Hirntumor Lebenserwartung: Ein umfassender Überblick

Ein Hirntumor ist eine Erkrankung, die viele Fragen aufwirft, insbesondere im Hinblick auf die Lebenserwartung. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über verschiedene Aspekte von Hirntumoren, wobei der Fokus auf dem Glioblastom liegt, der häufigsten und aggressivsten Form.

Einführung

Hirntumoren sind vielfältig und ihre Auswirkungen auf die Lebenserwartung hängen von verschiedenen Faktoren ab. Es ist wichtig zu betonen, dass ein Hirntumor nicht gleich ein Todesurteil ist. Es gibt gutartige und bösartige Arten, und ebenso viele Behandlungsmöglichkeiten. Die Prognose variiert stark, abhängig von der Art des Tumors, seiner Lage, dem Allgemeinzustand des Patienten und dem biologischen Alter.

Was ist ein Hirntumor?

Der Begriff "Hirntumor" beschreibt eine Raumforderung im Bereich des Gehirns. Es gibt verschiedene Arten von Hirntumoren, die sich in Ursprung, Wachstumsverhalten, Ansprechen auf Behandlung und Prognose unterscheiden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat eine Gradierung entwickelt, die von Grad I (gutartig, langsames Tumorwachstum, gute Prognose) bis Grad IV (sehr bösartig, rasches Tumorwachstum, schlechte Prognose) reicht.

Man unterscheidet zwischen primären und sekundären Hirntumoren. Primäre Hirntumoren entstehen im Gehirn selbst, während sekundäre Hirntumoren Metastasen anderer Krebsarten sind, die sich im Gehirn angesiedelt haben.

Gliome: Tumoren des Stützgewebes

Oft gehen Hirntumoren von den Gliazellen aus, den Stütz- und Nährgeweben des Gehirns. Durch entartete Gliazellen entsteht ein Gliom. Gliome machen etwa die Hälfte aller Hirntumoren aus. Zu den Gliom-Typen gehören Astrozytome, Ependymome und Oligodendrogliome.

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Das Glioblastom: Eine besondere Herausforderung

Das Glioblastom ist der häufigste aggressive primäre Hirntumor bei Erwachsenen und wird von der WHO dem Grad IV zugeordnet. Es gehört zur Gruppe der Astrozytome und entsteht aus sternförmigen Astrozyten. Das Erkrankungsalter liegt meist zwischen 55 und 65 Jahren, Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen.

Glioblastome wachsen schnell und infiltrieren umliegendes Hirngewebe, was die Gehirnfunktion erheblich beeinträchtigen kann. Sie bilden eigene Blutgefäße, was ihr aggressives Wachstum unterstützt. Die Symptome können vielfältig sein und umfassen Kopfschmerzen, neurologische Ausfälle und epileptische Anfälle.

Formen des Glioblastoms

Man unterscheidet zwischen primärem und sekundärem Glioblastom:

  • Primäres Glioblastom (IDH-Wildtyp): Diese Form tritt bei etwa 90% der Patienten auf, entwickelt sich ohne Vorläufer und wächst sehr aggressiv.
  • Sekundäres Glioblastom: Diese Form wird heute als Astrozytom, IDH-mutiert, WHO-Grad 4 bezeichnet. Es entsteht meist aus einem niedriggradigen Astrozytom, betrifft eher jüngere Menschen und hat eine etwas günstigere Prognose.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen für die Entstehung eines Glioblastoms sind noch nicht ausreichend erforscht. Zu den bekannten Risikofaktoren gehören:

  • Alter: Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an einem Hirntumor zu erkranken.
  • Strahlenexposition: Menschen, die ionisierender Strahlung ausgesetzt waren, haben ein erhöhtes Risiko für einen Hirntumor.
  • Erbliche Krankheitsbilder: Seltene genetische Erkrankungen wie Neurofibromatose, Tuberöse Sklerose, Turcot-Syndrom, Lynch-Syndrom und Li-Fraumeni-Syndrom können das Risiko erhöhen.
  • Radiofrequenzfelder: Es gibt Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Radiofrequenzstrahlung und der Entstehung von Gliomen, aber die Forschungsergebnisse sind noch nicht eindeutig.

Symptome

Die Symptome eines Glioblastoms sind vielfältig und hängen von der Lage des Tumors im Gehirn ab. Da Glioblastome schnell wachsen, verursachen sie oft Druck auf das Gehirn, was zu folgenden Beschwerden führen kann:

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  • Kopfschmerzen (vor allem nachts und morgens)
  • Epileptische Anfälle
  • Lähmungen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Gedächtnisstörungen
  • Gefühlsstörungen
  • Sehstörungen
  • Sprachstörungen
  • Veränderungen der Persönlichkeit

Diagnose

Die Diagnose eines Glioblastoms erfolgt in mehreren Schritten:

  1. Anamnese: Der Arzt befragt den Patienten ausführlich nach seinen Symptomen und seiner Krankengeschichte.
  2. Neurologische Untersuchung: Der Arzt überprüft Sehvermögen, Gehör, Gleichgewicht, Koordination und Reflexe des Patienten.
  3. Bildgebende Verfahren: Magnetresonanztomographie (MRT) ist das Standardverfahren zur Diagnose von Hirntumoren. Computertomographie (CT) und Positronen-Emissions-Tomographie (PET) können ebenfalls eingesetzt werden.
  4. Biopsie: Eine Gewebeprobe wird entnommen und im Labor untersucht, um die Art der Zellen, den WHO-Grad und genetische Marker zu bestimmen.

