Taubheitsgefühl nach offener Wadenbeinfraktur mit Fixateur externe: Ursachen und Behandlungen

Eine offene Wadenbeinfraktur mit Fixateur externe ist eine komplexe Verletzung, die verschiedene Ursachen für Taubheitsgefühle im betroffenen Bereich haben kann. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für dieses Symptom, die Behandlungsmöglichkeiten und gibt einen Überblick über die Rehabilitation nach einer solchen Fraktur.

Einführung

Eine offene Wadenbeinfraktur stellt eine erhebliche Verletzung des Unterschenkels dar, bei der der Knochen durch die Haut dringt. Um den Bruch zu stabilisieren und die Heilung zu fördern, wird häufig ein Fixateur externe eingesetzt. Dieses Gerät besteht aus einem starren Gestell außerhalb des Körpers, das mit Schrauben oder Pins im Knochen befestigt wird. Obwohl der Fixateur externe eine effektive Methode zur Knochenbruchstabilisierung darstellt, kann er auch zu Komplikationen führen, darunter Taubheitsgefühle im Bereich der Fraktur.

Ursachen für Taubheitsgefühle nach offener Wadenbeinfraktur mit Fixateur externe

Mehrere Faktoren können nach einer offenen Wadenbeinfraktur mit Fixateur externe zu Taubheitsgefühlen führen:

  1. Nervenverletzungen:
    • Direkte Verletzung: Die Fraktur selbst oder die Gewalteinwirkung, die sie verursacht hat, kann Nerven in der Umgebung direkt verletzen.
    • Indirekte Verletzung: Chirurgische Eingriffe zur Versorgung der Fraktur, einschließlich des Einsetzens des Fixateur externe, können ebenfalls Nerven schädigen.
    • Nervenkompression: Schwellungen und Hämatome im Bereich der Fraktur können Druck auf die Nerven ausüben und deren Funktion beeinträchtigen.
  2. Weichteilschäden:
    • Muskelverletzungen: Verletzungen der Muskeln im Unterschenkel können Nerven komprimieren oder deren Durchblutung beeinträchtigen.
    • Gewebequetschungen: Prellungen und Quetschungen des Weichgewebes können zu Schwellungen und Entzündungen führen, die Nervenirritationen verursachen.
    • Narbenbildung: Narbengewebe, das sich während des Heilungsprozesses bildet, kann Nerven einklemmen oder deren Beweglichkeit einschränken.
  3. Durchblutungsstörungen:
    • Verletzung von Blutgefäßen: Die Fraktur oder die Operation können Blutgefäße beschädigen, was zu einer verminderten Durchblutung der Nerven führen kann.
    • Kompartmentsyndrom: Erhöhter Druck in den Muskelkompartimenten des Unterschenkels kann die Durchblutung der Nerven beeinträchtigen und zu Taubheitsgefühlen führen.
  4. Fixateur externe-bedingte Ursachen:
    • Pin-Track-Infektionen: Infektionen an den Stellen, an denen die Pins des Fixateur externe in den Knochen eingeführt werden, können sich auf umliegendes Gewebe und Nerven ausbreiten.
    • Druck auf Nerven: Das Gestell des Fixateur externe oder die Pins selbst können Druck auf Nerven ausüben, insbesondere wenn sie ungünstig platziert sind.

Differenzialdiagnosen

Es ist wichtig, andere mögliche Ursachen für Taubheitsgefühle auszuschließen, um eine korrekte Diagnose zu stellen:

  • Periphere Neuropathie: Eine allgemeine Erkrankung der peripheren Nerven, die durch Diabetes, Alkoholmissbrauch oder andere Grunderkrankungen verursacht werden kann.
  • Bandscheibenvorfall: Ein Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule kann Nerven komprimieren, die in das Bein ziehen und Taubheitsgefühle verursachen.
  • Tarsaltunnelsyndrom: Eine Einklemmung des Nervus tibialis im Tarsaltunnel des Fußes, die zu Taubheitsgefühlen in Fuß und Zehen führen kann.

Diagnostische Maßnahmen

Um die Ursache der Taubheitsgefühle zu ermitteln, können verschiedene diagnostische Maßnahmen eingesetzt werden:

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  • Klinische Untersuchung: Eine gründliche körperliche Untersuchung, bei der der Arzt die Sensibilität, Motorik und Reflexe des Beins überprüft.
  • Röntgenaufnahmen: Zur Beurteilung der Knochenheilung und des Zustands des Fixateur externe.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Zur Darstellung von Weichteilen, Nerven und Blutgefäßen, um Verletzungen oder Kompressionen zu identifizieren.
  • Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (NLG): Zur Überprüfung der Funktion der Nerven und zur Feststellung, ob eine Nervenschädigung vorliegt.
  • Computertomographie (CT): Zur detaillierten Darstellung der Knochenstruktur und zur Beurteilung von Frakturheilung und Fehlstellungen.
  • Dopplersonographie: Zur Bestimmung der Blutflussgeschwindigkeit in arteriellen und venösen Gefäßen.

