Fußschmerzen sind ein weit verbreitetes Problem, das uns die Bedeutung gesunder Füße für unser Wohlbefinden vor Augen führt. Leonardo da Vinci bezeichnete den menschlichen Fuß einst als ein Meisterwerk der Technik und ein Kunstwerk. Und er hatte Recht! Unsere Füße sind komplexe Strukturen, bestehend aus 26 Knochen, 33 Gelenken, 20 Muskeln und über 100 Bändern. Beim Gehen verteilt sich das Körpergewicht hauptsächlich auf die Ferse und den Ballen, wobei das Fußgewölbe als Stoßdämpfer fungiert. Darüber hinaus ermöglicht die komplexe Struktur des Fußes mit ihren vielen Gelenken eine Vielzahl von Bewegungen.
Anatomische Grundlagen des Fußes
Der Fuß lässt sich in Fußwurzel, Mittelfuß und Vorfuß unterteilen. Die Fußwurzel besteht aus sieben Knochen, darunter das Sprungbein (Talus) und das Fersenbein (Calcaneus). Der Mittelfuß besteht aus fünf Mittelfußknochen, von denen der stärkste im großen Zeh endet. Unsere Zehen bestehen aus Röhrenknochen mit drei Gliedern. Um die Beweglichkeit der 33 Gelenke im Fuß einzuschränken und eine Überbeweglichkeit zu vermeiden, werden sie von Haltebändern geführt.
Die Regionen des Fußes
Anatomisch wird der Fuß in drei Regionen unterteilt:
- Ferse (Regio calcanea)
- Fußrücken (Dorsum pedis)
- Fußsohle (Planta pedis)
Wichtige anatomische Orientierungspunkte sind der mediale (innenseitige) und laterale (außenseitige) Knöchel (Malleolus).
Oberflächliche Strukturen
In der Schicht direkt unter der Haut (subkutane Schicht) befinden sich kleine Hautnerven sowie dünne Venen und Arterien, die die Haut mit Sauerstoff versorgen. Im Bereich des medialen Knöchels verläuft die Vena saphena magna, die durch die Haut gut sichtbar ist.
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Gefäß-Nerven-Bündel
Arterien und Venen verlaufen grundsätzlich eng nebeneinander. Der Pulsschlag der Arterien unterstützt beispielsweise den Bluttransport in den Venen zurück zum Herzen. Die peripheren Nerven winden sich teilweise netzartig um die Blutgefäße, wodurch Gefäß-Nerven-Bündel entstehen, die gemeinsam den Körper durchziehen und oft die gleichen Namen tragen.
Blutversorgung des Fußes
Die Versorgung des Beins mit sauerstoffreichem Blut erfolgt über die Arterien. Das Blut fließt über die großen Stämme der Rumpfarterien unterhalb der Leistenregion im Oberschenkel in die A. femoralis. Diese teilt sich nach einigen Zentimetern in die A. profunda femoris (Versorgung der Adduktorenmuskeln des Oberschenkels) und die A. femoralis auf. Die A. femoralis verläuft bis in die Kniekehle und von dort als A. poplitea weiter an der Unterschenkelrückseite. Im weiteren Verlauf gibt sie die Arteria tibialis anterior zur Versorgung von Haut und Muskeln der Unterschenkelvorderseite ab. Etwas später gehen aus der A. poplitea die A. peronea für die Unterschenkelinnenseite (medial) und die A. tibialis posterior für die Unterschenkelaußenseite (lateral) hervor.
Der Gefäß-Nerven-Strang für die Versorgung der Fußsohle liegt in einer tieferen Schicht und besteht aus der Arteria tibialis posterior, ihren Begleitvenen (Venae tibiales posteriores) und dem N. tibialis. Der Pulsschlag der A. tibialis posterior ist an der Rückseite des medialen Knöchels zu tasten. Diese Arterie versorgt zusätzlich die Fersenregion der Fußsohle. Zwischen der Großzehe und der zweiten Zehe ist ein weiterer wichtiger tastbarer Fußpuls (A. dorsalis pedis) zu tasten.
