Weiche Beule am Kopf beim Neugeborenen: Ursachen, Erkennung und Behandlung

Stöße und Stürze gehören zum Alltag von Babys und Kleinkindern. Da der Kopf im Verhältnis zum Körpergewicht relativ schwer ist, kommt es häufiger zu Kopfverletzungen, die oft mit einer Beule einhergehen. In den meisten Fällen sind diese Beulen harmlos, dennoch ist es wichtig, die Ursachen zu kennen, die Symptome richtig einzuschätzen und zu wissen, wann ein Arzt konsultiert werden sollte.

Ursachen für Beulen am Kopf beim Neugeborenen

Es gibt verschiedene Ursachen für Beulen am Kopf bei Neugeborenen, die von harmlosen Schwellungen bis hin zu behandlungsbedürftigen Verletzungen reichen können.

Häufige Ursachen

  • Geburtsgeschwulst (Caput succedaneum): Diese Schwellung entsteht durch den Druck während der Geburt und bildet sich normalerweise innerhalb weniger Tage zurück. Sie ist oft weich und schwammig und kann über die Schädelnähte hinausgehen.

  • Kephalhämatom (Kopfblutgeschwulst): Hierbei handelt es sich um eine Blutansammlung zwischen dem Schädelknochen und der Knochenhaut (Periost). Es entsteht durch das Zerreißen kleiner Blutgefäße während der Geburt, insbesondere bei vaginal-operativen Geburten wie Zangen- oder Saugglockengeburten. Ein Kephalhämatom ist in der Regel harmlos und verschwindet innerhalb von Wochen bis Monaten von selbst.

  • Stürze und Stöße: Babys und Kleinkinder sind anfällig für Stürze und Stöße, die zu Beulen am Kopf führen können. Glücklicherweise sind die Kleinen bei leichten Stößen auf den Kopf aber nicht ganz so empfindlich, da ihre Schädelnähte noch elastisch sind.

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Seltenere Ursachen

  • Hydrozephalus (Wasserkopf): Bei dieser Erkrankung sammelt sich übermäßig viel Liquor (Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit) im Schädelinneren an. Dies kann angeboren sein oder im Laufe des Lebens durch Infektionen, Blutungen, Tumore oder Kopfverletzungen entstehen.

  • Hämangiome (Blutschwämmchen): Diese gutartigen Wucherungen der Blutgefäße können als rötliche bis bläuliche Flecken oder Erhebungen auf der Haut erscheinen, auch am Kopf. Sie sind in der Regel harmlos und bilden sich oft von selbst zurück.

  • Atherom (Grützbeutel): Hierbei handelt es sich um eine verstopfte Haarwurzel, die eine Beule am Kopf verursachen kann. Es ist meist harmlos, sollte aber nicht selbst ausgedrückt werden, da es sich sonst entzünden kann.

  • Angioödem: Eine Schwellung durch Wassereinlagerungen in der Haut, die plötzlich und meist im Gesicht auftritt.

Unterscheidung verschiedener Arten von Beulen

Es ist wichtig, verschiedene Arten von Beulen am Kopf zu unterscheiden, um die richtige Behandlung zu gewährleisten.

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  • Weiche, schwabbelige Beulen: Diese können auf eine Geburtsgeschwulst oder ein Ödem hindeuten. Wenn die Beule über die Schädelnähte hinweg zu tasten ist, spricht dies ebenfalls für ein Ödem. Ein Ultraschall kann helfen, einen Schädelbruch oder Hirnwasseraustritt auszuschließen.
  • Feste Beulen: Solange sich eine Beule fest anfühlt, besteht in der Regel kein Anlass zur Sorge.
  • Großflächige, kissenartige Beulen: Diese können auf eine Blutung hindeuten und sollten ärztlich untersucht werden, um einen Schädelbruch auszuschließen.
  • Beulen an der Kopfseite: Diese sollten ebenfalls ärztlich abgeklärt werden, da sich hier eine Arterie befindet, die reißen kann.

