Nerven, Muskeln und Rücken: Ursachen, Behandlung und Prävention von Beschwerden

Schmerzen, Kribbeln, Taubheit oder Schwäche im Rücken, Arm oder Bein sind typische Anzeichen für Probleme mit Nerven, Muskeln oder dem Rücken selbst. Oftmals sind diese Beschwerden gut behandelbar, besonders wenn frühzeitig reagiert wird. Gezielte Bewegung, Schmerztherapie, Entlastung und in manchen Fällen auch eine Operation können helfen.

Was ist ein eingeklemmter Nerv?

Umgangssprachlich wird der Begriff "eingeklemmter Nerv" oft für plötzliche Schmerzen verwendet, die sich anfühlen, als wäre ein Nerv tatsächlich eingeklemmt. Medizinisch gesehen handelt es sich jedoch fast nie um einen tatsächlich eingeklemmten Nerv. Eher zutreffend ist der Begriff bei Druckschäden an Nerven. Dabei üben umliegende Strukturen wie Muskeln, Sehnen oder Gewebe Druck auf einen Nerv aus. Dieser Druck stört die Signalübertragung und führt zu Symptomen wie Schmerzen, Kribbeln oder Taubheit. Es fühlt sich oft so an, als wäre der Nerv buchstäblich eingeklemmt.

Ein Nerv besteht aus vielen Nervenfasern, die Schmerzsignale an das Gehirn weiterleiten. Erst dadurch empfinden wir Schmerz.

Ursachen für Nervenkompressionen

Häufige Ursachen für Nervenkompressionen sind:

  • Verspannungen: Verspannungen der Muskulatur sind in 85 bis 90% der Fälle für Rückenbeschwerden verantwortlich. Muskelverspannungen können durch verschiedene Faktoren verursacht werden, darunter Fehlhaltungen, mangelnde Bewegung, Überlastung und mentale Belastung. Diese Ursachen können zu anhaltenden Spannungen in der Muskulatur führen, insbesondere im Nacken- und Schulterbereich.
  • Fehlhaltungen: Eine falsche Ganghaltung oder schlechte Arbeitsposition können die Muskulatur belasten - insbesondere dann, wenn diese Haltung über einen längeren Zeitraum eingenommen wird. Die Folge: Die Flexibilität und Stabilität von Muskeln und Sehnen nimmt ab - und wir werden anfälliger für Verspannungen.
  • Überlastung: Die schweren Wasserkisten beim Wocheneinkauf oder ein zu intensives Workout - hin und wieder kann es vorkommen, dass wir unseren Körper zu sehr herausfordern und es zu einer Überlastung von Muskeln und Gelenken kommt. Tritt das häufiger auf, kann diese Überlastung zum Verschleiß der betroffenen Muskeln und Gelenke führen.
  • Psychische Belastungen: Auch anhaltender Stress, emotionaler Druck oder Angstzustände können Muskelverspannungen auslösen - oder sie verstärken. Grund dafür ist, dass die psychische Belastung zu einem anhaltenden Spannungszustand der Muskultur führen kann - meist ohne, dass wir es überhaupt bemerken. Wir ziehen z.B. die Schultern hoch, spannen den Kiefer an oder verkrampfen die Rückenmuskulatur - bis sich eine Verspannung bemerkbar macht, ist es häufig schon zu spät.
  • Degenerative Erkrankungen: Dazu gehören Bandscheibenvorfälle oder Arthrose. Bei Bandscheibenvorfällen wird der scheibenförmige Stoßdämpfer zwischen zwei Wirbeln brüchig und ein Teil quillt heraus. Drückt dieser Teil auf einen der Nerven, die aus dem Rückenmark austreten, kommt es meist zu heftigen Schmerzen, und oft auch zu Gefühlsstörungen oder Lähmungen. Diese betreffen den Körperteil, der von dem Nerven versorgt wird - bei einem Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule vor allem Teile des Beins.
  • Verletzungen: Stürze oder Überlastung können ebenfalls zu Nervenkompressionen führen.
  • Systemische Erkrankungen: Diabetes oder Engpasssyndrome wie das Karpaltunnelsyndrom können Nervenkompressionen auslösen. Häufig betreffen sie den Karpaltunnel am Handgelenk. Durch ihn verlaufen die Beugesehnen der Finger und der Mittelnerv.