Der Blutstrom in den Venen verläuft entgegengesetzt zu dem der Arterien. Über viele kleinkalibrige Venen fließt das Blut in größere Venenstämme und schließlich zurück zum Herzen. Am Unterschenkel existiert ein oberflächliches Venennetz, welches das Blut aus der Haut in ein Netz von tiefen Beinvenen leitet. Die Vena saphena magna (Fußrückseite) und die V. saphena parva (lateralen Fußrand) sind durch zahlreiche Venenbögen miteinander verbunden und bilden die Hauptstämme des oberflächlichen (subkutanen) Venennetzes. Dieses Venennetz ist durch die Haut deutlich sichtbar. Über kleine Verbindungsvenen (Vv. perforantes) wird das Blut in die tiefen Beinvenen (Vv. tibiales anteriores, Vv. tibiales posteriores, Vv. peroneae) geleitet. Von hier aus strömt es über die großen Venenstämme des Oberschenkels und des Rumpfes zurück zum Herzen.
Krampfadern (Varikosis) bilden sich durch eine Gewebeschwäche (Insuffizienz) der oberflächlichen Venen (Vv. saphenae magna und parva), während Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe (Ödeme) und Unterschenkelgeschwüre ihre Ursachen in einer Insuffizienz der Verbindungsvenen (Vv. perforantes) und der tiefen Beinvenen (Vv. tibiales anteriores, Vv. tibiales posteriores, Vv. peroneae) haben.
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Nervenversorgung des Fußes
Abgesehen von den Hirnnerven entspringen alle peripheren Nerven aus dem Rückenmark. Zwischen den Wirbelkörpern der Wirbelsäule treten sie als dicke, ca. 2-3 cm lange Spinalnerven aus dem Rückenmark aus und verzweigen sich dann im weiteren Verlauf durch den Körper zu einem komplizierten Netzwerk. Die peripheren Nerven werden entsprechend ihrer Austrittshöhe im Rückenmark bestimmten Hautarealen zugeordnet. Diese sogenannten Dermatome ziehen streifenförmig über den ganzen Körper und sind für die Höhendiagnostik von Rückenmarkschäden von wesentlicher Bedeutung. Das Ausfallen der Berührungsempfindung in einem bestimmten Hautbezirk (Dermatom) lässt auf eine bestimmte Höhe der Schädigung des Rückenmarks schließen.
Berührungs- oder Schmerzreize, die auf die Haut des Fußes treffen, werden von verschiedenen Nerven an das Rückenmark weitergeleitet. Die Nerven entstammen der Lenden- (lumbalen) und Kreuzbeinregion (sakralen) der Wirbelsäule (L4 bis S3). Jeder Nerv hat sein spezielles Versorgungsgebiet, manche Hautbezirke werden jedoch überlappend von mehreren Nerven versorgt. Ein für den Fuß wichtiger Nerv ist der N. tibialis.
Die Hauptnerven des Fußes im Detail
Nervus tibialis: Dieser Hauptnerv teilt sich am inneren Knöchel in seine Äste für die Fußsohle auf.
- Nervus plantaris medialis: Versorgt die Haut der Fußsohle, insbesondere die ersten dreieinhalb Zehen.
- Nervus plantaris lateralis: Versorgt den Rest der Fußsohle, einschließlich der Außenseite des vierten Zehs und des kleinen Zehs.
Nervus peronaeus (fibularis): Dieser Nerv versorgt den Fußrücken.
- Nervus peronaeus superficialis: Verantwortlich für das Gefühl auf dem Großteil des Fußrückens.
- Nervus peronaeus profundus: Zuständig für die Motorik der Muskeln, die den Fuß und die Zehen heben (Dorsalflexion).
Fußwurzel, Mittelfuß und Zehen
Die Füße tragen beim Gehen das gesamte Körpergewicht und ermöglichen gleichzeitig die Balance. Sie gehören daher zu den am stärksten beanspruchten Körperteilen. Das Körpergewicht ruht vor allem auf den Fersen und den Zehenballen.
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Der Fuß besteht aus:
- 7 Fußwurzelknochen
- 5 Mittelfußknochen
- 14 Zehenknochen
Alle Knochen sind durch Gelenke, Sehnen und Bänder miteinander verbunden. Anhand dieser Gelenke lässt sich der Fuß in drei Abschnitte einteilen: die Fußwurzel mit dem Sprunggelenk, der Mittelfuß und die Zehen.
