Muskelzucken nach Migräne: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die nicht nur durch Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Viele Betroffene erleben auch Begleiterscheinungen wie Muskelzucken. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Muskelzucken nach Migräne und gibt einen Überblick über Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten.

Was ist Muskelzucken?

Muskelzucken, auch als Faszikulationen bezeichnet, sind unwillkürliche, plötzliche Kontraktionen der Muskulatur. Es kann mehr oder weniger heftig ausfallen und beinahe alle Muskeln des Körpers betreffen. Besonders oft zucken Muskeln in den Extremitäten und im Gesicht (z. B. Augenlid).

Muskelzucken: Gefährlich oder harmlos?

Für gewöhnlich ist Muskelzucken harmlos und nur ein Symptom von Mineralienmangel, Stress, zu viel Koffein, zu wenig Schlaf oder es handelt sich um sogenannte Einschlafzuckungen. Mediziner sprechen bei solchen Muskelzuckungen vom gutartigen (benignen) Faszikulationssyndrom. Sehr viel seltener verursachen ernsthafte Erkrankungen das Muskelzucken. Ein Anzeichen dafür kann sein, wenn das Zucken vermehrt auftritt. Beispielsweise beobachtet man bei Parkinson-Patienten typischerweise ein Muskelzittern in Ruhe (Ruhe-Tremor). Auch Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus können sich über Muskelzucken äußern - ebenso wie die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). In solchen Fällen sind die Muskelzuckungen beziehungsweise die dahinterstehenden Erkrankungen als gefährlich oder zumindest als ernstzunehmend einzustufen.

Migräne: Mehr als nur Kopfschmerzen

Migräne ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen und betrifft Millionen von Menschen weltweit. Die intensive und oft lähmende Kopfschmerzattacke kann das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen. Viele Betroffene berichten jedoch nicht nur von Schmerzen im Kopf, sondern auch von Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich. Dieser Erkrankung liegt wahrscheinlich eine genetische Komponente zugrunde. Wissenschaftler haben auch Verbindungen zu anderen Erkrankungen aufgedeckt.

Die Phasen einer Migräneattacke

Eine Migräne ohne Aura durchläuft drei Phasen, während eine Migräne mit Aura vier Phasen beinhaltet:

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  1. Die Vorboten- oder auch Prodromalphase: In dieser Phase können Migräne Anzeichen, wie intensives Gähnen, Stimmungsschwankungen oder Heißhunger der Attacke vorausgehen.
  2. Die Migräne Aura: Diese Phase tritt nur bei Migräne mit Aura auf und kann sich durch Seh- oder Sprachstörungen, Schwindel oder auch Fehlwahrnehmungen wie dem Alice im Wunderland Syndrom zeigen.
  3. Die Schmerzphase: In dieser Phase erleben Betroffene einen meist einseitigen, mittelstarken bis starken Kopfschmerz, der als pulsierend, pochend oder stechend beschrieben und typischerweise bei Bewegung verstärkt wird. Auch weitere Symptome wie Übelkeit, Erbrechen oder auch Licht-, Geräusch- oder Geruchsempfindlichkeit im Sinne einer Hochsensibilität können hier auftreten.
  4. Die Rückbildungs- oder Postdromalphase: In dieser Zeit lässt der Anfall und die Schmerzen nach und Symptome wie Erschöpfung, Reizbarkeit oder auch vermehrte Energie können sich zeigen. Man spricht von Migräne Nachwirkungen oder umgangssprachlich von einem Migräne-Kater.

Im Fachjargon werden die drei Haupt-Phasen präiktal, iktal und postiktal genannt. Dabei kommt Iktal aus dem lateinisch von ictus = Schlag und bedeutet so viel wie „während eines Anfalls“ oder „im Anfall“. „Prä“ bedeutet entsprechend vor dem Anfall und „post“ nach dem Anfall. Zwischen der letzten- und ersten Phase spricht man dann von interiktal (inter = zwischen), welches die Kopfschmerz- und symptomfreie Zeit beschreibt. Die genauen Übergange sind dabei noch nicht komplett verstanden bzw. klar definiert.

