Alzheimer-Krankheit und Alkalische Phosphatase: Ein möglicher Zusammenhang

Die Alzheimer-Krankheit (AD) ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die durch kognitive Defizite, Gedächtnisstörungen und Veränderungen im Verhalten gekennzeichnet ist. Sie ist die häufigste Form der Demenz, von der weltweit Millionen Menschen betroffen sind. Die Forschung konzentriert sich zunehmend auf die Identifizierung von Biomarkern, die eine frühzeitige Diagnose und ein besseres Verständnis der Krankheitsmechanismen ermöglichen. In diesem Zusammenhang rückt die Alkalische Phosphatase (ALP) als potenzieller Faktor in den Fokus.

Was ist die Alkalische Phosphatase?

Die Alkalische Phosphatase (ALP) ist ein Enzym, das in verschiedenen Geweben des Körpers vorkommt, darunter Leber, Knochen, Nieren und Dünndarm. Sie spielt eine wesentliche Rolle bei der Regulierung verschiedener biochemischer Prozesse, insbesondere bei der Hydrolyse von Phosphatverbindungen wie Nukleotiden, Proteinen und Phospholipiden. Es gibt verschiedene Typen von ALP, die in spezifischen Geweben vorkommen und spezifische Funktionen haben, wie beispielsweise die Leber-ALP und die Knochen-ALP.

Im Körper ist ALP an vielen Prozessen beteiligt, darunter die Mineralisierung der Knochen und der Abbau von Komponenten bei der Verdauung in Leber und Dünndarm. In der Leber unterstützt ALP die Sekretion von Gallensäuren, die für die Fettverdauung notwendig sind, während sie im Dünndarm zur Aufnahme von Fettsäuren beiträgt.

Die ALP-Werte werden in der Regel durch einen Bluttest bestimmt, der Aufschluss über den Zustand von Leber, Knochen und Verdauungssystem gibt. Ein normaler ALP-Wert liegt zwischen 20 und 140 U/L, wobei der genaue Normbereich je nach Labor variieren kann.

Alkalische Phosphatase als Tumormarker

Die Alkalische Phosphatase kann auch als Tumormarker verwendet werden. Es ist wichtig zu beachten, dass ein Anstieg der Alkalischen Phosphatase, obwohl er oft bei Krebspatienten gesehen wird, nicht spezifisch für Krebs ist und auch bei anderen Bedingungen wie Lebererkrankungen und Knochenkrankheiten gesehen werden kann.

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Alkalische Phosphatase und Lebererkrankungen

Ein erhöhter ALP-Wert kann oft ein Zeichen für Leber- oder Knochenerkrankungen sein. In manchen Fällen können die erhöhten ALP-Werte symptomlos sein und nur durch regelmäßige Labortests entdeckt werden. Es sollte beachtet werden, dass Symptome nicht immer einem erhöhten ALP-Wert entsprechen und umgekehrt. Gleichzeitig können die Symptome auch auf andere medizinische Bedingungen hindeuten.

Bei Lebererkrankungen wie der primär biliären Cholangitis (PBC) ist die Alkalische Phosphatase (AP) oft deutlich erhöht. PBC ist eine seltene autoimmune Lebererkrankung, die in 90% der Fälle Frauen betrifft. Dabei werden die Gallengänge in der Leber angegriffen und durch eine Entzündung zerstört. Die Wirksamkeit der Therapie wird hauptsächlich an zwei Laborwerten gemessen: der alkalischen Phosphatase und dem Bilirubin. Die alkalische Phosphatase ist bei PBC oft deutlich erhöht und soll durch die Therapie verbessert oder - im Idealfall - sogar normalisiert werden.

Die heutige Standardtherapie besteht in Ursodeoxycholsäure (UDCA), welche als Tablette lebenslang eingenommen wird. Studien zufolge können Fibrate ebenfalls die Wirksamkeit von UDCA verbessern und wirken zudem gegen Juckreiz. Am 20. September 2024 wurde Elafibranor (ein PPAR-Agonist) in der EU und damit Deutschland zugelassen. Ähnlich wie andere Präparate kommt das Medikament in Frage, wenn die Standardtherapie mit UDCA nicht anspricht oder nicht vertragen wird. Ein weiterer PPAR-Agonisten namens Seladelpar wurde im Februar 2025 ebenfalls als Zweitlinientherapie zugelassen.