Das Sprunggelenk
Das Sprunggelenk verbindet die Knochen des Unterschenkels mit den Fußknochen. Die sieben Fußwurzelknochen sind durch Bänder fest miteinander verbunden und kaum gegeneinander beweglich. Sie sind in zwei Reihen aus je drei und vier Knochen angeordnet. Einer davon - das Sprungbein - bildet gemeinsam mit Schienbein und Wadenbein das obere Sprunggelenk. Schien- und Wadenbein sind vom Sprungbein durch eine Knorpelscheibe getrennt. Das Sprungbein ist außerdem mit den Knochen der Fußwurzel und dem Fersenbein verbunden. Zwischen Fersenbein, Sprungbein und Kahnbein befindet sich das untere Sprunggelenk.
Das obere Sprunggelenk ermöglicht es, den Fuß nach oben und unten, ein wenig auch zur Seite zu bewegen. Das untere Sprunggelenk verbindet das Sprungbein mit den Knochen der Fußwurzel und dem Fersenbein.
Der Mittelfuß
An die zweite Reihe der Fußwurzelknochen schließt sich der Mittelfuß an. Er besteht aus fünf langgestreckten Mittelfußknochen, die sich auf dem Fußrücken gut ertasten lassen. Die Mittelfußnerven werden auch als Interdigitalnerven (Nervi digitales plantares communes) bezeichnet. Genau genommen handelt es sich dabei um Nervenäste, die zwischen den Mittelfußknochen an der Fußsohle bis in die Zehen und die Zehenzwischenräume verlaufen. Auf Höhe der Mittelfußknochen teilen sich diese beiden Nerven in die Interdigitalnerven auf. Die Mittelfußknochenköpfchen sind mit einem Band, dem Ligamentum intermetatarsale, verbunden.
Die Zehen
Die fünf Zehen sind frei beweglich. Sie bestehen jeweils aus drei Einzelknochen (Zehengliedern) - mit Ausnahme der Großzehe, die nur zwei Glieder hat. In jeder Zehe befinden sich drei Gelenke, das Grund-, Mittel- und Endgelenk. Die Grundgelenke sind Kugelgelenke und ermöglichen außer Auf- und Ab-Bewegungen auch eine begrenzte Spreizbewegung.
Fußgewölbe und Muskulatur
Um die Beweglichkeit der Füße zu erhalten und ihre empfindlichen Muskeln, Sehnen, Gefäße und Nerven zu schützen, müssen die Füße Belastungen abfedern können. Deshalb liegen die Fußsohlen normalerweise nicht flach auf dem Boden auf, sondern spannen sich wie ein Gewölbe zwischen den Fersen und Zehenballen. Jeder Fuß hat sowohl ein Längs- als auch ein Quergewölbe. In jedem Fuß ziehen längs und quer gespannte Muskeln die Fußknochen zu einem Gewölbe zusammen, das immer unter Spannung steht. Bei Belastung, zum Beispiel beim Auftreten, geben die Muskeln etwas nach - dadurch kann das Fußgewölbe das Körpergewicht abfedern. Bei einem gesunden Fuß liegen nur die Ferse, die Zehenballen und Zehen auf dem Boden auf. Sie sind an ihren Unterseiten durch eine Fettschicht geschützt, der Mittelfuß außerdem durch eine breite Sehnenplatte (Plantarfaszie).
Die Muskulatur des Fußes besteht aus über 30 Muskeln. Die Füße werden auch von Muskeln im Unterschenkel bewegt, dem Fußstrecker und dem Fußbeuger. Die schlanken Sehnen dieser Muskeln reichen bis zu den Zehen. Die Sehnen der Fußstrecker verlaufen über den Fußrücken bis in die Zehenspitzen. Die kurzen Fußmuskeln liegen zwischen den Mittelfußknochen. Sie helfen beim Spreizen, Beugen und Strecken der Zehen, verspannen aber vor allem die Fußgewölbe.
Anders als die Finger sind die Zehen nur wenig beweglich. Bis auf die große und die kleine Zehe können sie kaum unabhängig voneinander bewegt werden. Mehrere Beugemuskeln entlang der Fußsohle bewegen die drei mittleren Zehen gleichzeitig. Entlang des Fußrückens liegt ein weiterer gemeinsamer Muskel, der diese Zehen streckt.
Das Aufspannen der Fußgewölbe ist die Hauptaufgabe etlicher Muskeln der Fußsohle. Sie ziehen den Fuß durch ihren Zug auf Vorderfuß und Fußwurzel wie einen Bogen zusammen. Die meisten dieser Muskeln verlaufen in Längsrichtung, da sie auch die Zehen beugen. Sie spannen die Längswölbung auf. Die Querwölbung wird vor allem von dem Muskel aufrechterhalten, der die große Zehe nach innen zieht.