Migräne und Muskelverspannungen

Viele Migränepatienten berichten nicht nur von Schmerzen im Kopf, sondern auch von Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich. Die Verbindung zwischen Migräne und Muskelverspannungen ist komplex, aber unverkennbar. Verspannte Muskeln, besonders im Nacken- und oberen Rücken, sind oft die Folge von Stress, schlechter Körperhaltung oder langem Sitzen am Schreibtisch. Diese Verspannungen können Nerven und Blutgefäße beeinträchtigen, die eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Migräne spielen. Durch die Muskelanspannung werden Durchblutung und Sauerstoffversorgung gestört, was den Druck auf umliegende Nerven erhöht - ein möglicher Auslöser für Migräneanfälle.

Mögliche Ursachen für Muskelzucken nach Migräne

Die genauen Ursachen für Muskelzucken nach Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch verschiedene Theorien und mögliche Zusammenhänge:

  • Elektrolytstörungen: Migräneattacken können mit Elektrolytverschiebungen einhergehen, insbesondere mit einem Mangel an Magnesium, Kalium oder Kalzium. Diese Mineralstoffe sind wichtig für die normale Funktion von Muskeln und Nerven. Ein Mangel kann zu Muskelzuckungen führen.
  • Neurotransmitter-Ungleichgewicht: Migräne ist mit Veränderungen im Neurotransmitter-Haushalt verbunden, insbesondere mit Serotonin. Diese Veränderungen können die Erregbarkeit von Nervenzellen beeinflussen und Muskelzuckungen auslösen.
  • Muskelverspannungen: Wie bereits erwähnt, treten bei vielen Migränepatienten Muskelverspannungen im Nacken- und Schulterbereich auf. Diese Verspannungen können sich auf andere Muskelgruppen ausweiten und zu Zuckungen führen.
  • Medikamente: Einige Medikamente, die zur Behandlung von Migräne eingesetzt werden, können als Nebenwirkung Muskelzuckungen verursachen. Dazu gehören beispielsweise Triptane und einige Antidepressiva.
  • Postdromale Phase: In der Rückbildungsphase einer Migräneattacke, auch als Postdromalphase bezeichnet, können verschiedene Symptome auftreten, darunter auch Muskelzuckungen. Diese Phase wird oft als "Migräne-Kater" bezeichnet und kann bis zu 24 Stunden oder länger andauern.

Wann ist ein Arztbesuch notwendig?

Tritt das Muskelzucken häufiger auf, sollten Sie sich von einem Arzt medizinisch untersuchen lassen, um eine behandlungsbedürftige Erkrankung auszuschließen. Auch bei heftigen Myoklonien, also heftigem Muskelzucken, die eventuell mit schmerzhaften Krämpfen einhergehen, ist ein Arztbesuch unabdingbar. Da hinter Zuckungen der Muskulatur sehr häufig Erkrankungen der Nerven stecken, ist ein Neurologe der richtige Ansprechpartner.

Untersuchungen und Diagnose

Der erste Schritt ist ein ausführliches Gespräch zwischen Ihnen und dem Arzt zur Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese). Dabei fragt Sie der Mediziner zum Beispiel, wann, wie oft, wo und unter welchen Umständen das Muskelzucken bei Ihnen auftritt und ob Sie weitere Beschwerden haben (z.B. schmerzhafte Muskelkrämpfe, Fieber etc.). Wichtig sind auch Informationen über mögliche Auslöser der Zuckungen wie eine Verletzung oder eine kürzliche Untersuchung der Nerven. Sagen Sie Ihrem Arzt zudem, ob und welche Medikamente Sie einnehmen und ob bei Ihnen irgendwelche Vorerkrankungen bekannt sind (z.B. Epilepsie oder Diabetes).

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Im Anschluss folgen eine körperliche und neurologische Untersuchung. Bei letzerer prüft der Arzt die Nerven- und Muskelfunktion sowie die Reflexe. Dabei können folgende Methoden zur Anwendung kommen:

  • Elektroneurografie (ENG): Hierbei wird über Elektroden die Nervenleitungsgeschwindigkeit gemessen.
  • Elektromyografie (EMG): Bei dieser Untersuchung prüft der Arzt mittels Elektroden die elektrische Aktivität im Muskel.
  • Elektroenzephalografie (EEG): Dabei wird die elektrische Aktivität des Gehirns untersucht, ebenfalls über Elektroden.

