Der Penis, bestehend aus Peniswurzel, Peniskörper und Eichel, ist ein wichtiges äußeres männliches Geschlechtsorgan. Neben der Harnausscheidung dient er dem Transport von Sperma. Die Eichel, die Penisspitze, ist von einer weichen Haut, der Vorhaut, umgeben. Trotz zunehmender Aufklärung bestehen weiterhin Wissenslücken bezüglich verschiedener Peniserkrankungen.
Paraphimose: Ein urologischer Notfall
Eine Paraphimose, auch bekannt als "spanischer Kragen", entsteht, wenn die Vorhaut hinter der Eichel eingeklemmt ist. Dies führt zu einem Blutstau und einer Ansammlung von Gewebewasser, was eine schmerzhafte Schwellung und bläuliche Verfärbung der Eichel verursacht. Unbehandelt kann die Paraphimose zum Absterben der Eichel führen und stellt daher einen urologischen Notfall dar.
Ursachen der Paraphimose
Die Paraphimose entsteht, wenn eine zu enge Vorhaut gewaltsam zurückgezogen wird und sich in der Eichelfurche einklemmt, was einen gestörten Blutabfluss nach sich zieht. Die Eichel und die eingeklemmte Vorhaut schwellen stark an, und es bildet sich ein Ödem (Wassereinlagerungen im Gewebe), das äußerst schmerzhaft ist und das Zurückstreifen der Vorhaut zunehmend unmöglich macht. Weitere Ursachen können sein:
- Gewaltsames Zurückziehen der Vorhaut bei einer Phimose
- Vergessene Reposition der Vorhaut nach dem Legen eines Blasenkatheters
- Masturbation, Geschlechtsverkehr
Diagnose und Behandlung der Paraphimose
Der Arzt erkennt die Paraphimose an dem Schnürring in der Eichelfurche, der durch die eingeklemmte Vorhaut zustande kommt. Um die Schmerzen zu lindern, betäubt der Arzt den Nerv an der Peniswurzel mit einem Lokalanästhetikum. Anschließend wird das Ödem der Vorhaut ausgedrückt und die Vorhaut manuell zurückgeschoben. In schweren Fällen kann ein Schnitt in die Vorhaut (dorsale Inzision) erforderlich sein. Um eine erneute Paraphimose zu vermeiden, kann eine Beschneidung in Erwägung gezogen werden. Bei zügigem Eingreifen bleiben keine Schäden zurück.
Es ist wichtig, bei einer Paraphimose unverzüglich einen Arzt aufzusuchen. Eine zu enge Vorhaut sollte niemals mit Gewalt zurückgezogen werden. Vor der Pubertät reicht es in der Regel aus, den Penis von außen zu waschen.
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Peniskrebs: Seltene, aber ernstzunehmende Erkrankung
Peniskrebs ist eine seltene, bösartige Neubildung des Penis. In über 95 Prozent der Fälle ist eine mangelnde Hygiene aufgrund einer unbehandelten Vorhautverengung (Phimose) die Ursache. Risikofaktoren sind steigendes Lebensalter, Rauchen, chronische Irritation des Penis, mangelnde Hygiene, wiederkehrende Entzündungen der Eichel oder Vorhaut, häufiger Wechsel von Geschlechtspartnern oder virale Infektionen mit bestimmten Typen des Humanen Papillomavirus (HPV).
Symptome, Früherkennung und Diagnose von Peniskrebs
Die Erkrankung äußert sich durch lokale Veränderungen, vor allem im Bereich der Eichel und der Vorhaut. Teilweise sind die Veränderungen flach, teils erhaben und leicht blutend. Eine frühzeitige Erkennung ist entscheidend für eine gute Prognose. Regelmäßige Selbstuntersuchungen des Penis und jährliche Untersuchungen beim Urologen ab dem 45. Lebensjahr sind wichtige Präventivmaßnahmen.
