Chronisch erhöhter Muskeltonus: Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze

Ein chronisch erhöhter Muskeltonus, auch bekannt als Hypertonie, ist ein Zustand, bei dem die Muskeln über einen längeren Zeitraum oder sogar ständig angespannt sind. Dies kann zu einer Vielzahl von Beschwerden führen, darunter Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und eine allgemeine Beeinträchtigung der Lebensqualität. Die Ursachen für einen chronisch erhöhten Muskeltonus sind vielfältig und reichen von Stress und psychischen Belastungen bis hin zu neurologischen Erkrankungen.

Ursachen eines chronisch erhöhten Muskeltonus

Die Ursachen für einen chronisch erhöhten Muskeltonus können in verschiedene Kategorien eingeteilt werden:

Psychische Ursachen

Psychische Faktoren spielen eine wesentliche Rolle bei der Entstehung von Muskelverspannungen und einem chronisch erhöhten Muskeltonus. Stress, Angst und Depressionen können dazu führen, dass sich die Muskeln anspannen und diese Anspannung über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten wird.

  • Stress: Sobald ein Mensch Stress empfindet, sendet das Gehirn Informationen an die Muskulatur, die sich daraufhin anspannt. Bleibt die Stresssituation länger bestehen, bleibt auch die muskuläre Anspannung bestehen. Fehlender Stressabbau kann somit zu Muskelverspannungen führen.
  • Psychische Verspannungen: Psychische Verspannungen können sich oft nur in Form von Schmerzen ausdrücken. Unachtsamkeit, bei der man an mehrere Dinge gleichzeitig denkt und diese tut, kann ebenfalls zu psychischen Verspannungen führen.
  • Depressionen: Leiden Menschen unter Depressionen, können sich diese auch in körperlichen Symptomen, wie zum Beispiel Rückenschmerzen, zeigen. Umgekehrt können dauerhafte Rückenschmerzen auch zu einer Depression führen. Es ist wichtig, sowohl die psychischen Ursachen als auch die körperlichen Beschwerden zu behandeln.

Physische Ursachen

Neben psychischen Faktoren können auch physische Ursachen zu einem chronisch erhöhten Muskeltonus führen. Dazu gehören:

  • Fehlhaltungen und Bewegungsmangel: Eine ungünstige Körperhaltung oder einseitige Belastung, beispielsweise durch langes Sitzen am Schreibtisch, kann zu muskulären Dysbalancen und Verspannungen führen. Bewegungsmangel verstärkt diesen Effekt, da die Muskeln nicht ausreichend trainiert und gedehnt werden.
  • Abnutzungsprozesse: Mit zunehmendem Alter setzen Abnutzungsprozesse ein, die alle Abschnitte der Wirbelsäule betreffen können. Auch das führt zu Schmerzen im Rücken.
  • Bandscheibenveränderungen: Die Veränderungen der Bandscheiben in gradueller Abstufung zum Bandscheibenvorfall stellen eine weitere Ursache für Rückenschmerzen dar.
  • Muskuläre Dysbalancen: Durch die muskulären Dysbalancen können sich Folgeprobleme wie Fehlhaltungen und Haltungsschäden manifestieren. Diese wiederum führen zu weiteren Verspannungen und haben die Tendenz, chronisch zu werden.
  • Atem- oder Gleichgewichtsprobleme: Die Ursache von Verspannungen und einem chronisch erhöhten Muskeltonus in bestimmten Bereichen sind häufig Atem- oder Gleichgewichtsprobleme.

Neurologische Ursachen

In einigen Fällen kann ein chronisch erhöhter Muskeltonus auch auf neurologische Erkrankungen zurückzuführen sein. Dazu gehören:

Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei erhöhtem Muskeltonus

  • Spastik: Spastik ist eine krankhafte Erhöhung der Muskelspannung, die durch eine Schädigung des zentralen Nervensystems (ZNS) verursacht wird. Die überaktive Muskulatur führt zu dauerhaften Fehlstellungen von Bewegungsabschnitten, somit Bewegungseinschränkungen - so genannten spastischen Lähmungen. Ursachen für eine Spastik können beispielsweise ein Schlaganfall oder ein Schädel-Hirn-Trauma sein. Auch chronische neurologische Störungen können früher oder später zu spastischen Lähmungen führen.
  • Stiff-Person-Syndrom (SPS): Das SPS ist eine seltene Autoimmunerkrankung, die durch eine erhöhte Spannung der Muskulatur mit Muskelverhärtungen und Steifigkeitsgefühl gekennzeichnet ist, insbesondere im Bereich der rumpfnahen Muskulatur. Oft treten auch einschießende Muskelkrämpfe auf, die häufig durch bestimmte Reize (z.B. Berührung, Geräusche, Schreck) ausgelöst bzw. verstärkt werden.

