Der folgende Artikel analysiert anhand eines persönlichen Erlebnisses die Wechselwirkungen zwischen Autismus, Trauma und der individuellen Wahrnehmung von Abweichungen und Erwartungen. Dabei wird auf die Bedeutung von Routinen, Kategorisierungen und die Schwierigkeit der Anpassung an unerwartete Situationen eingegangen.
Einführung: Anankastische Persönlichkeitszüge und Autismus
Die Auseinandersetzung mit psychologischen Diagnosen und Persönlichkeitsmerkmalen ist ein fortlaufender Prozess. Der Begriff "anankastische Persönlichkeitszüge" tauchte erstmals im Zusammenhang mit einer Hochbegabungsdiagnose auf. Im Laufe der Zeit wurde jedoch deutlich, dass Züge, die zunächst als zwanghaft interpretiert wurden, möglicherweise eher auf Autismus zurückzuführen sind.
Der Wert von Routine und Vorhersehbarkeit
Für Menschen mit autistischen Zügen können Tages- und Wochenpläne, Vorhersehbarkeit und konsequent eingehaltene Regeln eine wichtige Orientierungshilfe sein. Sie schaffen ein Gefühl von Sicherheit und ermöglichen es, sich in der Welt zurechtzufinden. Abweichungen von diesen Routinen können jedoch zu Verunsicherung und Stress führen.
Autismus und Kategorisierung: "Für Immer"-Einordnungen
Ein typisches Merkmal von Autismus ist die Neigung zu "für immer"-Einordnungen und -Bestimmungen. Das bedeutet, dass Erlebnisse und Erfahrungen kategorisch eingeordnet werden, basierend auf Faktoren wie Ort, Zeit, Personen, Zweck und Ergebnis. Wenn alle diese Marker übereinstimmen, wird davon ausgegangen, dass dieses Erlebnis immer gleich sein wird.
Das Apfel-Beispiel: Eine Mikrokosmos Der Wahrnehmungsunterschiede
Ein alltägliches Beispiel verdeutlicht, wie diese Kategorisierungen zu Konflikten mit nicht-autistischen Menschen führen können. Die Situation: Der Wunsch nach vier Äpfeln einer bestimmten Sorte, die beim letzten Einkauf nicht erhältlich waren. Die Bitte an den Ehemann, diese beim nächsten Einkauf mitzubringen. Sein Angebot, stattdessen Äpfel aus seinem eigenen Vorrat zu nehmen.
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Was für den Ehemann eine einfache Lösung darstellt - "Hannah möchte vier Äpfel" - ist für die Betroffene eine Quelle potenzieller Abweichungen und Beunruhigungen:
- Abweichung vom Einkaufsplan und damit vom Wochenplan.
- Abweichung von der gewünschten Apfelsorte.
- Abweichung vom Einkaufsplan des Ehemanns in der Zukunft.
- Abweichung von den geplanten Gerichten und Snacks, die mit den Äpfeln zubereitet werden sollen.
Unbeweglichkeit und Starre: Die Wurzel Des Stresses
Diese Reaktion auf scheinbar geringfügige Abweichungen lässt sich durch Unbeweglichkeit, Starre, persönlichkeitsbedingte Zwanghaftigkeit oder traumabedingten Freeze erklären.
Ein traumabedingter Freeze würde sich in dieser Situation dadurch äußern, dass die Situation mit Gewalterfahrungen abgeglichen oder gleichgesetzt wird. Im Apfel-Beispiel könnte dies bedeuten, dass die Betroffene davon ausgeht, dass ihr Mann ihr eine reinhaut, wenn sie die Äpfel nicht annimmt oder ihren Wunsch nach den ursprünglich gewünschten Äpfeln äußert.
Eine persönlichkeitsbedingte Zwanghaftigkeit würde sich durch den Wunsch nach Kontrolle äußern: Will ich das, damit ich weiß (kontrolliere) was mein Mann jetzt macht? Will ich das, damit ich diesen Bereich klar habe (kontrolliert weiß)?
