Manchmal beginnt alles ganz harmlos: ein leichtes Fieber, Müdigkeit oder Kopfschmerzen, wie sie viele Menschen kennen. Doch hinter diesen Anzeichen kann sich eine Erkrankung verbergen, die rasches ärztliches Handeln erfordert. Dieser Artikel gibt einen Einblick in die Zusammenhänge zwischen Myasthenia Gravis und Lichtempfindlichkeit, beleuchtet die Ursachen und bietet Informationen zu Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten.
Einführung in Myasthenia Gravis
Myasthenia Gravis ist eine seltene neurologische Erkrankung, die zu belastender Muskelschwäche führen kann - oft schleichend und mit unspezifischen Symptomen. Die Erkrankung ist durch eine Störung der neuromuskulären Übertragung gekennzeichnet, bei der die Kommunikation zwischen Nerven und Muskeln beeinträchtigt ist. Dies führt zu einer Schwächung der willkürlichen Muskulatur, die sich im Laufe des Tages verstärken und nach Ruhephasen wieder verbessern kann.
Ursachen von Myasthenia Gravis
Myasthenia Gravis ist eine Autoimmunerkrankung. Hier bildet das Immunsystem aufgrund einer Fehlsteuerung Antikörper gegen den Azetylcholin-Rezeptor. Über diese Andockstelle wirkt der Überträgerstoff Azetylcholin im Muskel. Ursächlich spielen auch Tumoren der Thymusdrüse, sogenannte Thymome, eine Rolle. Die Myasthenie kann bei Kindern wie Erwachsenen auftreten, bei Frauen häufiger vor dem 20. Lebensjahr. Die genaue Ursache für diese Autoimmunreaktion ist noch nicht vollständig geklärt, es wird jedoch vermutet, dass genetische Faktoren und Umweltfaktoren eine Rolle spielen können.
Symptome von Myasthenia Gravis
Die Symptome der Myasthenia Gravis können vielfältig sein und variieren von Person zu Person. Häufige Symptome sind:
- Muskelschwäche, die sich bei Aktivität verschlimmert und nach Ruhepausen bessert
- Doppelbilder oder verschwommenes Sehen
- Herabhängende Augenlider (Ptosis), ein- oder beidseitig
- Schwierigkeiten beim Sprechen, Schlucken oder Kauen
- Schwäche in Armen und Beinen
- Chronische Müdigkeit und Erschöpfung
Lichtempfindlichkeit bei Myasthenia Gravis
Ein weiteres, oft übersehenes Symptom der Myasthenia Gravis ist die Lichtempfindlichkeit (Photophobie). Betroffene empfinden helles Licht als unangenehm oder schmerzhaft und reagieren darauf mit:
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- Zusammenkneifen der Augen
- Tränende Augen
- Kopfschmerzen
- Verschwommenes Sehen
Die Lichtempfindlichkeit kann den Alltag der Betroffenen erheblich beeinträchtigen, da sie die Teilnahme an Aktivitäten im Freien oder in hell beleuchteten Räumen erschwert.
Mögliche Ursachen der Lichtempfindlichkeit
Die genauen Mechanismen, die zur Lichtempfindlichkeit bei Myasthenia Gravis führen, sind noch nicht vollständig verstanden. Es gibt jedoch mehrere mögliche Erklärungen:
- Schwäche der Augenmuskeln: Myasthenia Gravis kann die Muskeln schwächen, die für die Steuerung der Pupillenreaktion verantwortlich sind. Eine eingeschränkte Pupillenfunktion kann dazu führen, dass die Augen nicht ausreichend auf Helligkeitsveränderungen reagieren können, was zu Lichtempfindlichkeit führt.
- Trockene Augen: Trockenheit der Augen steigt und steigt, dazu gesellt sich seit einigen Monaten immer stärker werdende Lichtempfindlichkeit.
- Entzündung: Entzündungsprozesse im Körper können die Nerven und Muskeln im Auge beeinträchtigen und so die Lichtempfindlichkeit verstärken.
- Medikamente: Einige Medikamente, die zur Behandlung von Myasthenia Gravis eingesetzt werden, können als Nebenwirkung Lichtempfindlichkeit verursachen.
Diagnose von Myasthenia Gravis und Lichtempfindlichkeit
Die Diagnose von Myasthenia Gravis erfordert eine sorgfältige neurologische Untersuchung. Die Beeinträchtigung durch die Erkrankung ist individuell sehr unterschiedlich. Auch wenn manchmal krisenhafte Muskelschwächen auftreten, was eine intensivmedizinische Behandlung notwendig machen kann, ermöglicht die Therapie den Betroffenen heute eine annähernd normale Lebenserwartung.
Zur Diagnose von Myasthenia Gravis werden in der Regel folgende Untersuchungen durchgeführt:
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht die Muskelkraft und Reflexe des Patienten.
- Neurologische Untersuchung: Der Arzt testet die Funktion der Hirnnerven, die für die Steuerung der Augenbewegung, des Gesichts und des Schluckens verantwortlich sind.