Der Zusammenhang zwischen Alkalischer Phosphatase und Alzheimer

Obwohl die Forschung noch nicht abgeschlossen ist, gibt es Hinweise darauf, dass die Alkalische Phosphatase (ALP) eine Rolle bei der Alzheimer-Krankheit spielen könnte. Einige Studien haben gezeigt, dass veränderte ALP-Spiegel im Gehirn von Alzheimer-Patienten vorhanden sein können. Es wird vermutet, dass ALP an der Entstehung von Amyloid-Plaques und Neurofibrillen beteiligt sein könnte, den beiden Hauptmerkmalen der Alzheimer-Krankheit.

Amyloid-Plaques bestehen hauptsächlich aus Amyloid-β-Peptiden (Aβ), die durch die Spaltung des Amyloid-Precursor-Proteins (APP) entstehen. ALP könnte an diesem Prozess beteiligt sein, indem sie die Aktivität von Sekretasen beeinflusst, den Enzymen, die APP spalten. Einige Studien haben gezeigt, dass ALP die Bildung von Aβ-Plaques fördern kann, während andere Studien keine solche Verbindung gefunden haben.

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Neurofibrillen bestehen aus hyperphosphoryliertem Tau-Protein. ALP könnte auch an diesem Prozess beteiligt sein, indem sie die Aktivität von Kinasen und Phosphatasen beeinflusst, den Enzymen, die Tau-Protein phosphorylieren bzw. dephosphorylieren. Einige Studien haben gezeigt, dass ALP die Hyperphosphorylierung von Tau-Protein fördern kann, während andere Studien keine solche Verbindung gefunden haben.

Es ist wichtig zu beachten, dass die meisten Studien zu diesem Thema an Tiermodellen oder in vitro durchgeführt wurden. Es sind weitere Studien am Menschen erforderlich, um den genauen Zusammenhang zwischen ALP und Alzheimer zu klären.

Alkalische Phosphatase als potenzieller Biomarker

Trotz der noch offenen Fragen wird ALP als potenzieller Biomarker für die Alzheimer-Krankheit untersucht. Einige Studien haben gezeigt, dass ALP-Spiegel im Blut oder in der Zerebrospinalflüssigkeit (CSF) von Alzheimer-Patienten verändert sein können. Allerdings sind die Ergebnisse dieser Studien widersprüchlich. Einige Studien haben erhöhte ALP-Spiegel bei Alzheimer-Patienten gefunden, während andere Studien keine solchen Unterschiede gefunden haben.

Ein möglicher Grund für die widersprüchlichen Ergebnisse ist, dass ALP-Spiegel durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden können, darunter Alter, Geschlecht, genetische Veranlagung und Begleiterkrankungen. Es ist daher wichtig, diese Faktoren bei der Interpretation von ALP-Spiegeln zu berücksichtigen.

Ein weiterer Grund für die widersprüchlichen Ergebnisse ist, dass die Alzheimer-Krankheit ein heterogenes Syndrom ist. Es gibt verschiedene Subtypen der Alzheimer-Krankheit, die sich in ihren klinischen Merkmalen und ihrem Krankheitsverlauf unterscheiden. Es ist möglich, dass ALP-Spiegel nur bei bestimmten Subtypen der Alzheimer-Krankheit verändert sind.

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Zukünftige Forschung

Um den Zusammenhang zwischen ALP und Alzheimer besser zu verstehen, sind weitere Forschungsarbeiten erforderlich. Zukünftige Studien sollten Folgendes berücksichtigen:

  • Größere Stichproben: Studien mit größeren Stichproben können helfen, subtile Unterschiede in ALP-Spiegeln zwischen Alzheimer-Patienten und gesunden Kontrollpersonen zu identifizieren.
  • Subtypen der Alzheimer-Krankheit: Studien, die verschiedene Subtypen der Alzheimer-Krankheit berücksichtigen, können helfen, zu klären, ob ALP-Spiegel nur bei bestimmten Subtypen verändert sind.
  • Längsschnittstudien: Längsschnittstudien, die ALP-Spiegel über einen längeren Zeitraum verfolgen, können helfen, den zeitlichen Verlauf der ALP-Veränderungen bei Alzheimer-Patienten zu bestimmen.
  • Kombination mit anderen Biomarkern: Studien, die ALP-Spiegel mit anderen Biomarkern der Alzheimer-Krankheit kombinieren, können helfen, die diagnostische Genauigkeit zu verbessern.

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