Die Redewendung von den "guten Nerven" ist seit dem 19. Jahrhundert im deutschen Sprachgebrauch verankert und beschreibt Eigenschaften wie Umsichtigkeit, Stressresistenz und Gelassenheit. Theodor Fontane nutzte sie in seiner Beschreibung eines Schifffahrtsdirektors, um dessen Persönlichkeit hervorzuheben: "Alle diese Personen, was sonst auch gegen sie gesagt werden konnte, waren nie Schreiberseelen, setzten vielmehr umgekehrt ihr Vertrauen und ihren Anspruch an's Leben in ihre Persönlichkeit und gingen davon aus, daß sich mit gutem Muth und gesundem Menschenverstand - eine gute staatliche Rückendeckung natürlich vorausgesetzt - alles machen ließe. Fachwissen und Schreiberei, dazu waren die Sekretäre da; Sicherheit des Auftretens, gute Nerven und Frühstücksstimmung, das war das, worauf es ankam".
Die Vielseitigkeit des Begriffs "Nerven"
Der Begriff "Nerven" wird oft bildlich verwendet, um den nervlichen Zustand einer Person zu beschreiben. So können Nerven "aus Stahl" oder "wie Drahtseile" sein, "zum Zerreißen gespannt" sein oder "blank liegen". Der Duden listet zahlreiche adjektivische Verbindungen mit dem Wort "Nerven" auf, darunter nervenaufpeitschend, nervenaufreibend, nervenzerfetzend, -zermürbend und -zerreibend.
Nervenzehrend vs. Nervenzerrend: Ein feiner Unterschied
Während "nervenzehrend" im Duden verzeichnet ist, findet sich "nervenzerrend" dort nicht. Das bedeutet jedoch nicht, dass es das Wort nicht gibt oder dass es falsch ist. Beide Ausdrücke können weitgehend synonym verwendet werden. Allerdings scheint die Wendung "an den Nerven zehren" eher auf Dinge abzuzielen, die einem langsam, schleichend und über einen längeren Zeitraum zusetzen. Der Duden führt als Beispiel an: "der Lärm, die Ungewissheit, die ständigen Aufregungen zehrten an seinen Nerven".
Die Tatsache, dass beide Ausdrücke existieren und verwendet werden, schließt nicht aus, dass sie auch durcheinander gebracht werden können.
Der Wandel der Sprache und der Umgang mit Redewendungen
Es kommt zunehmend vor, dass klassische Redewendungen verballhornt werden, oft durch jüngere Menschen. Dies kann dazu führen, dass Bilder in der Anwendung schief werden oder die beabsichtigte Aussage konterkarieren. Mitunter räumt der Duden nach Jahren allgemeiner falscher Verwendung sogar ein, dass das ehemals Falsche nun ebenso gelten könne wie das schon immer Richtige.
Lesen Sie auch: Verlust in Beziehungen
Um Missverständnisse und Fehlinterpretationen zu vermeiden, empfiehlt es sich, den Duden Bd. 11 "Redewendungen und sprichwörtliche Redensarten" zu konsultieren. Die Verwendung von Redewendungen und Floskeln ist wichtig, da eine Sprache eben nicht nur aus einzelnen Wörtern besteht, so richtig sie auch dekliniert oder konjugiert sein mögen.
Ursachen für sprachliche Veränderungen
Ein Grund für die Veränderung und den Wandel in der Verwendung von Redewendungen könnte in einer gewissen Rechtschreibschwäche bei jüngeren Menschen liegen. So hieß es beispielsweise früher "gezehrt", was sich nun zu "zerrend" gewandelt hat. Es kommt öfters vor, dass ein oft falsch geschriebenes Wort als richtig in die Rechtschreibung eingeht.
"Nerven" im alltäglichen Sprachgebrauch
Das Wort "nerven" findet im alltäglichen Sprachgebrauch häufig Verwendung, oft in saloppem, umgangssprachlichem oder abwertendem Kontext. Beispiele hierfür sind:
- jemand nervt jemanden: jemandem auf die Nerven gehen, lästig werden, jemanden ärgern
- sich an etwas oder jemandem so sehr stören, dass man sich nervlich beeinträchtigt fühlt
- mit Adverbialbestimmung: gewaltig, tierisch, total nerven
- mit Akkusativobjekt: die Anwohner, Nachbarn, Mitmenschen nerven
Auch in den Medien findet sich der Begriff "nerven" häufig, wie Beispiele zeigen: "Die Warterei hat genervt", "das ständige Opfergetue" oder "Standard‑Wartemusik der Anlage zu nerven".
Nerven und Gesundheit
Nicht zuletzt spielen die Nerven auch im Zusammenhang mit der Gesundheit eine Rolle, wie beispielsweise bei Spannungskopfschmerzen.
Lesen Sie auch: Anatomie und Funktion
Lesen Sie auch: Einblick in deutsche Redewendungen