Myasthenia Gravis: Ursachen, Symptome und Therapie der neuromuskulären Erkrankung

Myasthenia gravis (MG), in Deutschland häufig auch nur Myasthenie genannt, ist eine chronische Autoimmunerkrankung, die die Signalübertragung zwischen Nerven und Muskeln stört. Diese Störung der neuromuskulären Übertragung führt zu einer belastungsabhängigen Muskelschwäche, die sich nach Ruhephasen bessert. Die Erkrankung ist zwar nicht heilbar, aber mit einer frühzeitigen und adäquaten Behandlung können Betroffene ein weitgehend normales Leben führen.

Was ist Myasthenia Gravis?

Myasthenia gravis ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise körpereigene Strukturen angreift. Bei MG richten sich die Autoantikörper gegen Rezeptoren und Enzyme, die für die Kommunikation zwischen Nervenzellen und Muskeln an der motorischen Endplatte von entscheidender Bedeutung sind.

Epidemiologie: Wie häufig ist Myasthenia Gravis?

Die Myasthenia gravis wird zu den seltenen Erkrankungen gezählt. In der Europäischen Union wird eine Erkrankung als selten definiert, sofern maximal 5 von 10.000 Menschen von ihr betroffen sind. Studiendaten aus Europa berichten von einer Prävalenz zwischen 11 und 36 pro 100.000 Einwohner. Die geschätzte Prävalenz in Deutschland für die Myasthenia gravis liegt bei rund 39 betroffenen Personen pro 100.000 Einwohnern. Es gibt allerdings deutliche geografische Unterschiede bezüglich der auftretenden Fälle: In Korea sind beispielsweise nur knapp 11 von 100.000 Einwohnern betroffen. Insgesamt gibt es weltweit über 700.000 Menschen, die an Myasthenia gravis erkrankt sind.

Im letzten Jahrhundert konnte ein deutlicher Anstieg der Fälle beobachtet werden. Zwischen 1915 und 1934 wurde die Prävalenz noch auf 0,5 Betroffene pro 100.000 Einwohner geschätzt, 1969 lag sie bereits bei 5,9 von 100.000 (1 von 17.000) Einwohnern. Als Ursachen für den Anstieg werden mehrere Faktoren wie eine verbesserte Diagnosestellung oder der Anstieg des Durchschnittsalters vermutet.

Grundsätzlich kann eine Myasthenia gravis in jeder Altersklasse auftreten, wobei die Wahrscheinlichkeit zu erkranken mit Zunahme des Alters ansteigt. Bei Kindern wird die Erkrankung relativ selten diagnostiziert: Nur etwa 10 % der Fälle betrifft Patient:innen < 18 Jahren. Epidemiologische Untersuchungen haben gezeigt, dass Myasthenia gravis besonders häufig bei Frauen im Alter zwischen 30 und 50 Jahren und bei Männern zwischen 60 und 89 Jahren auftritt.

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Ursachen von Myasthenia Gravis

Die genauen Ursachen der Myasthenia gravis sind noch nicht abschließend geklärt. Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem Antikörper gegen körpereigene Strukturen bildet.

Autoantikörper und die motorische Endplatte

Bei Myasthenia gravis richten sich die Autoantikörper hauptsächlich gegen den Acetylcholinrezeptor (AChR) an der motorischen Endplatte. Die motorische Endplatte ist die Kontaktstelle zwischen Nervenzelle und Muskelzelle, wo die Signalübertragung stattfindet. Acetylcholin ist ein Neurotransmitter, der von der Nervenzelle freigesetzt wird und an die AChR auf der Muskelzelle bindet, um eine Muskelkontraktion auszulösen.

Die Autoantikörper blockieren oder zerstören die AChR, wodurch die Signalübertragung gestört wird. Dies führt zu einer verminderten Muskelkraft und schneller Ermüdung. In den meisten Fällen wird die Erkrankung durch Autoantikörper gegen den postsynaptischen nikotinergen Acetylcholinrezeptor (AChR) verursacht. Eine zentrale Rolle in der Pathogenese spielt eine Aktivierung des Komplementsystems.

