Die Kopfhaut, ein vielschichtiges Gewebe, das den Schädel bedeckt, spielt eine entscheidende Rolle beim Schutz des Gehirns und beherbergt die Haarwurzeln. Ihre sensible Innervation ist komplex und wird von verschiedenen Nervenästen gewährleistet, die sowohl sensible als auch motorische Funktionen erfüllen. Die Kenntnis der Anatomie dieser Nerven ist sowohl für medizinische Fachkräfte als auch für Laien von Bedeutung, um die Ursachen von Kopfschmerzen, Neuralgien und anderen Beschwerden im Kopfbereich besser zu verstehen.
Aufbau und Funktion der Kopfhaut
Die Kopfhaut besteht aus mehreren Schichten, die eng miteinander verbunden sind:
- Haut (Cutis): Die äußere Schicht, die Haare, Talg- und Schweißdrüsen enthält. Die Haare schützen die Kopfhaut vor Sonnenstrahlen. Wimpern und Augenbrauen verhindern, dass Staub, Schmutz oder Schweiß in die Augen gelangen. Auch in der Nase und den Ohren schützen Haare vor Eindringlingen.
- Subkutanes Gewebe (Subcutis): Eine Schicht aus Fett- und Bindegewebe, die Blutgefäße und Nerven enthält. Am Haarfollikel enden auch viele Nervenfasern. Dadurch können wir Haarbewegungen wahrnehmen und selbst einen leichten Luftzug gut spüren.
- Galea Aponeurotica: Eine sehnige Schicht, die die Stirn- und Hinterhauptsmuskeln verbindet. Die Faserrichtungen der Galea aponeurotica sollten untersucht werden, ebenso wie die Exploration des subaponeurotischen Spaltes und die partielle Darstellung des Pericranium.
- Lockeres Bindegewebe: Ermöglicht die Verschiebung der oberen Schichten über das Pericranium.
- Pericranium: Die Knochenhaut des Schädels.
Innervation der Kopfhaut
Die Kopfhaut wird hauptsächlich durch Äste des Nervus trigeminus (V) und zervikale Nerven innerviert. Der Nervus trigeminus ist der fünfte Hirnnerv und teilt sich in drei Hauptäste auf: Nervus ophthalmicus (V1), Nervus maxillaris (V2) und Nervus mandibularis (V3). Alle drei Hauptäste verlassen den Schädel durch Öffnungen des Os sphenoidale. Sie geben je einen Ramus duralis ab und teilen sich jeweils in drei Zweige.
Nervus ophthalmicus (V1)
Der Nervus ophthalmicus ist ein rein sensibler Nerv, der die Stirn, die obere Augenlidhaut, den medialen Augenwinkel und den Nasenrücken bis zur Nasenspitze versorgt. Seine Äste sind:
- Nervus frontalis: Teilt sich in Nervus supraorbitalis und Nervus supratrochlearis.
- Nervus supraorbitalis: Verläuft durch das Foramen supraorbitale und versorgt die Haut der Stirn und des Schädels bis zur Kronennaht. Die Äste des N. supraorbitalis (Rr. medialis et lateralis) mit gleichnamigen Begleitgefäßen sollten bis zum Austritt aus dem Foramen (Incisura) supraorbitale verfolgt werden.
- Nervus supratrochlearis: Zieht über die Trochlea hinweg zum medialen Augenwinkel und versorgt die Haut des oberen Augenlids und des medialen Augenwinkels. Am medialen Augenwinkel sollten die Äste des N. supratrochlearis und der begleitenden Gefäße in der Umgebung des medialen Augenwinkels gesucht werden.
- Nervus lacrimalis: Versorgt den lateralen Augenwinkel und das obere Augenlid. Am lateralen Augenwinkel sollte der kleine Ast des N. palpebralis des N. lacrimalis gesucht werden, der durch den M. orbicularis oculi verläuft und dann in den seitlichen Teil des Oberlids eindringt.
- Nervus ethmoidalis anterior und posterior: Versorgen die Schleimhaut der Nase.
Nervus maxillaris (V2)
Der Nervus maxillaris ist ebenfalls ein rein sensibler Nerv, der die untere Augenlidhaut, den lateralen Augenwinkel, die Schläfenregion, den Nasenflügel und die Oberlippe versorgt. Seine Äste sind:
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- Nervus infraorbitalis: Verläuft durch das Foramen infraorbitale und versorgt die Haut des unteren Augenlids, des Nasenflügels und der Oberlippe. Der Verlauf der Rami palpebrales inferiores, Rami nasales laterales und Rami labiales superiores des N. infraorbitalis sollte beurteilt werden. Der N. infraorbitalis mit seinen Aufzweigungen sollte bis zur Austrittsstelle des Nerven präpariert werden.
- Nervus zygomaticofacialis: Versorgt die Haut über dem Jochbein und am lateralen Augenwinkel.