Symptome und Anzeichen für eine Gehirnerschütterung oder Hirnblutung

Nach einer Kopfverletzung ist es wichtig, auf Symptome zu achten, die auf eine Gehirnerschütterung oder Hirnblutung hindeuten könnten.

Symptome einer Gehirnerschütterung

  • Bewusstlosigkeit (auch kurzzeitig)
  • Starke Kopfschmerzen
  • Erbrechen (insbesondere, wenn es nicht unmittelbar nach dem Sturz auftritt)
  • Verwaschene Sprache
  • Seh- oder Hörstörungen
  • Verwirrtheit oder Desorientierung
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Ungewöhnliche Schläfrigkeit oder Schwierigkeiten beim Aufwachen

Symptome einer Hirnblutung

  • Bewusstseinsstörungen (übermäßige Müdigkeit oder Schläfrigkeit)
  • Erbrechen
  • Krampfanfälle
  • Schwindel
  • Seh-, Hör- und Koordinationsstörungen
  • Lähmungen

Wann sollte man mit einer Kopfverletzung zum Arzt oder ins Krankenhaus?

Als Faustregel gilt, dass bei folgenden Anzeichen die Kopfverletzung im Krankenhaus abgeklärt werden muss:

  1. Bewusstlosigkeit nach dem Unfall, Bewusstseinsstörungen
  2. Starke Kopfschmerzen
  3. Schwallartiges Erbrechen
  4. Kissenartige Schwellung
  5. Verwaschene Sprache oder kein Sprechen mehr
  6. Seh- und Hörstörungen
  7. Blutung aus dem Ohr

Auch wenn das Baby noch klein ist und vom Wickeltisch fällt, sollte man zur Sicherheit ins Krankenhaus oder zum Kinderarzt gehen, vor allem dann, wenn am Kopf eine Beule erkennbar ist. Bei Kindern unter einem Jahr kommt es öfter zu Brüchen des Schädels.

Erste Hilfe und Behandlung von Beulen am Kopf

Sofortmaßnahmen

  • PECH-Regel:
    • P: Pause einlegen, Kind trösten und ausruhen lassen.
    • E: Eis auflegen, Beule für 15-30 Minuten mit einem Kühlpack kühlen (in ein Tuch wickeln).
    • C: Kompresse, leichten Druck auf die Beule ausüben.
    • H: Hochlegen, Kind mit leicht erhöhtem Oberkörper hinlegen.
  • Arnika-Salbe: Salben oder Gele mit Arnika, Beinwell oder Ringelblume können abschwellend und kühlend wirken.

Überwachung

  • Beobachten Sie Ihr Kind in den nächsten 48 Stunden genau.
  • Wecken Sie es nachts zwei- bis dreimal, um zu überprüfen, ob es angemessen reagiert.
  • Achten Sie auf Anzeichen einer Gehirnerschütterung oder Hirnblutung.

Ärztliche Behandlung

  • Der Kinderarzt kann das Kind untersuchen und entscheiden, ob weitere Untersuchungen im Krankenhaus notwendig sind.
  • Im Krankenhaus können Röntgenaufnahmen oder CTs gemacht werden, um Verletzungen des Schädels oder des Gehirns auszuschließen.
  • Bei einer Gehirnerschütterung wird in der Regel Ruhe und Schonung empfohlen.
  • Bei einer Hirnblutung kann eine Operation erforderlich sein.

Vorbeugende Maßnahmen

  • Helm tragen: Beim Laufrad-, Roller- oder Fahrradfahren sollten Kinder immer einen Helm tragen.
  • Treppen sichern: Treppengitter verhindern gefährliche Stürze.
  • Wickeltisch sichern: Lassen Sie das Baby auf dem Wickeltisch nie unbeaufsichtigt.
  • Hochstuhl sichern: Sichern Sie das Kind im Hochstuhl mit einem Gurt.
  • Spitze Kanten abkleben: Scharfe Ecken an Möbeln können mit Kantenschützern abgedeckt werden.
  • Anti-Rutsch-Socken: Auf glatten Böden können Anti-Rutsch-Socken helfen.

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