Rolle des Thymus

Es wird vermutet, dass die Thymusdrüse eine entscheidende Rolle bei der Entstehung der Myasthenia gravis spielt. Die Thymusdrüse ist ein lymphatisches Organ, das in der oberen Brusthöhle liegt und wichtige Funktionen bei der Entwicklung des Immunsystems erfüllt. In der Thymusdrüse werden Immunzellen, sogenannte T-Lymphozyten geprägt und vermehrt.

Bei 50-60 % der Patient:innen mit Myasthenia gravis kann eine Vergrößerung der Thymusdrüse festgestellt werden. Außerdem leiden 10-15 % unter einem Thymom, einem meist gutartigen Tumor der Thymusdrüse. Die Thymusdrüse steht daher unter Verdacht, bei der Produktion der Autoantikörper bei Myasthenia gravis beteiligt zu sein. Die Entfernung der Thymusdrüse (Thymektomie) kann bei einigen Patienten zu einer Besserung der Symptome führen.

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Genetische und hormonelle Faktoren

Genetische Faktoren scheinen bei der Myasthenia gravis weniger eine Rolle zu spielen: Nur etwa 4-7 % der Erkrankungsfälle sind mit einer familiären Häufung assoziiert. Es handelt sich also nicht um eine Erbkrankheit. Es kann jedoch passieren, dass Neugeborene von betroffenen Müttern kurz nach der Geburt myasthene Symptome entwickeln. Diese verschwinden im meist nach ein paar Wochen wieder. Man bezeichnet einen solchen Fall als neonatale Myasthenia gravis.

Es wird vermutet, dass bestimmte Hormone wie z. B. Östrogene oder Progesteron das Risiko einer Myasthenia gravis erhöhen oder die Erkrankung zumindest beeinflussen können. Bei einer Myasthenia gravis mit frühem Krankheitsbeginn konnte beobachtet werden, dass Frauen dreimal öfter betroffen sind als Männer. Außerdem berichten einige erkrankte Frauen von einer Verschlechterung ihrer Symptome kurz vor dem Einsetzen ihrer Periode, wenn die Progesteron-Konzentration im Körper abfällt. Für betroffene Frauen kann es daher sinnvoll sein, zu dieser Zeit vermehrt Ruhephasen einzuplanen, um den Körper nicht zusätzlich zu belasten.

Auslöser und Risikofaktoren

Neben hormonellen Schwankungen können auch verschiedene Stressfaktoren die Symptome einer Myasthenia gravis verschlimmern. Zu diesen Stressfaktoren gehören beispielsweise fieberhafte Infekte, bestimmte Medikamente, grelles Licht oder Wärme/Hitze. Ruhe und Erholung führen hingegen häufig zu einer Abmilderung der Symptome.

Es gibt verschiedene Erkrankungen, die eine Störung dieser Art der Übertragung von Nervenimpulsen auf die Muskeln verursachen können. Da es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt, kommen verschiedene Auslöser infrage, welche eine Myasthenia gravis verursachen oder ihre Ausprägung verschlimmern können, bis hin zu einem Schub (myasthene Krise), den ca. 10-15 % aller Patientinnen und Patienten mit Myasthenie mindestens einmal im Leben erleiden. Auslöser eines solchen Schubs sind oft Infektionskrankheiten.

Symptome von Myasthenia Gravis

Die auftretenden Symptome bei Myasthenia gravis können stark variieren. Meist macht sich die Erkrankung zunächst über die Augenmuskulatur bemerkbar, man spricht dabei von okulären Symptomen: Die Betroffenen sehen häufig Doppelbilder und mindestens eines ihrer Augenlider beginnt zu hängen. Okuläre Symptome treten bei etwa 85 % der Patient:innen auf.