Zur Diagnose werden die Krankheitsgeschichte und Symptome erfasst, eine körperliche Untersuchung durchgeführt und Gewebeproben entnommen. Bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) können ebenfalls eingesetzt werden.
Therapie von Peniskrebs
Die Therapie umfasst die Entfernung des Tumors, wobei der Erhalt des Penis angestrebt wird. In fortgeschrittenen Stadien kann die Entfernung des Penis und die Neuanlage der Harnröhre im Dammbereich erforderlich sein. In speziellen Fällen werden die Leistenlymphknoten entfernt und gegebenenfalls eine Chemotherapie durchgeführt.
Penisschmerzen: Ursachen und Behandlung
Schmerzen im Penis oder der Eichel sollten von einem Urologen abgeklärt werden. Mögliche Ursachen sind Erektionsstörungen, Entzündungen der Harnröhre, Harnwegsteine, Eichelentzündungen (Balanitis) oder eine schmerzhafte Dauererektion (Priapismus).
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Nervenbedingte Penisschmerzen
Penisschmerzen nach Verletzungen des Beckens oder Operationen können auf eine Verletzung des oberen/hinteren Penisnerven zurückzuführen sein. Dieser Nerv verläuft unterhalb des Schambeins und auf der Oberseite des Penis Richtung Eichel. Fahrradfahren, Geschlechtsverkehr oder Selbstbefriedigung können die Schmerzen verstärken. Auch eine erworbene Penisverkrümmung (Induratio penis plastica/IPP) kann Schmerzen verursachen.
Der für die Empfindsamkeit des Penis und der Eichel zuständige Nerv heißt "Nervus dorsalis penis" und ist ein Ast des Schambeinnerven (Nervus pudendus). Er verläuft an der Kante des Schambeinknochens und kann durch Druck, z.B. beim Fahrradfahren, gereizt werden. Der Nervus dorsalis penis ist nicht für die Erektion, aber für Orgasmus und Samenerguss (Ejakulation) zuständig.
Behandlung von nervenbedingten Penisschmerzen
Wenn die Penisschmerzen durch eine Störung/Reizung/Verletzung des oberen Penisnerven verursacht werden, kann der Urologe diesen Nerv mit einem Lokalanästhetikum ausschalten. Eine Nervenvereisung (Kryoneurolyse) kann den Nerv für einen längeren Zeitraum (bis zu zwei Jahre) ausschalten.
Weitere mögliche Ursachen für Penisschmerzen
- Wasserbruch (Hydrozele) und Spermatozele: Flüssigkeitsansammlungen im Hodensack.
- Krampfadern im Hodensack (Varikozele): Können die Testosteronproduktion und Spermienproduktion beeinträchtigen.
- Verletzungen des Hodens, Hodensacks und Penis: Können durch Unfälle im Straßenverkehr oder beim Sport entstehen.
- Hodentorsion: Verdrehung des Hodens um die eigene Längsachse, wodurch die Blutversorgung unterbrochen wird.
- Hypospadie: Mündung der Harnröhre nicht an der Spitze der Eichel, sondern auf der Unterseite des Penis.
Pudendusneuralgie: Chronische Schmerzen im Dammbereich
Die Pudendusneuralgie ist eine seltene chronische Schmerzerkrankung im Bereich des Damms, verursacht durch eine Erkrankung des Nervus pudendus (Schamnerv). Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer.
Ursachen der Pudendusneuralgie
Häufigste Ursache ist eine mechanische Reizung oder Einengung des Schamnervs, z.B. durch Druck auf den Damm beim Fahrradfahren, Operationen oder Verletzungen des Beckens. Weitere Ursachen können gynäkologische Erkrankungen, eine schwer verlaufene Geburt, Gefäßerkrankungen des Beckens oder Tumoren sein.
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Symptome der Pudendusneuralgie
Typische Symptome sind heftige Schmerzen im Genital- und Dammbereich, die als brennend, stechend, einschießend, dumpf oder drückend beschrieben werden. Die Beschwerden nehmen im Sitzen zu und bessern sich beim Stehen oder Liegen. In einigen Fällen kann es zu Missempfindungen, Muskellähmungen, Harn- und Stuhlinkontinenz oder Störungen der Sexualfunktion kommen.
