Alzheimer-Krankheit: Ein umfassender Überblick

Die Diagnose Alzheimer-Demenz stellt für die meisten Betroffenen und ihre Angehörigen einen einschneidenden Moment dar. Einerseits kann die Diagnose Klarheit über zuvor unerklärliche Verhaltensänderungen bringen, andererseits wirft sie viele Fragen und Unsicherheiten auf. Der Umgang mit der Krankheit ist individuell verschieden und hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab, darunter Veränderungen im Gehirn, Persönlichkeit, Lebensgeschichte, aktuelle Lebenssituation und soziale Beziehungen. Während manche Betroffene trotz der Erkrankung ein aktives und erfülltes Leben führen können, benötigen die meisten Unterstützung. Auch für Angehörige und Freunde stellt die Erkrankung eine große Herausforderung dar. Der Austausch mit anderen Betroffenen und Angehörigen, beispielsweise in Selbsthilfegruppen, kann dabei als wertvoll erlebt werden. Im Laufe der Zeit müssen zahlreiche Entscheidungen getroffen werden, die von der Alltagsunterstützung über die Behandlung bis hin zur späteren Versorgung und der passenden Wohnform reichen. Es ist wichtig, dass Menschen mit Demenz aktiv in Entscheidungen über ihre Belange einbezogen werden, solange dies möglich ist. Angehörige benötigen ebenfalls Unterstützung und Angebote, die auf ihre persönliche Situation und Bedürfnisse zugeschnitten sind, wie Schulungen und praktische Hilfen.

Was ist die Alzheimer-Krankheit?

Die Alzheimer-Krankheit, oft auch Morbus Alzheimer genannt, ist die häufigste Form der Demenz. Sie ist eine langsam fortschreitende Hirnerkrankung, die zu Gedächtnisverlust, Verwirrtheit und Desorientierung führt. Weltweit zählt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Alzheimer-Demenz zu den größten medizinischen Problemen. Im Jahr 2019 waren fast 47 Millionen Menschen weltweit an Demenz erkrankt, wobei Alzheimer etwa 65 Prozent der Fälle ausmacht.

Historischer Hintergrund

Im Jahr 1906 beschrieb der Nervenarzt Alois Alzheimer in einem Vortrag in Tübingen eine bis dahin unbekannte Form der Demenz anhand seiner Patientin Auguste Deter. Bei der 55-Jährigen traten eine rasch zunehmende Gedächtnisschwäche, Desorientierung und Verhaltensauffälligkeiten auf. Nach ihrem Tod untersuchte Alzheimer ihr Gehirn und stellte fest, dass die Hirnrinde dünner war als üblich. Er fand auch Eiweißablagerungen in Form von Plaques und ungewöhnliche Bündel von Neurofibrillen.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen der Alzheimer-Krankheit sind noch nicht vollständig geklärt. Fest steht, dass es bei Menschen mit Alzheimer zu Veränderungen im Gehirn kommt. Im Gehirn von Menschen mit Alzheimer lagern sich schädliche Proteine wie Amyloid-beta ab. Zu den Risikofaktoren gehören:

  • Alter: Das Alter ist der größte Risikofaktor für die Entwicklung einer Alzheimer-Krankheit. Die meisten Betroffenen sind älter als 80 Jahre, nur in seltenen Fällen beginnt die Krankheit vor dem 65. Lebensjahr.
  • Genetische Faktoren: Genetische Faktoren spielen eine Rolle, sind aber nur in weniger als 3 % der Fälle der alleinige Auslöser. Es gibt eine Form von Alzheimer, bei der ein genetischer Fehler (Mutation) die Krankheit verursacht und oft schon früher auftritt.
  • Weitere Faktoren: Erhöhter Blutdruck, ungesunde Cholesterin-Werte, zu viel Blutzucker, Fettleibigkeit, Bewegungsmangel und Depressionen können das Gehirn zusätzlich schädigen. Ein Schlaganfall erhöht ebenfalls das Risiko.

Veränderungen im Gehirn

Kennzeichnend für die Alzheimer-Krankheit ist der langsam fortschreitende Untergang von Nervenzellen und Nervenzellkontakten. Im Gehirn von Alzheimer-Kranken sind typische Eiweißablagerungen (Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen) festzustellen. Diese Ablagerungen verhindern, dass die Gehirnzellen mit Nahrung versorgt werden können, was zum Absterben der Zellen führt.

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Amyloid-Plaques: In den Hüllen von Nervenzellen befindet sich ein Eiweiß, das normalerweise fortlaufend hergestellt und abgebaut wird. Bei der Alzheimer-Krankheit lagern sich Bruchstücke dieses Eiweißes, sogenanntes Amyloid, zusammen. Diese Verklumpungen wachsen und schieben sich zwischen die Nervenzellen. Zudem wirken sie wie Gift auf die Nervenzellen und die Kontaktstellen zwischen Nervenzellen.

