Myasthenia Gravis und Schlafmittel: Eine Betrachtung der Wechselwirkungen und Behandlungsstrategien

Schlafstörungen sind ein weit verbreitetes Problem, von dem schätzungsweise 10 bis 20 % der Weltbevölkerung betroffen sind. Diese Störungen können verschiedene Ursachen haben, von körperlichen Beschwerden und hormonellen Veränderungen bis hin zu psychischen Belastungen und ungünstigen Schlafumgebungen. Die Behandlung von Schlafstörungen umfasst oft eine Kombination aus Hausmitteln, rezeptfreien Medikamenten und verschreibungspflichtigen Schlafmitteln. Bei der Anwendung von Schlafmitteln ist jedoch Vorsicht geboten, insbesondere bei Patienten mit Grunderkrankungen wie Myasthenia gravis.

Myasthenia Gravis: Eine Autoimmunerkrankung

Myasthenia gravis ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die Kommunikation zwischen Nerven und Muskeln gestört ist. Dies geschieht durch die Blockade von Acetylcholin-Rezeptoren an der motorischen Endplatte. Die Patienten leiden unter Muskelschwäche und Lähmungserscheinungen.

Therapieansätze bei Myasthenia Gravis

Ein kausaler Therapieansatz besteht in der Entfernung des Thymus als Autoantikörper-bildender Struktur. Zusätzlich erhalten die Patienten Immunsuppressiva und zur Symptomlinderung Acetylcholin-Esterase-Hemmer.

Neuere Medikamente zur Behandlung von Myasthenia Gravis

Zu neueren, speziell für Myasthenia gravis zugelassenen Arzneistoffen gehören Efgartigimod alfa (Vyvgart®), Eculizumab (Soliris®) und Ravulizumab (Ultomiris®). Kürzlich erhielt Rozanolixizumab (Rystiggo®) die EU-Zulassung als Add-on-Therapie bei generalisierter Myasthenia gravis bei Erwachsenen. Dieses Medikament kann der Therapie hinzugefügt werden, wenn die Patienten Autoantikörper gegen den Acetylcholin-Rezeptor oder die muskelspezifische Tyrosinkinase bilden. Rozanolixizumab richtet sich gegen den neonatalen Fc-Rezeptor und senkt durch dessen Blockade die Konzentration von Immunglobulin G im Blutserum.

Ein Behandlungszyklus besteht aus einer körpergewichtsadaptierten Dosis pro Woche über einen Zeitraum von sechs Wochen. Sicherheit und Wirksamkeit wurden in der MycarinG-Studie mit 200 Patienten über 18 Wochen untersucht. Die Studie zeigte, dass sich der MG-ADL-Score, der Aktivitäten wie Atmung, Sprechen und Schlucken umfasst, gegenüber Placebo verbesserte.

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Schlafmittel: Ein Überblick

Schlafmittel sind Medikamente, die zur Behandlung von Schlafstörungen eingesetzt werden. Sie lassen sich grob in drei Kategorien einteilen:

  • Benzodiazepine: Diese Medikamente wirken beruhigend und angstlösend, können aber auch zu Abhängigkeit führen.
  • Benzodiazepinrezeptoragonisten (Z-Substanzen): Diese Medikamente wirken ähnlich wie Benzodiazepine, haben aber ein geringeres Abhängigkeitspotenzial.
  • Sedierende Antidepressiva: Diese Medikamente haben eine antidepressive Wirkung, können aber auch schlaffördernd wirken.

Zopiclon: Ein häufig verwendetes Schlafmittel

Zopiclon ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Z-Substanzen, der häufig zur Kurzzeitbehandlung von Schlafstörungen eingesetzt wird. Es wirkt im zentralen Nervensystem und fördert den Schlaf. Zopiclon bindet an die GABA-Rezeptoren und verstärkt die Wirkung des beruhigenden Botenstoffs Gamma-Aminobuttersäure (GABA) im Gehirn.

