Einführung
Fernreisen erfreuen sich großer Beliebtheit, doch für Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Epilepsie bedarf es einer sorgfältigen Planung und Vorbereitung. Dieser Artikel bietet umfassende Informationen und Ratschläge für Epilepsie-Patienten, die eine Reise planen, insbesondere in tropische oder subtropische Regionen. Dabei werden sowohl präventive Maßnahmen als auch wichtige Aspekte der medizinischen Versorgung berücksichtigt.
Vorbereitung ist der Schlüssel
Eine gute Vorbereitung ist für Epilepsie-Patienten vor einer Reise von entscheidender Bedeutung. Stress, Schlafmangel und Erschöpfung können Krampfanfälle auslösen. Daher sollte die Reise sorgfältig geplant werden, um diese Faktoren zu minimieren.
Ärztliche Beratung
Vor jeder Fernreise sollte ein fachkompetenter Arzt konsultiert werden. Dies gilt insbesondere für Epilepsie-Patienten. Der Arzt kann individuelle Risiken einschätzen, notwendige Impfungen empfehlen und die Medikamenteneinnahme während der Reise planen. Das Tropeninstitut München rät dringend, vor jeder Fernreise einen Arzt zu konsultieren, und zwar vor der Buchung, um Ratschläge einzuholen und diese zu befolgen.
Reiseapotheke und Medikamente
Es ist wichtig, eine ausreichende Menge an Medikamenten für die gesamte Reisedauer mitzunehmen, einschließlich einer Reserve für unvorhergesehene Verzögerungen. Die Medikamente sollten im Handgepäck transportiert werden, da Koffer verloren gehen oder verspätet eintreffen können. Eine ärztliche Bescheinigung (möglichst in Englisch) für die Mitnahme von Spritzbesteck (z.B. für Diabetiker) ist ratsam, um Missverständnisse im Ausland zu vermeiden.
Informationen für Mitreisende und Flugpersonal
Reisende mit Anfallsleiden sollten ihre Mitreisenden und das Flugpersonal über ihre Erkrankung und geeignete Maßnahmen bei einem Anfall aufklären. Dies kann im Notfall helfen, schnell und angemessen zu reagieren.
Lesen Sie auch: Die Komplexität der Gehirnleistung
Impfungen und Malariaprophylaxe
Eine gut eingestellte Epilepsie schließt Tropentauglichkeit nicht aus. Es ist jedoch zu beachten, dass bestimmte Medikamente zur Malariaprophylaxe und -therapie (Chloroquin oder Mefloquin) gelegentlich neurologische Störungen auslösen und die Krampfschwelle erhöhen können. Daher ist eine sorgfältige Abwägung der Risiken und Vorteile der Malariaprophylaxe in Absprache mit dem Arzt erforderlich.
Risiken und Vorsichtsmaßnahmen am Reiseziel
Auch am Reiseziel selbst sollten Epilepsie-Patienten bestimmte Risiken und Vorsichtsmaßnahmen beachten, um Anfälle zu vermeiden.
Vermeidung von Auslösern
Stress, Schlafmangel, ungewohnte Ernährung und starke Temperaturschwankungen können Anfälle auslösen. Daher sollten diese Faktoren so gut wie möglich vermieden werden. Regelmäßige Mahlzeiten, ausreichend Schlaf und der Schutz vor extremer Hitze sind wichtig.
Gefährliche Sportarten
Auf gefährdende Sportarten wie Tauchen und Bergklettern sollten Epilepsie-Patienten verzichten oder zumindest ihr Vorhaben mit ihrem behandelnden Arzt besprechen. Das Zusammenspiel von Licht und Wellen am Strand kann bei manchen Menschen einen ähnlichen Effekt wie Fernsehen mit schlechter Bildqualität hervorrufen und einen Anfall begünstigen.
Hygiene und Ernährung
In Ländern mit niedrigem Hygienestandard ist Vorsicht bei Essen und Trinken geboten. Es sollte nur gekocht oder geschältes Essen verzehrt werden. Milch und Wasser sollten abgekocht oder kohlensäurehaltiges Mineralwasser verwendet werden (auch zum Zähneputzen). Auf Eiskrem und Eiswürfel sollte verzichtet werden.
Lesen Sie auch: Gehirnkapazität: Was stimmt wirklich?
Schutz vor Insektenstichen
In tropischen und subtropischen Regionen ist der Schutz vor Insektenstichen besonders wichtig, da Insekten Krankheiten übertragen können. Repellents, Moskitonetze und lange Kleidung können helfen, Stiche zu vermeiden.
Flugreisen mit Epilepsie
Auch bei Flugreisen gibt es einige Aspekte zu beachten, um das Risiko von Anfällen zu minimieren.