Tau-Fibrillen: In den Nervenzellen wird das sogenannte Tau-Protein ein wenig umgebaut. Bei der Alzheimer-Krankheit ist das Tau-Protein chemisch so verändert, dass es seiner Funktion nicht mehr nachkommen kann. Die chemische Veränderung des Tau-Proteins bewirkt, dass es eine fadenförmige Struktur bildet.

Symptome

Die Symptome von Alzheimer können stark variieren. Ein typisches Frühsymptom sind Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis, das heißt, man kann sich an kurz zurückliegende Ereignisse nicht mehr erinnern. Weitere Symptome sind Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen, Dinge zu planen und zu organisieren. Im Verlauf der Erkrankung können auch Sprachstörungen, Orientierungsstörungen, Veränderungen der Persönlichkeit, Verfolgungswahn oder Halluzinationen auftreten. Betroffene vernachlässigen mitunter auch ihr Äußeres.

Die Alzheimer-Krankheit kann in drei Schritten verlaufen:

  1. Erster Schritt: Die Patienten verlieren langsam ihr Gedächtnis und können nicht mehr so gut lernen.
  2. Zweiter Schritt: Sie können nicht mehr richtig sprechen und verlieren oft die Orientierung.
  3. Dritter Schritt: Sie können überhaupt nicht mehr sprechen, erinnern sich an nichts mehr und können ihren Körper nicht mehr beherrschen.

Bis zum dritten und letzten Schritt der Alzheimer-Krankheit dauert es meistens 8 bis 15 Jahre.

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Diagnose

Die Diagnose von Alzheimer ist ein mehrstufiger Prozess, bei dem verschiedene Informationen zusammengeführt werden. Dazu gehören die klinische Untersuchung, neuropsychologische Tests und bildgebende Verfahren oder Biomarker. Kein einzelner Test reicht aus, um die Krankheit sicher zu diagnostizieren.

  • Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese): Der Arzt befragt den Patienten zu seinen Beschwerden und eventuellen Vorerkrankungen. Außerdem erkundigt sich der Arzt nach allen Medikamenten, die der Patient einnimmt.
  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt misst den Blutdruck und prüft die Muskelreflexe und den Pupillenreflex.
  • Demenztests: Ein Demenztest hilft dabei, eine mögliche kognitive Störung festzustellen, den Verdacht auf Demenz zu bestätigen und bei Bedarf weitere Untersuchungen einzuleiten. Wichtige Demenztests sind der Uhrentest, MMST (Mini Mental Status Test) und der DemTect (Demenz-Detektions-Test).
  • Apparative Untersuchungen: Bei deutlichen Anzeichen einer Demenzerkrankung wird das Gehirn des Patienten mittels Magnetresonanztomografie (MRT, auch Kernspintomografie genannt) untersucht. Bei unklarem Befund folgt eine Positronen-Emission-Computertomografie (PET/CT).
  • Labortests: Anhand von Blut- und Urinproben des Patienten lässt sich herausfinden, ob eine andere Erkrankung als Alzheimer die Demenz verursacht.
  • Liquordiagnostik: Dabei wird eine Probe der Hirn-Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) aus der Lendenwirbelsäule entnommen (Lumbalpunktion) und im Labor untersucht.
  • Gentest: Hat der Arzt den Verdacht, dass der Patient an der seltenen vererbbaren Form der Alzheimer-Krankheit leidet, kann ein Gentest weitere Hinweise geben.

Behandlung

Es gibt bislang nur eine symptomatische Behandlung von Alzheimer - eine Heilung ist derzeit noch nicht möglich. Die richtige Therapie kann aber helfen, dass die Patienten möglichst lange ihren Alltag selbstständig bewältigen können. Außerdem lindern Alzheimer-Medikamente und nicht-medikamentöse Therapiemaßnahmen die Beschwerden der Patienten und fördern damit die Lebensqualität.

Medikamentöse Behandlung:

  • Cholinesterasehemmer: Blockieren im Gehirn ein Enzym, das den Nervenbotenstoff Acetylcholin abbaut.
  • Memantin: Verhindert, dass ein Überschuss des Nervenbotenstoffes Glutamat die Gehirnzellen schädigt.
  • Extrakte aus Ginkgoblättern (Ginkgo biloba): Sollen die Durchblutung des Gehirns verbessern und die Nervenzellen schützen.
  • Weitere Medikamente: Neuroleptika (bei psychischen Beschwerden und Verhaltensänderungen), Antidepressiva (bei Depressionen).

