Naratriptan und Paracetamol: Wechselwirkungen, Anwendungen und wichtige Informationen

Migräne und Spannungskopfschmerzen stellen weit verbreitete Gesundheitsprobleme dar, die oft eine schnelle und effektive Behandlung erfordern. Naratriptan, ein Triptan, das zur Behandlung von Migräneattacken eingesetzt wird, ist seit kurzem in Deutschland rezeptfrei erhältlich. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach Wechselwirkungen mit anderen Schmerzmitteln, insbesondere Paracetamol, sowie nach der richtigen Anwendung und den potenziellen Risiken von Naratriptan. Dieser Artikel beleuchtet diese Aspekte umfassend.

Differenzierung zwischen Migräne und Spannungskopfschmerz

Die Unterscheidung zwischen Migräne und Spannungskopfschmerz ist oft schwierig, selbst für Ärzte. Eine amerikanische Studie aus dem Jahr 2001 zeigte, dass in 57 Prozent der Fälle die Migräne-Diagnose fehlerhaft war. Für Betroffene selbst ist die Unterscheidung noch schwieriger. Triptane wie Naratriptan sind ausschließlich bei Migräne indiziert, nicht jedoch bei Spannungskopfschmerzen.

Naratriptan zur Behandlung von Migräne

Naratriptan AL akut 2,5 mg Filmtabletten werden zur Behandlung von akuten Migräneattacken eingesetzt. Es kann Migräne-bedingte Kopfschmerzen lindern und dazu beitragen, Migräneanfälle mit und ohne Aura zu stoppen. Am besten sollte es so früh wie möglich nach dem Auftreten des Migränekopfschmerzes eingenommen werden.

Wirkmechanismus von Naratriptan

Naratriptan ist ein selektiver Agonist der 5-Hydroxytryptamin1-(5-HT1-)-Rezeptoren, was zu einer Kontraktion der Blutgefäße führt. Experimentelle Studien deuten darauf hin, dass Naratriptan auch die Aktivität des Trigeminus-Nervs hemmt. Diese beiden Mechanismen tragen wahrscheinlich zur Wirkung von Naratriptan beim Menschen bei. Der Wirkeintritt erfolgt nach etwa 1 Stunde und ein Wirkmaximum wird nach 2-3 Stunden erreicht.

Dosierung und Anwendung

Erwachsene ab 18 Jahren sollten NARATRIPTAN AL akut 2,5 mg Filmtabletten so früh wie möglich nach Auftreten des Migränekopfschmerzes anwenden. Die übliche Dosis beträgt 1 Filmtablette NARATRIPTAN AL akut 2,5 mg. Tritt nach der ersten Einnahme eine Besserung ein, kann nach frühestens vier Stunden eine weitere Tablette eingenommen werden. Kommt es bereits nach der ersten Dosis Naratriptan AL akut zu keiner Besserung, sollte für dieselbe Attacke auf die zweite Dosis verzichtet werden. Die Höchstdosis innerhalb von 24 Stunden beträgt zwei Tabletten. NARATRIPTAN AL akut wird für Kinder unter 18 Jahren oder Erwachsene über 65 Jahren nicht empfohlen. NARATRIPTAN AL akut soll nicht vorbeugend eingenommen werden.

Lesen Sie auch: Naratriptan HEXAL: Details zur Anwendung

Gegenanzeigen und Vorsichtsmaßnahmen

Triptane können Migränesymptome effektiv lindern, bei bestimmten Begleiterkrankungen ist die Verwendung von Triptanen jedoch kontraindiziert. Dazu zählen:

  • Schwere Nieren- und/oder Lebererkrankung
  • Überempfindlichkeit gegen Soja, Erdnuss oder andere Bestandteile
  • Schlaganfall oder vorübergehende Zustände von Minderdurchblutung im Gehirn (vorübergehende ischämische Attacke, TIA)
  • Herzprobleme, wie z.B. Verengung der Herzkranzgefäße (ischämische Herzkrankheit), Brustschmerzen (Angina pectoris), Herzinfarkt
  • Durchblutungsstörungen in den Beinen (periphere Gefäßerkrankung)
  • Hoher Blutdruck