Behandlung

Die Behandlung eines Glioblastoms erfordert einen multidisziplinären Ansatz und umfasst in der Regel:

  1. Operation: Ziel ist es, so viel Tumorgewebe wie möglich zu entfernen, ohne das umliegende gesunde Hirngewebe zu schädigen. Da Glioblastome von einer Zone infiltrierender Zellen umgeben sind, ist eine vollständige Entfernung oft nicht möglich.
  2. Strahlentherapie: Nach der Operation folgt die Strahlentherapie, um verbliebene Tumorzellen abzutöten.
  3. Chemotherapie: Während der Bestrahlung erhalten die Patienten Temozolomid, gefolgt von Erhaltungszyklen. Der MGMT-Status hilft bei der Beurteilung, ob Temozolomid besonders wirksam ist.
  4. Tumor Treating Fields (TTF): TTF sind elektrische Felder, die die Zellteilung der Tumorzellen stören. Sie werden meist mit Chemotherapie kombiniert.
  5. Therapie des Rezidivs: Beim Wiederauftreten des Glioblastoms kommen weitere Chemotherapien, erneute Resektion oder Studienprotokolle infrage.
  6. Palliativmedizin und supportive Therapie: Hierbei geht es um die Linderung von Beschwerden und die Verbesserung der Lebensqualität.

Aktuelle Forschung und Studien

Die Forschung im Bereich der Glioblastom-Therapie ist intensiv. Aktuell wird in der Therapie eine Bestrahlung bis zu einer Gesamtdosis von 60 Gray (Gy) mit 2 Gy Einzeldosis eingesetzt. Es gibt jedoch Hinweise, dass diese Dosis für eine Kontrolle des Tumors nicht ausreicht. Einfach die Bestrahlungsdosis zu erhöhen, könnte jedoch zusätzliche Nebenwirkungen verursachen.

Die PRIDE-Studie, die am Universitätsklinikum Tübingen in Kooperation mit der Ludwig-Maximilians-Universität München durchgeführt wird, untersucht einen neuen Behandlungsansatz. Im Rahmen der Studie soll die Strahlendosis hochgesetzt werden, dabei jedoch zusätzlich zwei Mal das Medikament Bevacizumab (ein Antikörper, der das Gefäßwachstum schwächen kann) verabreicht werden, um zusätzlichen Nebenwirkungen entgegenzuwirken.

Eine weitere Studie am Universitätsklinikum Bonn (UKB), die ATLAS/NOA-29-Studie, untersucht den Einfluss eines erweiterten chirurgischen Verfahrens auf die Lebenserwartung und die Lebensqualität von Glioblastompatienten. Dabei wird neben dem Tumor auch das umgebende Hirngewebe entfernt.

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Lebenserwartung beim Glioblastom

Die Lebenserwartung bei einem Glioblastom ist begrenzt. Selbst unter maximaler Therapie ist ein Glioblastom in der Regel nicht heilbar. Personen, die sich einer Operation, Strahlen- und Chemotherapie unterzogen haben, haben eine mittlere Überlebenszeit von ungefähr 15 Monaten. Etwa fünf bis sieben Prozent der Betroffenen überleben durchschnittlich fünf Jahre. Ohne Therapie stirbt eine erkrankte Person unter Umständen bereits nach circa zwei Monaten.

Die Lebenserwartung und -qualität hängen von individuellen Faktoren ab, wie z. B. den Eigenschaften der Tumorzellen, der Verträglichkeit der Behandlung und dem Allgemeinzustand des Patienten.

Riechvermögen als Biomarker

Eine aktuelle Studie der Medizinischen Fakultät deutet darauf hin, dass das Riechvermögen ein Biomarker für das Überleben von Hirntumorpatienten sein könnte. Patienten, die eine Riechstörung entwickeln, haben anscheinend eine schlechtere Prognose, unabhängig von der Lage des Tumors.

Umgang mit der Diagnose

Die Diagnose eines Glioblastoms ist für Betroffene und ihre Angehörigen eine große Belastung. Es ist wichtig, sich umfassend zu informieren, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen und sich mit anderen Betroffenen auszutauschen.

Patienten-FAQ

Rund um das Thema Glioblastom stellen sich für Betroffene und Angehörige oft viele Fragen: zur Diagnose, zu Behandlungsmöglichkeiten, zu Nebenwirkungen oder zum Alltag mit der Erkrankung. Es gibt zahlreiche Patienten-FAQs und Informationsquellen, die aktuelle, medizinisch fundierte Antworten verständlich und klar erklären.

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