Leben nach der Migräne: Phasen, Symptome und Bewältigungsstrategien

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der viele Menschen betroffen sind. Sie ist durch anfallsartige, pulsierende Kopfschmerzen gekennzeichnet, die oft von Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet werden. Migräneattacken können den Alltag der Betroffenen stark beeinträchtigen. Doch Migräne ist mehr als nur Kopfschmerz. Sie ist eine komplexe Erkrankung, die in verschiedenen Phasen verläuft und sowohl vor als auch nach der eigentlichen Kopfschmerzphase Symptome verursachen kann. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Phasen einer Migräneattacke, insbesondere die Nachwirkungen, und gibt Tipps zur Bewältigung.

Die verschiedenen Phasen einer Migräneattacke

Eine Migräneattacke kann in bis zu fünf Phasen verlaufen, wobei nicht alle Patienten alle Phasen durchlaufen müssen. Das Verständnis dieser Phasen kann Betroffenen helfen, die Symptome besser zu deuten und rechtzeitig geeignete Maßnahmen zu ergreifen.

  1. Prodromalphase (Vorbotenphase): Bei etwa 30 % der Migränepatienten kündigt sich ein Anfall durch Vorbotensymptome an, die zwischen zwei Stunden und zwei Tagen dauern können. Diese Symptome können psychischer, vegetativer oder neurologischer Natur sein. Häufig berichten Patienten über Geräuschempfindlichkeit, häufiges Gähnen, Müdigkeit, Störungen im Magen-Darm-Trakt oder Heißhungerattacken auf bestimmte Lebensmittel. Tanja Multinu, eine Migränikerin und Gesundheitsexpertin, beschreibt in ihrer Erfahrung gesteigerte Aktivität, erhöhte Leistungsbereitschaft und Kreativität als erste Anzeichen. Sie rät, in dieser Phase Triggerfaktoren zu eliminieren und Gegenmaßnahmen zu starten.

  2. Auraphase: 15-20 % der Migränefälle gehen mit einer Aura einher. In dieser Phase treten meist visuelle Störungen wie lokale Verluste der Wahrnehmung von Strukturen (Skotome), ein Verlust des räumlichen Sehens oder Unschärfe auf. Auch Sensibilitätsstörungen wie Kribbelempfindungen in Armen, Beinen und Gesicht sind typisch. Zusätzlich können Geruchsempfindungsstörungen, Gleichgewichtsstörungen, Sprachstörungen oder andere neurologische Ausfälle auftreten. Die Aura hat keine schädigenden Wirkungen auf das Hirngewebe, die Anzeichen sind vorübergehend und dauern in der Regel bis zu einer Stunde.

  3. Kopfschmerzphase: Nach den Vorboten und der Aura kommt es zur eigentlichen Kopfschmerzphase. Der Schmerz tritt in 79 % der Fälle halbseitig auf, insbesondere im Bereich von Stirn, Schläfe, Auge und manchmal ist auch die entsprechende gesamte Gesichtshälfte betroffen. Der pulsierende Schmerz nimmt bei körperlicher Betätigung zu, und nur Ruhe, Dunkelheit und das Ausschalten aller störenden Faktoren bringt eine Linderung. Diese Phase variiert zwischen einer Stunde bis zu mehreren Tagen, je nach Migräneform oder Patient.

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  4. Auflösungsphase: In dieser Phase lassen die Symptome zunehmend nach.

  5. Rückbildungsphase (Postdromalphase): In dieser Phase nehmen alle Begleitsymptome und der Kopfschmerz ab, bis der Patient sich zwar beschwerdefrei, aber müde und abgespannt durch die Anstrengungen der vorangegangenen Ereignisse fühlt. Diese Phase kann bis zu 24 Stunden dauern. Sie wird auch gerne als Migräne-Kater bezeichnet.

