Anatomie der Nerven im Ohr-Hals-Bereich

Einführung

Dieser Artikel befasst sich mit der detaillierten Anatomie des Innenohrs, einschließlich der Cochlea (Hörschnecke), des knöchernen und membranösen Labyrinths. Darüber hinaus wird das normale Erscheinungsbild des Nervus facialis und des Nervus vestibulocochlearis im inneren Gehörgang auf hochauflösenden MRT-Bildern der hinteren Schädelgrube erläutert. Ziel ist es, Radiologen und andere medizinische Fachkräfte bei der Interpretation von MRT-Aufnahmen im Zusammenhang mit Erkrankungen wie Akustikusneurinomen, Schwerhörigkeit und audiovestibulären Syndromen zu unterstützen.

Material und Methoden

Die Grundlage dieses Artikels bilden T2-3D-CISS-Sequenzen (constructive interference in steady state) des Innenohrs, die an einer gesunden 35-jährigen Patientin mit einem 1,5 T MRT-System durchgeführt wurden. Die MRT-Bilder wurden nachbearbeitet, um MPR-Rekonstruktionen in verschiedenen schräg-sagittalen Ebenen zu erhalten. Diese Rekonstruktionen ermöglichen eine detaillierte Darstellung des Innenohrs, des Kleinhirnbrückenwinkels und des Schläfenbeins.

Embryologische Entwicklung des Ohres

Die Entwicklung des Ohres beginnt bereits in der 3. Schwangerschaftswoche mit der Bildung der Ohrplakode. Diese Plakode stülpt sich ein und wird zur Ohrgrube, die sich schließlich vom Oberflächenektoderm löst und das Ohrbläschen bildet. Das Ohrbläschen differenziert sich in ein dorsales und ein ventrales Kompartiment. Aus dem dorsalen Kompartiment entsteht eine endolymphatische Aussackung, während sich aus den Schlundbögen die Gehörknöchelchen (Amboss, Hammer und Steigbügel) entwickeln. Der Gehörgang entsteht aus der 1. Schlundfurche und die Paukenhöhle aus der 1. Schlundtasche. Sechs Ohrmuschelhöcker wölben sich von den Schlundbögen nach außen und formen die Ohrmuschel.

Anatomie des äußeren Ohrs

Die Ohrmuschel dient als Trichter, um Schallwellen aufzufangen und in den Gehörgang zu leiten. Sie besteht aus elastischem Knorpel, der die Form der Ohrmuschel bestimmt. Lediglich das Ohrläppchen enthält kein Knorpelgewebe, sondern besteht aus Fettgewebe. Der äußere Gehörgang ist etwa 2 bis 3 cm lang und mit Haut bedeckt. Der laterale bzw. äußere Anteil des Gehörgangs ist knorpelig und macht etwa zwei Drittel der Gesamtlänge aus.

Anatomie des Mittelohrs

Das Mittelohr, auch Paukenhöhle genannt, ist ein luftgefüllter Raum, der sich an das Trommelfell anschließt. Es enthält die drei Gehörknöchelchen: Hammer (Malleus), Amboss (Incus) und Steigbügel (Stapes). Der Hammer ist mit dem Trommelfell verbunden, während sich Amboss und Steigbügel vollständig im Mittelohr befinden. Die Gehörknöchelchen leiten die Schallschwingungen vom Trommelfell zum Innenohr weiter und verstärken sie dabei. Der Musculus stapedius, der am Steigbügel befestigt ist, verhindert eine übermäßige Schwingung der Gehörknöchelchen.

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Die Tuba auditiva (Ohrtrompete) verbindet die Paukenhöhle mit dem Nasopharynx. Diese Verbindung ermöglicht den Druckausgleich zwischen dem Mittelohr und der Außenwelt.

Begrenzungen der Paukenhöhle

  • Paries tegmentalis (Dach): Trennt die Paukenhöhle von der Fossa cranii media.
  • Paries jugularis (Boden): Trennt die Paukenhöhle vom Bulbus superior venae jugularis internae.
  • Paries labyrinthicus (mediale Wand): Trennt die Paukenhöhle vom Labyrinth des Innenohrs.

Innervation der Muskeln im Mittelohr

  • Musculus tensor tympani: Innerviert durch einen Ast des Nervus mandibularis (V3) des Nervus trigeminus.
  • Musculus stapedius: Innerviert durch den Nervus stapedius, einen Ast des Nervus facialis (VII).

Anatomie des Innenohrs

Das Innenohr befindet sich im Felsenbein und besteht aus dem knöchernen und dem membranösen Labyrinth. Das knöcherne Labyrinth enthält das membranöse Labyrinth, wobei der Spalt zwischen den beiden Labyrinthen mit Perilymphe gefüllt ist. Das Labyrinth wird durch die Paries labyrinthicus der Paukenhöhle vom Mittelohr getrennt.

Das membranöse Labyrinth umfasst den Ductus cochlearis (im knöchernen Labyrinth), den Utriculus und den Sacculus (im Vestibulum). Der Ductus cochlearis enthält das Corti-Organ, das für die Schallwahrnehmung verantwortlich ist. Die Haarzellen des Corti-Organs nehmen Schall in Form von Schwingungen auf und leiten die Informationen über den Nervus cochlearis weiter.

Der Utriculus und der Sacculus enthalten ebenfalls Haarzellen, die die Bewegung und Position des Kopfes im Raum ermitteln. Diese Haarzellen sind mit Stereozilien ausgestattet, die auf die Bewegung der Endolymphe reagieren.

