Der Brustkorb, auch Thorax genannt, ist ein komplexes anatomisches Gebilde, das eine entscheidende Rolle für Atmung, Schutz lebenswichtiger Organe und die Stabilität des Oberkörpers spielt. Er besteht aus einem knöchernen Gerüst, Muskeln, Nerven, Blutgefäßen und Lymphknoten, die alle in enger Beziehung zueinander stehen.
Überblick über den Brustkorb
Der Brustkorb ist der obere Teil des Rumpfes, der sich zwischen Hals und Bauchraum befindet. Er wird von der Brustwirbelsäule, dem Brustbein und den Rippen gebildet und schützt lebenswichtige Organe wie Lunge, Herz, Speiseröhre und Luftröhre. Das Zwerchfell bildet die untere Grenze des Brustkorbs und trennt ihn vom Bauchraum.
Knöcherne Struktur des Brustkorbs
Die knöcherne Struktur des Brustkorbs besteht aus:
- Brustwirbelsäule: Zwölf Brustwirbel (Thorakalwirbel), an denen die Rippen verankert sind.
- Rippen: Zwölf Rippenpaare, die von der Brustwirbelsäule zum Brustbein verlaufen. Die ersten sieben Rippen sind direkt über Knorpel mit dem Brustbein verbunden (echte Rippen), die Rippen acht bis zehn sind über einen gemeinsamen Knorpel verbunden, und die letzten beiden Rippen enden frei (falsche Rippen).
- Brustbein: Ein platter Knochen in der vorderen Mitte des Thorax, an dem die Rippen ansetzen.
Muskeln der Brustwand
Die Muskeln der Brustwand lassen sich in intrinsische und extrinsische Muskeln unterteilen:
- Intrinsische Muskeln: Diese Muskeln setzen nur am Brustkorb an und sind hauptsächlich für die Atmung verantwortlich. Dazu gehören die Zwischenrippenmuskeln (Mm. intercostales interni, externi und intimi), die die Rippen bewegen und so die Brusthöhle erweitern oder verkleinern. Weitere intrinsische Muskeln sind der Musculus transversus thoracis und der Musculus subcostalis.
- Extrinsische Muskeln: Diese Muskeln setzen sowohl am Brustkorb als auch an anderen knöchernen Strukturen an und unterstützen die Atmung und die Bewegung der Schultern und Arme. Dazu gehören der Musculus pectoralis major, der Musculus pectoralis minor, der Musculus serratus anterior und der Musculus subclavius.
Der Musculus Pectoralis Major (Großer Brustmuskel)
Der Musculus pectoralis major ist ein großer, flächiger Muskel, der vorne oben am Brustkorb liegt. Er besteht aus drei Anteilen:
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- Pars clavicularis (Schlüsselbeinteil): Entspringt am Schlüsselbein.
- Pars sternocostalis (Brustbein-Rippen-Teil): Entspringt am Brustbein und den Rippenknorpeln der 1. bis 6. oder 7. Rippe.
- Pars abdominalis (Bauchteil): Entspringt an der Aponeurose des Musculus obliquus externus abdominis (äußerer schräger Bauchmuskel).
Alle drei Anteile setzen an der Crista tuberculi majoris des Humerus (Oberarmknochen) an.
Funktionen:
- Adduktion (Heranführen) und Innenrotation des Oberarms
- Anteversion (Heben des Arms nach vorne)
- Unterstützung der Atemfunktion (Heben des Brustkorbs bei Inspiration)
Der Musculus Pectoralis Minor (Kleiner Brustmuskel)
Der Musculus pectoralis minor liegt unterhalb des Musculus pectoralis major und entspringt an der 3. bis 5. Rippe. Er setzt am Processus coracoideus (Rabenschnabelfortsatz) des Schulterblatts an.
Funktionen:
- Zieht das Schulterblatt nach vorne und unten
- Unterstützt die Inspiration (Heben der Rippen)
Der Musculus Serratus Anterior (Vorderer Sägemuskel)
Der Musculus serratus anterior entspringt an den ersten neun Rippen und setzt an der Innenseite des Schulterblatts an.