Die Beschwerden entstehen oft durch wiederholte Bewegungen, einseitige Belastungen oder langanhaltende Fehlhaltungen. Arbeiten mit ständig gebeugtem Handgelenk oder unbewusster Druck können ebenfalls eine Rolle spielen.

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Symptome eines eingeklemmten Nervs

Ein eingeklemmter Nerv macht sich oft plötzlich bemerkbar. Typische Anzeichen sind:

  • Schmerzen: Das Spektrum reicht von einem dumpfen, langsam zunehmenden Druckgefühl bis hin zu plötzlich einschießenden, brennenden oder stechenden Schmerzen. Meist macht sich ein eingeklemmter Nerv durch Schmerzen oder ein Kribbeln bemerkbar.
  • Empfindungsstörungen (Parästhesien): Kribbeln, Taubheitsgefühle oder das bekannte „Einschlafen“ von Gliedmaßen sind typische Anzeichen. Es fühlt sich an, als wäre ein Arm oder Bein „eingeschlafen“. Sensibilitätsstörungen in den angrenzenden Körperteilen können ebenfalls auftreten.
  • Funktionsausfälle: Bleibt ein Nerv über längere Zeit unter Druck, kann die Signalübertragung zur Muskulatur gestört sein. Die Folge: Muskelschwäche oder vorübergehende Lähmungserscheinungen oder Muskelschwäche, die sich meist wieder zurückbilden, sobald sich der Nerv erholt.
  • Weitere Symptome: Sind besonders empfindliche Nerven - beispielsweise im Bereich der Halswirbelsäule - eingeklemmt, können durch die gestörte Signalübertragung zum Gehirn zusätzliche Symptome wie Schwindel oder Erbrechen auftreten. Verspannungen im Bereich der Brustwirbelsäule werden häufig nicht als solche wahrgenommen. Stattdessen werden eher die teilweise beträchtlichen Begleiterscheinungen bemerkt, die Muskelverspannungen im mittleren Rücken verursachen können, wie z. B. Magenschmerzen und -beschwerden oder Sehstörungen. Eine Verspannung im unteren Rücken wiederum kann sich auf die Darmtätigkeit auswirken.

Diagnose eines eingeklemmten Nervs

Zunächst erfolgt eine gründliche Anamnese und körperliche Untersuchung durch einen Neurologen oder Orthopäden. Die Symptome eines eingeklemmten Nervs lassen sich in der Regel leicht erkennen. Zunächst versucht der Arzt oder die Ärztin die Ursachen mit Fragen und einer körperlichen Untersuchung herauszufinden. Eine wichtige Methode ist auch zu messen, wie leitfähig der betroffene Nerv ist.

Provokationstests wie das Hoffmann-Tinel-Zeichen oder der Phalen-Test helfen dabei, einen eingeklemmten Nerv zu diagnostizieren. Durch gezielte Bewegungen oder leichten Druck auf den betroffenen Bereich können typische Symptome wie Schmerzen, Kribbeln oder Taubheitsgefühle ausgelöst oder verstärkt werden.

Um sicherzustellen, dass kein anderes Problem vorliegt, kann eine Röntgenaufnahme bzw. ein MRT (Magnetresonanztomographie) Klarheit schaffen.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung eines eingeklemmten Nervs ist so vielfältig wie die Ursachen. Ein eingeklemmter Nerv sollte von einem Neurologen untersucht werden, um den Schweregrad zu bestimmen und entsprechende Therapieverfahren vorzuschlagen.