Blutversorgung der Zehen
Der Fuß wird durch je eine Hauptschlagader am Fußrücken und an der Fußsohle mit Blut versorgt. Die Fußrückenarterie verläuft an der Innenseite des Fußrückens, entlang des Streckmuskels der großen Zehe. Sie läuft in einen Bogen aus, von dem Arterien entspringen, die die Oberseite der Zehen versorgen. Die Fußsohlenarterie teilt sich im Bereich der Ferse in zwei Äste, von denen einer an der Innenseite und einer bogenförmig an der Außenseite der Fußsohle verläuft. Auch von der äußeren Fußsohlenarterie führen Arterien bis in die Zehen.
Nervenversorgung der Zehen
- Tiefer Wadenbeinnerv: Verläuft entlang der Fußrückenarterie und bewegt die Muskeln, die die Zehen strecken. Ein Ast verläuft bis zwischen die große und die zweite Zehe und verzweigt sich dort. Er nimmt auch Sinnesreize aus der Haut des Fußrückens auf.
- Innerer Fußsohlennerv: Verzweigt sich bereits in Fersennähe und verläuft in mehreren Ästen entlang der Fußsohle. Er bewegt die Beugermuskeln der ersten drei und teilweise auch den der vierten Zehe. Außerdem leitet der Nerv die Hautempfindungen aus dem Bereich der Fußsohle bis zur vierten Zehe.
- Äußerer Fußsohlennerv: Folgt der äußeren Fußsohlenarterie bis zur kleinen Zehe. Er bewegt einen Teil der Beugermuskeln der vierten Zehe und den Beuger der kleinen Zehe.
Klinische Relevanz: Häufige Erkrankungen und Beschwerden
Die komplexe Anatomie des Fußes macht ihn anfällig für verschiedene Erkrankungen und Beschwerden.
Tarsaltunnelsyndrom
Der enge Tarsaltunnel am Fuß hinter dem Innenknöchel wird zwischen dem Talus (Sprungbein) und dem Retinaculum musculorum flexorum pedis (auch Ligamentum laciniatum genannt) gebildet. Neben dem Schienbeinnerven verlaufen auch Sehnen und Blutgefäße durch diese Engstelle. Das macht den Tarsaltunnel bei Fehlstellungen, Schwellungen des Knöchels oder Überlastung zu einer für die Gesundheit des Fußes entscheidenden Stelle.
Das Tarsaltunnelsyndrom ist ein seltenes Nervenengpasssyndrom am Sprunggelenk. Dabei wird der durch den Tarsaltunnel hinter dem Innenknöchel verlaufende Schienbeinnerv (Nervus tibialis) eingedrückt (komprimiert) oder eingeklemmt. Die Symptome des Tarsaltunnelsyndroms sind sehr verschieden und können Missempfindungen wie Ameisenlaufen, Brennen, Taubheitsgefühle oder Wärme- bzw. Kältegefühle umfassen. Die Beschwerden treten oft nachts auf und können sich unter Belastung oder durch längere Zwangshaltung mit gebeugtem oberen Sprunggelenk verstärken. Typisch ist ein chronischer, langsam zunehmender Verlauf über Monate und Jahre.
Ursachen und Diagnose
Es gibt zahlreiche Ursachen, die den Schienbeinnerv bedrängen oder einklemmen und damit ein Tarsaltunnelsyndrom auslösen können. Schon die Schilderung der Beschwerden gibt erste Hinweise auf ein Tarsaltunnelsyndrom. Bei der klinischen Untersuchung tastet der Fußspezialist den Verlauf des Schienbeinnervs vom Bereich hinter dem Innenknöchel bis zum Fußinnenrand ab. Eine Verstärkung der Sensationen bei Beugung des oberen Sprunggelenkes sowie Gefühlsstörungen beim Betasten oder Beklopfen des Nervenverlaufes (Tinel-Test) sind deutliche Zeichen für die Erkrankung. Manchmal lassen sich auch abgebaute Muskeln oder Veränderungen im Bereich der Fußsohle erkennen. In seltenen Fällen ist als Zeichen einer motorischen Beeinträchtigung eine Zehenspreizerschwäche nachweisbar.
