Halsschlagader Untersuchung bei Migräne: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, von der schätzungsweise jeder zehnte Mensch in Deutschland betroffen ist. Die Erkrankung äußert sich durch periodisch auftretende, anfallsartige Kopfschmerzen, die oft von Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet werden. In einigen Fällen können auch Sehstörungen auftreten. Die Untersuchung der Halsschlagader kann im Zusammenhang mit Migräne relevant sein, da Verengungen oder andere Anomalien der Halsschlagader (ACI-Stenose) in seltenen Fällen zu migräneartigen Symptomen führen oder das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen können, insbesondere bei Migränepatienten mit Aura.

Sehstörungen im Zusammenhang mit Migräne

Sehstörungen sind Veränderungen der Sehkraft, die nicht auf eine normale Augengesundheit zurückzuführen sind. Obwohl sie bei Migräne auftreten können, sind sie nicht die häufigste Begleiterscheinung. Etwa 25 bis 30 Prozent der Migränepatienten erleben visuelle Aura-Symptome.

Arten von Sehstörungen bei Migräne

  • Fortifikationsspektren/Teichopsie: Helle, gezackte Linien, die flimmern.
  • Amaurosis fugax: Vorübergehender Sehverlust aufgrund einer verminderten Durchblutung, der durch eine Verengung der Halsschlagader verursacht werden kann, aber auch bei Migräne auftreten kann.
  • Verzerrte oder veränderte visuelle Symptome: Symptome, die mit dem Alice-im-Wunderland-Syndrom verbunden sind, bei dem die Größenwahrnehmung verändert ist.

Diese Sehstörungen dauern in der Regel 10 bis 30 Minuten und selten länger als eine Stunde. Es ist wichtig, bei plötzlichen Sehstörungen mit zunehmender Schwere, Dauer oder Symptomen sofort einen Arzt aufzusuchen, da sie Anzeichen für eine zugrunde liegende Erkrankung sein können.

Ursachen von Migräne und Kopfschmerzen

Kopfschmerzen haben vielfältige Ursachen. Migräne, Cluster-Kopfschmerz und Spannungskopfschmerz sind nur einige der zahlreichen Kopfschmerzformen. Neurologische Erkrankungen wie Parkinson oder Multiple Sklerose können ebenfalls mit Kopfschmerzen und Sehstörungen einhergehen.

Die Rolle der Halsschlagader

Eine Enge der Halsschlagader (ACI-Stenose) kann eine gefährliche Ursache für migräneartige Symptome sein und das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen. Eine frühzeitige Erkennung und Therapie sind daher entscheidend.

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Untersuchungsmethoden bei Migräne und Verdacht auf Halsschlagaderprobleme

Bei der Diagnose von Migräne und der Abklärung möglicher Ursachen, wie z.B. einer Halsschlagaderstenose, kommen verschiedene Untersuchungsmethoden zum Einsatz:

Anamnese und neurologische Untersuchung

Ein detailliertes Gespräch zwischen Arzt und Patient (Anamnese) ist der erste Schritt. Der Arzt erkundigt sich nach Art, Häufigkeit, Stärke und Lokalisation der Kopfschmerzen sowie nach Begleitsymptomen und möglichen Auslösern.

Im Rahmen der neurologischen Untersuchung werden verschiedene Funktionen überprüft, um neurologische Ursachen auszuschließen oder zu identifizieren. Dazu gehören:

  • Hirnnervenstatus: Prüfung der Funktion der Hirnnerven, die für Sehen, Hören, Gleichgewicht, Geschmack, Geruch und Gesichtsmotorik zuständig sind.
  • Beweglichkeit der Halswirbelsäule: Überprüfung, ob Druck auf die den Kopf umgebenden Muskeln Schmerzen auslöst.
  • Abtasten der Arteria temporalis superficialis: Untersuchung auf Anzeichen einer Riesenzellarteriitis.

Bildgebende Verfahren

Moderne bildgebende Untersuchungen wie Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) ermöglichen einen Einblick in das Gehirn und die Strukturen von Rückenmark, Nervenwurzeln und Muskulatur.

  • CT-Angiographie und MR-Angiographie: Darstellung der Blutgefäße, um Verengungen oder andere Anomalien der Halsschlagader zu erkennen.
  • Farb-Duplex-Ultraschall: Darstellung der Durchblutung der Halsschlagader.
  • Kernspintomographie: T1-gewichtete, fettsupprimierende Wichtung (Black-Blood-MRT) zur Darstellung des intramuralen Hämatoms bei Verdacht auf Dissektion der Halsschlagader.