- Edrophonium-Test (Tensilon-Test): Dem Patienten wird ein Medikament namens Edrophonium verabreicht, das die neuromuskuläre Übertragung verbessert. Wenn sich die Muskelschwäche nach der Injektion vorübergehend bessert, deutet dies auf Myasthenia Gravis hin.
- Blutuntersuchungen: Im Blut können Antikörper gegen Acetylcholinrezeptoren oder andere Muskelproteine nachgewiesen werden.
- Elektromyographie (EMG): Bei dieser Untersuchung wird die elektrische Aktivität der Muskeln gemessen.
- Bildgebende Verfahren: Eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) des Brustkorbs kann durchgeführt werden, um eine Thymusdrüsenvergrößerung oder einen Tumor (Thymom) auszuschließen.
Die Diagnose der Lichtempfindlichkeit basiert in der Regel auf der Beschreibung der Symptome durch den Patienten. Der Arzt kann auch eine Augenuntersuchung durchführen, um andere Ursachen für die Lichtempfindlichkeit auszuschließen.
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Behandlung von Myasthenia Gravis und Lichtempfindlichkeit
Die Behandlung der Myasthenia Gravis im Bereich der Augen erfolgt in der Regel medikamentös. Zusätzlich können aber bei hängenden Lidern Hilfsmittel wie etwa ein Lidretraktor an der Brille, ein durchsichtiges Klebeband oder auch eine Raffung des betroffenen Augenlids zu einer verbesserten Sicht führen. Doppelbilder können vorübergehend durch wechselseitiges Abdecken eines Auges bzw. langfristig beispielsweise durch Prismenfolien für Brillengläser behandelt werden. In manchen Fällen kann auch eine Schielkorrekturoperation angezeigt sein.
Die Behandlung von Myasthenia Gravis zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Zu den gängigen Behandlungsoptionen gehören:
- Cholinesterasehemmer: Diese Medikamente erhöhen die Menge an Acetylcholin an den Nerven-Muskel-Verbindungen und verbessern so die Muskelkraft.
- Immunsuppressiva: Diese Medikamente unterdrücken das Immunsystem und reduzieren die Produktion von Antikörpern, die die Acetylcholinrezeptoren angreifen. Zu den häufig verwendeten Immunsuppressiva gehören Kortikosteroide, Azathioprin und Mycophenolatmofetil.
- Thymektomie: Die operative Entfernung der Thymusdrüse kann bei einigen Patienten mit Myasthenia Gravis die Symptome verbessern, insbesondere bei jüngeren Patienten mit einem Thymom.
- Plasmapherese und intravenöse Immunglobuline (IVIG): Diese Behandlungen werden in der Regel bei schweren Myasthenie-Krisen eingesetzt, um die Antikörper aus dem Blut zu entfernen oder das Immunsystem zu modulieren.
Die Behandlung der Lichtempfindlichkeit bei Myasthenia Gravis umfasst in der Regel:
- Vermeidung von hellem Licht: Tragen von Sonnenbrillen im Freien und in hell beleuchteten Räumen.
- Abdunklung von Räumen: Verwenden von Vorhängen oder Jalousien, um das Tageslicht zu reduzieren.
- Verwendung von künstlichen Tränen: Befeuchten der Augen mit Augentropfen, um Trockenheit zu reduzieren.
- Behandlung von Grunderkrankungen: Behandlung von Erkrankungen wie Blepharitis, die zur Lichtempfindlichkeit beitragen können.
Umgang mit Myasthenia Gravis und Lichtempfindlichkeit
Beim Umgang mit deiner Erkrankung solltest du beachten, dass eine übermäßige Belastung die Beschwerden bei Myasthenia gravis verstärken kann. Die Muskelschwäche lässt sich nicht „wegtrainieren“. Regelmäßige Bewegung ist jedoch auch bei Myasthenia gravis sinnvoll. Vor allem, wenn auch weitere Muskeln deines Körpers betroffen sind, solltest du Sportarten wählen, bei denen die Belastungsintensität und -ausdauer einfach dosiert werden können, z. B. einen täglichen Spaziergang. Sprich dazu am besten vorher mit deinem Arzt.
Neben der medizinischen Behandlung gibt es auch einige Maßnahmen, die Betroffene selbst ergreifen können, um mit Myasthenia Gravis und Lichtempfindlichkeit besser umzugehen:
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- Stressmanagement: Stress kann die Symptome der Myasthenia Gravis verschlimmern. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder Atemübungen können helfen, Stress abzubauen.
- Ausreichend Schlaf: Ausreichend Schlaf ist wichtig für die Erholung der Muskeln und die Stärkung des Immunsystems.
- Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann das Immunsystem unterstützen und die allgemeine Gesundheit verbessern.
- Unterstützung suchen: Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen oder Online-Foren kann hilfreich sein, um mit der Erkrankung umzugehen und neue Strategien zu entwickeln.
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