Weitere Ursachen

  • Magnesiummangel: Ein Magnesiummangel kann sich in Muskelkrämpfen und -verspannungen äußern. Magnesium ist an vielen Prozessen im Körper beteiligt und trägt unter anderem zu einer normalen Muskelfunktion bei.
  • Schmerzinduzierte Dopaminveränderungen: Schmerzhafte Reize werden durch den mesolimbischen Dopamin-Kreislauf kodiert. Chronische Schmerzen verringern das tonische Dopamin.

Symptome eines chronisch erhöhten Muskeltonus

Die Symptome eines chronisch erhöhten Muskeltonus können vielfältig sein und je nach Ursache und betroffenen Muskelgruppen variieren. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Schmerzen: Dumpfe oder ziehende Schmerzen in den betroffenen Muskeln, die in andere Muskelgruppen oder Körperteile ausstrahlen können.
  • Muskelverhärtungen: Verhärtete und verspannte Muskeln, die sich unangenehm anfühlen und druckempfindlich sein können.
  • Bewegungseinschränkungen: Eingeschränkte Beweglichkeit der betroffenen Körperteile, die zu Schwierigkeiten bei alltäglichen Aktivitäten führen können.
  • Fehlhaltungen: Eine Schonhaltung oder Fehlhaltung, die eingenommen wird, um Schmerzen zu vermeiden, kann die Verspannungen verstärken und zu weiteren Problemen führen.
  • Müdigkeit und Erschöpfung: Chronische Muskelverspannungen können zu Müdigkeit und Erschöpfung führen, da der Körper ständig Energie aufwenden muss, um die Muskeln anzuspannen.
  • Kopfschmerzen und Nackenschmerzen: Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich können zu Kopfschmerzen und Nackenschmerzen führen.
  • Rückenschmerzen: Muskelverspannungen sind eine häufige Ursache für Rückenschmerzen.
  • Gangstörungen: Beim Stiff-Person-Syndrom können Gangstörungen mit Blockaden und Stürzen verursacht werden.

Diagnose eines chronisch erhöhten Muskeltonus

Die Diagnose eines chronisch erhöhten Muskeltonus umfasst in der Regel eine gründliche Anamnese, eine körperliche Untersuchung und gegebenenfalls weitere diagnostische Maßnahmen.

  • Anamnese: Der Arzt wird nach den Beschwerden, der Krankheitsgeschichte und möglichen Risikofaktoren fragen.
  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt wird die Muskeln abtasten, um Verhärtungen und Verspannungen festzustellen. Er wird auch die Beweglichkeit der betroffenen Körperteile überprüfen und nach Fehlhaltungen suchen.
  • Neurologische Untersuchung: Bei Verdacht auf eine neurologische Ursache kann eine neurologische Untersuchung durchgeführt werden, um die Funktion des Nervensystems zu überprüfen.
  • Elektromyographie (EMG): Bei Verdacht auf das Stiff-Person-Syndrom kann eine Elektromyographie durchgeführt werden, um die elektrische Aktivität der Muskeln zu messen.
  • Blutuntersuchungen: Bei Verdacht auf das Stiff-Person-Syndrom können Blutuntersuchungen durchgeführt werden, um bestimmte Antikörper nachzuweisen. Ein Bluttest kann auch einen Magnesiummangel feststellen.
  • Bildgebende Verfahren: In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahmen oder Magnetresonanztomographie (MRT) erforderlich sein, um andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen.

Behandlung eines chronisch erhöhten Muskeltonus

Die Behandlung eines chronisch erhöhten Muskeltonus richtet sich nach der Ursache und den individuellen Beschwerden des Patienten. Ziel der Behandlung ist es, die Muskelspannung zu reduzieren, Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit zu verbessern.

