Nervenschädigung durch Hämatom: Ursachen und Behandlung

Nervenschädigungen können vielfältige Ursachen haben, darunter auch Hämatome. Ein Hämatom, also ein Bluterguss, kann durch Druck auf einen Nerv Schäden verursachen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Diagnose und Behandlung von Nervenschädigungen durch Hämatome.

Einführung

Nervenverletzungen sind relativ selten, betreffen aber hauptsächlich jüngere Patienten. Sie können traumatisch oder iatrogen bedingt sein. Iatrogene Nervenverletzungen entstehen oft infolge einer Operation. Eine frühzeitige Diagnose und gezielte Behandlung sind entscheidend, um den Therapieverlauf positiv zu beeinflussen und funktionelle Defizite zu kompensieren.

Ursachen von Nervenschädigungen

Nervenschädigungen können durch verschiedene Mechanismen entstehen:

  • Direkte Schädigung: Scharfe Durchtrennung, Kompression durch Haken oder Hämatom.
  • Indirekte Schädigung: Traktion, Hyperthermie oder Druck.

Ein Hämatom kann durch Druck auf einen Nerv diesen schädigen. Dies kann durch Einblutung oder Nachblutung im Wundbereich geschehen. Die Ursachen für Hämatome sind vielfältig:

  • Trauma: Ein stumpfes Bauchtrauma oder ein Sturz aus großer Höhe können zu einem Psoashämatom führen, welches den Plexus lumbalis schädigt.
  • Operationen: Intraoperative Dehnungsverletzungen, wie sie beispielsweise bei Hüftoperationen auftreten können.
  • Blutgerinnungsstörungen: Komplikationen von Blutgerinnungsstörungen oder die Therapie mit Antikoagulanzien können zu retroperitonealen Hämatomen führen.
  • Tumoren: Tumoren im Bereich des kleinen Beckens können zu einer Druckschädigung des Beinplexus führen.

Hämatome und Nervenschädigung nach Leistenhernien-OP

Im Kontext von Leistenhernien-Operationen können Hämatome ebenfalls eine Rolle bei Nervenschädigungen spielen.

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  • Hämatom/Nachblutung: Einblutung oder Nachblutung im Wundbereich können zu einer druckdolenten und verfärbten Schwellung führen. Starke Nachblutungen müssen operativ revidiert werden. Gerät die Haut unter Spannung oder verursacht neurologische Symptome, sollte das Hämatom operativ entlastet werden.

Diagnostik von Nervenschädigungen durch Hämatome

Die Diagnostik von Nervenschädigungen umfasst mehrere Schritte:

  1. Klinische Untersuchung: Eine neurologische Untersuchung mit besonderem Augenmerk auf das sensomotorische Ausfallsmuster und eine begleitende vegetative Störung ist wegweisend.
  2. Sonografie: Bei Verdacht auf ein Hämatom kann eine Sonografie durchgeführt werden, um das Ausmaß der Einblutung zu beurteilen.
  3. Elektrophysiologische Untersuchungen: Elektroneurografie (ENG) und Elektromyografie (EMG) können den Schweregrad der Nervenschädigung bestimmen und die Lokalisation eingrenzen.
  4. Bildgebung: MRT oder CT können die Ursache und die genaue Lokalisation für die Nervenreizung finden. Die MR-Neurografie liefert frühzeitig notwendige Informationen.

Behandlung von Nervenschädigungen durch Hämatome

Die Behandlung von Nervenschädigungen durch Hämatome richtet sich nach der Ursache und dem Ausmaß der Schädigung.

  • Konservative Therapie:
    • Beobachtung: Kleinere Hämatome sind zu beobachten und bedürfen meist keiner weiteren Therapie.
    • Schmerzmanagement: Schmerz- und entzündungshemmende Medikamente, wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac, können eingesetzt werden. Bei chronischen Verläufen können Antidepressiva verordnet werden.
    • Physiotherapie: Krankengymnastik dehnt und stärkt die Muskulatur und lindert dadurch die Schmerzen.
    • Entlastung: Gerät die Haut unter Spannung oder verursacht das Hämatom neurologische Symptome, sollte es operativ entlastet werden.
  • Interventionelle Schmerztherapie: Blockade der Nn. Ilioinguinalis und iliohypogastricus durch Infiltration mit einem langwirksamen Lokalanästhetika.
  • Operative Therapie:
    • Hämatomausräumung: Größere Hämatome sollten punktiert oder ausgeräumt werden. Starke Nachblutungen müssen operativ revidiert werden.
    • Dekompression: Ziel der Operation ist die Dekompression der beengten Nervenwurzel. Dazu gibt es verschiedene Verfahren.
    • Nervenrekonstruktion: In manchen Fällen ist eine Rekonstruktion des Nervus medianus mit einem Suralis-Interponat notwendig.