Therapie
Die Therapie des Tarsaltunnelsyndroms umfasst in der Regel konservative Maßnahmen wie:
- Entlastung und Ruhigstellung des Fußes
- entzündungshemmende Medikamente
- Physiotherapie zum Muskelaufbau und propriozeptives Training
Bleiben die Beschwerden trotz konservativer Therapie über länger als sechs Monate bestehen, wird eine operative Behandlung erwogen. Dabei wird der Schienbeinnerv im Tarsaltunnel freigelegt, um ihm ausreichend Platz zu verschaffen.
Morton Neurom
Ein Morton Neurom (auch Morton-Neuralgie oder Morton-Metatarsalgie) ist die Verdickung einer Nervenhülle im Mittelfuß. Sie tritt meistens zwischen der 3. und 4. Zehe auf und ist schmerzhaft, weil sie Druck auf den Nerv ausübt. Frauen sind etwa viermal häufiger betroffen als Männer.
Symptome
Typisch sind brennende oder stechende Schmerzen im Mittelfuß und in den Zehen (Mittelfußschmerzen und Vorfußschmerzen), die plötzlich einschießen. Die Beschwerden verschlimmern sich bei Fortschreiten der Krankheit. Der Fuß wird vorne breiter und Belastungsschmerzen sind typisch.
Ursachen
Die Morton-Neuralgie ist eine Reaktion auf eine permanente Reizung der Nerven, weil diese dauerhaft zusammengedrückt werden (Kompression). Einseitige Belastungen können ebenfalls eine Ursache sein, da sie dafür sorgen, dass Muskeln und Faszien hohe Spannungen aufbauen.
Diagnose
Manchmal geben Röntgenbilder, Ultraschall, Kernspintomographie oder MRT (Magnetresonanztomographie) im Rahmen der Diagnostik in der Orthopädie näheren Aufschluss. Allerdings sind auch sie nicht immer eindeutig. Ein weiteres Diagnose-Verfahren ist die Betäubung (Lokalanästhesie) des schmerzenden Bereichs mit einer Spritze. Typisch ist das sogenannte Mulder-Zeichen (auch Mulder-Click-Zeichen oder Klick-Zeichen): Die Ärztin oder der Arzt drückt bei der Untersuchung von beiden Seiten auf die Stelle, an der die Morton-Neuralgie vermutet wird.
Therapie
- Einlegesohlen: Spezielle orthopädische Einlagen sollen die Nerven im Mittel- und Vorfuß entlasten.
- Spezielles Schuhwerk: Geeignete Schuhe tragen oder auf hohe Absätze verzichten.
- Physiotherapie und Fußgymnastik: Behandlung der Wade, die deine Fußmuskulatur ansteuert.
- Kortison-Spritzen: Entzündungshemmende Mittel wie Kortison werden gespritzt, um den Nervenknoten abzuschwellen.
- Operationen: In der Fußchirurgie wird das Nervengeschwulst über einen Schnitt am Fußrücken entfernt (Neurektomie).
Andere Ursachen für Fußschmerzen
Neben dem Tarsaltunnelsyndrom und dem Morton Neurom gibt es noch weitere mögliche Ursachen für Fußschmerzen, wie beispielsweise:
- Baxter-Nerv-Entrapment: Ein Engpasssyndrom des Baxter-Nervs, das Fersenschmerzen verursacht.
- Plantarfasziitis: Eine Entzündung der Plantarfaszie, die ebenfalls Fersenschmerzen verursacht.
Evolutionäre Entwicklung des Fußes
Für das Verständnis der Struktur „Fuß“ ist ein kurzer Blick in die Entwicklung sehr hilfreich. Der Ausgang liegt nach Steiner und seiner Schülerin Schmidt-Ehrenberg im Fußskelett von Trematops milleri, einem im Perm, also vor ca. 280 Millionen Jahren ausgestorbenen Amphibium. Dieses fossile Lebewesen besaß ein Fußskelett, das aus zwölf einzelnen, in einer Ebene mosaikartig angeordneten Tarsalelementen bestand. Hinzu kommen noch ein Prähallux und ein Postminimus als Relikte ehemaliger Strahlen.
Im Laufe der Evolution wurde die Anzahl der Tarsalelemente reduziert, einerseits durch Verschmelzung von Elementen und andererseits durch Herausnahme von Elementen aus dem Verband und Fusionierung mit Nachbarknochen. Es kam zur Überlagerung des medialen Strahles (Talusfuß) über den lateralen (Kalkaneusfuß). Die Unterseite des Talus kam bei der Überlagerung in Kontakt mit der Oberseite des Calcaneus, sodass ein neues Gelenk, die Articulatio talotarsalis, entstand.
