Fußschmerzen und Funktionsstörungen können vielfältige Ursachen haben. Füße sind komplexe anatomische Strukturen, die aus 28 Knochen, 107 Sehnen und Bändern sowie einem komplexen Nervengeflecht bestehen. Sie leisten Erstaunliches, indem sie im Laufe eines Lebens mehr als 100.000 Kilometer zurücklegen und die Achillessehne, die Verbindung zwischen Wade und Fuß, täglich mehr als 1.000 Tonnen trägt. Obwohl Füße für Belastung geschaffen sind, kann ungeeignetes Schuhwerk sie beeinträchtigen und zu Druckstellen, Verformungen und Schmerzen führen. Symptome wie Krallen-, Hammer- oder Ballenzeh (Hallux valgus) treten bereits bei jungen Menschen häufig auf, ebenso wie Entzündungen, Knochenvorsprünge in der Ferse und Schmerzen in der Achillessehne.
Häufige Ursachen für Fußbeschwerden
Hallux Valgus
Der Hallux valgus ist die häufigste Fehlstellung der Zehen und die häufigste Erkrankung des Vorfußes. Dabei ist die Großzehe nach außen in Richtung der Kleinzehen abgewinkelt. Die Ursachen sind vielfältig und umfassen eine familiäre Veranlagung, hormonell bedingte Bindegewebsveränderungen und das Tragen von Schuhen mit hohen Absätzen. Neben dem kosmetischen Problem können ausgeprägte Schmerzen im Großzehengrundgelenk entstehen, die zu einer Veränderung des Gangbildes führen können.
Hallux Rigidus
Beim Hallux rigidus kommt es zu einer Arthroseentwicklung (Verschleiß der Gelenkflächen) im Großzehengrundgelenk. Dies kann Folge einer Gichterkrankung, Ausdruck einer Rheumaentwicklung oder die Folge einer chronischen Gelenkfehlstellung sein. Neben Schmerzen unter Belastung und in Ruhe treten auch Rötungen, Schwellungen oder Überwärmungen infolge eines Entzündungsprozesses auf. Betroffene klagen über eine Bewegungseinschränkung im Großzehengrundgelenk, eine Steifigkeit beim Abrollen und Platzprobleme beim Tragen enger Schuhe.
Fersensporn
Schmerzen im Bereich der Fersenregion erfordern eine genaue Differenzierung durch klinische Untersuchung und Bildgebung (Röntgen, CT, MRT). Es ist zu unterscheiden, ob die Schmerzen eher unter oder hinter der Ferse auftreten oder ob die Achillessehne selbst schmerzt. Patienten mit einem unteren Fersensporn klagen häufig über typische Schmerzen bei Belastung und morgendliche Anlaufschmerzen. Dies ist Folge einer zu starken Belastung der Plantarfaszie (Sehnenplatte unter der Fußsohle), die auf verschiedene Faktoren zurückgeführt werden kann.
Achillodynie
Die Achillodynie ist ein schmerzhafter Reizzustand der Achillessehne, der insbesondere bei Sportlern nach Trainingsbeginn auftreten kann. Die Achillessehne kann sich verdicken und in der Mitte des Sehnengewebes können Nekrosen (Gewebszerstörungen) entstehen.