- Nervus zygomaticotemporalis: Versorgt die Haut in der vorderen Schläfenregion. Der dünne N. zygomatico-temporalis sollte bis zu seinem Austritt aus der Fascia temporalis und weiter zur Öffnung knapp hinter dem Prc. frontalis des Os zygomaticum verfolgt werden. Der dünne N. zygomatico-facialis sollte ca. 1 Fingerbreit medial vom N. zygomatico-temporalis gefunden werden.
Nervus mandibularis (V3)
Der Nervus mandibularis ist ein gemischter Nerv, der sowohl sensible als auch motorische Funktionen hat. Seine sensiblen Äste versorgen die Unterlippe, das Kinn, die Wange, die Schläfe und den vorderen Teil der Ohrmuschel. Seine Äste sind:
- Nervus mentalis: Verläuft durch das Foramen mentale und versorgt die Haut des Kinns und die Schleimhaut der Unterlippe. Der N. mentalis sollte dargestellt und bis zum gleichnamigen Foramen verfolgt werden. Dabei sollte auf die Lage des Foramens im Unterkiefer geachtet werden.
- Nervus buccalis: Versorgt die Schleimhaut der Wange.
- Nervus auriculotemporalis: Verläuft zusammen mit der Arteria temporalis superficialis und versorgt die Schläfenregion und die Kopfschwarte. Der N. auriculotemporalis sollte neben der A. temporalis superficialis aufgesucht werden. Gemeinsam mit AV. temporalis sf. kreuzt er die Wurzel des Jochbogens unmittelbar vor dem Ohrläppchen. Diese Leitungsbahnen sollten zur Kopfschwarte verfolgt werden.
Zervikale Nerven
Die hintere Kopfhaut wird hauptsächlich durch Äste der zervikalen Nerven versorgt, insbesondere durch den Nervus occipitalis major und den Nervus occipitalis minor.
- Nervus occipitalis major: Entspringt dem Ramus dorsalis des zweiten Zervikalnervs (C2) und versorgt die Haut am Hinterkopf. Der N. occipitalis major wird in der Höhe der Linea nuchae superior über dem Trapeziusursprung aufgesucht. In seiner Begleitung findet man die A. occipitalis.
- Nervus occipitalis minor: Entspringt dem Plexus cervicalis (C2-C3) und versorgt die Haut hinter dem Ohr und am seitlichen Hinterkopf. Der N. occipitalis minor sollte zur Regio occipitalis verfolgt werden.
Klinische Bedeutung
Die Kenntnis der Anatomie der Kopfhautnerven ist wichtig für die Diagnose und Behandlung verschiedener Erkrankungen, wie z.B.:
- Neuralgien: Schmerzen, die durch Reizung oder Schädigung eines Nervs verursacht werden. Die Occipitalis-Neuralgie ist eine Erkrankung, bei der die Hinterhauptnerven (Nervus occipitalis major und Nervus occipitalis minor) betroffen sind. Es kommt durch Irritationen oder Reizung eines der beiden Hinterhauptnerven zu scharfen, einschießenden und stechenden Schmerzen im Bereich von Hinterhaupt (Os occipitale) und Nacken. Manchmal strahlt der Schmerz auch in Richtung Auge aus.
- Kopfschmerzen: Viele Arten von Kopfschmerzen können durch Reizung oder Kompression von Nerven in der Kopfhaut verursacht werden. Nackenschmerzen mit Kopfschmerzen werden medizinisch als oberes Zervikalsyndrom bezeichnet. Es betrifft vor allem Menschen, die viel Zeit am Computer verbringen. Umgekehrt können Nackenschmerzen als Folge von Kopfschmerzen auftreten.
- Alopezie: Haarausfall kann in einigen Fällen mit Nervenschädigungen in der Kopfhaut zusammenhängen.
- Chirurgische Eingriffe: Bei chirurgischen Eingriffen im Kopfbereich ist es wichtig, die Nerven zu schonen, um sensible Ausfälle zu vermeiden.
Okzipitalneuralgie
Bei der Okzipitalneuralgie kommt es durch Irritationen oder Reizung eines der beiden Hinterhauptnerven (Occipitalnerven, Nervus occipitalis major und Nervus occiptalis minor) zu scharfen, einschießenden und stechenden Schmerzen im Bereich von Hinterhaupt (Os occipitale) und Nacken. Manchmal strahlt der Schmerz auch in Richtung Auge aus. Die Ursachen einer Occipitalis-Neuralgie sind vielfältig. So können die Nervenwurzeln, aus denen die Hinterhauptnerven hervorgehen, durch arthrotische Veränderungen an der Halswirbelsäule (Spondylarthrose) eingeengt werden. Weitere Ursachen sind Verletzungen der Nerven, Tumoren im Bereich des Nervens oder Infektionen. Manchmal wird der Nerv in seinem Verlauf auch durch benachbarte Arterien komprimiert und geschädigt. Leider spricht die Occipitalis-Neuralgie auf eine medikamentöse Behandlung oft nicht an. Therapeutisch wird dann eine lokale Nervenblockade empfohlen. Bei starken Beschwerden und einem nachgewiesenen Gefäß-Nerv-Kontakt kann eine mikrochirurgische Operation zur Entlastung des Nerven (Neurolyse) helfen.