Bei der später erfolgenden Umgestaltung des Greiffußes der Primaten in den Standfuß des Menschen erfolgte ein weiterer wichtiger Schritt: die Anlagerung des 1. Strahles an die übrigen Strahlen.
Funktionelle Anatomie: Fußwölbungen und ihre Bedeutung
Das menschliche Fußskelett besteht in der Regel aus 28 Einzelknochen, wobei eine vordere und eine hintere Abteilung unterschieden werden können. Die vordere Partie wird von kurzen, monoepiphysären Röhrenknochen gebildet und die hintere von irregulären, spongiösen, kanonischen Tarsalknochen. Innerhalb des Fußskeletts werden drei Gelenklinien beschrieben, die ursprünglich als Amputationslinien verwendet worden sind: die Lisfrancsche Gelenklinie, die Bona-Jäger-Linie und das Chopartsche Gelenk.
Weiterhin ist das Fußskelett durch eine Querwölbung und eine Längswölbung charakterisiert, wodurch in der Planta pedis eine Höhlung für die Aufnahme und zum Schutz von Weichgeweben (Muskeln, Sehnen, Leitungsbahnen) entsteht.
Die Bedeutung der Fußwölbungen
Die Fußwölbungen sind entscheidend für die Stoßdämpfung und die Verteilung des Körpergewichts. Sie werden durch aktive (Muskeln) und passive (Bänder) Strukturen verspannt. Von besonderer Bedeutung sind die von den Fußrändern einstrahlenden langen Sehnen extrinsischer Muskeln: die Sehne des M. peronaeus longus und die Sehne des M. tibialis posterior. Auch der M. adductor hallucis mit seinen beiden Köpfen ist ein bedeutsamer Verspanner.
Beim Stehen übernimmt der Bandapparat die Verspannung, und beim Gehen werden die plantaren Muskeln zusätzlich aktiv. Die wichtigste Verspannungsstruktur ist jedoch die Aponeurosis plantaris. Durch ihre Befestigung an den Grundphalangen wird sie beim Abwickeln des Fußes oder bei der Dorsalextension der Zehen um die Metatarsaleköpfchen herumgezogen (Hypomochlion) und dadurch kraftvoll angespannt. Dieser Mechanismus (Ankerwindenmechanismus oder Windlass-Mechanismus) führt zur Aufrichtung der Längswölbung und zur kräftigen Verspannung.
Die Rolle der Nerven im Fuß: Sensorik und Motorik
Die Anatomie der Fußnerven lässt sich wunderbar in zwei Hauptbereiche aufteilen: die Sensorik (also das Fühlen) und die Motorik (das Bewegen). Die sensorische Funktion der Fußnerven ist ein überlebenswichtiges Schutz- und Steuerungssystem. Die Motorik gibt die Befehle an die Muskeln weiter, die für die Abrollbewegung beim Gehen und die Anpassung an Unebenheiten zuständig sind.
Gefäß-Nerven-Bündel: Die enge Verbindung von Nerven und Blutgefäßen
Nerven haben einen hohen Energiebedarf und werden daher direkt an der Quelle versorgt. Anatomisch teilt man die Blut- und Nervenversorgung des Fußes in Ferse, Fußrücken und Fußsohle auf. Interessanterweise laufen etwa 90 % der Blutversorgung über die Arteria tibialis posterior, die sich eng an den Nervus tibialis schmiegt und mit ihm am Innenknöchel entlangläuft. Diese enge Verbindung sichert sowohl die Sauerstoffzufuhr als auch die sensorische Leitung.
Fazit
Der Fuß ist ein komplexes und faszinierendes anatomisches Gebilde, das eine Vielzahl von Funktionen erfüllt. Ein grundlegendes Verständnis der Anatomie der Fußnerven ist entscheidend für die Diagnose und Behandlung von Fußschmerzen und anderen Beschwerden. Die enge Zusammenarbeit von Knochen, Muskeln, Sehnen, Bändern, Nerven und Blutgefäßen ermöglicht es uns, aufrecht zu stehen, zu gehen, zu laufen und zu springen. Unsere Füße sind ein Meisterwerk der Evolution und verdienen unsere besondere Aufmerksamkeit und Pflege.