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Typischer Krankheitsverlauf

Typisch für den Krankheitsverlauf bei einer Myasthenia gravis ist, dass sich die Erkrankung häufig zunächst nur auf die Augenmuskeln, die sogenannte okuläre Muskulatur, auswirkt. Bei etwa 85 % der Betroffenen äußern sich die ersten Symptome in diesem Bereich beispielsweise durch das Hängen der Augenlider oder das Sehen von Doppelbildern.

Ungefähr die Hälfte der Betroffenen entwickelt innerhalb von zwei Jahren eine generalisierte Form der Erkrankung, bei der weitere Muskelgruppen des Körpers Einschränkungen erfahren. In etwa 60 % der Fälle äußert sich dies im Bereich der Rachenmuskulatur, wodurch die Bewegung des Kiefers und somit auch das Kauen erschwert wird. Schluck- und Sprachstörungen treten bei etwa 15 % der Betroffenen auf.

Bei besonders schweren Fällen weitet sich die Erkrankung neben der Rachen- auch auf die Atemmuskulatur aus: Patient:innen erleiden Probleme beim Atmen und das Risiko für eine Atemlähmung steigt. Man spricht dann von einer myasthenen Krise: Dabei handelt es sich um einen lebensbedrohlichen Zustand, der durch eine rapide Verschlechterung der Symptomatik verursacht wird. Die Betroffenen benötigen meist eine mechanische Beatmung und/oder künstliche Ernährung.

Die Myasthenia gravis kann auch die Skelettmuskulatur einschränken, was sich beispielsweise durch Bewegungseinschränkungen und Muskelschwäche in den Armen und Beinen äußert. Grundsätzlich kann sich die Erkrankung auf alle Muskelgruppen, mit Ausnahme der Muskulatur der inneren Organe, auswirken.

Weitere Symptome

Die Symptome einer Myasthenia gravis sind sehr unspezifisch, da Muskelschwächen quasi überall auftreten können. Zudem nehmen viele Betroffene es zunächst nicht unbedingt als Anzeichen für eine Krankheit wahr, wenn die Beine nach dem Treppensteigen erschöpft sind. Trotzdem gibt es einige Warnzeichen, bei denen Sie sofort einen Arzt aufsuchen sollten.

Betroffene berichten bei zunehmender körperlicher Belastung von einer Verstärkung ihrer Symptome, während sie bei Ruhe eher abklingen. Aufgrund der körperlichen Belastung im Laufe des Tages, treten die Symptome häufig vermehrt in den Abendstunden auf.

Neben den körperlichen Symptomen beeinflusst eine Mysthenia gravis auch psychische Wohlbefinden von Betroffenen. Die körperliche Belastung erhöht beispielsweise das Risiko für Depressionen und/oder Angstzustände. Außerdem kann der Alltag mit der Erkrankung durch Krankenhausaufenthalte aufgrund schwerer Schübe stark beeinträchtigt werden.

Mögliche Auswirkungen auf den Körper

  • Augen: Schwäche der Augenmuskeln, hängende Augenlider, verschwommenes oder doppeltes Sehen
  • Gesicht: Schwierigkeiten beim Kauen, Ermüdung des Kiefers, Verschlucken oder Erbrechen, Erschlaffung der Gesichtsmuskeln
  • Stimme: Müdigkeit, Schwierigkeiten beim Sprechen, Veränderungen der Stimme
  • Nacken, Rücken und Schultern: Müdigkeit, Schmerzen, Schwäche, Krämpfe
  • Arme und Finger: Krämpfe, Schwierigkeiten beim Greifen und Heben, Kraftverlust, Schmerzen, Müdigkeit
  • Atmung: Müdigkeit, flache Atmung, Kurzatmigkeit
  • Füße, Beine und Hüfte: Krämpfe, Müdigkeit und Schwäche, Zuckungen, Schmerzen

Diagnose von Myasthenia Gravis

Wenn ein Verdacht auf eine Myasthenia gravis aufgrund oben genannter Symptome auftritt, können verschiedene Untersuchungen durchgeführt werden, um die Diagnose zu sichern.