Wer unter Begleiterkrankungen leidet, sollte unbedingt vorher die Ärztin oder den Arzt konsultieren. Zudem sollten Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln ebenfalls ärztlich besprochen werden. So dürfen z.B. andere Medikamente gegen Migräne nicht gleichzeitig mit Naratriptan eingenommen werden. Bei leicht erhöhtem und gut eingestelltem Blutdruck können Sie NARATRIPTAN AL akut einnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Bei bestimmten Risikofaktoren ist eine ärztliche Rücksprache notwendig, bevor NARATRIPTAN AL akut angewendet werden kann:

  • Wenn Sie viel rauchen oder eine Nikotinersatztherapie durchführen, als Mann älter als 40 Jahre oder eine Frau nach den Wechseljahren sind.
  • Wenn einer dieser Punkte auf Sie zutrifft könnte dies bedeuten, dass Sie ein erhöhtes Risiko für das Auftreten einer Herzerkrankung haben.

Informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt über vorliegende Risikofaktoren, damit Ihre Herzfunktion vor der Verordnung von NARATRIPTAN AL akut überprüft werden kann. Wenn sie überempfindlich auf Sulfonamid-Antibiotika sind, könnten Sie ebenfalls überempfindlich auf NARATRIPTAN AL akut sein. Wenn NARATRIPTAN AL akut zu häufig eingenommen wird, kann es sein, dass die Kopfschmerzen schlimmer werden. Sollten nach der Einnahme von NARATRIPTAN AL akut Schmerzen oder ein Engegefühl im Brustkorb auftreten, was nicht schnell vorübergeht oder sogar schlimmer wird, muss umgehend eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden.

Mögliche Nebenwirkungen

Nebenwirkungen von Naratriptan betreffen häufig das Nervensystem. Hierzu gehören ein Gefühl von Kribbeln, Schwindel, Schläfrigkeit sowie Müdigkeit. Übelkeit und Erbrechen sind ebenfalls häufige Nebenwirkungen. Gelegentlich ist das Herz-Kreislauf-System betroffen. Patientinnen und Patienten berichten dann von Herzklopfen, einem verlangsamten oder einem schnellen Puls. Auch der Blutdruck kann in den ersten zwölf Stunden nach der Einnahme von Naratriptan ansteigen. Sehr selten verengen sich die Herzkranzgefäße bedrohlich. Betroffene verspüren ein Druck- oder Engegefühl in der Brust, Atemnot, ausstrahlende Beschwerden in etwa Schulter, Hals und Oberbauch oder haben kalten Schweiß. Rufen Sie bei den eben genannten Beschwerden umgehend den Rettungsdienst!

Lesen Sie auch: Umfassender Überblick: Naratriptan

Weitere Nebenwirkungen von Naratriptan sind zum Beispiel Hautausschlag und Juckreiz. Manche Personen klagen über Sehstörungen (z. B. verschwommenes Sehen). Schwere allergische Reaktionen sind selten, aber möglich.

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln

NARATRIPTAN AL akut darf nicht zusammen mit anderen Arzneimitteln gegen Migräne eingenommen werden, einschließlich Ergotamin, dem Ergotaminderivat, Methysergid, Triptane und 5-HT1-Rezeptoragonisten. Informieren Sie Ihren Ärztin oder Apotheker*in, wenn Sie Arzneimittel gegen Depressionen (selektive Serotonin- Wiederaufnahme-Hemmer, Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer) einnehmen. Auch bei Anwendung mit Johanniskraut können Nebenwirkungen mit höherer Wahrscheinlichkeit auftreten.