Wirkung und Anwendung von Zopiclon

Zopiclon wirkt schlaffördernd, angstlösend, krampflösend und muskelentspannend. Es wird in der Regel zur Kurzzeitbehandlung bei schweren Einschlaf- und Durchschlafstörungen verschrieben. In einigen Fällen wird es auch beim Restless-legs-Syndrom eingesetzt (sogenannter Off-Label-Use).

Die gewöhnliche Tagesdosis für Erwachsene beträgt 7,5 mg und sollte nicht eigenmächtig erhöht werden. Bei älteren Menschen sollte die Einzeldosis 3,75 mg nicht überschreiten.

Nebenwirkungen und Risiken von Zopiclon

Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Zopiclon gehören Geschmacksveränderungen, Übelkeit, Kopfschmerzen und Benommenheit. Insbesondere bei älteren Menschen kann es zu paradoxen Reaktionen kommen.

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Zopiclon hat ein hohes Abhängigkeitspotenzial und sollte nicht von Patienten mit Suchterkrankungen, Schlafapnoe-Syndrom, Myasthenia gravis oder eingeschränkter Leberfunktion eingenommen werden.

Abhängigkeit von Zopiclon

Die Entwicklung einer Medikamentenabhängigkeit kann die Lebensdauer verkürzen und schwere körperliche und psychische Schäden verursachen. Betroffene bemerken ihre Abhängigkeit oft sehr spät, da das Medikament zur Linderung gesundheitlicher Beschwerden eingenommen wird.

Anzeichen für eine Abhängigkeit können Muskelschmerzen, Verwirrtheitszustände, Angstgefühle und Stimmungsschwankungen sein. Bei Verdacht auf eine Abhängigkeit sollte das Gespräch mit dem behandelnden Arzt oder einer Suchtberatungsstelle gesucht werden.

Die erfolgversprechendste Behandlung ist ein stationärer Entzug in einer Suchtklinik, bei dem der Körper entgiftet und die Seele entwöhnt wird. Die Entwöhnung erfolgt im Rahmen einer Psychotherapie, in der die Suchtursachen eruiert und aufgearbeitet werden.

Eszopiclon: Ein Enantiomer von Zopiclon

Eszopiclon ist das S-Enantiomer von Zopiclon. Es ist für die schlaffördernde und beruhigende Wirkung des Medikaments verantwortlich. Eszopiclon wird zur kurzzeitigen Behandlung von Schlafstörungen bei erwachsenen Patienten eingesetzt, wenn Alternativen zuvor nicht ausreichend geholfen haben.

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Anwendung und Dosierung von Eszopiclon

Eszopiclon ist in Form von Tabletten erhältlich. Patienten nehmen ein Milligramm direkt vor dem Schlafengehen unzerkaut mit einem Glas Wasser ein. In einigen Fällen erhöht der Arzt die Dosis auf maximal zwei bis drei Milligramm.

Ältere und vorerkrankte Patienten reagieren stärker auf Eszopiclon und bauen den Wirkstoff langsamer ab. Der Arzt reduziert daher in einigen Fällen die maximale Tagesdosis.

Nebenwirkungen und Risiken von Eszopiclon

Die Nebenwirkungen von Eszopiclon sind oft auf die schlafanstoßende und beruhigende Wirkung zurückzuführen. Dazu gehören Kopfschmerzen, Migräne, Vergesslichkeit und Koordinationsstörungen. Gelegentlich treten Sensibilitätsstörungen, verschwommenes Sehen oder trockene Augen auf.

Eszopiclon kann in einzelnen Fällen Gedächtnisstörungen in Form einer anterograden Amnesie auslösen. Störungen des Magen-Darm-Trakts, schmerzende oder zuckende Muskeln sowie Rückenschmerzen sind weitere mögliche Nebenwirkungen.

Insbesondere bei älteren Patienten können paradoxe Reaktionen auftreten. Beim Beenden der Einnahme von Eszopiclon kann es zu einem Rebound-Effekt kommen.