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Weitere Ursachen
Weitere mögliche Ursachen für Fußschmerzen sind:
- Schmerzen auf dem Fuß oder Spann: Fehlfunktion der Knöchel und Fußgelenke, falsch belastete Bänder und Muskeln
- Ermüdungsbrüche: Folge einer Osteoporose, ohne direktes Unfallereignis, verringerte Knochendichte
- Fußarthrose: Ursache nicht immer klar, Fußwurzel schmerzt im Bereich des oberen Fußlängsgewölbes
- Bursitis: Entzündung des Schleimbeutels, die durch eine Infektion, eine Verletzung oder eine Dauerreizung entstehen kann
- Achillodynie: Schmerzsyndrom in der Achillessehne oder im Ansatz der Wadenmuskulatur am Fersenbein
- Spreizfuß: Knochenstrahlen des Mittelfußes weichen auseinander, natürliche Wölbung im Bereich des Vorfußballens nicht mehr vorhanden
- Morton Neurom: Eingeklemmte Nerven unter der Fußsohle
- Wachstumsschmerz bei Kindern: Ungleichgewicht zwischen Skelettwachstum und Muskulatur
- Gicht: Ablagerung von Harnsäurekristallen im Fußgelenk
- Marschfraktur: Langsame Entwicklung eines Knochenbruchs
- Muskuläre Verspannungssymptome
Diagnostik von Fußbeschwerden
Eine kompetente und individuell abgestimmte Beratung, Diagnose und Therapie kann helfen, schmerzauslösende Faktoren zu verringern oder ganz zu vermeiden. Die Diagnose beginnt mit einer Anamnese, um die Ursache der Fußschmerzen zu ermitteln. Dabei werden der Verlauf der Schmerzen, mögliche Unfälle, plötzliche Schmerzen nach Belastung, Anlaufschmerzen, Schmerzen nach dem Joggen, chronische Schmerzen oder Schmerzen in engen Schuhen berücksichtigt.
Weitere Diagnoseverfahren sind:
- Klinische Untersuchung: Beurteilung der Fußform, Beweglichkeit und Schmerzpunkte
- Röntgenaufnahmen: Darstellung von Knochenstrukturen und Fehlstellungen
- MRT (Magnetresonanztomographie): Beurteilung von Weichteilen, Bändern und Nerven
- CT (Computertomographie): Detaillierte Darstellung von Knochenstrukturen
- Fußdruckmessung (Pedobarographie): Analyse der Druckverteilung unter dem Fuß
- Laufanalyse: Beurteilung des Gangbildes und der Fußstellung beim Laufen
Konservative Behandlungsmöglichkeiten
Bei eher moderat ausgeprägten Fehlstellungen und geringem Leidensdruck sind nicht zwangsläufig operative Maßnahmen erforderlich. Die Verordnung maßgefertigter Individualeinlagen oder eine gezielte Fußwurzelgymnastik können bereits hilfreich sein.
Weitere konservative Maßnahmen sind:
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- Wechsel des Schuhwerks: Bequeme Schuhe mit ausreichend Platz für die Zehen
- Physiotherapie: Kräftigung der Fußmuskulatur und Verbesserung der Beweglichkeit
- Fußgymnastik: Regelmäßige Übungen zur Stärkung der Fußmuskulatur
- Spezielle Schienen und Einlagen: Unterstützung der Fußform und Entlastung schmerzender Bereiche
- Medikamentöse Behandlung: Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente
- Stoßwellentherapie: Behandlung von Fersensporn und anderen schmerzhaften Zuständen
- Triggerpunktakupunktur: Lösung von Muskelverspannungen
- Salben und Bandagen: Linderung von Entzündungen
- Gipsverband: Ruhigstellung des Fußes bei Bedarf
- Anpassung des Aktivitätsniveaus: Vermeidung von Überlastung
Operative Behandlungsmöglichkeiten
Sind die Fehlstellungen schon so ausgeprägt, dass es zu einem entzündlichen Reizzustand im Großzehengrundgelenk gekommen ist oder dass normales Konfektionsschuhwerk nicht mehr problemlos getragen werden kann, sind operative Maßnahmen angezeigt. Welche OP-Methode die richtige ist, hängt neben der Fehlstellung und der Fußform von verschiedenen weiteren Faktoren ab. Neben dem Alter und der Konstitution der Patienten gilt es auch den individuellen Leistungsanspruch mit zu berücksichtigen.
Hallux Valgus Operationen
- Chevron-Osteotomie (OP nach Austin): Geeignet für leichtere und mittlere Hallux valgus Fehlstellungen. Das Mittelfußköpfchen wird leicht verschoben, die Großzehe selbst über einen Weichteileingriff in die gerade Neutralposition aufgerichtet und der durchtrennte Knochen mit einer kleinen Titanschraube stabilisiert.
