Behandlung von Nervenschäden durch Entzugserscheinungen

Die Behandlung von Nervenschäden, die durch Entzugserscheinungen verursacht werden, erfordert einen umfassenden Ansatz, der sowohl die körperlichen als auch die psychischen Aspekte der Sucht berücksichtigt. Alkoholabhängigkeit ist eine der häufigsten Suchterkrankungen, von der in Deutschland etwa 1,7 Millionen Menschen betroffen sind. Es ist wichtig, die Symptome, Folgen und Ursachen der Alkoholabhängigkeit zu verstehen, um eine wirksame Behandlung zu gewährleisten.

Folgen von Alkoholmissbrauch und -abhängigkeit

Schädlicher Alkoholkonsum liegt vor, wenn trotz gesundheitlicher Beeinträchtigungen der Alkoholkonsum fortgesetzt wird. Die gesundheitlichen Schäden können vielfältig sein und sowohl den Körper als auch die Psyche betreffen.

Körperliche Folgen

  • Lebererkrankungen: Chronischer Alkoholkonsum kann zu Lebererkrankungen wie Fettleber, Hepatitis und Zirrhose führen.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Alkohol kann den Blutdruck erhöhen, Herzrhythmusstörungen verursachen und das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt steigern.
  • Krebserkrankungen: Alkohol ist ein bekannter Risikofaktor für verschiedene Krebsarten, darunter Mund-, Rachen-, Speiseröhren-, Leber-, Brust- und Darmkrebs.
  • Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts: Alkohol kann zu Entzündungen der Magenschleimhaut, Geschwüren und Verdauungsstörungen führen.
  • Erkrankungen des Gehirns und des Nervengewebes: Alkohol kann das Gehirn schädigen und zu neurologischen Störungen wie Gedächtnisproblemen, Konzentrationsstörungen und Polyneuropathie führen.
  • Hauterkrankungen: Alkohol kann die Haut austrocknen, Entzündungen verursachen und das Risiko für Hautkrebs erhöhen.
  • Schädigung anderer Organe: Alkohol kann auch andere Organe wie die Bauchspeicheldrüse, die Nieren und das Immunsystem schädigen.

Psychische Folgen

  • Depressive Erkrankungen: Alkohol kann depressive Symptome verstärken und das Risiko für Depressionen erhöhen.
  • Konzentrationsstörungen: Alkohol kann die Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen und zu Lernschwierigkeiten führen.
  • Gedächtnisstörungen: Alkohol kann das Gedächtnis beeinträchtigen und zu Gedächtnislücken und Demenz führen.

Das Risiko für diese Erkrankungen steigt bereits bei einem täglichen Konsum von 15 bis 20 Gramm Alkohol bei Frauen und 30 bis 40 Gramm Alkohol bei Männern. Eine Flasche Bier enthält bereits etwa 20 Gramm Reinalkohol. Auch ohne Alkoholabhängigkeit können bereits mehr als 24 Gramm Reinalkohol bei Männern und über zwölf Gramm bei Frauen täglich Gesundheitsschäden verursachen.

Ursachen von Alkoholismus

Alkoholabhängigkeit hat keine einzelne Ursache, sondern entsteht durch das Zusammenwirken verschiedener Faktoren, darunter psychische, soziale und körperliche Einflüsse.

Risikofaktoren

  • Positive Reaktion auf Alkohol: Menschen, die positiv auf Alkohol reagieren, ohne negative körperliche Folgen zu spüren, sind gefährdeter.
  • Seelische Belastungen: Personen, die bei seelischen Belastungen wie Traumafolgestörungen durch Suchtmittel Entspannung suchen, sind ebenfalls gefährdet.
  • Arbeitsumfeld: Menschen, die im Umfeld der Alkoholherstellung und -vertrieb arbeiten, haben ein höheres Risiko.
  • Familiäre Vorbelastung: Alkoholismus in der Herkunftsfamilie erhöht das Risiko.
  • Soziales Umfeld: Alkoholmissbrauch im sozialen Umfeld kann ebenfalls zur Entwicklung einer Abhängigkeit beitragen.
  • Lernerfahrungen und kritische Lebensereignisse: Auch Lernerfahrungen in Kindheit und Jugend sowie spätere kritische Lebensereignisse können eine Rolle spielen.

