Kortisonspritzen sind ein gängiges Mittel zur Behandlung von Entzündungen und Schmerzen, insbesondere in der Orthopädie. Sie sollen helfen, Entzündungen zu bekämpfen und Beschwerden zu lindern. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung von Kortisonspritzen bei Nervenreizungen, ihre Wirkungsweise, mögliche Nebenwirkungen und alternative Behandlungsansätze.
Was ist eine Nervenreizung?
Eine Nervenreizung entsteht durch verschiedene Ursachen, häufig durch Druck auf einen Nerv. Dies kann zu Schmerzen, Taubheit oder Kribbeln führen. Bleibt eine Nervenreizung unbehandelt, können ernsthafte Konsequenzen entstehen.
Symptome einer Nervenreizung
- Schmerzen verschiedener Qualität und Intensität (brennend, stechend, dumpf)
- Taubheitsgefühle
- Kribbeln
- Funktionsausfälle des Bewegungsapparates
- Motorische Schwäche bis hin zu Ausfällen
Kortison: Wirkung und Anwendungsgebiete
Kortison ist ein Hormon, das der Körper in der Nebennierenrinde bildet. Es wirkt stark entzündungshemmend und schmerzlindernd. Künstlich hergestellte Kortisonpräparate werden bei zahlreichen Erkrankungen eingesetzt, darunter:
- Atemwegserkrankungen (Asthma, COPD, Pseudokrupp)
- Allergische Reaktionen (Heuschnupfen, anaphylaktischer Schock)
- Rheumatische Erkrankungen (rheumatoide Arthritis)
- Autoimmunerkrankungen (chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Multiple Sklerose, Schuppenflechte)
- Orthopädische Beschwerden (Kalkschulter, Hallux rigidus, Schleimbeutelentzündung)
Wie wirkt Kortison?
Kortison-Medikamente wirken:
- Entzündungshemmend
- Antiallergisch
- Immunsuppressiv
- Verstärken die Wirkung von Stresshormonen
Die Wirkdauer von Kortison-Präparaten variiert je nach Wirkstoff:
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- Kurzwirksame Präparate: 8-12 Stunden
- Mittellang-wirksame Präparate: 12-36 Stunden
- Langwirksame Präparate: 36-72 Stunden
Kortisonspritze bei Nervenreizung
Bei einer Nervenreizung kann Kortison lokal in Form einer Spritzeninjektion angewendet werden. Die Injektion erfolgt genau an dem Ort, an dem die Nervenreizung liegt oder die Beschwerden auftreten. Kortison wirkt entzündungshemmend und schmerzlindernd, oft schon nach wenigen Stunden.
Periradikuläre Therapie (PRT)
Die Periradikuläre Therapie (PRT) ist eine spezielle Form der Kortisoninjektion, die bei Nervenwurzelreizungen an der Wirbelsäule eingesetzt wird. Dabei wird Kortison unter Bildkontrolle (MRT oder CT) in unmittelbarer Nähe zur gereizten Nervenwurzel injiziert. Die PRT wird häufig an der Hals- und Lendenwirbelsäule angewendet.
Ablauf einer PRT-Behandlung
- Lagerung des Patienten in Rücken- oder Bauchlage auf dem Tomographentisch
- Desinfektion der Haut und Markierung der Einstichstelle
- Lokalanästhesie der Haut und Muskulatur
- Vorschieben einer dünnen Injektionsnadel unter Bildsteuerung bis zur Nervenwurzel
- Injektion von Röntgenkontrastmittel zur Sicherstellung der korrekten Nadellage
- Injektion von Kortison und Lokalanästhetika um die Nervenwurzel
Wirkung der PRT
- Entzündungshemmung an der Nervenwurzel
- Schmerzlinderung
- Verbesserung der Durchblutung
Viele Patienten verspüren bereits nach der ersten PRT-Behandlung eine Besserung der Beschwerden. In der Regel sind jedoch mehrere Sitzungen im Abstand von einer Woche erforderlich.
Risiken und Nebenwirkungen von Kortisonspritzen
Wie bei jeder Behandlung gibt es auch bei Kortisonspritzen mögliche Risiken und Nebenwirkungen.