Behandlung

Die Behandlung von Taubheitsgefühlen nach offener Wadenbeinfraktur mit Fixateur externe richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache:

  1. Konservative Behandlung:
    • Schmerzmittel: Zur Linderung von Schmerzen und Entzündungen.
    • Physiotherapie: Zur Verbesserung der Beweglichkeit, Kraft und Koordination des Beins.
    • Ergotherapie: Zur Anpassung an die Einschränkungen und zur Erlernung von Kompensationsstrategien.
    • Nervmobilisation: Spezielle Übungen zur Verbesserung der Beweglichkeit der Nerven und zur Reduzierung von Kompressionen.
    • Orthesen: Zur Unterstützung des Fußes und Sprunggelenks und zur Entlastung von Nerven.
  2. Operative Behandlung:
    • Nervenrekonstruktion: Bei schweren Nervenverletzungen kann eine operative Reparatur oder Transplantation erforderlich sein.
    • Dekompression: Bei Nervenkompressionen kann eine Operation durchgeführt werden, um den Druck auf den Nerv zu reduzieren.
    • Entfernung von Narbengewebe: Narbengewebe, das Nerven einklemmt, kann operativ entfernt werden.
    • Korrekturosteotomie: Bei Fehlstellungen des Knochens, die Nerven komprimieren, kann eine operative Korrektur erforderlich sein.
    • Syndesmosennaht: Bei Verletzungen der Syndesmose zur Stabilisierung der Sprunggelenksgabel.

Rehabilitation

Die Rehabilitation spielt eine entscheidende Rolle bei der Wiederherstellung der Funktion nach einer offenen Wadenbeinfraktur mit Fixateur externe. Sie umfasst in der Regel:

  • Frühphase:
    • Schmerzkontrolle: Medikamente, Kühlung und Hochlagern des Beins.
    • Beweglichkeitsübungen: Passive und aktive Bewegungen des Sprunggelenks und der Zehen, um Steifheit vorzubeugen.
    • Muskelaktivierung: Isometrische Übungen zur Aktivierung der Muskeln im Unterschenkel und Oberschenkel.
  • Belastungsphase:
    • Teilbelastung: Langsame Steigerung der Belastung des Beins unter Anleitung eines Physiotherapeuten.
    • Gangschulung: Erlernen eines normalen Gangbildes mit oder ohne Gehhilfen.
    • Krafttraining: Übungen zur Stärkung der Muskeln im Unterschenkel, Oberschenkel und Gesäß.
  • Funktionelle Phase:
    • Koordinationstraining: Übungen zur Verbesserung der Balance und Koordination.
    • Propriozeptives Training: Übungen zur Verbesserung der Wahrnehmung der Körperposition im Raum.
    • Sportspezifisches Training: Bei Bedarf, um die Rückkehr zu sportlichen Aktivitäten vorzubereiten.

Komplikationen

Neben Taubheitsgefühlen können nach einer offenen Wadenbeinfraktur mit Fixateur externe weitere Komplikationen auftreten:

  • Infektionen: Pin-Track-Infektionen, Knocheninfektionen (Osteomyelitis).
  • Pseudarthrose: Ausbleiben der Knochenheilung, Bildung eines Falschgelenks.
  • Fehlstellung: Abweichung der Knochenfragmente von der korrekten Position.
  • Bewegungseinschränkungen: Steifheit des Sprunggelenks und der Zehen.
  • Kompartmentsyndrom: Erhöhter Druck in den Muskelkompartimenten des Unterschenkels.
  • Morbus Sudeck (komplexes regionales Schmerzsyndrom): Chronische Schmerzerkrankung, die nach Verletzungen auftreten kann.
  • Arthrose: Gelenkverschleiß aufgrund von Fehlstellungen oder Knorpelschäden.

Prävention

Obwohl nicht alle Wadenbeinfrakturen verhindert werden können, gibt es Maßnahmen, die das Risiko reduzieren können:

  • Stärkung der Knochen: Ausreichende Zufuhr von Kalzium und Vitamin D, regelmäßige körperliche Aktivität.
  • Schulung des Koordinationsvermögens: Übungen zur Verbesserung der Balance und Koordination, insbesondere bei sportlichen Aktivitäten.
  • Aufwärmen vor dem Sport: Vorbereitung der Muskeln und Gelenke auf die Belastung.
  • Geeignetes Schuhwerk: Tragen von Schuhen, die Halt und Stabilität bieten.
  • Vermeidung von Risikosituationen: Achtsames Verhalten im Straßenverkehr und bei sportlichen Aktivitäten.

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