Nervosität in der Nacht beim schnellen Aufstehen: Ursachen und Lösungen

Viele Menschen kennen das unangenehme Gefühl, wenn sie nachts zu schnell aufstehen und sich plötzlich schwindelig, benommen oder zittrig fühlen. Dieses Phänomen kann verschiedene Ursachen haben, die von harmlosen Kreislaufproblemen bis hin zu ernsthaften Erkrankungen reichen. In diesem Artikel werden die möglichen Ursachen für diese Beschwerden beleuchtet und Behandlungsansätze sowie Tipps zur Vorbeugung vorgestellt.

Ursachen für nächtliche Beschwerden beim Aufstehen

Die Beschwerden, die beim schnellen Aufstehen in der Nacht auftreten, können vielfältig sein und verschiedene Ursachen haben. Es ist wichtig, die Symptome genau zu beobachten und gegebenenfalls einen Arzt aufzusuchen, um die genaue Ursache festzustellen und eine angemessene Behandlung einzuleiten.

Kreislaufprobleme

Eine häufige Ursache für Schwindel und Benommenheit beim Aufstehen ist eine plötzliche Veränderung des Blutdrucks. Wenn man liegt, ist der Blutdruck in der Regel gleichmäßig verteilt. Beim Aufstehen muss der Körper den Blutdruck schnell anpassen, um eine ausreichende Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff zu gewährleisten. Funktioniert diese Anpassung nicht richtig, kann es zu einem kurzzeitigen Blutdruckabfall kommen, der Schwindel, Benommenheit und sogar Ohnmachtsanfälle verursachen kann. Dieses Phänomen wird als orthostatische Hypotonie bezeichnet.

Das Posturale Tachykardiesyndrom (POTS) ist eine spezielle Form der Kreislaufschwäche, die vor allem in aufrechter Körperposition auftritt. Bei POTS steigt der Puls nach dem Aufstehen stark an, was zu Schwindel, Benommenheit, Herzrasen und anderen Symptomen führen kann. POTS ist eine Störung des autonomen Nervensystems, das unter anderem die Herzfrequenz und den Kreislauf reguliert.

Neurologische Ursachen

In einigen Fällen können neurologische Erkrankungen für die Beschwerden beim Aufstehen verantwortlich sein. Polyneuropathie (PNP) ist eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, die verschiedene Symptome verursachen kann, darunter Schwindel, Gangunsicherheit, Taubheitsgefühl und Kribbeln in den Gliedmaßen. PNP kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, wie Diabetes mellitus, Alkoholmissbrauch, Medikamente, Umweltgifte oder genetische Veranlagung.

Lesen Sie auch: Eingeklemmter Nerv: Ein umfassender Leitfaden

Auch andere neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Parkinson oder Hirntumore können Schwindel und Gleichgewichtsstörungen verursachen, die sich beim Aufstehen verstärken können.

Innere Unruhe und Stress

Innerliches Zittern, das als Kribbeln, Summen, Vibrieren oder Beben im Körperinneren wahrgenommen wird, kann ebenfalls zu den Beschwerden beim Aufstehen beitragen. Innerliches Zittern ist oft eine körperliche Reaktion auf Stress, Angst oder psychische Belastung. Es kann aber auch durch körperliche Ursachen wie Magnesiummangel, Schilddrüsenüberfunktion oder Medikamente ausgelöst werden.

Weitere mögliche Ursachen

Neben den genannten Ursachen können auch andere Faktoren zu Schwindel und Benommenheit beim Aufstehen beitragen:

  • Medikamente: Einige Medikamente, wie z.B. Blutdrucksenker, Antidepressiva oder Schlafmittel, können Schwindel als Nebenwirkung verursachen.
  • Flüssigkeitsmangel: Eine unzureichende Flüssigkeitsaufnahme kann zu niedrigem Blutdruck und Schwindel führen.
  • Eisenmangel: Eisenmangel kann zu Blutarmut und einer verminderten Sauerstoffversorgung des Gehirns führen, was Schwindel verursachen kann.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Herzrhythmusstörungen oder andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen können die Durchblutung des Gehirns beeinträchtigen und Schwindel verursachen.
  • Funktionsstörungen der Schilddrüse: Insbesondere eine Schilddrüsenunterfunktion kann Schwindel auslösen, da Schilddrüsenhormone wichtige Stoffwechselprozesse im Gehirn beeinflussen.

