Nervenschmerzen nach dem Essen können eine Vielzahl von Ursachen haben, von harmlosen Verdauungsstörungen bis hin zu chronischen Erkrankungen wie Diabetes oder Reizmagen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen von Nervenschmerzen nach dem Essen, die damit verbundenen Symptome und die verfügbaren Behandlungsoptionen. Ziel ist es, Betroffenen ein umfassendes Verständnis ihrer Beschwerden zu vermitteln und ihnen zu helfen, die Lebensqualität wiederherzustellen.
Einführung in Nervenschmerzen und ihre vielfältigen Ursachen
Nervenschmerzen, auch neuropathische Schmerzen genannt, entstehen durch Schädigungen oder Erkrankungen von Nervenstrukturen. Diese Schädigungen können durch verschiedene Faktoren verursacht werden, darunter:
- Diabetes: Hohe Blutzuckerspiegel können die Nerven schädigen und zu diabetischer Neuropathie führen.
- Infektionen: Herpes Zoster (Gürtelrose) kann Nervenschmerzen verursachen, die als Post-Zoster-Neuralgie bekannt sind.
- Tumore: Das Wachstum von Tumoren kann Nervenfasern komprimieren oder infiltrieren und so Schmerzen verursachen.
- Medikamente: Einige Medikamente können als Nebenwirkung Nervenschmerzen verursachen.
- Genetische Erkrankungen: Bestimmte genetische Erkrankungen können das Risiko für Nervenschmerzen erhöhen.
- Alkoholismus: Übermäßiger Alkoholkonsum kann zu Nervenschäden und neuropathischen Schmerzen führen.
- Operationen: Chronische Schmerzen können nach Operationen auftreten, insbesondere wenn Nerven während des Eingriffs geschädigt werden.
- Amputationen: Phantomschmerzen sind Nervenschmerzen, die nach der Amputation eines Körperteils auftreten.
- Engpasssyndrome: Die Kompression von Nerven in anatomischen Engstellen kann zu Schmerzen führen, wie beispielsweise beim Karpaltunnelsyndrom.
- Vitaminmangel: Ein Mangel an bestimmten Vitaminen, insbesondere B-Vitamine und Vitamin D, kann Nervenschmerzen verursachen.
Nervenschmerzen im Zusammenhang mit dem Verdauungssystem
Nervenschmerzen können auch im Zusammenhang mit dem Verdauungssystem auftreten, insbesondere nach dem Essen. Dies kann verschiedene Ursachen haben, die im Folgenden näher erläutert werden.
Reizmagen (funktionelle Dyspepsie)
Der Reizmagen, auch als funktionelle Dyspepsie bezeichnet, ist eine Erkrankung, bei der über Monate Beschwerden im Oberbauch auftreten, die sich nicht durch organische Ursachen erklären lassen. Mit „funktionell“ ist gemeint, dass der Magen und der Zwölffingerdarm zwar gesund erscheinen, aber nicht so arbeiten, wie sie sollen.
Symptome des Reizmagens:
- Blähgefühl und Krämpfe im Oberbauch
- Häufiges Aufstoßen
- Übelkeit und Unwohlsein
- Erbrechen (seltener)
- Völlegefühl und Magendruck
- Magenschmerzen
Die Beschwerden können nahezu dauerhaft oder phasenweise bestehen. Manchmal kommt es auch zu Beschwerden außerhalb des Verdauungstrakts wie Schlafstörungen. Die Lebensqualität ist bei Frauen und älteren Menschen sowie bei Menschen mit Angststörungen oder Depressionen insgesamt oft stärker beeinträchtigt als bei anderen Betroffenen.
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Ursachen des Reizmagens:
Die genauen Ursachen des Reizmagens sind bisher nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass verschiedene Faktoren eine Rolle spielen, darunter:
- Motilitätsstörungen: Der Magen dehnt sich beim Essen nicht ausreichend aus, verteilt den Nahrungsbrei ungünstig und entleert sich zu langsam.
- Viszerale Hypersensitivität: Bestimmte Bereiche des Verdauungstrakts reagieren übermäßig empfindlich auf Reize wie Dehnung, Säure und Schärfe.
- Erhöhte Schleimhautdurchlässigkeit: Die Schleimhautbarriere im oberen Dünndarm schützt nicht ausreichend, sodass reizende Stoffe, wie Säure oder Gallenflüssigkeit die Schleimhaut durchdringen und Entzündungen auslösen können.
- Veränderungen des Mikrobioms: Veränderungen in der Zusammensetzung des Mikrobioms im oberen Magen-Darm-Trakt, die etwa durch frühere Magen-Darm-Infektionen verursacht wurden.
- Psychische Faktoren: Depressionen und Ängste können einen Reizmagen begünstigen.
Diagnose des Reizmagens:
Um einen Reizmagen zu diagnostizieren, müssen andere mögliche Ursachen für die Beschwerden ausgeschlossen werden. Dies geschieht in der Regel durch:
- Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und der aktuellen Beschwerden
- Körperliche Untersuchung: Abtasten des Bauches
- Ultraschall-Untersuchung: der Bauchorgane
- Magenspiegelung: zur Beurteilung der Magenschleimhaut und zum Ausschluss von Entzündungen oder Geschwüren
- Blut- und Stuhltests: zum Ausschluss von Infektionen oder anderen Erkrankungen
- Test auf Helicobacter pylori: zum Ausschluss einer bakteriellen Infektion
Behandlung des Reizmagens:
Da Reizmagen-Beschwerden keine einheitliche und eindeutig feststellbare Ursache haben, gibt es auch keine Therapie, die für alle Erkrankten funktioniert. Die Behandlung zielt darauf ab, die Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Zu den möglichen Behandlungsansätzen gehören:
- Ernährungsumstellung: Viele Betroffene vertragen mehrere kleinere Mahlzeiten besser als wenige, üppige. Auch in Ruhe zu essen und bewusst zu kauen kann die Symptome lindern. Ein Ernährungs- und Symptomtagebuch kann helfen, Zusammenhänge zu erkennen und Auslöser zu vermeiden.