Funktionen:
- Zieht das Schulterblatt nach vorne und stabilisiert es am Brustkorb
- Unterstützt die Außenrotation des Schulterblatts
- Unterstützt die Inspiration (Heben der Rippen)
Der Musculus Subclavius (Unterschlüsselbeinmuskel)
Der Musculus subclavius verläuft unterhalb des Schlüsselbeins von der ersten Rippe zum Schlüsselbein.
Funktionen:
- Zieht das Schlüsselbein nach unten und stabilisiert es im Sternoclaviculargelenk (Brustbein-Schlüsselbein-Gelenk)
- Unterstützt die Inspiration (Heben der ersten Rippe)
Zwischenrippenmuskeln (Mm. intercostales)
Die Zwischenrippenmuskeln füllen die Räume zwischen den Rippen aus und sind für die Bewegung des Brustkorbs während der Atmung verantwortlich. Man unterscheidet drei Schichten:
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- Mm. intercostales externi: Äußere Zwischenrippenmuskeln, die von den Rippen zum Brustbein verlaufen und bei der Inspiration die Rippen anheben.
- Mm. intercostales interni: Innere Zwischenrippenmuskeln, die von den Rippen zur Wirbelsäule verlaufen und bei der Exspiration die Rippen senken.
- Mm. intercostales intimi: Innerste Zwischenrippenmuskeln, die einen ähnlichen Verlauf wie die Mm. intercostales interni haben und ebenfalls bei der Exspiration helfen.
Nerven der Brustwand
Die Nerven der Brustwand stammen hauptsächlich aus den Spinalnerven des Brustbereichs (Thorakalnerven). Jeder Thorakalnerv teilt sich in einen vorderen und einen hinteren Ast auf:
- Ramus ventralis (vorderer Ast): Wird zum Interkostalnerv und verläuft zwischen den Rippen zusammen mit den Interkostalarterien und -venen. Er versorgt die Zwischenrippenmuskeln, die Haut und das Brustfell (Pleura).
- Ramus dorsalis (hinterer Ast): Versorgt die Rückenmuskulatur und die Haut des Rückens.
Interkostalneuralgie
Eine Interkostalneuralgie ist ein Schmerzsyndrom, das durch eine Reizung oder Schädigung der Interkostalnerven verursacht wird. Die Schmerzen können stechend, brennend oder dumpf sein und sich entlang der Rippen ausbreiten. Sie können durch Bewegung, Atmung, Husten oder Druck auf den Brustkorb verstärkt werden.
Ursachen:
- Mechanische Schädigung der Interkostalnerven (z.B. Rippenbruch, Operationen am Brustkorb)
- Neurologische Erkrankungen (z.B. Gürtelrose)
- Muskelverspannungen im Brust- und Rückenbereich
- Tumore im Bereich des Brustkorbs
- Erkrankungen der Leber oder des Herzens
- In vielen Fällen ist die Ursache unklar (idiopathisch)
Diagnose:
- Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte)
- Körperliche Untersuchung (Abtasten des Brustkorbs, Prüfung der Sensibilität)
- Neurologische Untersuchung
- Bildgebende Verfahren (Röntgen, MRT, CT) zur Abklärung anderer Ursachen
Therapie:
- Schmerzmittel
- Physiotherapie (Dehnung, Kräftigung, Mobilisierung)
- Entspannungstechniken
- Injektionen mit Lokalanästhetika oder Kortikosteroiden
- Behandlung der Grunderkrankung
Blutversorgung der Brustwand
Die arterielle Versorgung der Brustwand erfolgt hauptsächlich durch die Aorta thoracica (Brustschlagader) und die Arteria subclavia (Unterschlüsselbeinarterie):
- Aorta thoracica: Gibt die Aa. intercostales posteriores (hintere Zwischenrippenarterien) ab, die in den Interkostalräumen verlaufen und die Muskeln, die Haut und die Knochen der Brustwand versorgen.
- Arteria subclavia: Gibt die A. thoracica interna (innere Brustwandarterie) ab, die entlang des Brustbeins verläuft und die vorderen Anteile der Brustwand versorgt. Sie gibt auch die A. intercostales anteriores (vordere Zwischenrippenarterien) ab, die mit den Aa. intercostales posteriores anastomosieren (sich verbinden).