Kontraindikationen und Wechselwirkungen von Eszopiclon

Eszopiclon darf nicht eingenommen werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen Eszopiclon, andere Bestandteile des Medikaments oder Zopiclon
  • Schweren Störungen der Atemfunktion wie Schlafapnoe-Syndrom
  • Myasthenia gravis
  • Schwerer Leberfunktionsstörung

Die gleichzeitige Anwendung von Eszopiclon und Medikamenten, die ebenfalls dämpfend wirken, kann die Wirkungen gegenseitig verstärken. Alkohol sollte während der Einnahme von Eszopiclon vermieden werden.

Eszopiclon wird überwiegend über das Enzymsystem CYP3A4 in der Leber abgebaut. Manche Wirkstoffe hemmen oder beschleunigen dieses Enzymsystem und können die Wirkung von Eszopiclon beeinflussen.

Myasthenia Gravis und Schlafmittel: Eine besondere Herausforderung

Die Einnahme von Schlafmitteln bei Patienten mit Myasthenia gravis ist mit besonderen Risiken verbunden. Einige Schlafmittel, insbesondere Benzodiazepine und Z-Substanzen, können die Muskelschwäche verstärken und die Atmung beeinträchtigen. Daher ist es wichtig, dass Patienten mit Myasthenia gravis vor der Einnahme von Schlafmitteln ihren Arzt konsultieren.

Mögliche Risiken und Wechselwirkungen

  • Muskelschwäche: Einige Schlafmittel, insbesondere Benzodiazepine, haben eine muskelrelaxierende Wirkung, die die Muskelschwäche bei Myasthenia gravis verstärken kann.
  • Atemdepression: Schlafmittel können das zentrale Nervensystem dämpfen und die Atmung beeinträchtigen. Dies kann bei Patienten mit Myasthenia gravis, die bereits unter Atemproblemen leiden, gefährlich sein.
  • Wechselwirkungen mit Medikamenten: Einige Schlafmittel können mit Medikamenten, die zur Behandlung von Myasthenia gravis eingesetzt werden, interagieren. Dies kann die Wirksamkeit der Medikamente beeinträchtigen oder das Risiko von Nebenwirkungen erhöhen.

Empfehlungen für Patienten mit Myasthenia Gravis und Schlafstörungen

  • Arzt konsultieren: Patienten mit Myasthenia gravis sollten vor der Einnahme von Schlafmitteln ihren Arzt konsultieren. Der Arzt kann die Risiken und Vorteile der verschiedenen Schlafmittel abwägen und das am besten geeignete Medikament auswählen.
  • Niedrigste wirksame Dosis: Wenn ein Schlafmittel erforderlich ist, sollte die niedrigste wirksame Dosis verwendet werden.
  • Kurzzeitige Anwendung: Schlafmittel sollten nur kurzzeitig angewendet werden, um das Risiko von Nebenwirkungen und Abhängigkeit zu minimieren.
  • Nicht-medikamentöse Maßnahmen: Vor der Einnahme von Schlafmitteln sollten nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Verbesserung des Schlafs ausprobiert werden. Dazu gehören beispielsweise eine gute Schlafhygiene, Entspannungsübungen und kognitive Verhaltenstherapie.

Alternative Behandlungsansätze bei Schlafstörungen

Neben Schlafmitteln gibt es eine Reihe von nicht-medikamentösen Maßnahmen, die bei Schlafstörungen helfen können. Dazu gehören:

  • Schlafhygiene: Eine gute Schlafhygiene umfasst regelmäßige Schlafzeiten, eine angenehme Schlafumgebung, den Verzicht auf Koffein und Alkohol vor dem Schlafengehen sowie regelmäßige körperliche Aktivität.
  • Entspannungsübungen: Entspannungsübungen wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung und Meditation können helfen, Stress abzubauen und den Schlaf zu fördern.
  • Kognitive Verhaltenstherapie: Die kognitive Verhaltenstherapie ist eineForm der Psychotherapie, die darauf abzielt, negative Gedanken und Verhaltensweisen zu verändern, die zu Schlafstörungen beitragen.
  • Lichttherapie: Die Lichttherapie kann bei Schlafstörungen helfen, die durch eine Störung des zirkadianen Rhythmus verursacht werden.

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