Ein Leistenbruch (Leistenhernie) entsteht, wenn sich Bauchorgane durch eine Schwachstelle in der Bauchwand in der Leistengegend vorwölben. Obwohl die meisten Leistenbrüche ungefährlich sind, können sie zu Komplikationen wie Einklemmungen führen, bei denen Organe im Bruchsack gefangen sind. Eine Operation ist die einzige Möglichkeit, einen Leistenbruch dauerhaft zu beseitigen. Dieser Artikel beleuchtet die Diagnose, verschiedene Operationsverfahren und den Umgang mit möglichen Komplikationen wie Taubheitsgefühlen nach der Operation.
Ursachen und Risikofaktoren
Ein Leistenbruch entsteht nicht durch schwere Arbeit, wiederholtes schweres Heben oder Prellungen der Leistengegend. Vielmehr ist die Ursache oft eine angeborene oder altersbedingte Bindegewebsschwäche. Der Leistenkanal ist eine natürliche Schwachstelle, durch die bei Männern der Samenstrang und bei Frauen das Halteband der Gebärmutter verlaufen. Faktoren, die den Druck im Bauchraum erhöhen, wie Übergewicht, Schwangerschaft, chronische Verstopfung oder chronischer Husten, können einen bestehenden Leistenbruch verstärken.
Zu den Risikofaktoren gehören:
- Männliches Geschlecht: Männer sind aufgrund des weiteren Leistenkanals häufiger betroffen. Das Verhältnis von Männern zu Frauen beträgt etwa 8:1.
- Bindegewebsschwäche: Eine genetisch bedingte oder altersbedingte Schwäche des Bindegewebes kann die Entstehung eines Leistenbruchs begünstigen.
- Erhöhter Bauchinnendruck: Faktoren wie Übergewicht, Schwangerschaft, chronische Verstopfung, Prostatavergrößerung, Asthma und Bronchitis erhöhen den Druck im Bauchraum und können einen Leistenbruch begünstigen.
- Körperlich anstrengende Tätigkeiten: Diese können einen bereits bestehenden Leistenbruch verstärken, ihn aber nicht direkt verursachen.
Diagnose eines Leistenbruchs
Ein Leistenbruch ist nicht immer leicht zu erkennen. Häufig zeigt sich eine schmerzlose Vorwölbung neben dem Schambeinhöcker. Die Diagnose erfolgt in der Regel durch eine körperliche Untersuchung im Stehen, bei der der Arzt die Leiste abtastet. Durch Husten oder Pressen kann die Vorwölbung deutlicher werden. Im Liegen gleitet der Leistenbruch oft in den Bauchraum zurück. Eine Ultraschalluntersuchung kann die Größe des Bruchs bestätigen.
Symptome eines Leistenbruchs können sein:
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- Eine sichtbare Vorwölbung in der Leistengegend, die beim Stehen oder Pressen deutlicher wird.
- Schmerzen oder Unbehagen in der Leiste, die sich beim Heben, Husten oder längeren Stehen verschlimmern können.
- Ein Schweregefühl oder Druckgefühl in der Leiste.
- In manchen Fällen kann sich die Schwellung bis in den Hodensack erstrecken.
Wann ist eine Operation notwendig?
Ein Leistenbruch heilt nicht von alleine und kann nur durch eine Operation beseitigt werden. Die meisten Leistenbrüche sind ungefährlich, können aber zu einer Einklemmung führen, bei der Organe im Bruchsack gefangen sind. Dies ist eine lebensbedrohliche Komplikation, die unverzüglich operiert werden muss. Kleine Leistenbrüche ohne Beschwerden können zunächst beobachtet werden, jedoch ist eine regelmäßige ärztliche Kontrolle erforderlich.
Der Zeitpunkt der Operation hängt von den Beschwerden, der Größe des Bruchs und dem Risiko der Einklemmung ab. Der optimale Zeitpunkt muss für jeden Patienten individuell festgelegt werden.
Operationsverfahren
Für die Behandlung eines Leistenbruchs stehen verschiedene operative Möglichkeiten zur Auswahl. Die Wahl des Verfahrens richtet sich nach der Art und Größe des Bruchs, dem Risikoprofil des Patienten, den körperlichen Anforderungen und den Wünschen des Patienten. Es gibt Reparationen mit und ohne Netzimplantationen.
Offene Verfahren mit Hautschnitt
Bei offenen Operationsverfahren wird die Hernienversorgung entweder mit oder ohne Fremdmaterial durchgeführt. Hierfür ist ein kleiner Hautschnitt im Bereich der Leiste erforderlich.
- Operation nach Shouldice: Bei dieser Methode wird die Bruchlücke mit körpereigenem Gewebe repariert. Jede anatomische Struktur wird exakt dargestellt und anschließend mit zwei fortlaufenden Nähten die Leistenkanalrückwand plastisch rekonstruiert und verstärkt.
- Operation nach Lichtenstein: Bei dieser Technik bleibt die Leistenkanalhinterwand intakt und die Bruchlücke wird mit einem großflächigen Kunststoffnetz spannungsfrei bedeckt und verschlossen. Dieses Verfahren ist das weltweit am häufigsten durchgeführte.
- Desarda-Technik: Hierbei erfolgt die Stabilisierung der Leistenkanalhinterwand durch einen Faszienverschiebelappen ohne Netz.
Endoskopische Verfahren
Bei endoskopischen Verfahren erfolgt die Hernienversorgung stets mit einem Kunststoffnetz über kleine Schnitte in der Bauchdecke. Der Zugang erfolgt transabdominell (TAPP) oder total extraperitoneal (TEP). Bei diesen Verfahren werden großflächige Kunststoffnetze auf der Rückseite der Bauchwand eingebracht.
