Nervenschmerzen an der Außenseite des Beins: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Hüftschmerzen gehören zu den weit verbreiteten Gelenkschmerzen und können vielfältige Ursachen haben. Falsche Bewegungen oder einseitige Belastungen können zu Schmerzen in der Hüfte führen, aber auch Schmerzen aus der Lendenwirbelsäule können in die Hüftregion ausstrahlen. Patienten ohne ärztliche Unterstützung können Hüftschmerzen oft schwer beurteilen. Bei schweren oder andauernden Hüftschmerzen, Schwellungen, Rötungen, Verformungen oder Fieber ist es ratsam, einen Hüftspezialisten zu konsultieren. Oftmals betreffen Hüftschmerzen nur eine Seite, können aber bei bestimmten Erkrankungen bis ins Bein ausstrahlen. Ausstrahlende Schmerzen werden häufig durch Nerveneinklemmungen verursacht.

Ursachen für Nervenschmerzen an der Außenseite des Beins

Schmerzen im Bereich des Oberschenkels, insbesondere an der Außenseite, sind häufig und können vielfältige Ursachen haben. Um diese Beschwerden gezielt therapieren zu können, ist eine Untersuchung durch einen erfahrenen Orthopäden notwendig. Nervenkompressionen am Hüftgelenk können lokal durch enge Kleidung (Jeanskrankheit) oder durch Gewichtszunahme (Fettgewebe, Muskelgewebe) verursacht werden.

Eine häufige Ursache für Schmerzen an der Oberschenkelaußenseite ist die Meralgia paraesthetica, auch bekannt als Inguinaltunnelsyndrom oder Bernhard-Roth-Syndrom. Hierbei handelt es sich um ein Nervenkompressionssyndrom, bei dem der Nervus cutaneus femoris lateralis eingeklemmt wird. Dieser sensible Nerv versorgt die Haut des seitlichen Oberschenkels und verläuft unter dem Leistenband (Ligamentum inguinale).

Der Nervus cutaneus femoris lateralis entspringt in den Segmenten L2 und L3 der Lendenwirbelsäule und versorgt die Haut des seitlichen Oberschenkels mit sensiblen Nervenfasern. Wird der Nervus cutaneus femoris lateralis beispielsweise durch umgebende Muskeln komprimiert, entsteht die Meralgia paraesthetica ("Jeans-Krankheit") als typisches Nervenkompressionssyndrom.

Weitere mögliche Ursachen für Nervenschmerzen an der Außenseite des Beins sind:

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  • Hüftarthrose: Eine weit verbreitete chronische Erkrankung mit zunehmendem Verlust des Knorpels im Hüftgelenk.
  • Muskuläre Dysbalancen: Ungleichgewichte in der Leisten- und Hüftmuskulatur, die durch eine vorwiegend sitzende Lebensweise verursacht werden können.
  • Bandscheibenvorfall: Ein Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule kann auf Nervenwurzeln drücken und Schmerzen ins Bein ausstrahlen.
  • Piriformis-Syndrom: Ein verspannter Muskel in der Hüfte (Musculus piriformis) kann den Ischiasnerv einquetschen und Schmerzen im Oberschenkel, Rücken und Po verursachen.
  • Restless-Legs-Syndrom: Kribbeln, Taubheitsgefühle oder leichte Schmerzen in Beinen und Füßen, die vor allem abends oder nachts auftreten.
  • Rückenmarksverletzungen: Erschütterungen, Prellungen oder Quetschungen des Rückenmarks können neurologische Ausfälle verursachen, die sich als Taubheitsgefühle oder Schmerzen im Oberschenkel äußern.
  • Guillain-Barré-Syndrom: Eine seltene Autoimmunerkrankung, die zu einer Schädigung der peripheren Nerven und Taubheitsgefühlen führen kann.
  • Vitamin B12-Mangel: Das Vitamin ist an vielen Prozessen im Körper beteiligt - unter anderem an der Funktion der Nerven. Mögliche Folge eines Mangels sind ein Kribbeln oder Taubheitsgefühle.