Im Kern ging es jedoch nur um den Wunsch nach den Äpfeln, die auf dem Einkaufszettel standen und in dem üblichen Laden nicht erhältlich waren.
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Vermeidungstänze und Geistige Arbeitstransitionen
Die Erhaltungsrechnung, die in solchen Situationen abläuft, ähnelt traumabedingten Vermeidungstänzen, bei denen die Leitfrage lautet: "Was kann ich tun, um XY nicht tun zu müssen oder XY nicht ausgeliefert zu sein?" Der Unterschied liegt jedoch im Ergebnis und im Stressniveau.
Die Notwendigkeit, schnell und stark zwischen verschiedenen "für immer"-Gleisen umzuschalten, erfordert viel geistige Arbeit. Ohne Planung und Zeit für diese Umstellungsprozesse kann viel kaputtgehen.
Langsamkeit in Der Erfassung Des Gesamtbildes
Die allgemeine Langsamkeit in der Erfassung des Gesamtbildes führt zu einer verzögerten Anpassung. Dies kann manchmal positiv sein, aber auch zu seelischen Verletzungen führen, wenn "für immer"-Faktoren kaputtgehen.
Die Dissoziation des Selbst- und Umwelterlebens wird dadurch verstärkt, dass bestehende Abweichungen nicht schnell genug kategorisiert werden können. In solchen Momenten kann es schwierig sein, eindeutig zu wissen, was eigentlich gerade passiert.
Skills und Sensorische Überreizung
Obwohl Skills wie sensorische Reizung oder Intellektualisierung als Ablenkung dienen können, sind sie in bestimmten Situationen kontraproduktiv. Insbesondere bei bereits erhöhten Empfindlichkeiten kann eine weitere Intellektualisierung den Stress noch verstärken.
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Klassische Skills sind oft nur zwischen "irritiert" und "leicht beunruhigt" erfolgreich anwendbar. Alles darüber hinaus kann zu viel sein und schaden.
Vorwürfe und Realistische Antworten
Nach schwierigen Erfahrungen können Vorwürfe entstehen: Hätte ich anders reagieren können? Warum bin ich so empfindlich und irritierbar? Warum kann ich Abweichungen nicht einfach ziehen lassen?
Realistische, faktisch richtige Antworten helfen in solchen Momenten oft nicht. Wichtig ist zu wissen, dass es sich um eine traumanahe Erfahrung handelte, die sich überwiegend aus Faktoren außerhalb der eigenen Kontrolle ungünstig entwickelt hat.
Die Bedeutung Von Verbündeten
Die Unterstützung eines Verbündeten, der hilft, die Situation bedarfsgerecht nachzubesprechen und aufzuarbeiten, ist von unschätzbarem Wert. Es stärkt, wenn dieser Verbündete keine Schuld zuweist und bereit ist, Konsequenzen zu ziehen, um eine Wiederholung zu vermeiden.
Die Notwendigkeit Der Anpassung
Die Auseinandersetzung mit solchen Situationen erfordert eine Anpassung von allen Beteiligten. Es geht darum, ein Set von Erwartungen zu entwickeln, die zwingend erfüllt werden müssen, damit es genau die Anpassung ist, auf die man sich gemeinsam geeinigt hat.
Die Frage Nach Den Grenzen
Die Frage, was man eigentlich schaffen kann, wenn man seine Grenzen ernstnimmt, und was das aus einem macht, ist ein zentrales Thema. Wo soll es im Leben hingehen? Was ist, wenn bestimmte Wünsche, wie z.B. ein Kind, unerfüllt bleiben?
Visionen und Alltagslogistik
Es gibt Visionen von einem erfüllten Leben, sei es als Handwerkerin im Freilichtmuseum, als Reisende von Kreta nach Spitzbergen oder als Autorin im eigenen Tiny House. Doch in diesen Visionen fehlt oft die Alltagslogistik: Wie wird Frühstück, Mittag, Abendbrot zubereitet, wie wird die Wäsche gewaschen, wie wird das Arbeitszimmer gesaugt?