Allgemeine Risiken
- Entzündungen im Bereich des Einstichgebietes
- Verletzung von Strukturen im Bereich der Injektion
- Allergische Reaktion auf das Kortison oder Begleitmittel (sehr selten)
Nebenwirkungen durch Kortison
- Kurzzeitige Nebenwirkungen:
- Unruhe
- Schwitzen
- Gesichtsröte (Flush)
- Herzrasen (meist vorübergehend)
- Erhöhung des Blutzuckerspiegels (besonders bei Diabetikern)
- Langzeitfolgen (bei regelmäßiger und hoch dosierter Injektion):
- Nebennierenrindeninsuffizienz
- Osteoporose
- Dünner werdende, pergamentartige Haut
- Vermehrtes Schwitzen (besonders nachts)
- Gewichtszunahme
- Erhöhter Blutdruck
Spezifische Risiken bei PRT
- Unbehagen und Schmerzen direkt nach der Injektion
- Taubheitsgefühl und Schwäche in den Beinen (meist vorübergehend)
- Blaue Flecken (besonders bei Einnahme von Blutverdünnern)
- In seltenen Fällen: Direkter Kontakt der Spritze mit der Nervenwurzel, was zu einer Verschlechterung der Beschwerden führen kann
Osteoporose
Die Osteoporose ist eine häufige Nebenwirkung bei Langzeitbehandlung mit Kortison, vor allem bei Einnahme von Kortison in Tablettenform über mehrere Jahre. Bei einer Langzeitkortisoneinnahme sollte man daher immer eine osteoporosevorbeugende Maßnahme parallel durchführen.
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Erstverschlimmerung nach Kortisonspritze
In manchen Fällen kann es nach einer Kortisonspritze zu einer vorübergehenden Erstverschlimmerung der Schmerzen kommen. Dies kann verschiedene Ursachen haben:
- Cortison-Flare-Reaktion: Kurzfristige Reizung des Gewebes, die eine Entzündungsreaktion verstärkt.
- Verdrängungseffekt durch das Spritzenvolumen: Das injizierte Kortison sowie das Begleitmittel können Druck auf das umliegende Gewebe ausüben.
- Anfangsreaktion durch Gewebeveränderungen: Cortison entfaltet seine entzündungshemmende Wirkung erst nach einigen Stunden bis Tagen.
Was ist zu tun bei Nebenwirkungen?
- Bei leichten Nebenwirkungen wie Unruhe, Schwitzen oder Gesichtsröte: Beobachten und abwarten, meist verschwinden die Symptome von selbst.
- Bei stärkeren oder anhaltenden Nebenwirkungen: Arzt kontaktieren.
- Bei Diabetikern: Blutzuckerspiegel engmaschig kontrollieren und ggf. die Therapie anpassen.
- Bei Anzeichen einer allergischen Reaktion: Sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.
Wann zum Arzt?
- Bei starken oder anhaltenden Schmerzen trotz Kortisonspritze
- Bei neuen oder sich verschlimmernden Symptomen
- Bei Anzeichen einer Infektion im Bereich der Injektionsstelle (Rötung, Schwellung, Überwärmung, Schmerzen)
- Bei Taubheitsgefühl oder Schwäche in den Beinen, die länger als einige Stunden anhalten
Alternative Behandlungsmethoden bei Nervenreizung
Neben Kortisonspritzen gibt es verschiedene alternative Behandlungsmethoden bei Nervenreizungen:
- Schmerzmittel:
- Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Diclofenac und Ibuprofen
- Opioide (nur in Ausnahmefällen bei starken Schmerzen)
- Antikonvulsiva (Gabapentin, Pregabalin)
- Trizyklische Antidepressiva
- Physiotherapie:
- Manuelle Therapie
- McKenzie-Therapie
- Muskelaufbau
- Weitere konservative Therapien:
- Wärme- oder Kälteanwendungen
- Akupunktur
- Osteopathie
- Bädertherapie
- Elektrotherapie
- Massage
- Fango
- Operative Therapie:
- Bei Bandscheibenvorfall: Entfernung des vorgefallenen Bandscheibengewebes
- Bei Spinalkanalstenose: Erweiterung des Spinalkanals
Konservative Therapie bei Spinalkanalstenose
Die konservative Therapie der Spinalkanalstenose zielt darauf ab, die Beschwerden zu lindern, ohne die Ursache (Enge des Kanals) zu beheben. Sie umfasst:
- Medikamentöse Therapie (Schmerzmittel, Muskelrelaxantien, Kortison, Vitamin B)
- Krankengymnastik
- Bädertherapie
- Elektrotherapie
- Massage
- Orthetische Versorgung mit Korsett
- Rollator
Operative Therapie bei Spinalkanalstenose
Die operative Therapie zielt darauf ab, die Ursache der Schmerzen zu behandeln, indem der eingeengte Kanal erweitert und die eingeschnürten Nerven befreit werden. Es gibt verschiedene Operationsmethoden, die individuell für jeden Patienten gewählt werden. Standard ist in jedem Fall eine mikrochirurgische Operationsmethode.
Kortison in Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangere und stillende Frauen können lokale Kortison-Präparate (z.B. Kortison-Salbe) nach ärztlicher Rücksprache anwenden. Bei einer systemischen Kortison-Behandlung wägen Ärzte bei Schwangeren Nutzen und Risiken sorgfältig ab.
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