- Basisnahe Umstellungen: Bei stärker ausgeprägten Fehlstellungen des 1. Mittelfußknochens muss die Korrektur weiter an der Basis des 1. Mittelfußknochens erfolgen. In Winsen wird die Kreisbogenosteotomie bevorzugt.
- Lapidus-Arthrodese: Bei einer ausgeprägten Hallux valgus Fehlstellung und Instabilität des inneren Fußrandes wird die Basis des 1. Mittelfußknochens in korrigierter Achsausrichtung mit der Gelenkfläche des kleinen Würfelbeines verblockt.
- Reverdin-Green-Laird Umstellungsoperation: Subkapitale Korrekturoperation in Kombination mit einem komplexen Weichteileingriff, geeignet für milde bis mäßige Fehlstellungen.
- Triple-Osteotomie: Kombiniert verschiedene Osteotomien zur Korrektur komplexer Fehlstellungen.
- Akin-Osteotomie: Entfernung eines Keils aus dem Grundglied der Großzehe bei Hallux-interphalangeus-Fehlstellung.
Hallux Rigidus Operationen
- OP nach Kessel-Bonney: Abtragung eventuell störender Knochenvorsprünge (Cheilektomie), Entnahme eines Keils aus dem Großzehengrundglied, das Großzehengrundglied selbst leicht nach oben transferiert und die Knochenentnahmestelle mit einer kleinen Titankrampe stabilisiert.
- Arthrodese (Gelenkversteifung): Bei ausgeprägten, schweren Arthrosen des Großzehengrundgelenkes.
- Resezierende Verfahren (OP nach Brandes): Teil der Gelenkfläche des Großzehengrundgelenkes wird operativ entfernt.
- Einsatz eines Kunstgelenkes: In Ausnahmefällen, z.B. die „HemiCAP“ Prothese.
Fersensporn Operationen
- Entfernung der Verknöcherungen am Ansatz der Achillessehne (Haglund-Ferse): Oft notwendig, die Achillessehne selbst partiell abzulösen und anschließend mit resorbierbaren Ankern wieder zu refixieren.
Achillessehnen Operationen
- Ausräumung von Nekrosen (Gewebszerstörungen) in der Achillessehne.
- Achillessehnenriss-Behandlungen: Minimalinvasiv oder offen, die gerissenen Enden werden genäht oder die gerissene Sehne wird mit körpereigenem Gewebe rekonstruiert bzw. verstärkt.
- Speedbridge-Verfahren: Die Achillessehne wird zur Entfernung der schmerzhaften Veränderungen teilweise vom Fersenbein gelöst und dann mit Hilfe eines speziellen Nahtankersystems knotenlos und flächig wieder fest und stabil mit dem Knochen verbunden.
Rehabilitation nach Operationen
Im Anschluss an die Operation erfolgen regelmäßige klinische Verlaufskontrollen. Zudem gibt es zahlreiche Möglichkeiten zur schnellen Rehabilitation - von einer speziellen Schmerztherapie über Krankengymnastik bis hin zu Lymphdrainage und physikalischen Anwendungen.
Die Charcot-Arthropathie
Die Charcot-Arthropathie ist eine plötzlich auftretende Erweichung der Fußknochen bei Patienten mit signifikantem Nervenschaden (Polyneuropathie). Aufgrund einer erheblichen Schwäche brechen spontan die Fußknochen. Der Patient verspürt keinen Schmerz, demzufolge entstehen grobe Fehlstellungen. Das Fußgewölbe bricht zusammen und der Fuß nimmt eine Schaukelform an. Die knöchernen Vorsprünge führen aufgrund des fehlenden Eigenschutzes (Polyneuropathie) zu offenen Wunden an der Fußsohle.
Behandlung des Charcot-Fußes
- Ruhigstellung: Vollständige Entlastung des Fußes, Ruhigstellung in einem Vollkontaktgips (Total contact cast, TCC).
- Orthopädische Maßschuhe: Schuhe mit speziellen Zurichtungen.
