Multiple Sklerose: Ein Schulprojekt zur Sensibilisierung und Aufklärung

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die oft junge Menschen betrifft. Um das Bewusstsein für diese Krankheit zu schärfen und einen unbefangenen Umgang mit Betroffenen zu fördern, sind Schulprojekte von großer Bedeutung. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Aspekte von MS, stellt erfolgreiche Projekte vor und zeigt Möglichkeiten auf, wie Schulen einen Beitrag zur Aufklärung leisten können.

Was ist Multiple Sklerose?

Multiple Sklerose ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise die Myelinschicht angreift, die die Nervenfasern im Gehirn und Rückenmark umgibt. Diese Myelinschicht ist für die schnelle und reibungslose Weiterleitung von Nervenimpulsen verantwortlich. Wird sie beschädigt, kommt es zu Störungen in der Kommunikation zwischen Gehirn und Körper.

Die Symptome von MS sind vielfältig und können von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein. Häufige Symptome sind:

  • Sehstörungen: Doppelbilder, verschwommenes Sehen
  • Gleichgewichtsstörungen: Schwindel, Unsicherheit beim Gehen
  • Taubheitsgefühle: Kribbeln oder Verlust der Empfindung in Armen und Beinen
  • Lähmungserscheinungen: Schwäche oder Verlust der Bewegungsfähigkeit
  • Fatigue: Erschöpfung und Müdigkeit

Der Verlauf von MS ist ebenfalls sehr unterschiedlich. Bei manchen Betroffenen treten die Symptome schubweise auf, gefolgt von Phasen der Besserung. Bei anderen schreitet die Krankheit kontinuierlich fort.

Warum sind Schulprojekte wichtig?

Schulprojekte zur Aufklärung über Multiple Sklerose sind aus mehreren Gründen wichtig:

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  • Sensibilisierung: Sie tragen dazu bei, das Bewusstsein für MS in der Bevölkerung zu schärfen und Vorurteile abzubauen.
  • Aufklärung: Sie vermitteln Wissen über die Krankheit, ihre Symptome und Behandlungsmöglichkeiten.
  • Inklusion: Sie fördern einen unbefangenen Umgang mit MS-Betroffenen und tragen zur Inklusion von Menschen mit Behinderung bei.
  • Solidarität: Sie zeigen MS-Betroffenen, dass sie nicht allein sind und dass es Menschen gibt, die sich für ihre Belange einsetzen.

Erfolgreiche Schulprojekte und Initiativen

Es gibt bereits zahlreiche erfolgreiche Schulprojekte und Initiativen, die sich mit dem Thema Multiple Sklerose auseinandersetzen. Einige Beispiele sind:

  • "Run for Help": Dieses Projekt zielt darauf ab, Werte und Moral in der Gesellschaft am Beispiel von Behinderung und dem Umgang damit zum Thema zu machen. Schüler werden mit dem Umgang mit Behinderung in der Gesellschaft konfrontiert und sollen sich aktiv damit auseinandersetzen. Im Rahmen des Projektes organisieren Schulen Benefizläufe zugunsten der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG).
  • Ethikstunden mit MS-Betroffenen: Vertreter der DMSG besuchen Ethikstunden in Schulen und berichten über ihr Leben mit MS. Die Schüler haben die Möglichkeit, Fragen zu stellen und sich in die Situation von MS-Betroffenen hineinzuversetzen.
  • Besuch im Labor: Ein Biologie-Leistungskurs des Grimmelshausen-Gymnasiums besuchte ein Labor, um sich mit dem aktuellen Stand der MS-Forschung auseinanderzusetzen. Die Schüler erhielten einen Einblick in die Arbeit von Wissenschaftlern und konnten sich über Behandlungsmethoden informieren.
  • Benefizprojekt Mühlengärtle: Zwei Schwestern initiierten im Corona-Lockdown ein Benefizprojekt, bei dem sie Pflanzen gegen Spenden abgaben. Die Einnahmen spendeten sie dem baden-württembergischen Landesverband AMSEL e.V. der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft.
  • TimeAut: Die Freizeitgestaltungsgruppe TimeAut bietet Kindern und Jugendlichen mit Autismus-Spektrum-Störung einen sicheren Raum zur Förderung sozialer Kontakte und Freizeitgestaltung. Durch Aktivitäten wie Spielen, Sport, Kochen und Ausflüge sowie individuelle Betreuung und autismusgerechte Strukturen wird das Selbstwertgefühl der Kinder gestärkt und die Integration in die Gesellschaft gefördert.