Konservative Behandlungsmethoden

  • Physiotherapie: Physiotherapie ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von Muskelverspannungen und einem chronisch erhöhten Muskeltonus. Durch gezielte Übungen können die Muskeln gedehnt und gekräftigt werden, um muskuläre Dysbalancen auszugleichen und die Beweglichkeit zu verbessern.
  • Wärmeanwendungen: Wärmeanwendungen wie warme Bäder, Wärmepflaster oder Rotlichtbestrahlung können die Durchblutung fördern und die Muskeln entspannen.
  • Massagen: Massagen können die Muskeln lockern und Verspannungen lösen.
  • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie Progressive Muskelrelaxation, Autogenes Training, Yoga oder Meditation können helfen, Stress abzubauen und die Muskelspannung zu reduzieren.
  • Bewegung und Sport: Regelmäßige Bewegung und Sport sind wichtig, um die Muskeln zu trainieren und zu dehnen. Besonders geeignet sind rückenfreundliche Sportarten wie Schwimmen, Wassergymnastik, Yoga, Pilates oder Nordic Walking.
  • Ergonomische Maßnahmen: Ergonomische Maßnahmen am Arbeitsplatz und im Alltag können helfen, Fehlhaltungen und einseitige Belastungen zu vermeiden.
  • Achtsamkeit: Änderungen im Tagesablauf sind ebenfalls ratsam: Betroffene sollten langsamer und achtsamer mit Entspannungspausen umgehen.

Medikamentöse Behandlung

  • Schmerzmittel: Bei akuten Schmerzen können Schmerzmittel wie Ibuprofen, Diclofenac oder Paracetamol eingesetzt werden.
  • Muskelrelaxanzien: Bei starken oder chronischen Verspannungen können Muskelrelaxanzien eingesetzt werden, um den Muskeltonus zu senken.
  • Schmerzsalben: Schmerzsalben mit einem Arzneimittelwirkstoff können direkt auf die schmerzende Stelle aufgetragen werden, um Schmerzen zu lindern und Entzündungen zu hemmen.
  • Magnesium: Bei nachgewiesenem Magnesiummangel kann die Einnahme von Magnesiumpräparaten sinnvoll sein.
  • Immuntherapie: Beim Stiff-Person-Syndrom können Medikamente eingesetzt werden, die das Immunsystem bremsen, wie Kortisonpräparate oder Immunglobuline.

Weitere Behandlungsmethoden

  • Psychotherapie: Bei psychischen Ursachen für den chronisch erhöhten Muskeltonus kann eine Psychotherapie hilfreich sein, um Stress abzubauen und negative Gedankenmuster zu verändern.
  • Akupunktur: Akupunktur kann in einigen Fällen helfen, Schmerzen zu lindern und die Muskelspannung zu reduzieren.
  • Biofeedback: Biofeedback ist eine Methode, bei der Patienten lernen, ihre Körperfunktionen bewusst wahrzunehmen und zu beeinflussen. Dies kann helfen, die Muskelspannung zu reduzieren.

Spezielle Behandlungsansätze bei Spastik

Die Behandlung der Spastik zielt darauf ab, die Muskelspannung zu reduzieren, Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit zu verbessern. Zu den Behandlungsmöglichkeiten gehören:

  • Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Dehnung und Kräftigung der betroffenen Muskeln.
  • Medikamentöse Therapie: Muskelrelaxanzien wie Baclofen oder Tizanidin, Botulinumtoxin-Injektionen zur gezielten Entspannung einzelner Muskeln.
  • Orthopädische Hilfsmittel: Orthesen oder Schienen zur Unterstützung der Gelenke und Korrektur von Fehlstellungen.
  • Chirurgische Eingriffe: In schweren Fällen können operative Eingriffe erforderlich sein, um Sehnen zu verlängern oder Gelenke zu stabilisieren.

Prävention eines chronisch erhöhten Muskeltonus

Um einem chronisch erhöhten Muskeltonus vorzubeugen, können folgende Maßnahmen ergriffen werden:

Lesen Sie auch: Triggerpunkte im Detail

  • Stressmanagement: Erlernen von Stressbewältigungstechniken wie Entspannungsübungen, Yoga oder Meditation.
  • Regelmäßige Bewegung: Ausüben von Sportarten, die die Muskeln stärken und dehnen, wie Schwimmen, Radfahren oder Walking.
  • Ergonomischer Arbeitsplatz: Gestaltung des Arbeitsplatzes nach ergonomischen Prinzipien, um Fehlhaltungen zu vermeiden.
  • Gesunde Ernährung: Ausgewogene Ernährung mit ausreichend Magnesium und anderen wichtigen Nährstoffen.
  • Achtsamkeit: Bewusstes Wahrnehmen des eigenen Körpers und der eigenen Bedürfnisse, um Verspannungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Lesen Sie auch: Ursachen für Nerven Brummen

tags: #muskeltonus #chronisch #erhoht #nerven #zerstoren