Anamnese und körperliche Untersuchung

Die klinische Anamnese bezüglich der medizinischen Vorgeschichte nimmt einen sehr wichtigen Stellenwert ein, ähnlich wie die Erfahrung der behandelnden Ärztinnen und Ärzte. Die Patientinnen und Patienten werden gezielt nach Doppelbildern, Kau- und Schluckbeschwerden, Gewichtsabnahme und der Verschlechterung der Symptomatik unter Belastung bzw.

Belastungstests

Verschiedene Arten von Belastungstests können dabei helfen, eine Myasthenia gravis zu erkennen. Hierzu werden beispielsweise die Patient:innen dazu angehalten, ihre Arme für 3 Minuten horizontal ausgestreckt zu halten. Ist dies nicht möglich, deutet das auf eine vorliegende Erkrankung hin. Auch die Testung des Atemstoßes kann mit einer verminderten Vitalkapazität eine Atemmuskelschwäche anzeigen.

Antikörpertests

Es gibt verschiedene Antikörper, die auf eine Myasthenia gravis hindeuten können. Dazu gehören z. B. die Autoantikörper, die an Acetylcholin-Rezeptoren der Muskelzellen andocken und diese blockieren. Durch Untersuchungen der Blutwerte kann festgestellt werden, welche und wie viele dieser Autoantikörper im Körper produziert werden. Getestet wird zum Beispiel auf Anti-Acetylcholinrezeptor-AK, Anti-MuSK-AK, Anti-LRP4-AK und Anti-Titin-AK. Auf Letztere wird das Blut untersucht, wenn der Verdacht auf Tumore der Thymusdrüse besteht, sogenannte Thymome.

Elektrophysiologische Untersuchungen

Bei einem Elektromyogramm (EMG) werden Nerven wiederholt mit elektrischen Signalen gereizt. Dabei wird zeitgleich die elektrische Spannung an den Muskeln gemessen, wodurch festgestellt werden kann, ob das Signal zwischen Nerv und Muskel übertragen wird. Es zeigt sich nach repetitiver Nervenstimulation eine typische Amplitudenabnahme (Dekrement von > 10 %) des Nervs, der den Muskel versorgt. Dies ist zwischen erster und fünfter Reizung deutlich ausgeprägt und kann danach wieder steigen.

Pharmakologische Tests

Auch Untersuchungen von Enzymaktivitäten können Hinweise darauf geben, ob eine Myasthenia gravis Erkrankung vorliegt oder nicht. Das Enzym Acetylcholinesterase baut beispielsweise den Botenstoff Acetylcholin ab. Durch den Einsatz von Acetylcholinesterasehemmern wird der Abbau des Botenstoffs aufgehalten, wodurch mehr Acetylcholin an die verbleibenden Rezeptoren auf den Muskelzellen andocken können. Verbessern sich durch den Einsatz von Acetylcholinesterasehemmern die Symptome, deutet dies auf eine Myasthenia gravis hin.

Ein weiterer Test, der sich z. B. für die Überprüfung von Sehstörungen und anderen Symptomen der Augen eignet, ist der pharmakologische Test mit Edrophoniumchlorid. Dabei handelt es sich um einen kurzwirksamen Cholinesterasehemmer. Wie bereits eingangs in diesem Ratgeber erwähnt, bauen Cholinesterasen das Acetylcholin an den Rezeptoren der motorischen Endplatte ab. Wenn diese Enzyme gehemmt werden, erhöht sich dadurch folgerichtig kurzzeitig die Konzentration von ACh an den Rezeptoren der Muskeln. Die Muskelspannung steigt dadurch für kurze Zeit an.