Symptome von Nervenschmerzen an der Außenseite des Beins

Die Symptome von Nervenschmerzen an der Außenseite des Beins können je nach Ursache variieren. Typische Symptome sind:

  • Dumpfe und brennende Schmerzen an der Oberschenkelaußenseite (Schmerzen im seitlichen Oberschenkel).
  • Missempfindungen wie Taubheitsgefühl, Kribbeln oder Brennen im äußeren Oberschenkel.
  • Brennende oder blitzartige Schmerzen, teilweise wie Messerstiche im Oberschenkel seitlich.
  • Schmerzen, die bis ins Knie oder den Unterschenkel ausstrahlen.
  • Muskelschwäche im Bein.
  • Bewegungseinschränkungen im Hüftgelenk.
  • Nächtliche Schmerzen oder Schmerzen beim Liegen auf der betroffenen Seite.
  • Druckempfindlichkeit im Bereich des seitlichen Oberschenkels.
  • Kribbeln und Taubheit (Paraesthesien).

Bei der Meralgia paraesthetica nehmen die Symptome typischerweise ab, wenn die Hüfte gebeugt und der Nerv entspannt wird. Die Symptome treten vor allem dann auf, wenn der Druck auf den Nerv steigt - etwa beim Tragen enger Hosen ("Jeanskrankheit") und in der Schwangerschaft. Die Symptome werden bei vielen Patient*innen stärker, wenn sie das Hüftgelenk strecken, also das Bein nach hinten führen. Provozieren lassen sich die Beschwerden häufig auch durch langes Stehen bzw. Gehen sowie durch ein langes Liegen mit gestrecktem Bein.

Diagnose von Nervenschmerzen an der Außenseite des Beins

Um bei Schmerzen im seitlichen Oberschenkel die richtige Diagnose zu stellen, führt der behandelnde Arzt zunächst ein Arzt-Patient-Gespräch sowie eine körperliche Untersuchung durch. Im Gespräch befragt der Arzt den Betroffenen nach Beschwerden, nach einem möglicherweise mit den Symptomen zusammenhängenden (Sport)Unfall und Vorerkrankungen.

Es folgt eine körperliche Untersuchung der Beine und Hüftgelenke. Der Arzt untersucht den seitlichen Oberschenkel nach Entzündungszeichen, Blutergüssen etc. und prüft die Beweglichkeit und Kraft in beiden Beinen.

Zur weiteren Abklärung können folgende Untersuchungsmethoden eingesetzt werden:

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  • Ultraschalluntersuchung: Kann schnell und einfach durchgeführt werden und ist nebenwirkungsfrei. Dabei können bei einer Bursitis trochanterica meistens Entzündungszeichen und bei einer größeren Muskelverletzung Einblutungen ins Gewebe nachgewiesen werden.
  • Röntgenbild: Ist indiziert, wenn der Verdacht auf eine Hüftgelenksarthrose besteht oder nach einem Unfall Knochenbrüche ausgeschlossen werden sollen.
  • MRT (Magnetresonanztomographie): Kann bei seitlichen Oberschenkelschmerzen hilfreich sein, wenn die zuvor durchgeführten bildgebenden Verfahren zu keinem eindeutigen Ergebnis geführt haben. Das MRT ist der Goldstandard der Untersuchung von Weichteilgewebe.
  • EMG (Elektromyographie): Eine Untersuchungsmethode, die der Messung der elektrischen Aktivität eines Muskels dient.
  • Laufbandanalyse: Kann Fehlstellungen von Fuß, Bein und Hüfte, eine Beinlängendifferenz und eine Asymmetrie im Gangbild aufdecken.
  • QST (quantitative sensorische Testung): zur Prüfung der Hautempfindlichkeit.
  • Neurographie: Bestimmung der Nervenleitgeschwindigkeit.
  • SEP (somatosensibel evozierte Potenziale): zur Prüfung der gesamten Gefühlsbahn von der Haut über das Rückenmark bis ins Gehirn.

Behandlung von Nervenschmerzen an der Außenseite des Beins

Die Behandlung von Nervenschmerzen an der Außenseite des Beins richtet sich nach der Ursache der Beschwerden.