Behandlung von Alkoholabhängigkeit

Sobald sich Betroffene entschließen, ein Leben ohne Alkohol zu beginnen, bestehen gute Aussichten auf Erfolg. Eine Alkoholismus-Therapie besteht üblicherweise aus zwei Phasen: Entgiftung und Entwöhnung.

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Entgiftung

Die Entgiftung dauert in der Regel sieben bis 14 Tage und bildet die Basis für die Entwöhnung. Sie ist ein medizinisch begleiteter körperlicher Entzug vom Alkohol, der in einem Krankenhaus stattfindet. Die Kosten werden in der Regel von der Krankenkasse übernommen. In einigen Kliniken kann die Entgiftung auch vor Ort durchgeführt werden.

Medikamentöse Unterstützung bei der Entgiftung

Während der Entgiftung können Medikamente eingesetzt werden, um Entzugssymptome zu lindern. Dazu gehören:

  • Benzodiazepine: Wirken beruhigend und angstlösend und hemmen Krampfanfälle und Delirien.
  • Clomethiazol: Hat ähnliche Wirkungen wie Benzodiazepine, birgt aber ebenfalls ein hohes Suchtpotenzial.
  • Betablocker und Clonidin: Senken die körperlichen Symptome des Alkoholentzugs.
  • Antikonvulsiva: Werden bei Krampfanfällen eingesetzt.
  • Antipsychotika: Werden bei Wahnvorstellungen und Halluzinationen im Alkoholdelir eingesetzt.

Entwöhnung

Die Entwöhnung zielt darauf ab, die automatisierten Verhaltensmuster und -gewohnheiten zu behandeln, die zu Rückfällen führen. Sie kann ambulant, ganztägig ambulant oder stationär durchgeführt werden. Die Kosten werden in der Regel vom Rentenversicherer übernommen.

  • Ambulante Behandlung: Der Patient besucht über mehrere Monate einmal oder mehrfach wöchentlich eine Behandlungsstätte in der Nähe seines Wohnortes.
  • Ganztägig ambulante Behandlung: Die Therapie findet in der Regel von Montag bis Samstagmittag in einer Tagesklinik statt. Die Abende und Wochenenden verbringt der Patient zu Hause.
  • Stationäre Entwöhnung: Der Patient wird für drei bis vier Monate in einer Fachklinik behandelt. Es gibt auch Kurzzeittherapien und Kombi-Behandlungen.

Der Schwerpunkt der Behandlung liegt in der Gruppentherapie, ergänzt durch Einzeltherapien, Sport- und Bewegungsangebote, Ergotherapie und die Einbeziehung von Angehörigen. Bei besonderen Problemen wie Arbeitslosigkeit oder sozialer Desintegration kann eine Adaptionsbehandlung wichtig sein.

Ziele der Entwöhnung

  • Abstinenz
  • Wissen um die Erkrankung und deren Ursachen
  • Entwicklung eines suchtmittelfreien Lebens
  • Verhaltensänderung in Familie, Partnerschaft, Beruf und Freizeit
  • Vermeidung von Rückfällen
  • Akzeptanz der Suchterkrankung
  • Freiwilliger Entschluss zur Abstinenz

Integrierte stationäre Behandlung Abhängigkeitskranker (ISBA)

Um Rückfälle zwischen Entgiftung und Entwöhnung zu vermeiden, wurde von Experten der MEDIAN Kliniken Daun das Therapiekonzept ISBA entwickelt. Dabei folgt nach dem Alkoholentzug unmittelbar die Entwöhnungsphase in derselben Einrichtung.

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Behandlung von Nervenschäden

Nervenschäden können verschiedene Ursachen haben, darunter auch Alkoholmissbrauch. Die Behandlung von Nervenschäden hängt von der Ursache und dem Ausmaß der Schädigung ab.

Sofortige Alkoholabstinenz

Bei alkoholbedingten Nervenschädigungen ist eine sofortige Alkoholabstinenz erforderlich. Bei starker Abhängigkeit wird meist ein Entzug unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt. Entzugserscheinungen können dann beispielsweise mit Medikamenten abgemildert werden. Nach der körperlichen Entgiftung folgt in der Regel eine psychische Entwöhnung.