Weitere Behandlungsmethoden der physikalischen Medizin

Die physikalische Medizin bietet eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten bei Nervenschädigungen:

  • Medikamentöse Schmerzbehandlung: NSAR, Tramadol, Opioide, Gabapentin und Pregabalin bei neuropathischer Schmerzkomponente.
  • Entstauungsmaßnahmen: Manuelle Lymphdrainage nach Vodder mit nachfolgender Kompression und Hochlagerung der betroffenen Extremität.
  • Heilmassage: Normalisierung des Muskeltonus, Durchblutungsförderung und Regulation der Gewebetrophik.
  • Bewegungstherapie: Erhalt der Gelenksbeweglichkeit, Muskelkräftigung und gezielter Einsatz der Willkürmotorik.
  • Sensibilitätstraining: Spezifische Reize, um das noch vorhandene Potenzial voll auszuschöpfen bzw. neu zu bahnen.
  • Sensomotoriktraining: Therapeutische Schulung der Wahrnehmung von Lage, Spannungs- und Bewegungszustand des muskuloskelettalen Systems.
  • Funktionstraining: Üben von komplexen Bewegungsabläufen mit Relevanz für den Alltag und Beruf.
  • Elektrotherapie: Schmerzreduktion durch TENS, Impulsgalvanisation oder Hochvoltstrom.
  • Ultraschallbehandlung: Lokalbehandlung angrenzender Gelenke und Weichteile.
  • Thermotherapie: Kältebehandlung bei ödematöser Schwellung oder Hämatom.
  • Hydrotherapie: Zellenbäder mit galvanischem Gleichstrom bewirken eine Schmerzreduktion und Förderung der Durchblutung.
  • Orthesenversorgung: Lagerungs- und Funktionsschienen zur Kontrakturprophylaxe und funktionellen Unterstützung.
  • Hilfsmittelversorgung: Erhalt bzw. Verbesserung der Selbstständigkeit bei körperlichen Einschränkungen.

Spezifische Nervenläsionen und ihre Behandlung

  • Plexus lumbosacralis: Schädigungen des Plexus lumbalis führen zu Paresen der Hüftbeugung, der Hüftadduktion sowie der Kniestreckung. Schädigungen des Plexus sacralis führen zu einer Parese der ischiokruralen Muskulatur sowie zu einer Parese der Unterschenkel-, Fuß- und Zehenmuskulatur.
  • N. glutaeus superior und inferior: Eine isolierte Schädigung des N. glutaeus superior führt zu einer Lähmung der Hüftabduktion. Eine isolierte Schädigung des N. glutaeus inferior führt zu einer Parese der Hüftstreckung.

Fallbeispiele

  • Fall 1: Ein 82-jähriger Patient erlitt nach einer Kniegelenksendoprothese eine Taubheit des linken Fußes mit Ausfall der Fußhebung. Eine raumgreifende Nachblutung im Operationsgebiet wurde ausgeschlossen. Es wurde angenommen, dass die Schädigung auf der Verwirklichung eines eingriffsimmanenten Risikos beruht.
  • Fall 2: Ein 54-jähriger Berufskraftfahrer klagte über eine Nervenläsion nach einer Operation wegen einer Epicondylitis humeri ulnaris. Die Gutachterkommission stellte einen Befunderhebungsfehler fest.
  • Fall 3: Ein 73-jähriger Patient erlitt anlässlich einer Lipomentfernung eine Fallhand links. Die Gutachterkommission stimmte zu, dass der operative Eingriff indiziert war und beanstandungsfrei erfolgte.

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