Untersuchung der Nervenfunktion
Die Funktion der Kopfhautnerven kann durch verschiedene klinische Tests untersucht werden:
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- Sensibilitätsprüfung: Überprüfung der Berührungs-, Schmerz- und Temperaturempfindung in den von den Nerven versorgten Bereichen.
- Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (NLG): Messung der Geschwindigkeit, mit der elektrische Impulse entlang eines Nervs geleitet werden. Dazu wird an den Stellen, an denen ein Nerv nahe der Hautoberfläche liegt, eine Kontaktelektrode aufgelegt. Alternativ wird eine sehr feine Akupunkturnadel verwendet. An einer anderen Stelle wird nun der Nerv mit einem elektrischen Impuls stimuliert. Durch die Zeit, welcher der Reiz benötigt, um vom Reizort bis zur Kontaktelektrode übertragen zu werden, kann die Geschwindigkeit der elektrischen Nervenleitung (Nervenleitgeschwindigkeit - NLG) bestimmt werden.
- Elektromyographie (EMG): Messung der elektrischen Aktivität der Muskeln, um festzustellen, ob eine Nervenschädigung vorliegt. Hierbei wird eine feine, sterile Einmalnadel, die einer Akupunkturnadel ähnelt, in einen Muskel platziert. Die elektrische Aktivität der Muskelfasern wird elektrisch verstärkt und hörbar bzw. sichtbar gemacht.
Präparation der Kopfhautnerven
Die Präparation der wichtigsten Hautnerven und Gefäße setzt gute theoretische Kenntnisse voraus. Bei der Präparation der Nerven des Kopfes sollte man zunächst stumpf vorgehen, indem man das Unterhautfettgewebe mit zwei Pinzetten in der möglichen Verlaufsrichtung der Nerven und Gefäße auseinanderdrückt, bis man einen Nervenabschnitt klar erkennt. Dann hält man diesen Nervenabschnitt mit der anatomischen Pinzette und löst mit der anderen Hand die weiteren Abschnitte.
Nervus facialis
Nachdem die mimische Muskulatur dargestellt ist, beginnt man mit der Präparation der Nerven des Kopfes: N. facialis und Hautnerven des N. trigeminus. Typischerweise beginnt man mit der Präparation an stärkeren und leichter zugänglichen Ästen am Vorderrand der Glandula parotis und arbeitet von dort nach distal. Die innerhalb der Drüse gelegenen Äste werden später verfolgt. Der Ausführungsgang der Drüse (Ductus parotideus) bleibt erhalten. Die Außenfläche der Glandula parotis sollte abgegrenzt und die Fascia parotideo-masseterica (Teil der oberflächlichen Fascie) dargestellt werden. Die am vorderen Rand der Drüse austretenden Facialis-Äste sollten aufgesucht und so weit verfolgt werden, dass die Zielgebiete bestimmt werden können. Die Beziehung zu einzelnen Muskeln sollte dargestellt werden. Nach Lage und Richtung der präparierten Verlaufsstrecken sind dies von der Stirn zum Hals folgende Äste:
- Rami temporales
- Rami zygomatici (Ramus zygomatico-orbitalis)
- Rami buccales. Sie können entsprechend dem Zielgebiet in obere und untere Äste unterteilt werden: A) Rami bucco-labiales superiores und B) Rami bucco-labiales inferiores.
- Ramus marginalis mandibulae
- Ramus colli
Der N. auricularis posterior sollte aufgesucht werden. Er verläuft hinter der Ohrmuschel über dem Proc. mastoideus zu:
a) M. auricularis posterior (M. epicranius)
b) M. occipitalis (M. epicranius)
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Es sollte auf die Geflechtbildung der Facialis-Äste (besonders in der Wangen- und Unterkiefer-Gegend) und die Anastomosen mit den Haut-Ästen des N. trigeminus geachtet werden.
Hautäste des Nervus trigeminus
Nach der Darstellung der Gesichtsäste des N. facialis wendet man sich den Hautästen des N. trigeminus zu. Die Orte, wo bereits Anastomosen mit den Haut-Ästen des N. trigeminus gefunden wurden, sollten aufgesucht werden.
Die (Haut-) Äste des N. trigeminus durchsetzen das Endgebiet des N. facialis (die Gesichtsmuskeln), bevor sie zur Haut gelangen; dabei lagern sie sich den Facialis-Ästen oft eng an. Wenn also die distalen Äste des N. facialis verfolgt werden, sollte auf die Trigeminus-Äste geachtet werden! Am Ober- und Unterlid selbst wird zu diesem Zeitpunkt nicht präpariert.