Prednisolon und Epilepsie: Wirkung, Anwendung und wichtige Hinweise

Prednisolon ist ein synthetisches Glukokortikoid, das für seine entzündungshemmenden, antiallergischen und immunsuppressiven Eigenschaften bekannt ist. Es wird häufig zur Behandlung verschiedener Erkrankungen eingesetzt, bei denen das Immunsystem eine Rolle spielt. In den letzten 70 Jahren wurden Kortikosteroide (KST) und ACTH (adrenocorticotropes Hormon) zur symptomatischen Behandlung von frühkindlichen Epilepsien eingesetzt, wenn sich diese gegenüber konventionellen anfallssuppressiven Medikamenten (ASM) als resistent erwiesen haben. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkungsweise von Prednisolon, seine Anwendung bei Epilepsie, mögliche Nebenwirkungen und wichtige Aspekte, die bei der Behandlung zu beachten sind.

Was ist Prednisolon und wie wirkt es?

Prednisolon ist ein künstlich hergestelltes Glukokortikoid ("Kortison") mit vielfältigen Wirkungen im Körper. Es wirkt entzündungshemmend, antiallergisch und immunsuppressiv, indem es die Freisetzung von Entzündungsbotenstoffen (wie Zytokinen) verhindert und das Immunsystem gezielt abschwächt. Als sogenanntes Prodrug ist Prednison an sich inaktiv - es wird erst in der Leber in seine aktive Form, Prednisolon, umgewandelt.

Prednisolon entfaltet seine Wirkung auf zellulärer und molekularer Ebene. Es bindet an spezifische Glukokortikoid-Rezeptoren im Zytoplasma der Zellen, woraufhin der Rezeptor-Liganden-Komplex in den Zellkern transloziert wird. Diese Genmodulation führt zur Synthese antiinflammatorischer Proteine und zur Hemmung proinflammatorischer Zytokine und Mediatoren wie Interleukin-1, Interleukin-2, Interferon-gamma und Tumornekrosefaktor-alpha. Zusätzlich inhibiert Prednisolon die Phospholipase A2, ein Schlüsselenzym im Metabolismus der Arachidonsäure, was die Produktion von entzündungsfördernden Eikosanoiden wie Prostaglandinen und Leukotrienen reduziert.

Anwendung von Prednisolon bei Epilepsie

Prednisolon kann bei bestimmten Formen von Epilepsie eingesetzt werden, insbesondere bei solchen, die auf andere Behandlungen nicht ansprechen. Es wird häufig bei schweren Epilepsieformen mit Resistenz gegen mindestens zwei oder mehr Antiepileptika, schweren, meist generalisierten/diffusen Spike-Waves im EEG und kognitiver Verschlechterung eingesetzt.

Einige spezifische Epilepsiesyndrome, bei denen Prednisolon in Betracht gezogen werden kann, sind:

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  • West-Syndrom (BNS-Epilepsie): Eine seltene Form der kindlichen Epilepsie, die mit Blitz-Nick-Salaam-Anfällen einhergeht. Kortikosteroide (KST) und ACTH (adrenocorticotropes Hormon) werden seit mehr als 70 Jahren zur symptomatischen Behandlung eingesetzt, wenn sich diese gegenüber konventionellen anfallssuppressiven Medikamenten (ASM) als resistent erwiesen haben.
  • Landau-Kleffner-Syndrom und CSWS-Syndrom: Hier kann Sultiam Mittel der ersten Wahl sein, bei Versagen in Kombination mit Clobazam, Levetiracetam wurde mehrfach erfolgreich eingesetzt. Vor dem Hintergrund dieses Dilemmas kommen gerade bei massiven EEG-Befunden auch Steroide oder auch ACTH (Adrenocorticotropes Hormon) zum Einsatz.
  • Lennox-Gastaut-Syndrom: Eine therapeutische Herausforderung aufgrund seiner Therapieresistenz.

In diesen Fällen kann Prednisolon helfen, die Anfallshäufigkeit zu reduzieren und die EEG-Aktivität zu verbessern. Vor dem Hintergrund dieses Dilemmas kommen gerade bei massiven EEG-Befunden auch Steroide oder auch ACTH (Adrenocorticotropes Hormon) zum Einsatz. Studien liegen leider nicht vor, jedes Behandlungszentrum verfolgt sein eigenes Therapiekonzept.

Dosierung und Anwendung von Prednisolon

Prednisolon wird in unterschiedlichsten Darreichungsformen (etwa als Tablette, Injektion oder Infusion) und unterschiedlichen Dosierungen angewendet. Die empfohlene Dosierung hängt immer von der Art und Schwere der Erkrankung ab. Für Erwachsene liegen sehr niedrige Dosen bei 1,5 mg pro Tag, hohe Dosen bei bis zu 100 mg täglich. Der Arzt entscheidet im Einzelfall und je nach Art und Schwere der zu behandelnden Erkrankung, welches Präparat in welcher Dosis am sinnvollsten ist.