Diese Alltagslogistik ist oft dissoziiert, während sie auch gesellschaftlich für die meisten Menschen eher abstrakt und unbewusst ist.
Dissoziatives Wegdriften im Alltag
Die Fähigkeit, dissoziatives Wegdriften im Alltag zu verhindern, ist nicht immer durchgehend gegeben. An manchen Tagen beginnt die sensorische Überreizung mit dem Aufmachen der Augen. An solchen Tagen muss man raten, ob man gewaschen und gepflegt ist, den Körper auf Hunger- und andere Bedarfszeichen abscannen und sich in die Vernunft zwingen, Termine abzusagen.
Traumasprengsätze Im Sozialen Leben
Im sozialen Leben lauern viele kleine Traumasprengsätze. Konflikte, die mit wochen- oder monatelangem Warten auf kommunikative Interaktion einhergehen, können viel Kraft rauben.
Oft stellt sich die Frage: "Was wird hier erwartet - dieses alles oder DIESES alles?" Die Eigenverantwortung, über wirklich jede soziale Interaktion und Kommunikation im Lebensumfeld das Raster der Realitätsüberprüfung zu legen, ist eine große Herausforderung.
Grenzen Kommunizieren
Die Kommunikation der eigenen Grenzen kann für andere Menschen so wirken, als würde man seine Grenzen für wichtiger halten als die von anderen Menschen. Und also sich selbst für besser und wichtiger als andere Menschen halten.
Missachtungserfahrungen
Missachtungserfahrungen können massiv retraumatisierend sein. Selbst wenn man fit und stabil ist, kann diese Erfahrung verletzend sein und einen negativ beeinflussen.
Wach, Orientiert, Fokussiert
Um nicht entweder sprechstarr oder traumareaktiv im Kontakt zu sein, muss man wach, orientiert, fokussiert und korrekt übersetzend sein. All das in dem Wissen, dass man sich diese Arbeit auferlegt, um die Grenzen anderer Menschen nicht zu verletzen, während die eigenen schon in dem Moment irrelevant werden, wenn man sie als traumalogisch begründet oder aufgrund der Behinderung entstanden erkennt.
Anerkennung und Dankbarkeit
Anerkennung und Dankbarkeit sind wichtig, aber am Ende ist es doch einfach geil, wenn weder Trauma noch Behinderung großartig beim Leben stören.
Die Notwendigkeit Von Unterstützung
Nach entgrenzenden Erfahrungen muss man anerkennen, dass man tatsächlich niemals allein leben sollte. Die Fähigkeit, sich selbst zu organisieren, ist nicht immer gegeben.
Trigeminusneuralgie: Ein Schmerzhafter Leidensweg
Ein weiterer Aspekt, der die Lebensqualität beeinträchtigen kann, ist die Trigeminusneuralgie. Die Schmerzen, die durch diese Erkrankung verursacht werden, können unerträglich sein und den Alltag massiv einschränken.
Die Suche Nach Der Richtigen Behandlung
Die Suche nach der richtigen Behandlung kann ein langer und beschwerlicher Weg sein. Von Zahnarztbesuchen über HNO-Ärzte bis hin zu Neurologen - oft vergeht viel Zeit, bis die Diagnose gestellt wird und eine wirksame Therapie gefunden wird.
Operation Als Lösung
In manchen Fällen kann eine Operation die einzige Möglichkeit sein, die Schmerzen zu lindern. Die mikrovaskuläre Dekompression nach Janetta ist ein minimalinvasives Verfahren, das bei vielen Patienten zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität führt.
Dankbarkeit und Lebensqualität
Nach einer erfolgreichen Operation ist die Dankbarkeit groß. Endlich wieder schmerzfrei leben und die Lebensqualität genießen zu können, ist ein unbeschreibliches Gefühl.
Die Bedeutung Von Vertrauen
Das Vertrauen in den behandelnden Arzt und das gesamte Team ist entscheidend für den Erfolg der Behandlung. Eine kompetente und souveräne Beratung sowie eine perfekte Arbeit können den Patienten wieder ein schmerzfreies Leben ermöglichen.