Die Rückbildungsphase: Nachwirkungen der Migräne

Die Rückbildungsphase ist die letzte Phase einer Migräneattacke und wird oft weniger beachtet, obwohl sie für Migräne-Betroffene sehr einschränkend sein kann. In dieser Phase klingen die Schmerzen ab, aber viele Betroffene leiden weiterhin unter verschiedenen Symptomen, die als Migräne-Nachwirkungen bezeichnet werden.

Typische Symptome der Rückbildungsphase

Die Symptome der Rückbildungsphase können je nach Person variieren. Einige Betroffene fühlen sich erschöpft und müde, während andere eine Art Euphorie oder vermehrte Energie verspüren. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Erschöpfung und Müdigkeit: Erhöhtes Schlaf- und Ruhebedürfnis
  • Schmerzempfindlichkeit: Erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Schmerzen
  • Appetitlosigkeit: Vermindertes Verlangen nach Essen
  • Konzentrationsprobleme: Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und Aufgaben zu erledigen
  • Reizbarkeit: Gereiztheit und erhöhte Anfälligkeit für Frustration
  • Muskelschmerzen: Schmerzen und Verspannungen in den Muskeln
  • Gefühl von Euphorie und Lebendigkeit: Ungewöhnlich positive Stimmung und Energie
  • Vermehrte Energie: Erhöhtes Aktivitätsniveau

Dauer der Rückbildungsphase

Die Rückbildungsphase dauert laut Definition bis zu 24 Stunden an. Das Ganze ist jedoch individuell und auch eine Dauer von einigen Stunden oder auch mehreren Tagen ist nicht ungewöhnlich.

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Was tun gegen Migräne-Nachwirkungen?

Übliche Migränemedikamente für den Akutfall helfen in der Rückbildungsphase leider nicht. Sie können teilweise sogar Nachwirkungen bedingen oder fördern. Deshalb gilt generell Akutmedikation nicht häufiger und länger als nötig zu verwenden, um z.B. einen Medikamentenübergebrauchskopfschmerz (MÜK) zu vermeiden.

Um die Symptome der Rückbildungsphase zu verbessern, empfiehlt sich nach derzeitigen Wissenstand folgendes:

  • Viel Ruhe und ausreichend Schlaf: Gönnen Sie Ihrem Körper die Erholung, die er braucht.
  • Stressreduktion und Entspannung: Praktizieren Sie Entspannungsübungen wie Meditation oder Yoga.
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie ausreichend Wasser, um den Körper zu rehydrieren.
  • Ausgewogene Mahlzeiten: Essen Sie gesunde und nahrhafte Mahlzeiten, um den Blutzuckerspiegel stabil zu halten. Eine niedrig-glykämische, personalisierte Ernährung, die den Blutzucker eher niedrig und stabil hält, wirkt sich positiv auf die Migränehäufigkeit und -intensität aus.
  • Leichte körperliche Aktivität: Machen Sie leichte Übungen wie Stretching, Spaziergänge oder Yoga.
  • Vermeiden Sie helles Licht und laute Geräusche: Schützen Sie sich vor Sinnesüberreizung.
  • Finden Sie heraus, was Ihnen guttut: Experimentieren Sie mit verschiedenen Maßnahmen wie Koffein, Wärme oder Kühlung.

Es ist wichtig, auf Ihren Körper zu hören und ihm etwas Gutes zu tun.

Migräne verstehen und bewältigen

Migräne ist eine komplexe Erkrankung, die viele Aspekte des Lebens der Betroffenen beeinflussen kann. Es gibt aber viele Möglichkeiten, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Hier sind einige Tipps:

