Nervenerkrankungen können das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen stark beeinträchtigen. In vielen Fällen ist eine umfassende Betreuung und Pflege notwendig. Das Pflegegeld der AOK kann hier eine wichtige finanzielle Unterstützung darstellen. Dieser Artikel beleuchtet die Voraussetzungen für den Bezug von Pflegegeld bei Nervenerkrankungen und gibt einen Überblick über die verschiedenen Leistungen der AOK.
Was ist eine Aphasie?
Eine Aphasie ist eine erworbene Sprachstörung, die durch eine Schädigung des Gehirns verursacht wird. Der Begriff „Aphasie“ bedeutet übersetzt soviel wie „Verlust der Sprache“. In den meisten Fällen ist ein vorausgegangener Schlaganfall dafür verantwortlich. Die Verletzungen im Gehirn können aber auch durch einen Tumor oder eine Hirnblutung entstehen. Manchmal bildet sich eine Aphasie aufgrund einer Demenz.
Symptome und Formen der Aphasie
Die Symptome einer Aphasie können vielfältig sein und hängen davon ab, welche Hirnareale betroffen sind. Personen mit einer Aphasie fällt dann das Schreiben, Lesen, Sprechen oder Verstehen schwer - allerdings jedem beziehungsweise jeder in unterschiedlichem Ausmaß. Es gibt vereinfacht gesagt vier verschiedene Formen der Aphasie:
- Broca-Aphasie: Beeinträchtigung der Sprachproduktion, Betroffene können häufig nur die wichtigsten Wörter eines Satzes sagen.
- Wernicke-Aphasie: Störung des Sprachverständnisses, Betroffene hören das Gesagte zwar, können die Wörter aber nicht sinngemäß verstehen oder nutzen.
- Amnestische Aphasie: Sowohl Sprachverständnis als auch Sprachproduktion sind betroffen, allerdings in einem geringeren Ausmaß.
- Globale Aphasie: Schwerste Form, Betroffene können sich meist nur mit wenigen Worten äußern.
Umgang mit Aphasie-Patienten
Der Umgang mit Menschen mit Aphasie erfordert Geduld und Verständnis. Es ist wichtig, die Betroffenen trotz ihrer Sprachstörung zu respektieren und ihnen Zeit zu geben, sich auszudrücken. Angehörige sollten kurze Sätze bilden, keine Fremdwörter verwenden und Gestik und Mimik zur Unterstützung der Kommunikation einsetzen.
Pflegegrad bei psychischen Erkrankungen
Psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder bipolare Störungen können den Alltag der Betroffenen stark beeinträchtigen. In solchen Fällen kann ein Pflegegrad eine wertvolle Unterstützung sein. Seit 2017 werden die drei Pflegestufen durch die fünf Pflegegrade ersetzt. Diese Neuerung bietet besonders Menschen mit psychischen Erkrankungen große Vorteile, da nun auch geistige und seelische Beeinträchtigungen umfassend in die Beurteilung einfließen.
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Voraussetzungen für einen Pflegegrad
Ob und welcher Pflegegrad bei einer psychischen Erkrankung anerkannt wird, richtet sich nach der individuellen Lebenssituation der betroffenen Person. Ausschlaggebend ist, wie stark die Erkrankung die Selbstständigkeit einschränkt und den Alltag beeinflusst. Dabei wird bewertet, in welchen Bereichen des täglichen Lebens Unterstützung erforderlich ist und wie umfangreich dieser Bedarf ist.
Bei leichteren psychischen Beeinträchtigungen, die den Alltag zwar erschweren, aber nur begrenzte Unterstützung erfordern, kann je nach Ausprägung ein Pflegegrad 1 oder Pflegegrad 2 bewilligt werden. Bei schwereren psychischen Erkrankungen, wie beispielsweise einer schweren Depressionen, bei der die Selbstständigkeit deutlich eingeschränkt ist und die Betroffenen umfassende Unterstützung benötigen, kann auch ein Pflegegrad 3 oder Pflegegrad 4 vergeben werden. Letztlich wird der Pflegegrad immer auf Basis des tatsächlichen Unterstützungsbedarfs und der individuellen Einschränkungen der betroffenen Person festgelegt, sodass die Einstufung von Fall zu Fall unterschiedlich ausfallen kann.