Bildgebende Verfahren

Bei 50-60 % der betroffenen Patient:innen liegt eine vergrößerte Thymusdrüse vor und 15 % leiden unter einem Thymom, einem meist gutartigen Tumor der Thymusdrüse. Mit Hilfe einer Computertomografie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT) oder Positronen-Emissions-Tomographie (PET) kann eine solche Veränderung der Thymusdrüse analysiert werden.

Differenzialdiagnose

Es gibt verschiedene Erkrankungen, die ähnliche Symptome wie Myasthenia gravis verursachen können. Dazu gehören unter anderem:

  • Lambert-Eaton-Syndrom (LEMS): Eine Autoimmunerkrankung, die die Freisetzung von Acetylcholin an der motorischen Endplatte beeinträchtigt.
  • Kongenitale Myasthene Syndrome (CMS): Seltene genetische Erkrankungen, die auf genetischen Störungen der neuromuskulären Übertragung beruhen.
  • Guillain-Barré-Syndrom: Eine akute entzündliche Polyneuropathie, die zu Muskelschwäche und Lähmungen führen kann.
  • Botulismus: Eine seltene, aber potenziell tödliche Erkrankung, die durch das Bakterium Clostridium botulinum verursacht wird und die Freisetzung von Acetylcholin blockiert.
  • Amyotrophe Lateralsklerose (ALS): Eine degenerative Erkrankung des Nervensystems, die zu Muskelschwäche, Muskelkrämpfen und Spastiken führt.

Formen der Myasthenia Gravis

Die Myasthenia gravis kann anhand diverser Kriterien in verschiedene Formen unterteilt werden. Dazu gehören z. B. der Zeitpunkt des Auftretens der ersten Symptome oder die entsprechenden Typen von Antikörpern, die die Erkrankung verursachen. Folgende Formen sind besonders häufig:

  • Form mit frühem Krankheitsbeginn: Nachweisbare Autoantikörper gegen Acteylcholin-Rezeptoren, erstes Auftreten der Erkrankung in einem Alter von < 50 Jahren, häufig mit einer Vergrößerung der Thymusdrüse verbunden, tritt meist bei Frauen auf.
  • Form mit spätem Krankheitsbeginn: Nachweisbare Autoantikörper gegen Acteylcholin-Rezeptoren, erstes Auftreten der Erkrankung in einem Alter von > 50 Jahren, tritt meist bei Männern auf.
  • Thymom-assoziierte Form: Vorliegen eines Tumors der Thymusdrüse (Thymom), meist nachweisbare Autoantikörper gegen Acetylcholin-Rezeptoren, betrifft 10-15 % der Fälle.
  • MuSK-assoziierte Form: Nachweisbare Autoantikörper gegen skelettmuskelspezifische Rezeptortyrosinkinase (MuSK), Muskelschwäche vor allem im Bereich von Kopf und Nacken, selten weitere Skelettmuskulatur betroffen, meist unauffällige Thymusdrüse.
  • Form ohne nachweisbare Antikörper gegen Acetylcholin oder MuSK: Verschiedene Unterformen möglich, beispielsweise andere nachweisbare Autoantikörper wie z. B. Antikörper gegen das Rezeptorprotein LRP4.

Schweregrade der Myasthenia Gravis

Zur Einteilung des Schweregrades von Myasthenia gravis werden verschiedene Klassen verwendet, die sich nach der auftretenden Symptomatik richten:

  • Klasse I: Rein okulär, betriff nur den Bereich der Augenmuskulatur, andere Muskeln sind unauffällig.
  • Klasse II: Leichte bis mäßige generalisierter Schweregrad, bei dem neben der Augenmuskulatur auch andere Muskeln betroffen sind.
  • Klasse III: Mäßiger generalisierter Schweregrad, bei dem neben der Augenmuskulatur auch andere Muskeln betroffen sind.
  • Klasse IV: Schwerer generalisierter Schweregrad, bei dem neben der Augenmuskulatur auch andere Muskeln betroffen sind.

Therapie von Myasthenia Gravis

Die Therapie der Myasthenia gravis zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Es gibt verschiedene Therapieansätze, die je nach Schweregrad der Erkrankung und individuellen Bedürfnissen eingesetzt werden.