  • Führen Sie ein Kopfschmerztagebuch: Notieren Sie Häufigkeit, Dauer, Intensität und Begleitsymptome Ihrer Migräneattacken. Identifizieren Sie mögliche Auslöser und notieren Sie, welche Behandlungen geholfen haben.
  • Erkennen Sie Ihre Triggerfaktoren: Stress, Schlafmangel, bestimmte Lebensmittel, Wetterveränderungen oder hormonelle Schwankungen können Migräneattacken auslösen. Vermeiden Sie diese Triggerfaktoren, so gut es geht.
  • Entwickeln Sie Bewältigungsstrategien: Entspannungstechniken, Stressmanagement, regelmäßige Bewegung und eine gesunde Ernährung können helfen, Migräneattacken vorzubeugen.
  • Suchen Sie professionelle Hilfe: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Ihre Migräne. Er kann Ihnen bei der Diagnose, Behandlung und Prävention helfen. Es gibt verschiedene Medikamente und Therapien, die bei Migräne wirksam sein können.
  • Informieren Sie sich: Je mehr Sie über Migräne wissen, desto besser können Sie damit umgehen. Es gibt viele zuverlässige Quellen für Informationen über Migräne, wie z. B. die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) oder die MigräneLiga e.V..
  • Tauschen Sie sich mit anderen Betroffenen aus: Der Austausch mit anderen Migränepatienten kann sehr hilfreich sein. Sie können sich gegenseitig unterstützen, Erfahrungen austauschen und voneinander lernen.

Medikamentöse Behandlung von Migräne

Es gibt verschiedene Medikamente, die zur Behandlung von Migräne eingesetzt werden können. Diese lassen sich in zwei Kategorien einteilen:

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  • Akutmedikation: Diese Medikamente werden während einer Migräneattacke eingenommen, um die Schmerzen zu lindern und die Begleitsymptome zu reduzieren. Zu den gängigen Akutmedikamenten gehören Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen, Paracetamol oder Triptane.
  • Prophylaktische Medikamente: Diese Medikamente werden regelmäßig eingenommen, um die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken zu reduzieren. Zu den prophylaktischen Medikamenten gehören Betablocker, Antidepressiva, Antiepileptika oder CGRP-Antikörper.

Die Wahl der geeigneten Medikamente hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z. B. der Häufigkeit und Intensität der Migräneattacken, den Begleitsymptomen, den individuellen Bedürfnissen des Patienten und möglichen Begleiterkrankungen. Es ist wichtig, die medikamentöse Behandlung mit einem Arzt zu besprechen.

Natürliche Behandlungsmethoden bei Migräne

Neben der medikamentösen Behandlung gibt es auch eine Reihe von natürlichen Behandlungsmethoden, die bei Migräne helfen können. Dazu gehören:

  • Akupunktur: Akupunktur kann helfen, die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken zu reduzieren.
  • Biofeedback: Biofeedback ist eine Entspannungstechnik, bei der Patienten lernen, ihre Körperfunktionen wie Herzfrequenz und Muskelspannung zu kontrollieren. Dies kann helfen, Stress abzubauen und Migräneattacken vorzubeugen.
  • Pfefferminzöl: Das Auftragen von Pfefferminzöl auf die Schläfen kann helfen, Kopfschmerzen zu lindern.
  • Magnesium: Magnesiummangel kann Migräneattacken auslösen. Die Einnahme von Magnesiumpräparaten kann helfen, Migräne vorzubeugen.
  • Riboflavin (Vitamin B2): Riboflavin kann helfen, die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken zu reduzieren.
  • Coenzym Q10: Coenzym Q10 ist ein Antioxidans, das helfen kann, Migräne vorzubeugen.

Es ist wichtig, vor der Anwendung natürlicher Behandlungsmethoden mit einem Arzt zu sprechen, um mögliche Risiken und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auszuschließen.

Die Bedeutung der Selbsthilfe

Migräne ist eine chronische Erkrankung, die oft mit erheblichen Einschränkungen im Alltag verbunden ist. Neben der ärztlichen Behandlung spielt die Selbsthilfe eine wichtige Rolle bei der Bewältigung der Erkrankung. Durch ein besseres Verständnis der Migräne, das Erkennen von Auslösern, die Entwicklung von Bewältigungsstrategien und den Austausch mit anderen Betroffenen können Migränepatienten ihre Lebensqualität deutlich verbessern.

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