erkennen. Dies hilft herauszufinden, wie Sie Ihrer Migräne bestmöglich vorbeugen können.

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