Die venöse Drainage der Brustwand erfolgt über die Venae intercostales (Zwischenrippenvenen), die in die Vena azygos (unpaare Vene) und die Vena hemiazygos (halbunpaare Vene) münden. Diese Venen drainieren das Blut in die Vena cava superior (obere Hohlvene).
Lymphknoten der Brustwand
Die Lymphknoten der Brustwand lassen sich in wandständige und organbezogene Lymphknoten unterteilen:
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- Wandständige Lymphknoten: Liegen entlang der Blutgefäße und Nerven der Brustwand und drainieren die Lymphe aus der Haut, den Muskeln und den Knochen der Brustwand. Dazu gehören die Nodi lymphatici parasternales (parasternalen Lymphknoten), die Nodi lymphatici intercostales (Zwischenrippenlymphknoten) und die Nodi lymphatici phrenici superiores (oberen Zwerchfelllymphknoten).
- Organbezogene Lymphknoten: Liegen in der Nähe der Organe der Brusthöhle und drainieren die Lymphe aus diesen Organen. Dazu gehören die Nodi lymphatici mediastinales anteriores (vorderen Mittelfelllymphknoten), die Nodi lymphatici mediastinales posteriores (hinteren Mittelfelllymphknoten) und die Nodi lymphatici tracheobronchiales (Luftröhren-Bronchiallymphknoten).
Die Brust (Mamma)
Die Brust ist eine Hautdrüse, die sich bei Frauen und Männern in der vorderen Brustwand befindet. Sie besteht aus Drüsengewebe (Lobuli glandulae mammariae), Fettgewebe und Bindegewebe. Die Brustwarze (Mamille) liegt in der Mitte der Brust und ist von einem pigmentierten Bereich, dem Warzenhof (Areola), umgeben.
Anatomie:
- Drüsengewebe: Produziert die Milch während der Stillzeit. Es besteht aus mehreren Lappen (Lobi glandulae mammariae), die in Läppchen (Lobuli glandulae mammariae) unterteilt sind. Die Milch wird in den Milchgängen (Ductus lactiferi) gesammelt und zur Brustwarze transportiert.
- Fettgewebe: Umgibt das Drüsengewebe und bestimmt die Größe und Form der Brust.
- Bindegewebe: Stützt das Drüsengewebe und das Fettgewebe und verleiht der Brust ihre Festigkeit. Die Ligamenta suspensoria mammaria (Cooper-Ligamente) verbinden die Haut mit dem tieferen Bindegewebe und tragen zur Formgebung der Brust bei.
- Blutversorgung: Erfolgt hauptsächlich durch die A. thoracica interna und die Aa. intercostales.
- Venöse Drainage: Erfolgt über die Vv. thoracica interna und die Vv. intercostales.
- Lymphdrainage: Ist wichtig für die Abwehr von Infektionen und die Metastasierung von Tumoren. Die Lymphe fließt hauptsächlich zu den Nodi lymphatici axillares (Achsellymphknoten), aber auch zu den Nodi lymphatici parasternales und den Nodi lymphatici supraclaviculares (Schlüsselbeinlymphknoten).
- Innervation: Erfolgt durch die Nn. intercostales.
Klinische Bedeutung
Die Anatomie der Muskeln und Nerven im Brustkorb ist wichtig für das Verständnis verschiedener klinischer Zustände, wie z.B.:
- Interkostalneuralgie: Nervenschmerzen im Bereich der Rippen, die durch Reizung oder Schädigung der Interkostalnerven verursacht werden.
- Brustwandsyndrom: Schmerzen im Brustbereich, die durch Muskelverspannungen, Fehlhaltungen oder Verletzungen verursacht werden.
- Rippenfrakturen: Brüche der Rippen, die durch Traumata oder Erkrankungen wie Osteoporose verursacht werden können.
- Zwerchfellhernien: Verlagerung von Organen durch eine Lücke im Zwerchfell.
- Tietze-Syndrom: Schmerzhafte Schwellung der Knorpelverbindungen zwischen Rippen und Brustbein.
- Tumore im Brustbereich: Können Schmerzen, Atembeschwerden oder andere Symptome verursachen.
- Erkrankungen der Brust: Können Schmerzen, Knoten oder andere Veränderungen verursachen.