Begutachtung und Einstufung
Die Einstufung in einen Pflegegrad erfolgt durch ein standardisiertes Begutachtungsverfahren. Für gesetzlich Versicherte übernimmt der Medizinische Dienst (MD) diese Begutachtung, während bei Privatversicherten Medicproof die Begutachtung übernimmt. Der Pflegebedarf wird dabei auf Grundlage der sechs Module des Begutachtungsinstruments ermittelt. Diese Module decken unterschiedliche Bereiche des täglichen Lebens ab, um ein umfassendes Bild der Selbstständigkeit und des Unterstützungsbedarfs zu erhalten.
In jedem der sechs Module werden Punkte vergeben, die den Grad der Einschränkung widerspiegeln. Je höher die Punktzahl, desto größer der Unterstützungsbedarf in diesem Bereich. Die fünf Pflegegrade erfassen unterschiedliche Ausmaße von Beeinträchtigungen - von leichten Einschränkungen der Selbstständigkeit oder Fähigkeiten bis hin zu schwersten Beeinträchtigungen, die eine besonders intensive pflegerische Versorgung notwendig machen.
Die fünf Pflegegrade im Überblick
- Pflegegrad 1: Geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit (12,5 bis 27 Punkte).
- Pflegegrad 2: Erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit (27 bis unter 47,5 Punkte).
- Pflegegrad 3: Schwerwiegende Beeinträchtigung der Selbstständigkeit (47,5 bis 70 Punkte).
- Pflegegrad 4: Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit (70 bis 90 Punkte).
- Pflegegrad 5: Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung (90 bis 100 Punkte).
Antragstellung und Widerspruch
Um einen Pflegegrad zu erhalten, muss ein Antrag bei der Pflegekasse der betroffenen Person gestellt werden. Dies kann telefonisch, schriftlich oder online erfolgen. Es ist ratsam, sich gut auf die Begutachtung vorzubereiten und alle wichtigen Unterlagen, wie ärztliche Atteste, Diagnosen und Therapieberichte, zu sammeln.
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Wenn der Antrag abgelehnt wird oder Sie mit der Einstufung nicht einverstanden sind, können Sie innerhalb von einem Monat Widerspruch einlegen.
Pflegegeld bei verschiedenen Nervenerkrankungen
Es gibt keine Vorgaben, bei welcher Krankheit welcher Pflegegrad gewährt wird, sondern es kommt immer auf den aktuellen Zustand des einzelnen Patienten an. Verschlechtert sich die gesundheitliche Verfassung, können der Patient oder die Angehörigen einen Antrag auf Erhöhung des Pflegegrades stellen.
Einige Beispiele für Nervenerkrankungen, bei denen ein Pflegegrad in Frage kommen kann:
- ALS (Amyotrophe Lateralsklerose): Bereits anfangs häufig schon Pflegegrad 2, durch den schnellen Verlauf erfolgt meist schon bald eine Erhöhung auf 3 und 4.
- Demenz/Alzheimer: Die Erkrankung führt fast immer zu einer kompletten Pflegebedürftigkeit.
- Multiple Sklerose (MS): Häufig ist lange Zeit ein Leben ohne Pflegebedürftigkeit möglich, nach dauerhafter Verschlechterung häufig Pflegegrad 1 bis 3.
- Parkinson: Manchmal ist bereits kurz nach der Diagnose Pflegegrad 2 gerechtfertigt.
- Schlaganfall: Je nach Schwere der Folgen des Schlaganfalls können Pflegegrade von 1 bis 5 beantragt werden.
Multiple Sklerose: Eine Krankheit mit vielen Gesichtern
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems. Das eigene Immunsystem greift dabei Strukturen in Gehirn und Rückenmark an, was zu Entzündungen führt.
Ursachen und Symptome
Die Ursachen von MS sind noch nicht vollständig verstanden. Man weiß aber, dass zwei Faktoren besonders von Bedeutung sind: die erbliche Veranlagung und Umweltfaktoren wie Rauchen, bestimmte Infektionen, Vitamin-D-Mangel und Übergewicht.
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Die Symptome von MS können sehr unterschiedlich sein und hängen davon ab, welche Bereiche des zentralen Nervensystems betroffen sind. Typische Frühsymptome sind Sehstörungen, Taubheitsgefühle, Missempfindungen in Armen und Beinen, Schwindel, Gleichgewichtsstörungen und Doppelbilder.
Krankheitsverlauf und Therapie
Multiple Sklerose zeigt sehr unterschiedliche Krankheitsverläufe, die sich von Person zu Person stark unterscheiden können. Es gibt zwei klassische Verlaufsformen:
- Schubförmiger Verlauf: Symptome treten in Form von Schüben auf, die sich nach Tagen bis Wochen wieder verbessern.