- Aktivitätsanpassung: Anpassung des Aktivitätsniveaus, um Traumata an beiden Füßen zu vermeiden.
- Chirurgie: In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein.
Neuropathie
Eine Schädigung der Nerven wird als Neuropathie bezeichnet. Es handelt sich dabei um einen Sammelbegriff für verschiedene Erkrankungen, die das periphere Nervensystem betreffen. Dazu zählen beispielsweise eine Nervenentzündung (Neuritis) oder auch eine Verletzung der Nerven.
Ursachen für eine Neuropathie
- Druckeinwirkung auf den Nerv (z.B. Bandscheibenvorfall, Karpaltunnelsyndrom)
- (Stoffwechsel-)Gifte (z.B. Zucker- oder Alkoholkrankheit, Medikamente, Schwermetalle)
- Vitaminmangel (insbesondere Folsäure)
- Multiple Sklerose
- Nervenverletzungen oder -durchtrennungen
- Nervenentzündungen (Neuritis) durch Infektionen (z.B. Gürtelrose)
Symptome einer Neuropathie
- Funktionsbeeinträchtigungen von Muskeln bis hin zur Lähmung
- Empfindungsstörungen
- Regulationsstörungen der Haut
- Nervenschmerzen
- Veränderte Reflexe
Behandlung einer Neuropathie
- Behandlung der Ursache
- Schmerzlinderung mit Medikamenten (Schmerzmittel, Antidepressiva, Antiepileptika, Radikalfänger, Lokalanästhetika)
- TENS (transkutane elektrische Nervenstimulation)
- Physiotherapeutische Maßnahmen
- Entspannungs- und psychotherapeutische Verfahren
- Alternative Behandlungsmethoden
Metatarsalgie
Die Metatarsalgie bezeichnet Schmerzen im Bereich der Mittelfußköpfchen.
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Ursachen für eine Metatarsalgie
- Überlastung der Mittelfußköpfchen
- Erkrankungen der Großzehe (Hallux)
- Veränderte Formen der Zehen
- Überstreckung des Zehengrundgelenks (MTP-Gelenk)
- Verkürzte Wadenmuskulatur
- Erkrankungen im Bereich des Rückfußes (Senkfuß, Spreizfuß)
Behandlung einer Metatarsalgie
- Konservative Maßnahmen (Einlagen, Schuhe mit guter Dämpfung)
- Physiotherapie
- Operation (in seltenen Fällen)
Spondylose
Spondylose ist ein Verschleiß der Wirbelsäule, der chronische Rückenschmerzen verursacht.
Ursachen für eine Spondylose
- Altersbedingt
- Übermäßige Abnutzung (z.B. Fehlhaltung, Deformationen)
- Äußere Gewalt (z.B. Unfälle, Stürze)
- Erbliche Veranlagung
Symptome einer Spondylose
- Belastungsabhängige Rückenschmerzen
- Dauerschmerzen
- Neurologische Symptome (Missempfindungen, Kribbeln, Gehstörungen)
Behandlung einer Spondylose
- Konservative Maßnahmen (Physiotherapie, Schmerzmittel)
- Interventionelle Schmerztherapie (z.B. Thermokoagulation der Facettengelenke)
- Operation (in seltenen Fällen)
Krallenzehe
Bei einer Krallenzehe sind Zehen im Mittel- und Endgelenk gebeugt, sodass die Zehenspitze meist deutlich nach unten zeigt.
Ursachen für eine Krallenzehe
- Disbalance der Muskulatur im Fuß und in den Beinen
- Enges Schuhwerk
- Vorerkrankungen (Spreizfuß, Plattfuß, Knickfuß, Hallux valgus)
- Neurologische Grunderkrankungen
Behandlung einer Krallenzehe
- Konservative Maßnahmen (Entspannung von Muskulatur und Sehnen, Bewegungsübungen, Physiotherapie, Einlagen, Schienen, Zehengymnastik)
- Operation (in schwerwiegenden Fällen)