Diagnose

Die Diagnose der Ursache für Schwindel und Benommenheit beim Aufstehen erfordert eine sorgfältige Anamnese und körperliche Untersuchung. Der Arzt wird Fragen zu den genauen Symptomen, Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme und Lebensstil stellen.

Zur weiteren Abklärung können folgende Untersuchungen durchgeführt werden:

Lesen Sie auch: Symptome und Behandlungsmethoden bei eingeklemmtem Nerv

  • Blutdruckmessung: Messung des Blutdrucks im Liegen, Sitzen und Stehen, um eine orthostatische Hypotonie festzustellen.
  • EKG: Elektrokardiogramm zur Überprüfung der Herzfunktion.
  • Blutuntersuchung: Überprüfung von Blutbild, Blutzucker, Elektrolyten, Schilddrüsenwerte und Vitamin-B12-Spiegel.
  • Neurologische Untersuchung: Überprüfung der Nervenfunktion, Koordination und Gleichgewicht.
  • Schellong-Test: Ein Stehtest, bei dem Puls und Blutdruck im Liegen und nach dem Aufstehen gemessen werden, um ein Posturales Tachykardiesyndrom (POTS) festzustellen.
  • Kipptischuntersuchung: Eine Untersuchung, bei der der Patient auf einer kippbaren Liege fixiert wird, um die Reaktion des Kreislaufs auf Veränderungen der Körperposition zu überprüfen.
  • Elektroneurografie (ENG) und Elektromyografie (EMG): Untersuchungen zur Messung der Nervenleitgeschwindigkeit und Muskelaktivität, um eine Polyneuropathie festzustellen.
  • Bildgebende Verfahren: In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie MRT oder CT erforderlich sein, um andere Ursachen für Schwindel auszuschließen.

Therapie

Die Therapie der Beschwerden beim Aufstehen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.

Behandlung von Kreislaufproblemen

Bei orthostatischer Hypotonie können folgende Maßnahmen helfen:

  • Langsame Positionswechsel: Vermeiden Sie plötzliches Aufstehen aus dem Liegen oder Sitzen.
  • Ausreichende Flüssigkeitsaufnahme: Trinken Sie täglich ausreichend Wasser, um das Blutvolumen zu erhöhen.
  • Salzzufuhr erhöhen: Eine erhöhte Salzzufuhr kann helfen, den Blutdruck zu stabilisieren.
  • Kompressionstrümpfe: Kompressionstrümpfe können den Blutrückfluss aus den Beinen verbessern und den Blutdruck stabilisieren.
  • Körperliches Training: Regelmäßiges körperliches Training, insbesondere Ausdauertraining, kann die Kreislaufregulation verbessern.
  • Medikamente: In einigen Fällen können Medikamente zur Erhöhung des Blutdrucks erforderlich sein.

Bei Posturalem Tachykardiesyndrom (POTS) können folgende Maßnahmen helfen:

  • Flüssigkeits- und Salzzufuhr erhöhen: Wie bei orthostatischer Hypotonie kann eine erhöhte Flüssigkeits- und Salzzufuhr helfen, das Blutvolumen zu erhöhen und den Kreislauf zu stabilisieren.
  • Kompressionstrümpfe: Kompressionstrümpfe können den Blutrückfluss aus den Beinen verbessern.
  • Körperliches Training: Ein angepasstes Trainingsprogramm, das nicht zu Überanstrengung führt, kann die Kreislaufregulation verbessern.
  • Medikamente: Es gibt verschiedene Medikamente, die zur Behandlung von POTS eingesetzt werden können, z.B. Betablocker, Midodrin oder Fludrocortison.