Vorsicht geboten ist bei Medikamenten gegen Depression: Die gleichzeitige Einnahme von Naratriptan und Antidepressiva könnte ein Serotonin-Syndrom auslösen. Zu diesen Medikamenten zählen: Das pflanzliche Depressions-Mittel Johanniskraut kann die Nebenwirkungen von Naratriptan verstärken. Wenden Sie Naratriptan nicht zusammen mit anderen Triptanen oder Ergotaminen an. Haben Sie ein Medikament aus diesen Gruppen eingenommen, warten Sie mindestens 24 Stunden, bis Sie Naratriptan einnehmen.

Theoretisch können Triptane bei gleichzeitiger Anwendung mit anderen serotonergen Arzneimitteln, z. B. selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI), trizyklische Antidepressiva (TCA) oder Monoaminoxidase (MAO)-Hemmer zu einem Serotoninsyndrom führen, in der klinischen Praxis ist dies jedoch sehr selten (2). Da Eletriptan, Naratriptan und Frovatriptan kaum über das MAO-System metabolisiert werden, kann das Risiko durch Einsatz dieser Wirkstoffe weiter minimiert werden.

Naratriptan in Schwangerschaft und Stillzeit

Laut Hersteller ist Naratriptan für Schwangere nur dann geeignet, wenn sein Nutzen etwaige Risiken deutlich überwiegt. Bislang ausgewertete Schwangerschaftsverläufe zeigen kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen oder Fehlgeburten. Erfahrungen zur Anwendung in der Stillzeit liegen nicht vor. Eine einzelne Dosis scheint laut dem Institut für Embryonaltoxikologie an der Charité Berlin aber möglich. Der Hersteller empfiehlt eine Stillpause über 24 Stunden nach der Einnahme von Naratriptan. Experten zufolge ist in der Schwangerschaft und Stillzeit das besser untersuchte Sumatriptan Mittel der Wahl. Besprechen Sie die Anwendung immer zuerst mit Ihrem Frauenarzt oder Ihrer Frauenärztin.

Lesen Sie auch: Wirkung und Anwendung von Naratriptan Beta

Paracetamol als Alternative oder Ergänzung?

Paracetamol ist ein weit verbreitetes Schmerzmittel, das oft als erste Wahl bei leichten bis mäßigen Kopfschmerzen eingesetzt wird. Bei Migräneattacken leichter bis mäßiger Intensität können Acetylsalicylsäure (1000 mg als Brausetablette), Paracetamol (1000 mg als Tablette oder Suppositorium) oder ein nichtsteroidalen Antirheumatikum (NSAR, z. B. Ibuprofen 400 bis 600 mg als Tablette oder Suppositorium) behandelt werden (2). Bei Übelkeit und Erbrechen ist die Zugabe von Metoclopramid zu einem Analgetikum bzw. NSAR sinnvoll und kann die Wirkung von Analgetika verbessern (3). Bei Erbrechen sollten Analgetika vorzugsweise als Suppositorien eingenommen werden.

Eine Dreierkombination aus Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol und Coffein (ähnlich Thomapyrin®) wurde in der Asset-Studie mit Sumatriptan verglichen. Dabei war die Dreierkombination signifikant wirksamer als das Triptan. Zudem reagierten verglichen mit der Triptan-Gruppe die Patienten der Kombigruppe signifikant weniger empfindlich auf Licht- und Lärm und mussten deutlich seltener zu weiteren Schmerzmedikamenten greifen.

Vorsicht bei der Einnahme von Paracetamol

Paracetamol sollte in der Schwangerschaft nicht verwendet werden. In einigen Studien ist der Verdacht aufgekommen, dass die Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft das Risiko für einen Hodenhochstand (Kryptorchismus) erhöhen kann. Ebenso gibt es Hinweise darauf, dass das Asthmarisiko in der Kindheit erhöht ist, wenn die Mutter in der Schwangerschaft Paracetamol eingenommen hat. Belege für die ursächlichen Zusammenhänge sind strittig. Besser untersuchte Alternativen zu Paracetamol und alternativ Ibuprofen gibt es nicht.

tags: #naratriptan #migrane #und #paracetamol #zusammen