Nicht-medikamentöse Behandlung:

  • Realitäts-Orientierungs-Training: Hilft den Patienten, sich räumlich und zeitlich zurechtzufinden.
  • Kognitives Training: Kann die Lernfähigkeit und das Denkvermögen trainieren.
  • Kognitive Verhaltenstherapie (KVT): Hilft den Patienten, mit psychischen Beschwerden wie Depression besser umzugehen.
  • Autobiografische Arbeit: Angehörige oder Betreuer fragen dabei Alzheimer-Patienten gezielt nach ihrem früheren Leben.
  • Ergotherapie: Lassen sich alltägliche Fähigkeiten erhalten und fördern.
  • Weitere Verfahren: Kunst- und Musiktherapie, Physiotherapie, Berührungstherapie und Massage.

Verlauf und Prognose

Die Alzheimer-Krankheit führt über einen Zeitraum von mehreren Jahren zum Tod. Die Krankheit entwickelt sich über mehrere Jahre, wobei die Geschwindigkeit des Verlaufs stark variieren kann. Bei einem frühen Beginn schreitet die Alzheimer-Erkrankung oft vergleichsweise schnell voran, während sie bei einem späteren Beginn meist langsamer verläuft. Studien zeigen eine durchschnittliche Lebenserwartung nach Diagnosestellung von 4,8 Jahren für Menschen mit Demenz insgesamt. Dieser Durchschnittswert kann individuell stark abweichen.

Vorbeugung

Studien zeigen: Ein gesunder Lebensstil mit Bewegung, geistiger Aktivität, sozialem Austausch und gesunder Ernährung kann das Risiko senken. Experten empfehlen täglich mindestens 20 Minuten körperliches Training.

Leben mit Alzheimer

Die Diagnose Alzheimer-Demenz zu erhalten, ist für die meisten Menschen ein Schock. Manchmal macht die Diagnose jedoch auch zuvor unerklärliche Veränderungen des Verhaltens oder der Persönlichkeit begreiflich. Wie ein Mensch auf die Krankheit reagiert und mit ihr umgeht, hängt nicht nur von Veränderungen im Gehirn ab, sondern auch von seinem Charakter, seiner Lebensgeschichte, der aktuellen Lebenssituation und den Beziehungen zu anderen Menschen. Manchen Menschen gelingt es, auch mit der Alzheimer-Demenz ein aktives und zufriedenes Leben zu führen. Anderen fällt dies schwer. Unterstützung benötigen die meisten. Und auch für Angehörige und Freunde ist die Erkrankung eine große Herausforderung. Der Austausch mit anderen Betroffenen und Angehörigen - etwa in Selbsthilfegruppen - wird von vielen als wertvoll erlebt. Im Laufe der Zeit müssen viele Entscheidungen getroffen werden: zur Unterstützung im Alltag genauso wie zur Behandlung, zur späteren Versorgung und zur passenden Wohnform (häusliches Umfeld, Pflegeheim, Wohngruppe). Menschen mit Demenz wollen sich dabei aktiv an Entscheidungen über ihre Belange beteiligen, solange es ihnen möglich ist. Ihnen ist es wichtig, dass viel mit ihnen und weniger über sie gesprochen wird. Für Angehörige ist es wichtig, in die Behandlungspläne einbezogen zu werden und Angebote zu erhalten, die zur persönlichen Situation und den eigenen Bedürfnissen passen. Darunter fallen neben Schulungen auch praktische Hilfen, zum Beispiel zu finanzieller Unterstützung und Beratung bei Antragsstellung. Wenn eine Demenzerkrankung weit fortgeschritten ist und eine immer umfassendere Betreuung nötig macht, stoßen Angehörige irgendwann an ihre Grenzen. Dann kann der Umzug in eine Einrichtung, in der Pflege, Betreuung und medizinische Versorgung durch Fachkräfte möglich ist, für alle Beteiligten die bessere Lösung sein. Die Entscheidung zum Umzug in ein Pflegeheim oder eine betreute Wohngemeinschaft fällt oft nicht leicht - zumal es eine Weile dauern kann, bis eine geeignete Einrichtung gefunden ist.

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Aktuelle Forschung

Überall auf der Welt arbeiten Forscherinnen und Forscher daran, Antworten darauf zu finden, wie Alzheimer entsteht, wie es verhindert oder geheilt werden kann. Aktuell sind Medikamente in der Entwicklung, die in einem sehr frühen Stadium der Alzheimer-Krankheit den Krankheitsverlauf verzögern sollen. Zwei dieser Medikamente - Lecanemab (Handelsname "Leqembi") und Donanemab (Handelsname "Kisunla") - sind 2025 in der Europäischen Union zugelassen worden und stehen ab September bzw. November 2025 auch für die Behandlung zur Verfügung. Da beide Wirkstoffe mit starken Nebenwirkungen verbunden sein können, sind für die Behandlung damit strenge Richtlinien erlassen worden.

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