Weitere diagnostische Verfahren

  • Elektroenzephalografie (EEG): Messung der elektrischen Aktivität des Gehirns.
  • Elektromyographie (EMG): Untersuchung der Muskelaktivität.
  • Evozierte Potentiale (VEP, AEP, SSEP, MEP): Messung der Leitfähigkeit von Nervenbahnen.
  • Lumbalpunktion: Untersuchung des Nervenwassers, um Entzündungen oder andere Erkrankungen des Nervensystems zu erkennen.

Differentialdiagnosen

Es ist wichtig, Migräne von anderen Kopfschmerzarten und Erkrankungen abzugrenzen, die ähnliche Symptome verursachen können. Dazu gehören:

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  • Spannungskopfschmerzen: Drückende, ziehende Kopfschmerzen ohne Begleiterscheinungen.
  • Cluster-Kopfschmerzen: Heftige, bohrende Schmerzen hinter dem Auge, oft begleitet von Augenrötung, Tränenfluss und einer verstopften Nase.
  • Sinusthrombose: Subakut aus dem Schlaf heraus auftretende drückende Kopfschmerzen.
  • Riesenzellarteriitis: Entzündung der Schläfenarterie, die zu Kopfschmerzen, Sehstörungen und Kieferschmerzen führen kann.
  • Schlaganfall: Plötzliche neurologische Ausfälle wie Lähmungen, Sprachstörungen oder Sehstörungen.
  • Hirntumore: Können sich durch unspezifische Beschwerden wie Müdigkeit, Kopfschmerzen und Schwindel bemerkbar machen.
  • Sehnerventzündung: Äußert sich oft durch ein Nebelsehen, Störung der Farbwahrnehmung und Schmerzen hinter dem Auge.
  • Borreliose: Durch Zecken übertragene Erkrankung, die zu verschiedenen neurologischen Ausfällen führen kann.
  • Tolosa-Hunt-Syndrom: Seltene Erkrankung, die durch eine Entzündung im Bereich des Sinus cavernosus verursacht wird und zu Kopfschmerzen und Hirnnervenausfällen führen kann.
  • Dissektion der Halsschlagader: Einriss in der Wand der Halsschlagader, der zu Kopfschmerzen, Halsschmerzen und neurologischen Ausfällen führen kann.

Behandlung von Migräne und Halsschlagaderproblemen

Die Behandlung von Migräne und Halsschlagaderproblemen richtet sich nach der jeweiligen Ursache und den individuellen Bedürfnissen des Patienten.

Akutbehandlung von Migräne

  • Schmerzmittel: Bei leichten bis mittelschweren Symptomen können Schmerzmittel wie Ibuprofen, Paracetamol, Diclofenac oder Aspirin helfen.
  • Triptane: Bei starken Beschwerden können Triptane eingesetzt werden, die geweitete Gefäße verengen und somit gegen die Kopfschmerzen wirken. Sie sollten jedoch nicht bei Herzbeschwerden eingenommen und nicht zu häufig verwendet werden.

Vorbeugende Behandlung von Migräne

  • Medikamentöse Prophylaxe: Bei häufigen und schweren Migräneattacken kann eine vorbeugende Behandlung mit Medikamenten in Erwägung gezogen werden.
  • Nichtmedikamentöse Therapien: Regelmäßige Pausen und Mahlzeiten, Stressmanagement, Entspannungstechniken und das Vermeiden von Auslöserfaktoren können helfen, Migräneattacken vorzubeugen.

Behandlung von Halsschlagaderstenose

  • Thrombozytenaggregationshemmer (TAH): Medikamente wie ASS, die die Verklumpung von Blutplättchen verhindern und das Risiko eines Schlaganfalls reduzieren.
  • Operation/Stent: In schweren Fällen kann eine Operation oder ein Stent erforderlich sein, um die Halsschlagader zu erweitern und die Durchblutung zu verbessern.

Behandlung der Riesenzellarteriitis

  • Kortisonpräparate: Die sofortige Einnahme eines Kortisonpräparats ist wichtig, um die Entzündung zu reduzieren und Sehstörungen zu verhindern.
  • Kalzium und Vitamin D: Zur Vorbeugung von Osteoporose.
  • Protonenpumpenhemmer: Zum Schutz der Magenschleimhaut.
  • Zytostatika oder Immunsuppressiva: In manchen Fällen ergänzend zur Kortison-Therapie.
  • Tocilizumab: Ein monoklonaler Antikörper, der gegen den Immunbotenstoff Interleukin-6 (IL-6) gerichtet ist und Entzündungen reduziert.

Leben mit Migräne

Migräne kann das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen. Es ist wichtig, die Erkrankung offen anzusprechen, Stress zu vermeiden, einen geregelten Tagesablauf einzuhalten und die persönlichen Auslöserfaktoren zu identifizieren.

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