- Entspannungstechniken: Autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Stressmanagement können helfen, die psychische Gesundheit zu stärken und die Beschwerden zu lindern.
- Medikamente: Bei einer nachgewiesenen Helicobacter-Pylori-Infektion der Magenschleimhaut kann eine Therapie mit Antibiotika durchgeführt werden. Säurehemmer wie Protonenpumpenhemmer und H2-Rezeptor-Antagonisten können bei einem Reizmagen helfen. Pflanzliche Mittel mit verschiedenen Kräutern (unter anderem Pfefferminze und Kümmelöl) können krampflösend wirken und den Verdauungstrakt anregen.
Diabetische autonome Neuropathie (DAN)
Die diabetische autonome Neuropathie (DAN) ist eine Komplikation von Diabetes, bei der die Nerven des autonomen Nervensystems geschädigt werden. Das autonome Nervensystem steuert unwillkürliche Körperfunktionen wie Herzfrequenz, Blutdruck, Verdauung und Blasenfunktion.
Symptome der DAN im Gastrointestinaltrakt:
- Obstipation
- Diarrhö
- Blähungen
- Übelkeit
- Gastroparese (verzögerte Magenentleerung)
- Frühe Sättigung
- Würgereiz und Erbrechen, vor allem nach dem Essen
- Oberbauchschmerzen
- Refluxerkrankung
- Sodbrennen
- Heiserkeit
- Hals- und Kehlkopfentzündung
- Schluckstörungen
- Brustschmerzen
Diagnose der DAN:
Die Diagnose der DAN erfolgt in der Regel durch eine Kombination aus Anamnese, körperlicher Untersuchung und speziellen Tests zur Beurteilung der Funktion des autonomen Nervensystems.
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Behandlung der DAN:
Die Behandlung der DAN zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und das Fortschreiten der Nervenschädigung zu verlangsamen. Zu den möglichen Behandlungsansätzen gehören:
- Gute Blutzuckereinstellung: Eine normnahe Stoffwechseleinstellung ist entscheidend, um das Fortschreiten der Nervenschädigung zu verlangsamen.
- Ernährungsanpassung: Bei Gastroparese werden viele kleine Mahlzeiten mit wenig Fett und Ballaststoffen, eher pürierte als feste Nahrung sowie Verzicht auf Alkohol, Nicotin und Kohlensäure-haltige Getränke empfohlen.
- Medikamente: Prokinetika wie Metoclopramid oder Domperidon können befristet eingesetzt werden, um die Magenentleerung zu beschleunigen. Symptomorientiert werden auch Antiemetika und Analgetika eingesetzt. Bei Refluxerkrankung können Protonenpumpenblocker (PPI) helfen.
Morbus Crohn
Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die den gesamten Verdauungstrakt vom Mund bis zum After befallen kann. Die Entzündung kann zu Schmerzen, Durchfall, Gewichtsverlust und anderen Symptomen führen.
Schmerzen bei Morbus Crohn:
Schmerzen sind ein häufiges Symptom von Morbus Crohn. Sie können dumpf, stechend, krampfartig, episodenhaft oder dauerhaft sein. Bauchschmerzen treten oft im rechten Unterbauch und einige Zeit nach dem Essen auf. Schmerzen können aber nicht nur im Darm vorkommen, sondern auch in Gelenken oder Muskeln. Es kann zu Magenschmerzen oder auch zu Rückenschmerzen kommen.
Ursachen der Schmerzen bei Morbus Crohn:
Im Zusammenhang mit der Entzündung bei Morbus Crohn werden bestimmte Botenstoffe freigesetzt. Diese geben ein Signal an die feinen Nervenenden, die Schmerzantennen, im Körper. Es werden weitere Stoffe, sogenannte Schmerzmediatoren, ausgeschüttet. Diese machen die Schmerzantennen noch empfindlicher. Das Signal wird über Nervenstränge an das Rückenmark und dann ans Gehirn weitergeleitet.
Behandlung der Schmerzen bei Morbus Crohn:
Was gegen die Schmerzen bei Morbus Crohn getan werden kann, hängt von ihrer Ursache ab. Manchmal ist es gut, zusätzlich Schmerzmittel zu nehmen, bis ein Schub nachlässt. Dabei kommt jedoch nicht jedes Schmerzmittel infrage, da diese den schon entzündeten Darm zusätzlich belasten können. Die individuell optimale Schmerzbehandlung hängt von verschiedenen Faktoren ab und sollte mit einem Arzt besprochen werden.
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Weitere Ursachen für Bauchschmerzen nach dem Essen
Neben den oben genannten Erkrankungen gibt es noch weitere Ursachen für Bauchschmerzen nach dem Essen, darunter:
- Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Laktoseintoleranz, Fruktosemalabsorption oder Glutenunverträglichkeit können zu Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall nach dem Essen führen.
- Gallensteine: Gallensteine können Schmerzen im Oberbauch verursachen, insbesondere nach dem Verzehr von fettreichen Mahlzeiten.
- Magengeschwür: Ein Magengeschwür kann zu brennenden Schmerzen im Oberbauch führen, die sich nach dem Essen verstärken können.
- Gastritis: Eine Entzündung der Magenschleimhaut kann zu Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen führen.
- Reizdarmsyndrom (RDS): Das Reizdarmsyndrom ist eine funktionelle Darmerkrankung, die mit Bauchschmerzen, Blähungen und Veränderungen des Stuhlgangs einhergeht.
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