Prinzipiell sollten Glukokortikoide wie Prednisolon wo kurz und so niedrig dosiert wie möglich gegeben werden. Bei längerer Anwendung ist es wichtig, den Tagesrhythmus der körpereigenen Kortisonproduktion zu berücksichtigen. Dementsprechend wird die Hauptdosis des Medikaments in der Regel morgens eingenommen (wenn die Nebennierenrinde normalerweise größere Mengen an Kortison ausschüttet), vorzugsweise vor 9 Uhr. Dieser Zeitpunkt ist empfohlen, um den natürlichen zirkadianen Rhythmus der körpereigenen Cortisolproduktion am besten nachzuahmen. Der Körper produziert morgens die höchsten Cortisolmengen, ein Prozess, der als morgendlicher Cortisol-Gipfel bekannt ist.

Zum Beenden einer längeren Anwendung dürfen Glukokortikoide wie Prednisolon nicht abrupt abgesetzt werden. Stattdessen ist ein "Ausschleichen" notwendig. Die Dosis wird also schrittweise verringert. Dies hilft, eine Nebenniereninsuffizienz zu vermeiden, die auftreten kann, wenn der Körper sich an die externe Zufuhr von Kortikosteroiden gewöhnt hat.

Mögliche Nebenwirkungen von Prednisolon

Da Glukokortikoide wie Prednisolon viele Organe und Organsysteme beeinflussen, sind auch die möglichen Nebenwirkungen vielfältig. Sie sind unter anderem abhängig von der Darreichungsform, der Dosierung und der Anwendungsdauer.

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Mögliche Nebenwirkungen bei der längeren systemischen Anwendung von Prednisolon oder anderen Glukokortikoiden sind zum Beispiel:

  • Anstieg des Blutzuckerspiegels, was mit der Zeit zu einer Gewichtszunahme und Diabetes mellitus führen kann
  • Vermehrte Wasseransammlung im Körper (Ödembildung)
  • Bluthochdruck (arterielle Hypertonie)
  • Hautveränderungen (wie Gewebeschwund, Wundheilungsstörungen, Steroidakne)
  • Magengeschwüre
  • Psychische Veränderungen (wie Schlafstörungen, Nervosität, Depressionen)
  • Umverteilung des Fettgewebes (sog. Stammfettsucht)
  • Osteoporose

Bei kurzfristiger Einnahme sind Glukokortikoide in aller Regel sehr gut verträglich.

Wichtige Hinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Eine Therapie mit Prednisolon erfordert in bestimmten Fällen eine sorgfältige Überwachung. Das gilt zum Beispiel bei schwerem Bluthochdruck, insulinpflichtigem Diabetes mellitus, schwerer Osteoporose, bestehenden Infektionen (wie Herpes-Infektionen), erheblicher Neigung zu Blutgerinnseln (Thrombosen) und aktiven Magen-Darm-Geschwüren.

Bei einer Langzeitbehandlung mit Glukokortikoiden wie Prednisolon kann der Arzt zur Vorbeugung von Nebenwirkungen weitere Medikamente verordnen. Dazu gehören zum Beispiel Insulin (gegen erhöhten Blutzuckerspiegel bei Diabetes), blutdrucksenkende Mittel (gegen Hypertonie), Protonenpumpenhemmer (gegen Magengeschwüre) sowie Bisphosphonate, Vitamin D und Kalzium (gegen Osteoporose).

Prednisolon kann mit anderen Arzneimitteln wechselwirken, was sein Wirkprofil oder das der anderen Substanz verändern kann. So erhöht sich zum Beispiel bei gleichzeitiger Anwendung von nicht-steroidalen Entzündungshemmern und Schmerzmitteln (wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Diclofenac) das Risiko für Magengeschwüre.

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Während einer Schwangerschaft sollte Prednisolon nur unter sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung zum Einsatz kommen. Das Gleiche gilt für die Stillzeit.

Gegenanzeigen

Prednisolon darf nicht eingesetzt werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der anderen Bestandteile des Medikaments
  • Akute Virusinfektionen wie Lippenherpes, Gürtelrose, Kinderlähmung und Windpocken
  • Chronisch-aktiver Leberentzündung mit positiver HBsAg-Reaktion
  • Schutzimpfungen im Zeitraum von acht Wochen davor und zwei Wochen danach
  • Lymphknotenschwellung nach Tuberkulose-Impfung

In Situationen, in denen die Verabreichung von Glukokortikoiden lebensrettend sein kann, bestehen im Allgemeinen keine Kontraindikationen.

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