Die Aussage „Nerv nicht!“ kann eine tiefgreifende Wirkung haben, besonders wenn sie sich wiederholt und somit in das Selbstbild eines Menschen einbrennt. Diese scheinbar harmlose Phrase birgt eine Vielzahl negativer Botschaften, die insbesondere für Kinder belastend sein können.
Die verborgenen Botschaften von „Nerv nicht!“
Wenn wir jemandem sagen „Nerv nicht!“, senden wir implizit folgende Botschaften:
- „Deine Wünsche und Bedürfnisse sind mir zu viel oder falsch.“
- „Was du jetzt brauchst oder willst, stufe ich als unwichtig ein.“
- „Es gibt Wichtigeres als dich und deine Bedürfnisse.“
- „Du belastest mich.“
Gerade für Kinder, die auf ihre Bezugspersonen als Schutz und sicheren Hafen angewiesen sind und in vielen Bereichen der Bedürfniserfüllung noch Unterstützung benötigen, können diese Botschaften nachhaltig belastend sein.
Die Belastung für Kinder
Kinder sind in ihrer Entwicklung stark von ihren Eltern oder anderen Bezugspersonen abhängig. Sie brauchen deren Unterstützung, um ihre Bedürfnisse zu erfüllen und sich sicher zu fühlen. Wenn ein Kind wiederholt hört „Nerv nicht!“, kann dies zu folgenden Problemen führen:
- Verlust des Selbstwertgefühls: Das Kind fühlt sich nicht wertgeschätzt und seine Bedürfnisse werden als unwichtig abgetan.
- Angst vor Ablehnung: Das Kind lernt, dass es besser ist, seine Bedürfnisse zu unterdrücken, um die Bezugsperson nicht zu verärgern.
- Bindungsstörungen: Das Kind kann Schwierigkeiten entwickeln, gesunde Beziehungen aufzubauen, da es gelernt hat, dass seine Bedürfnisse eine Last darstellen.
- Entwicklung von Verhaltensproblemen: Frustration und unterdrückte Bedürfnisse können sich in Form von Wutausbrüchen, Aggression oder Rückzug äußern.
Ursachen und Hintergründe
Ein „Nerv nicht!“ mag manchmal unserem tiefen Elternempfinden entspringen: Der Alltag ist voll mit Aufgaben und nicht immer ist Platz für die Bedürfnisse des Kindes. Und manchmal sind wir tatsächlich auch von der x-ten Nachfrage, ob dieses oder jenes noch gekauft oder getan werden kann in der schieren Menge des Vorsprechens des Kindes genervt. Wir müssen diese Gefühle nicht verbannen aus unseren Empfindungen. Oft liegt die Ursache des Gefühls, vom Kind genervt zu sein, in einer generellen Überlastung: Wir haben nicht auch noch Energie für das laute, fordernde Kind nach einem ohnehin schon anstrengenden Tag oder während es uns gerade gesundheitlich vielleicht nicht gut geht.
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Wenn Kinder beständig etwas einfordern, kann sich dahinter ein bestimmter dringender Wunsch verbergen. Oft aber ist es auch ein Bedürfnis nach Bindung und Beziehung: Immer und immer wieder kommt das Kind an diesem Tag wieder an und möchte nicht allein spielen, sondern nur mit einem Elternteil. Das heute ständig wütende Kind ist eigentlich traurig, weil es von den Freunden im Spiel ausgeschlossen wurde und kann das aber noch nicht gut verbalisieren. Das Kind, das den ganzen Tag auf alle Vorschläge nur maulig reagiert, ist eigentlich erschöpft vom Kindergarten, in dem heute alles durcheinander war, weil ein Erzieher fehlte. Es kann viele Gründe geben, warum wir uns genervt fühlen. Und es kann viele verschiedene Gründe dafür geben, dass das Kind heute oder auch mal über einige Tage hinweg ein ungewohntes, für uns anstrengendes Verhalten zeigt. Diese Belastung ist für kleine Schultern zu groß.
Alternativen zu „Nerv nicht!“
Anstatt mit „Nerv nicht!“ zu reagieren, gibt es viele alternative Möglichkeiten, die sowohl die Bedürfnisse des Kindes als auch die eigenen berücksichtigen:
- Empathie zeigen: Versuchen Sie, die Gefühle und Bedürfnisse des Kindes zu verstehen und verbalisieren Sie dies. Zum Beispiel: „Ich sehe, dass du traurig bist, weil du nicht mitspielen durftest.“
- Grenzen setzen, aber liebevoll: Erklären Sie dem Kind, warum Sie gerade nicht in der Lage sind, auf seine Bedürfnisse einzugehen, und bieten Sie eine Alternative an. Zum Beispiel: „Ich bin gerade sehr müde. Können wir später zusammen spielen oder ein Buch lesen?“
- Bedürfnisse kommunizieren: Sprechen Sie offen über Ihre eigenen Bedürfnisse und Gefühle. Zum Beispiel: „Ich brauche jetzt eine kurze Pause, um mich zu erholen.“
- Gemeinsam Lösungen finden: Suchen Sie gemeinsam mit dem Kind nach einer Lösung, die für beide Seiten akzeptabel ist.
- Professionelle Hilfe suchen: Wenn Sie Schwierigkeiten haben, mit den Bedürfnissen Ihres Kindes umzugehen, scheuen Sie sich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Rücksichtnahme lehren
Ja, Rücksichtnahme ist wichtig, auch Kinder müssen das im Laufe der Zeit lernen. Aber auf andere Weise, als durch harte Worte, die das Innere verletzen. Zum Beispiel, indem wir unser Bedürfnis klar kommunizieren und eine Lösung anbieten: „Ich hab heute keine Nerven mehr.
Die Bedeutung der Selbstfürsorge
Eltern, die sich selbst überlasten und ihre eigenen Bedürfnisse vernachlässigen, sind weniger in der Lage, auf die Bedürfnisse ihrer Kinder einzugehen. Daher ist es wichtig, auf die eigene Gesundheit und das eigene Wohlbefinden zu achten. Das unangenehme Gefühl, zur Last zu fallen, haben viele Erwachsene in sich eingespeichert und es kann deswegen schwer fallen, Hilfen in Anspruch zu nehmen.
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