Diagnose und Therapie der Pudendusneuralgie
Die Diagnose erfolgt durch eine ausführliche Anamnese, körperliche Untersuchung und bildgebende Verfahren (MRT). Eine Pudendusblockade (Injektion eines Betäubungsmittels entlang des Schamnerven) kann zur Diagnosestellung beitragen. Auch eine Messung der Nervenleitgeschwindigkeit kann Schädigungen des Nervus pudendus nachweisen.
Die Therapie umfasst Schmerzmittel (Antidepressiva, Antikonvulsiva), Physiotherapie, psychologische Begleitung und alternative Behandlungsformen (Osteopathie, Akupunktur). In einigen Fällen kann eine operative Entlastung des Nervs (Neurolyse) erforderlich sein.
Penisbruch: Riss der Schwellkörper
Der Penisbruch ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für einen Riss eines Schwellkörpers im Penis, verursacht durch gewaltsames Abknicken oder Stauchung des erigierten Penis.
Ursachen und Symptome des Penisbruchs
Die Ursache ist immer ein gewaltsames Abknicken oder eine Stauchung des erigierten Penis, z.B. beim Geschlechtsverkehr oder bei der Masturbation. Typische Symptome sind ein deutlich hörbares Knacken, sofortige starke Schmerzen, Erschlaffung des Penis, unnatürlicher Knick im Schaft, Hämatom und Schwellung.
Diagnose und Behandlung des Penisbruchs
Die Diagnose wird meist anhand des Erscheinungsbildes gestellt. Bildgebende Verfahren können die genaue Stelle der Ruptur identifizieren. Die Behandlung umfasst in der Regel eine Operation, bei der der gerissene Schwellkörper genäht wird. Eine konservative Behandlung mit Schonung, Kühlung und Druckverbänden ist ebenfalls möglich. Unbehandelt kann es zu bleibenden Schäden kommen (Verengung der Harnröhre, Erektionsstörungen).
Vorhautverengung (Phimose): Ursachen und Behandlung
Eine Vorhautverengung (Phimose) ist definiert als die Unfähigkeit, die Haut, die die Eichel bedeckt, zurückzuziehen.
Ursachen der Phimose
Kinder werden bei der Geburt mit enger Vorhaut geboren, die sich im Laufe der Zeit auf natürliche Weise weitet. Eine Phimose ist bei unbeschnittenen Säuglingen/Kindern normal und verschwindet in der Regel im Alter von etwa 5-7 Jahren. Eine Phimose kann auch durch Narbenbildung, Infektion oder Entzündung entstehen (sekundäre Phimose).
Diagnose und Behandlung der Phimose
Die Diagnose erfolgt durch Anamnese und klinische Untersuchung. Die Behandlung kann konservativ (topische Kortisonbehandlungen) oder operativ (Beschneidung) erfolgen.
Eichelentzündung (Balanitis): Ursachen und Behandlung
Eine Eichelentzündung (Balanitis) ist eine Entzündung der Eichel, oft verursacht durch eine Infektion mit Pilzen oder Bakterien.
Ursachen der Balanitis
Häufige Ursachen sind unzureichende Hygiene, Pilzinfektionen, sexuell übertragbare Bakterien und Viren. Auch Parfüms in Seifen oder Latex in Kondomen können zu einer Entzündung führen.
Symptome, Diagnose und Behandlung der Balanitis
Typische Anzeichen sind Rötungen und Schmerzen im Bereich der Eichel. Zur Diagnose werden Tests zum Nachweis von Erregern eingesetzt. Die Behandlung umfasst eine sanfte Reinigung des entzündeten Bereichs, Umschläge und Sitzbäder mit antiseptischen Zusätzen. Bei Bedarf werden Anti-Pilz-Salben, kortisonhaltige Salben oder antibiotische Salben verschrieben.