Kabinendruck und Sauerstoffversorgung
Geflogen wird mit einem Kabinendruck, der einer Höhe von etwa 2.200 bis 2.600 Meter über dem Meeresspiegel entspricht. Für den gesunden Organismus ist das kein Problem. Zu bedenken ist jedoch, dass Rauchen die persönliche Kabinendruckhöhe um bis zu 1000 m erhöht. Bei ausgeprägter Herzschwäche, einem kurz zurückliegenden Schlaganfall, bei Angina Pectoris, bei Brustschmerzen in Ruhe, bei Blutarmut, Epilepsie oder einem Pneumothorax und frisch eingegipsten Knochenbrüchen sollte man Flüge vermeiden.
Zeitverschiebung und Medikamenteneinnahme
Wer zu bestimmten Zeiten Medikamente einnehmen muss, achte auf die Zeitverschiebung! Vier Uhr nachmittags in Florida ist in Deutschland schon zehn Uhr nachts. Es ist ratsam, die Medikamenteneinnahme im Voraus zu planen und gegebenenfalls den Arzt zu konsultieren.
Bewegung und Flüssigkeitszufuhr
Regelmäßiges Auf- und Abgehen im Flugzeug verringert die Thrombosegefahr. Wegen der trockenen Luft sollte man viel Flüssigkeit zu sich nehmen - Tee oder Wasser.
Lesen Sie auch: Netzhaut zur Wahrnehmung
Tropenkrankheiten und neurologische Komplikationen
Bei Reisen in die Tropen besteht ein erhöhtes Risiko, sich mit Infektionskrankheiten zu infizieren, die neurologische Komplikationen verursachen können.
West-Nil-Virus
Das West-Nil-Virus (WNV) ist eine in verschiedenen Regionen der Welt endemisch vorkommende Zoonose. Aus den Tropen gelangte das Virus durch Zugvögel auch in Gebiete am Mittelmeer und Europa. In Deutschland wurden seit 2018 WNV-Funde bei Vögeln und Pferden berichtet, und seit 2019 wurden auch Infektionen von Menschen bekannt. In seltenen Fällen kann eine WNV-Infektion zu einer Enzephalitis mit möglichen Symptomen wie mentalen Veränderungen, Muskelschwäche, Lähmungen und epileptischen Anfällen führen. Besonders Personen, die aufgrund hohen Alters oder Immunschwäche ein erhöhtes Risiko haben, durch eine WNV-Infektion schwer zu erkranken, können das Risiko durch Schutz vor Mückenstichen reduzieren.
Bornavirus
Bornaviren (BoDV-1 und VSBV-1) können schwere Enzephalitiden (Gehirnentzündungen) verursachen. BoDV-1 kommt natürlicherweise bei Feldspitzmäusen vor, während VSBV-1 bei exotischen Baumhörnchen gefunden wurde. Kratz- oder Bissverletzungen sowie der mukosale Kontakt mit virushaltigen Ausscheidungen der Tiere sind mögliche Infektionswege. In der weit überwiegenden Mehrzahl der Fälle führt die Erkrankung innerhalb von etwa einem bis vier Monaten nach Auftreten der ersten Symptome zum Tod.
Weitere Infektionskrankheiten
Neben WNV und Bornaviren gibt es eine Vielzahl weiterer Infektionskrankheiten, die neurologische Komplikationen verursachen können. Dazu gehören beispielsweise bakterielle Meningitis, Neuroborreliose und Lassafieber. Es ist wichtig, sich vor der Reise über die spezifischen Gesundheitsrisiken im jeweiligen Reiseland zu informieren und entsprechende Schutzmaßnahmen zu ergreifen.
Medizinische Versorgung im Ausland
Es ist ratsam, sich vor der Reise über die medizinische Versorgung im Reiseland zu informieren. Eine Auslandskrankenversicherung ist unerlässlich, um im Notfall die Kosten für medizinische Behandlungen zu decken. Es ist auch hilfreich, die Kontaktdaten von deutschsprachigen Ärzten oder Krankenhäusern im Reiseland zu recherchieren.
Reisen mit Kindern
Kinder sind auf Reisen - besonders in Länder mit einem niedrigen hygienischen Standard - grundsätzlich stärker gefährdet als Erwachsene. Säuglinge und Kleinkinder bis etwa 5-6 Jahre sollten nur dann auf Tropenreisen mitgenommen werden, wenn dies aus beruflichen oder familiären Gründen (z.B. im Ausland lebende Verwandte) unumgänglich ist. In allen anderen Fällen sollten die Kinder alt genug sein, um über ein Mindestmaß an nötigem Hygiene- bzw. Gefahrenbewußtsein zu verfügen. So raten viele Kinderärzte von Reisen, langen Flügen, Zeitumstellungen und drastischem Klimawechsel - besonders in malariagefährdete Gebiete - ab.
tags: #tropeninstitut #information #epileptiker