Je nach Befund beziehungsweise nach vermuteter Ursache für das Muskelzucken können weitere Untersuchungen sinnvoll sein:

  • Blut- und Urinuntersuchungen
  • Orthopädische Untersuchungen
  • Bildgebende Verfahren wie Röntgen, Computertomografie (CT), Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie, MRT)
  • Entnahme von Muskelgewebe (Biopsie) für eine genauere Untersuchung im Labor
  • Entnahme von Nervenwasser (Liquorpunktion) für eine genauere Untersuchung im Labor
  • L-Dopa-Test (bei Verdacht auf Parkinson)
  • Blutgefäßuntersuchung (Angiografie)
  • Allergietests
  • Psychologische oder psychiatrische Untersuchungen

Was tun gegen Muskelzucken nach Migräne?

Die Behandlung von Muskelzucken nach Migräne zielt in erster Linie darauf ab, die Grunderkrankung (Migräne) zu behandeln und die auslösenden Faktoren zu minimieren. Hier sind einige Maßnahmen, die helfen können:

  • Migräneprophylaxe: Bei häufigen Migräneattacken können vorbeugende Maßnahmen wie regelmäßiger Sport, Entspannungsübungen oder Medikamente sinnvoll sein.
  • Akutbehandlung der Migräne: Zur Linderung akuter Migräne-Anfälle werden Schmerzmittel wie Ibuprofen, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure sowie migränespezifische Medikamente wie Triptane eingesetzt. Gegen Übelkeit helfen zum Beispiel Metoclopramid und Domperidon.
  • Elektrolytausgleich: Bei Verdacht auf Elektrolytmangel kann eine entsprechende Supplementierung sinnvoll sein. Sprechen Sie dies jedoch unbedingt mit Ihrem Arzt ab.
  • Stressmanagement: Stress ist ein häufiger Auslöser von Migräne und Muskelverspannungen. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen.
  • Physiotherapie: Moderne Physiotherapie bietet eine Vielzahl von Ansätzen, um verspannte Muskeln zu lockern, die Durchblutung zu verbessern und Migräneattacken vorzubeugen. Dazu gehören manuelle Therapie, Triggerpunktbehandlung, Kräftigungsübungen und Entspannungstechniken.
  • Ergonomischer Arbeitsplatz: Achten Sie auf eine korrekte Körperhaltung und einen ergonomischen Arbeitsplatz, um Verspannungen vorzubeugen.
  • Ausreichend Schlaf: Ein regelmäßiger Schlafrhythmus und ausreichend Schlaf sind wichtig für die Vorbeugung von Migräneattacken und Muskelzuckungen.
  • Vermeidung von Triggern: Identifizieren Sie Ihre persönlichen Migräne-Trigger und vermeiden Sie diese so gut wie möglich.

Was kann ich gegen Migräne Nachwirkungen tun?

Übliche Migräne Medikamente für den Akutfall helfen dir in der Rückbildungsphase leider nicht. Sie können teilweise sogar Nachwirkungen bedingen oder fördern. Deshalb gilt generell Akutmedikation nicht häufiger und länger als nötig zu verwenden, um z.B. einen Medikamentenübergebrauchskopfschmerz (MÜK) zu vermeiden. Um die Symptome der Rückbildungsphase zu verbessern, empfiehlt sich nach derzeitigen Wissenstand folgendes:

  • Viel Ruhe und ausreichend Schlaf bei Migräne Nachwirkungen
  • Stressreduktion und Entspannung mittels Entspannungsübungen (z.B. Meditation)
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr und ausgewogene Mahlzeiten, die deinen Blutzucker niedrig-stabil halten
  • Nachwirkung von Migräne und Sport: Leichte körperliche Aktivitäten (z.B. Stretching, Spazieren gehen und Yoga gegen Kopfschmerzen)
  • Vermeide helles Licht oder laute Geräusche (Stichwort: Hochsensibilität)
  • Finde heraus, was dir gut tut! Einigen Betroffenen kann z.B. auch Koffein gegen Kopfschmerz-Nachwirkungen, Wärme oder Kühlung durch eine Migränemaske helfen

Wichtig ist auf deinen Körper zu hören und ihm etwas Gutes zu tun. Migräne ist nicht „nur“ Kopfschmerz sondern so viel mehr.

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