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- TAPP (Transabdominale präperitoneale Netzplastik): Hierbei wird von der Bauchhöhle aus operiert und das Bauchfell von innen eröffnet, um das Netz dann vor dem Bauchfell zu implantieren.
- TEP (Totale extraperitoneale Netzplastik): Bei diesem Verfahren erfolgt die Operation komplett vor dem Bauchfell innerhalb der Bauchwand.
Mögliche Komplikationen
Komplikationen bei Leistenbruchoperationen sind selten. Im Vordergrund stehen Wundheilungsstörungen, Blutungen, Hodenschädigungen, andauernde Gefühlstörungen oder Nervenirritationen und Wiederholungsbrüche. Thrombose und Embolie treten vor allem bei längerer Immobilisation auf. Blasenentleerungsstörungen werden bei sehr großen Leistenbrüchen mit Blasenbeteiligung beobachtet.
Taubheitsgefühl nach der Operation
Nach der Operation kann es im Bereich um die Narbe zu einem Taubheitsgefühl kommen. Dies liegt an der zusätzlichen Betäubung in dem Gebiet und ist gewollt. Eine möglicherweise verbleibende Taubheit liegt an der möglichen Verletzung von kleinen Hautnerven im Operationsgebiet. Darüber hinaus werden bereits offensichtlich veränderte Nerven im OP-Gebiet bewusst entfernt, da Studien gezeigt haben, dass eine bewusste Durchtrennung von Nerven im OP Gebiet evtl. auftretende chronische Schmerzen vorbeugt.
Vorbereitung auf die Operation
Am Abend vor der Operation sollte eine leichte Mahlzeit eingenommen werden. Bis zwei Stunden vor dem Eingriff kann eine kleine Menge klarer Flüssigkeit getrunken werden. Raucher sollten zwölf Stunden vor dem Eingriff nicht mehr rauchen. Duschen Sie wie gewohnt, rasieren Sie das OP-Gebiet bitte nicht.
Nach der Operation
Nach der Operation können Sie bald etwas trinken und eine Kleinigkeit essen. Am Abend der Operation können Sie etwas Leichtes zu sich nehmen. Rauchen wirkt sich nachteilig auf die Wundheilung aus. Anfangs werden Sie keine Schmerzen haben, da das Wundgebiet mit langanhaltenden örtlichen Betäubungsmitteln infiltriert wird. Danach kann es bei Bewegungen oder Lagewechseln, beim Husten und Pressen je nach Schmerzempfindlichkeit zu leichten bis mittelgradigen Schmerzen kommen.
Umgang mit Schwellungen und Blutergüssen
Es kann zu Schwellungen und Blutergüssen im Operationsgebiet kommen. Diese können auch bis in die Schamregion reichen. Beim Mann kann es zu Verfärbungen durch auslaufende Blutergüsse bis in den Penis und den Hodensack kommen. Dies wird vom Körper aufgenommen und verschwindet innerhalb der ersten 1-2 Wochen. Wenn ein Kunststoffnetz eingesetzt worden ist, können Schwellungen gelegentlich auch erst nach 7-10 Tagen entstehen. Dies ist in der Regel normal und erklärt sich durch die vermehrte Flüssigkeitseinlagerung im Sinne einer Fremdkörperreaktion. Schwellungen und Verhärtungen im Operationsgebiet halten gerne bis zu 8 Wochen an. Kühlen Sie die operierte Körperregion täglich 5-6 Mal für jeweils 10 Minuten mit einem Coolpack.
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Wann zum Arzt?
Sollte es im Operationsgebiet zu Rötungen, zunehmenden Schwellungen und Fieber kommen, sollten Sie umgehend die Sprechstunde aufsuchen oder mit uns telefonisch Kontakt aufnehmen!
Duschen nach der Operation
Bereits spätestens 48 Stunden nach der Operation können Sie wieder duschen. Bitte nicht baden! Die Wunde bitte bedeckt lassen. In der Regel statten wir Sie mit einem „Duschpflaster“ aus.
Ärztliche Kontrollen
Eine erste ärztliche Kontrolle führen wir nach ambulanten Eingriffen am Folgetag, gelegentlich am zweiten postoperativen Tag in der Praxis durch. Wir kontrollieren das Wundgebiet und wechseln ggf. den Verband. Bei den stationären Patienten erfolgt diese Kontrolle bzw. der erste Verbandswechsel im Rahmen der Visite im Krankenhaus bzw. im OP Zentrum. Weitere Kontrollen finden zum Fadenzug nach ca.
Körperliche Belastung
Je nach Konstitution und je nach Bruch und in Abhängigkeit von der Operationsmethode gibt es individuelle Unterschiede. In der Regel gilt:
- nach 1-2 Tagen können Sie sich normal bewegen
- in den ersten 1-2 Wochen gilt: Sie können sich leicht belasten - Heben und Tragen bis max. 10- 15 kg ist möglich
- nach dem Fadenzug allmähliche Belastungssteigerung mit radfahren, laufen, evtl. schwimmen
- nach 3 Wochen: zunehmende Belastungssteigerung: Fitness mit leichter Gewichtsbelastung
- nach ca. 4 Wochen: zunehmend volle Belastbarkeit ohne Einschränkung
Prävention
Wer das Risiko eines Leistenbruchs minimieren will, sollte seine schrägen Bauchmuskeln trainieren und sie so stärken. Wichtig sei zudem, beim Heben von schweren Gegenständen die richtige Haltung einzunehmen. So sollte der Rücken aufrecht und nicht gebückt sein sowie bei schweren Belastungen ausgeatmet und nicht gepresst werden. Dafür geht man in die Hocke und richtet beim Heben den gesamten Körper auf. Vermeiden lässt sich ein Leistenbruch aber nicht immer.