- Primär progredienter (fortschreitender) Verlauf: Symptome entwickeln sich langsam und verschlechtern sich mit der Zeit.
Die medikamentösen Therapien bei MS zielen darauf ab, die Krankheitsaktivität zu reduzieren, das Risiko für einen nächsten Schub zu senken und das Fortschreiten der Erkrankung zu beeinflussen. Auch nicht-medikamentöse Behandlungen wie Bewegung und Sport spielen eine wichtige Rolle.
Stress als Risikofaktor für Nervenerkrankungen
Dauerstress kann sich negativ auf die Gesundheit auswirken und das Risiko für verschiedene Erkrankungen erhöhen, darunter auch Nervenerkrankungen.
Auswirkungen von Stress auf den Körper
Bei Stress werden Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin ausgeschüttet. Diese Hormone versetzen den Körper in Alarmbereitschaft und schärfen die Sinne. Bei Dauerstress bleibt der Körper jedoch in diesem Alarmzustand, was zu verschiedenen Beschwerden führen kann, darunter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, erhöhte Leberwerte, Hautausschläge, Magen-Darm-Erkrankungen, Burnout und Depressionen.
Stressbewältigung
Um Stress abzubauen und die Gesundheit zu schützen, ist ein gutes Stressmanagement wichtig. Dazu gehören regelmäßige Bewegung, Entspannungsübungen, ausreichend Schlaf, eine gesunde Ernährung und soziale Kontakte.
Lupus erythematodes: Eine Autoimmunerkrankung
Lupus erythematodes ist eine Autoimmunerkrankung, bei der sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper richtet. Dies kann zu Entzündungen an Bindegewebe, Gelenken oder Organen führen.
Formen und Symptome
Es gibt zwei Formen von Lupus erythematodes: die systemische und die kutane Form. Beim systemischen Lupus erythematodes (SLE) kann der ganze Körper betroffen sein, während beim kutanen Lupus erythematodes (CLE) ausschließlich die Haut betroffen ist.
Mögliche Symptome sind Hautveränderungen (z.B. Schmetterlingserythem), steife Gelenke, Gelenkschmerzen, Schlappheit, Muskelschmerzen, Fieber, Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen.
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose von Lupus erythematodes ist oft schwierig, da die Symptome vielfältig sind und sich mit denen anderer Krankheiten überschneiden können. Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.
Demenz: Formen, Diagnose und Vorbeugung
Demenz ist ein Oberbegriff für verschiedene Krankheitsbilder, die mit einem Verlust der geistigen Fähigkeiten einhergehen. Die häufigste Form ist die Alzheimer-Krankheit.
Ursachen und Symptome
Die Ursachen von Demenz sind vielfältig und noch nicht vollständig verstanden. Risikofaktoren sind Alter, genetische Veranlagung, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Übergewicht.
Typische Symptome sind Gedächtnisstörungen, Orientierungslosigkeit, Sprachstörungen, Verhaltensänderungen und Schwierigkeiten bei der Bewältigung alltäglicher Aufgaben.
Diagnose und Vorbeugung
Die Diagnose von Demenz erfolgt in der Regel durch eine umfassende Untersuchung beim Arzt, einschließlich Gedächtnistests und bildgebenden Verfahren.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das persönliche Demenzrisiko zu senken. Dazu gehören regelmäßige Bewegung, eine gesunde Ernährung, soziale Kontakte und geistige Aktivität.
Leistungen der AOK bei Nervenerkrankungen
Die AOK bietet ihren Versicherten verschiedene Leistungen zur Unterstützung bei Nervenerkrankungen an, darunter:
- Pflegegeld: Finanzielle Unterstützung für die häusliche Pflege.
- Pflegesachleistungen: Unterstützung durch ambulante Pflegedienste.
- Tages- und Nachtpflege: Betreuung in einer teilstationären Einrichtung.
- Kurzzeitpflege: Vollstationäre Pflege für einen begrenzten Zeitraum.
- Verhinderungspflege: Unterstützung, wenn die pflegende Person ausfällt.
- Wohnraumanpassung: Zuschüsse für den Umbau der Wohnung, um sie barrierefreier zu gestalten.
- Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel: Kostenübernahme für notwendige Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel.
- Beratung und Unterstützung: Beratung durch Pflegeberater und Unterstützung bei der Organisation der Pflege.
- Angebote zur Stressbewältigung: Kurse und Seminare zur Stressbewältigung.
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