Möglichkeiten für Schulen, sich zu engagieren

Es gibt viele Möglichkeiten, wie sich Schulen für die Aufklärung über Multiple Sklerose engagieren können:

  • Projekttage: Im Rahmen von Projekttagen können Schüler sich intensiv mit dem Thema MS auseinandersetzen, Vorträge hören, Filme schauen und mit Betroffenen ins Gespräch kommen.
  • Benefizveranstaltungen: Schulen können Benefizläufe, Konzerte oder andere Veranstaltungen organisieren, um Spenden für die DMSG oder andere MS-Organisationen zu sammeln.
  • Informationsstände: Schulen können Informationsstände aufstellen, um Schüler, Lehrer und Eltern über MS zu informieren.
  • Kooperationen: Schulen können mit der DMSG oder anderen MS-Organisationen kooperieren, um Projekte und Veranstaltungen gemeinsam zu planen und durchzuführen.
  • Einladung von MS-Betroffenen: Schulen können MS-Betroffene einladen, um über ihr Leben mit der Krankheit zu berichten.
  • Unterrichtsmaterialien: Lehrer können Unterrichtsmaterialien zum Thema MS in ihren Unterricht einbauen.
  • Teilnahme an Wettbewerben: Schulen können an Wettbewerben teilnehmen, die sich mit dem Thema MS auseinandersetzen.

Förderprogramme und Unterstützung

Für Schulprojekte zur Aufklärung über Multiple Sklerose gibt es verschiedene Förderprogramme und Unterstützungsmöglichkeiten:

  • Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe: Dieser Preis zeichnet Menschen und Projekte aus, die sich für Menschen mit Multipler Sklerose und anderen neurologischen Erkrankungen einsetzen.
  • Förderprogramme der DMSG: Die DMSG bietet verschiedene Förderprogramme für Projekte zur Aufklärung über MS an.
  • Spendenaktionen: Schulen können Spendenaktionen organisieren, um ihre Projekte zu finanzieren.

Beispiele für Einzelpersonen, die sich engagieren

Viele Einzelpersonen engagieren sich für Menschen mit Multipler Sklerose und tragen dazu bei, das Bewusstsein für die Krankheit zu schärfen. Einige Beispiele sind:

  • Britta Flaig: Die ehemalige Lehrerin spricht offen über ihr Leben mit Alzheimer - in Podcasts, Lesungen und „Living Libraries“. Ihr Kinderbuch „Mama Berta und das Vergessen“ hilft Kindern, die Krankheit zu verstehen, und Erwachsenen, darüber ins Gespräch zu kommen.
  • Gerhard Schumann: Er bekam seine Diagnose Morbus Parkinson, als er 42 war, und organisierte eine Kunstausstellung, in der er seine Gefühle bildlich darstellte. Seit 2016 leitet er die Regionalgruppe München der Deutschen Parkinson Vereinigung e.V.
  • Andreas Beseler ("Besi"): Er lebt seit 30 Jahren mit MS und konnte durch Sport, insbesondere durch das Fahrradfahren, die Symptome seiner Erkrankung mildern. Seine Leistungen auf dem Rad motivierten viele Menschen mit Erkrankungen oder Handicap, selbst mit dem Sporttreiben zu beginnen.
  • Hans-Christian ("HCV"): Er hat eine schubförmig progrediente Verlaufsform der MS und gibt jungen Leuten mit Migrationshintergrund ehrenamtlich Deutsch- und Englischkurse.

Die Rolle von Selbsthilfegruppen

Selbsthilfegruppen spielen eine wichtige Rolle bei der Unterstützung von Menschen mit Multipler Sklerose und ihren Angehörigen. Sie bieten einen Raum für Austausch, Information und gegenseitige Hilfe. Einige Beispiele für Selbsthilfegruppen und Initiativen sind:

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  • Ankerpunkt Junge Demenz: Die Alzheimer Gesellschaft Hamburg e.V. berät und begleitet Menschen mit einer Demenz vor dem 65. Lebensjahr und deren An- und Zugehörige.
  • Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg e.V.: Der Verein hat eine Sensibilisierungskampagne entwickelt, um das Bewusstsein für Demenz zu schärfen und ein neues Bild der Krankheit in der Öffentlichkeit zu etablieren.
  • DPV-Regionalgruppe Itzehoe: Die Selbsthilfegruppe setzt sich mit wöchentlichen Sportangeboten für die aktive Bewegung ihrer Mitglieder mit Morbus Parkinson ein.
  • Desideria Care e.V.: Der Verein startete eine kostenfreie Online-Gruppe für Young Carers und Young Adult Carers, die von Demenz in der Familie oder im Umkreis betroffen sind.
  • Alzheimer Gesellschaft Sachsen-Anhalt e.V.: In Kooperation mit einem benachbarten Kindergarten wird ein Projekt für Menschen mit Demenz in einer Magdeburger Tagesbetreuung durchgeführt.
  • Offenes Atelier "Raum-D": Die Düsseldorfer Künstlerin Corinna Bernshaus hat ein Atelier eröffnet, in dem Menschen mit und ohne Demenz zusammenkommen, um sich gemeinsam für einen neuen, vorbehaltlosen Umgang mit demenziell Erkrankten zu engagieren.

Empowerment und Selbstbestimmung

Empowerment und Selbstbestimmung sind wichtige Aspekte im Umgang mit Multipler Sklerose. Betroffene sollen in die Lage versetzt werden, eigene Entscheidungen zu treffen und ihr Leben aktiv zu gestalten. Die Andreas-Mohn-Stiftung bietet mit der MS-Empowermentgruppe "Schubkraft" verschiedene Angebote, um die Selbstbestimmung, Ressourcen und den individuellen Umgang mit der Diagnose MS zu stärken.

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