Konservative Behandlung

  • Schmerzmittel: Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac können zur akuten Schmerztherapie eingesetzt werden. Bei Bedarf können auch stärkere Schmerzmittel eingesetzt werden.
  • Kälteanwendungen: Können genutzt werden, um die Schmerzen und Schwellung zu lindern.
  • Kompression: Kann bei einer Muskelverletzung helfen, das Einbluten ins Gewebe zu reduzieren.
  • Physiotherapie: Kann helfen, die Muskulatur des Oberschenkels, der Hüfte und des Beckens zu stärken und so eine bessere Körperhaltung einzunehmen, die die Entlastung des Nerven begünstigt.
  • Osteopathie: Gerade bei Bandscheibenvorfällen, Muskelverhärtungen, Fehlstellungen oder Unklarheit der eigentlichen Ursache ist eine Behandlung durch Osteopathen empfehlenswert.
  • Dehnungsübungen: Sind wichtig, um bei Sportlern die Muskulatur, Sehnen und Bänder zu strecken.
  • Laufbandanalyse und Trainingstherapie: Auf Basis der Kraftmessung der Muskulatur des Oberschenkels, der Daten der Gang- und Laufbandanalyse und der Eletromyographie (Muskelfunktionsdiagnostik) kann ein auf die Ursache abgestimmtes Trainingsprogramm mit gezielten Übungen zusammengestellt werden.
  • Hydrodissektion: Bei der Hydrodissektion wird das den Nerven umgebende Gewebe mit Zuckerlösung gespült. Dem Nerven wird so mehr Platz geschaffen und die Kompression auf ihn verringert.
  • Triggerakupunktursitzungen: um die hüftumgebende Muskulatur zu lockern und den Heilungsprozess zu unterstützen.

Operative Behandlung

Wenn die konservativen Behandlungsmethoden nicht erfolgreich sind, kann eine Operation in Betracht gezogen werden.

  • Dekompression des Nervs: Operative Beseitigung aller einengenden Strukturen und Freilegung des Nerven (Neurolyse).
  • Neurektomie: Durchtrennung des Nervs und gezielte Abtragung von Nervengewebe. Diese Methode gilt als letzter Ausweg, da sie zu einem dauerhaften Verlust des Empfindungsvermögens im betroffenen Hautbereich führt.

Selbsthilfemaßnahmen

  • Vermeiden Sie das Tragen enger Hosen.
  • Vermeiden Sie Streckbewegungen im Hüftgelenk.
  • Gegebenenfalls kann eine Gewichtsreduktion hilfreich sein.
  • Ergonomische Anpassung des Arbeitsplatzes, besonders bei sitzender Tätigkeit.

Dauer der Schmerzen

Die Dauer der Schmerzen im seitlichen Oberschenkel hängt von der Ursache der Beschwerden ab. Kleine Sportverletzungen wie Muskelfaserrisse oder Prellungen heilen oft innerhalb von zwei Wochen komplett ab. Mit entsprechender Ruhigstellung und entzündungshemmenden Medikamenten dauert eine akute Schleimbeutelentzündung ebenfalls 10 bis 14 Tage an. Eine Hüftarthrose verläuft chronisch progredient und ist nicht heilbar. Eine frühe konservative Behandlung kann jedoch helfen, den Krankheitsprozess zu verlangsamen und die Symptome zu lindern. Ein Bandscheibenvorfall heilt unter konservativer Therapie oftmals innerhalb eines Jahres ab. Eine Meralgia paraesthetica heilt bei etwa 25% der Betroffenen innerhalb weniger Wochen spontan ab.

Vorbeugung von Nervenschmerzen an der Außenseite des Beins

Zur Prävention von Nervenschmerzen an der Außenseite des Beins eignen sich viele der Maßnahmen, die auch zu deren Behandlung eingesetzt werden.

  • Gewichtsreduktion, passende Kleidung und angemessene sportliche Bewegung sind essenzielle Bestandteile der Vorbeugung.
  • Um eine gesunde Körperhaltung zu fördern können außerdem ergonomische Sitz- und Stehpositionen in den Alltag integriert werden.

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