Medikamentöse Therapie

  • Acetylcholinesterasehemmer: Diese Medikamente verhindern den Abbau von Acetylcholin im synaptischen Spalt, wodurch mehr Acetylcholin für die Signalübertragung zur Verfügung steht. Sie verbessern die Muskelkraft und reduzieren die Ermüdbarkeit.
  • Immunsuppressiva: Diese Medikamente unterdrücken die Aktivität des Immunsystems und reduzieren die Produktion von Autoantikörpern. Sie werden eingesetzt, um den Autoimmunprozess zu verlangsamen und die Symptome langfristig zu kontrollieren. Zu den häufig verwendeten Immunsuppressiva gehören Kortikosteroide, Azathioprin, Mycophenolatmofetil und Cyclosporin.
  • Biologika: Neuartige monoklonale Antikörper wie Rituximab und Eculizumab greifen spezifisch in den Krankheitsprozess ein und können das Krankheitsgeschehen in bestimmten Konstellationen nachhaltig positiv zu beeinflussen.

Thymektomie

Die Thymektomie, die operative Entfernung der Thymusdrüse, kann bei Patienten mit Myasthenia gravis in bestimmten Fällen sinnvoll sein. Insbesondere bei jüngeren Patienten mit einem Thymom oder einer Vergrößerung der Thymusdrüse kann die Thymektomie zu einer Besserung der Symptome oder sogar zu einer Remission der Erkrankung führen.

Akuttherapie

In schweren Fällen von Myasthenia gravis, insbesondere bei einer myasthenen Krise mit Atemnot, ist eine rasche Akuttherapie erforderlich. Dazu gehören:

  • Plasmapherese: Ein Verfahren, bei dem das Blutplasma aus dem Körper entfernt und durch eine Ersatzlösung ersetzt wird. Dadurch werden die Autoantikörper aus dem Blut entfernt und die Signalübertragung verbessert.
  • Intravenöse Immunglobuline (IVIG): Die Gabe von Immunglobulinen kann die Wirkung der Autoantikörper abschwächen und die Symptome lindern.

Weitere Behandlungsansätze

  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskelkraft und Ausdauer zu verbessern und dieFunktionsfähigkeit im Alltag zu erhalten.
  • Ergotherapie: Ergotherapie kannStrategien und Hilfsmittel vermitteln, um alltägliche Aktivitäten trotz der Muskelschwäche besser bewältigen zu können.
  • Psychologische Unterstützung: Die psychische Belastung durch die Erkrankung sollte nicht unterschätzt werden. Psychologische Unterstützung kann helfen, mit den Herausforderungen der Erkrankung umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern.

Leben mit Myasthenia Gravis

Die Myasthenia gravis ist eine chronische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen kann. Es ist wichtig, die eigenen Belastungsgrenzen zu kennen und den Alltag entsprechend anzupassen. Ruhepausen,Stressmanagement und eine gesunde Lebensweise können helfen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

Tipps für den Alltag

  • Planen Sie Ihren Tag: Verteilen Sie Aktivitäten gleichmäßig über den Tag und planen Sie ausreichend Ruhepausen ein.
  • Vermeiden Sie Stress: Stress kann die Symptome verschlimmern. Suchen Sie nachEntspannungstechniken, die Ihnen helfen, Stress abzubauen.
  • Achten Sie auf Ihre Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse undBallaststoffen kann die allgemeine Gesundheit und das Wohlbefinden fördern.
  • Vermeiden Sie bestimmte Medikamente: Einige Medikamente können die Symptome der Myasthenia gravis verschlimmern. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über alle Medikamente, die Sie einnehmen.
  • Suchen Sie Unterstützung: Der Austausch mit anderen Betroffenen kann sehr hilfreich sein. Es gibt verschiedene Selbsthilfegruppen und Online-Foren, in denen Sie sich informieren und austauschen können.

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