Nerven des Ohrs und Halses

Hirnnerven

Die Hirnnerven sind zwölf Nervenpaare, die direkt aus dem Gehirn entspringen und verschiedene Funktionen im Kopf- und Halsbereich steuern. Für das Ohr sind insbesondere folgende Hirnnerven von Bedeutung:

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  • Nervus vestibulocochlearis (VIII): Dieser Nerv besteht aus zwei Anteilen: dem Nervus cochlearis (Hörnerv) und dem Nervus vestibularis (Gleichgewichtsnerv). Der Nervus cochlearis leitet die Informationen von den Haarzellen des Corti-Organs zum Gehirn, während der Nervus vestibularis Informationen über die Lage und Bewegung des Kopfes liefert.
  • Nervus facialis (VII): Dieser Nerv ist für die Steuerung der Gesichtsmuskulatur verantwortlich, innerviert aber auch den Musculus stapedius im Mittelohr und leitet Geschmacksempfindungen von den vorderen zwei Dritteln der Zunge.
  • Nervus glossopharyngeus (IX): Dieser Nerv ist an der Innervation der Rachenmuskulatur, der Speicheldrüsen und der Geschmackswahrnehmung im hinteren Drittel der Zunge beteiligt.
  • Nervus trigeminus (V): Der Nervus trigeminus ist hauptsächlich für die sensible Innervation des Gesichts verantwortlich, steuert aber auch den Musculus tensor tympani im Mittelohr.

Verlauf der Hirnnerven

Die Hirnnerven treten an verschiedenen Stellen aus dem Gehirn aus und verlaufen durch unterschiedliche Schädelöffnungen, um ihre Zielgebiete zu erreichen.

  • Nervus vestibulocochlearis: Tritt am Kleinhirnbrückenwinkel aus dem Gehirn aus und verläuft gemeinsam mit dem Nervus facialis durch den inneren Gehörgang.
  • Nervus facialis: Tritt ebenfalls am Kleinhirnbrückenwinkel aus dem Gehirn aus und verläuft durch den inneren Gehörgang. Innerhalb des Felsenbeins verläuft der Nerv im Fazialiskanal und tritt am Foramen stylomastoideum aus dem Schädel aus.
  • Nervus glossopharyngeus: Verlässt das Gehirn hinter der Oliva und zieht durch das Foramen jugulare zur äußeren Schädelbasis.
  • Nervus trigeminus: Beginnt mit seinen sensiblen Wurzelzellen in der mittleren Schädelgrube und teilt sich in drei Äste auf: Nervus ophthalmicus, Nervus maxillaris und Nervus mandibularis, die durch unterschiedliche Schädelöffnungen ziehen.

Funktion der Hirnnerven

Die Hirnnerven haben unterschiedliche Funktionen, die von sensorischen Wahrnehmungen (z.B. Hören, Gleichgewicht, Geschmack) über die Steuerung von Muskeln (z.B. Gesichtsmuskulatur, Augenmuskulatur) bis hin zur Regulation von Drüsen (z.B. Speicheldrüsen, Tränendrüsen) reichen.

Blutversorgung des Ohrs

Das Ohr wird durch Äste verschiedener Arterien versorgt, darunter:

  • Arteria auricularis posterior: Ein Ast der Arteria carotis externa, der die Ohrmuschel und den Bereich hinter dem Ohr versorgt.
  • Arteriae tympanicae: Äste der Arteria maxillaris und der Arteria auricularis posterior, die die Paukenhöhle versorgen.
  • Arteria labyrinthi: Ein Ast der Arteria basilaris, der das Innenohr versorgt.

Lymphsystem des Ohrs

Die Lymphdrainage des Ohrs erfolgt über Lymphknoten in der Umgebung, darunter:

  • Lymphknoten der Parotis: Sammeln Lymphe von der vorderen Seite des Ohrs.
  • Mastoid-Lymphknoten: Sammeln Lymphe von der seitlichen und hinteren Seite des Ohrs.
  • Okzipitale Lymphknoten: Sammeln Lymphe von der dorsalen Seite des Ohrs.

Häufige Erkrankungen im Ohr-Hals-Bereich

Verschiedene Erkrankungen können die Strukturen des Ohrs und des Halses betreffen. Einige Beispiele sind:

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  • Otitis externa: Entzündung des äußeren Gehörgangs, oft durch bakterielle Infektionen verursacht (z.B. Staphylococcus aureus). Symptome sind Schmerzen, Juckreiz und Empfindlichkeit auf Berührung.
  • Otitis media: Akute Mittelohrentzündung, häufig durch virale oder bakterielle Infektionen verursacht, insbesondere bei Kindern. Symptome sind Fieber, Symptome einer Infektion der oberen Atemwege und Ohrenschmerzen.
  • Schwindel (Vertigo): Ein Gefühl der Bewegung zwischen sich selbst und der Umwelt. Schwindel kann verschiedene Ursachen haben, darunter Störungen des Innenohrs oder des zentralen Nervensystems.
  • Hörverlust (Hypakusis): Beeinträchtigung des Hörvermögens. Hörverluste werden in Schallleitungsstörungen (z.B. durch Schädigung des Mittelohrs) und Schallempfindungsstörungen (z.B. durch Schädigung des Innenohrs oder des Hörnervs) eingeteilt.
  • Tinnitus: Auditive Wahrnehmung von Rauschen oder Klingeln ohne externe Schallquelle.

Risikofaktoren für Erkrankungen des Ohrs

Verschiedene Faktoren können das Risiko für Erkrankungen des Ohrs erhöhen, darunter:

  • Rauchen: Chronischer Tabakkonsum wirkt gefäßverengend und beeinträchtigt die Mikrozirkulation im Innenohr.
  • Umweltbelastung: Chronische Belastung mit toxischen Substanzen kann das Ohr schädigen.
  • Lärmbelastung: Dauerhafte oder wiederholte Exposition gegenüber hohen Schalldruckpegeln kann zu Hörverlust führen.

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