Behandlung neurologischer Ursachen

Bei Polyneuropathie (PNP) richtet sich die Therapie nach der Ursache der Erkrankung. Bei Diabetes mellitus ist eine optimale Blutzuckereinstellung wichtig, um Nervenschäden zu vermeiden. Bei Alkoholmissbrauch ist ein Alkoholentzug erforderlich. Bei anderen Ursachen wie Medikamenten oder Umweltgiften sollte die Exposition vermieden werden.

Zusätzlich zur Behandlung der Ursache können symptomatische Therapien eingesetzt werden, um die Beschwerden zu lindern:

Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei eingeklemmtem Nerv

  • Schmerztherapie: Verschiedene Medikamente wie Antikonvulsiva, Antidepressiva oder Opioide können die Schmerzen einer PNP lindern.
  • Physiotherapie und Ergotherapie: Physiotherapie kann helfen, geschwächte Muskelgruppen zu stärken und die Koordination zu verbessern. Ergotherapie kann bei der Bewältigung alltäglicher Aufgaben helfen.
  • Medizinische Fußpflege: Regelmäßige medizinische Fußpflege ist wichtig, um Verletzungen und Entzündungen an den Füßen zu vermeiden.
  • Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): TENS kann helfen, Schmerzen zu lindern, indem sie die Weiterleitung von Schmerzsignalen zum Gehirn blockiert.

Behandlung von innerer Unruhe und Stress

Bei innerlichem Zittern, das durch Stress oder psychische Belastung ausgelöst wird, können folgende Maßnahmen helfen:

  • Stressmanagement: Erlernen von Entspannungstechniken wieProgressive Muskelentspannung, Autogenes Training oder Yoga.
  • Achtsamkeitstraining: Achtsamkeitstraining kann helfen, Stressoren bewusster wahrzunehmen und besser damit umzugehen.
  • Körperliche Aktivität: Regelmäßige körperliche Aktivität kann helfen, Stress abzubauen und die Stimmung zu verbessern.
  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen kann die Nervenfunktion unterstützen.
  • Pflanzliche Beruhigungsmittel: Pflanzliche Mittel wie Baldrian, Johanniskraut oder Lavendel können bei nervöser Unruhe und innerlichem Zittern helfen.
  • Psychotherapie: In einigen Fällen kann eine Psychotherapie sinnvoll sein, um die Ursachen von Stress und Angst zu bearbeiten.

Allgemeine Tipps

Unabhängig von der Ursache der Beschwerden beim Aufstehen können folgende allgemeine Tipps helfen:

  • Langsam aufstehen: Vermeiden Sie plötzliches Aufstehen aus dem Liegen oder Sitzen.
  • Vor dem Aufstehen bewegen: Bewegen Sie vor dem Aufstehen Ihre Füße und Beine, um den Kreislauf anzukurbeln.
  • Ausreichend trinken: Trinken Sie täglich ausreichend Wasser, um das Blutvolumen zu erhöhen.
  • Regelmäßige Mahlzeiten: Essen Sie regelmäßige Mahlzeiten, um den Blutzuckerspiegel stabil zu halten.
  • Vermeiden Sie Alkohol und Koffein: Alkohol und Koffein können Schwindel und innere Unruhe verstärken.
  • Schaffen Sie eine sichere Umgebung: Entfernen Sie Stolperfallen und sorgen Sie für eine gute Beleuchtung, um Stürze zu vermeiden.
  • Konsultieren Sie einen Arzt: Wenn die Beschwerden häufig auftreten oder stark beeinträchtigen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um die Ursache festzustellen und eine angemessene Behandlung einzuleiten.

tags: #nerv #nachts #wenn #man #zu #schnell