Weitere Behandlungsansätze

  • Vitaminpräparate: Bei Vitaminmangel (z.B. Vitamin B12 oder B1) müssen Patienten ihre Ernährungsweise ändern oder Vitaminpräparate einnehmen.
  • Schmerztherapie: Nervenschädigungen gehen oft mit brennenden Schmerzen einher. Eine medikamentöse Schmerztherapie kann helfen, die Schmerzen zu lindern.
  • Operation: In einigen Fällen kann ein operativer Eingriff erforderlich sein, z.B. bei einem Karpaltunnelsyndrom oder einem Bandscheibenvorfall.
  • Elektrotherapie: Bei der Elektrotherapie werden elektrische Impulse zur Schmerzlinderung eingesetzt.
  • Weitere Therapien: Wärme- und Kältebehandlungen, Krankengymnastik, Sporttherapien, Biofeedback, psychologische Betreuung und Entspannungstechniken können ebenfalls zur Linderung der Beschwerden beitragen.
  • Hilfsmittel: Hilfsmittel für den Alltag können bei Bewegungseinschränkungen, Sprach- und Schluckstörungen sowie Atemschwäche helfen.

Alkoholentzug in besonderen Situationen

Alkoholentzug in der Schwangerschaft

Ein Alkoholentzug während der Schwangerschaft sollte stationär unter Aufsicht eines Teams aus Gynäkologen, Kinderärzten und Entzugsärzten durchgeführt werden. Bevorzugt werden Benzodiazepine zur Linderung der Entzugssymptome.

Alkoholentzug bei Kindern und Jugendlichen

Kinder und Jugendliche mit einem Alkoholproblem leiden oft besonders unter der seelischen Abhängigkeit. Eine spezielle Betreuung und Therapie sind erforderlich.

Opiatentzug

Neben der Alkoholabhängigkeit gibt es auch andere Suchterkrankungen, die Entzugserscheinungen und Nervenschäden verursachen können, wie z.B. die Opiatabhängigkeit.

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Ursachen und Wirkung von Opiaten

Opiate und Opioide sind Schmerzmittel, die an den Opioid-Rezeptoren des zentralen Nervensystems andocken und die Schmerzweiterleitung unterdrücken. Sie wirken stark psychoaktiv und machen schnell abhängig.

Entzugserscheinungen bei Opiatentzug

Beim Absetzen von Opiaten können sowohl körperliche als auch psychische Entzugserscheinungen auftreten. Die Ausprägung hängt von der konsumierten Substanz, der Konsumhöhe und -länge, dem Lebensalter und der individuellen Konstitution ab. Typische Entzugserscheinungen sind:

  • Starkes Verlangen (Craving) nach der Substanz
  • Verstärktes Schmerzempfinden (Hyperalgesie)
  • Innere Unruhe und Schlafstörungen
  • Schwitzen, Händezittern, Blutdruck- und Temperaturanstieg
  • Kopfschmerzen
  • Angst, Unruhe, Depressivität, Konzentrationsstörungen

Behandlung von Opiatentzug

Der Opiatentzug ist immer mehrstufig aufgebaut und beginnt mit einer Motivationsphase, in der sich die Patienten mit ihrer Sucht auseinandersetzen. Anschließend erfolgt die Entgiftung unter ärztlicher Aufsicht, bei der der Körper vom Suchtstoff befreit wird. Um das Opioid-Entzugssyndrom so angenehm wie möglich zu gestalten, wird der Suchtstoff langsam ausgeschlichen (fraktionierter Entzug).

Der Schwerpunkt der Entwöhnung liegt auf der Ermittlung und Aufarbeitung der psychischen Suchtursachen unter therapeutischer Anleitung. Dazu gehören Einzel- und Gruppentherapien sowie das Erlernen alternativer Schmerzbewältigungsstrategien.

Medikamentöse Unterstützung beim Opiatentzug

Zur Linderung von innerer Unruhe und Schlafstörungen können trizyklische Antidepressiva und niederpotente Neuroleptika verabreicht werden. Clonidin kann die Ausschüttung des stressauslösenden Botenstoffs Noradrenalin vermindern.

Nachsorge nach dem Opiatentzug

Auch nach dem Opiatentzug besteht weiterhin ein Suchtdruck. Um bestmöglich auf die Risiken und Trigger des Alltags vorbereitet zu sein, sollte die Therapie nach dem stationären Entzug ambulant fortgesetzt werden, z.B. durch den Besuch eines Nachsorgetherapeuten und die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe.

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