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Konservative Behandlung

  • Schonung und Ruhigstellung: Die betroffenen Stellen sollte zunächst geschont werden, besonders wenn der Nerv im Rücken, Nacken oder Schulterbereich betroffen ist. Unnatürliche Schonhaltungen und ruckartige Bewegungen sollten möglichst vermieden werden. Schonung und Ruhigstellung können durch Schonung und Ruhigstellung (z. B. Hand (z. B. Rücken (z. B.
  • Schmerzmittel und Entzündungshemmer: Ärzte verschreiben oft entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente. Schmerzstillende oder entzündungshemmende Medikamente können darüber hinaus helfen, wenn Sie sich einen Nerv im Rücken geklemmt haben.
  • Wärmebehandlung: Wärme hilft, verspannte Muskulatur zu lockern und den eingeklemmten Nerv zu entlasten.
  • Massage und Gymnastik: Eine professionelle Massage oder sanfte Gymnastik wie Yoga können helfen, Verspannungen zu lösen und die Muskulatur zu lockern. Achten Sie darauf, dass die Übungen die Schmerzen nicht verstärken, sondern den Heilungsprozess unterstützen.
  • Physiotherapie: Gerade bei einem leichten Bandscheibenvorfall oder einer Spinalkanalstenose können physiotherapeutische Maßnahmen und Rückenschule helfen, die Symptome zu lindern und die Mobilität zu verbessern. Eine schonende Physiotherapie kann helfen, die Symptome zu lindern und eine OP zu verhindern.
  • Periradikuläre Therapie (PRT): Bei Bandscheibenvorfällen kann eine PRT-Spritze sinnvoll sein. Dabei wird eine dünne Nadel vorsichtig an die komprimierte Nervenwurzel vorgeschoben. Die korrekte Lage wird durch eine Computertomografie kontrolliert. Liegt die PRT-Spritze richtig, werden Entzündungshemmer und Schmerzmittel injiziert. Nach mehreren Sitzungen dieses aufwändigen Verfahrens wird meist eine Schmerzreduktion erreicht. Oft kann so eine Operation des Bandscheibenvorfalls vermieden werden.

Operative Behandlung

Operative Maßnahmen kommen infrage, wenn die Beschwerden trotz konservativer Behandlung bestehen bleiben. In diesen Fällen ist oft eine operative Entlastung erforderlich, um eine Verschlechterung zu verhindern. Umso wichtiger ist es, den richtigen Zeitpunkt für eine Operation nicht zu verpassen.

Bei einem Bandscheibenvorfall kann beispielsweise ein minimalinvasiver Eingriff durchgeführt werden, um den Druck auf den betroffenen Nerv zu verringern und die Nervenwurzeln zu entlasten. Ist der Bandscheibenvorfall bereits schwerer, kann eine OP beispielsweise durch minimalinvasive Verfahren erfolgen.

Facettendenervation

Bei Rückenschmerzen, die wahrscheinlich von den Facettengelenken ausgehen, kommt eine Facettendenervation infrage. Dabei werden die Nerven am Wirbelgelenk verödet, die den Schmerz an das Gehirn weiterleiten.

  • Ablauf: Für den Eingriff werden feine Hohlnadeln (Kanülen) in den Rücken gestochen. Über die Kanülen wird eine kleine Sonde an die betroffenen Nervenäste geführt. Mit der Sonde überträgt die Ärztin oder der Arzt entweder Hitze zwischen 45 und 80 Grad (Thermokoagulation oder Radiofrequenzdenervation) oder Kälte zwischen minus 20 und minus 60 Grad (Kryodenervation).
  • Wirksamkeit: Studien liefern Hinweise darauf, dass eine Facettendenervation Schmerzen über einen Zeitraum von etwa vier Wochen lindern kann. Längerfristig zeigte sich allerdings kein Vorteil.
  • Risiken: Nach einer Facettenblockade als auch nach einer Facettendenervation kann die Einstichstelle schmerzen und es kann zu kleinen Blutergüssen in der Haut kommen. Die umliegende Haut kann für einige Tage bis wenige Wochen druckempfindlich sein und taub werden, kribbeln oder jucken. Manchmal ist die Beweglichkeit etwas eingeschränkt, weil das erhitzte Gewebe gereizt ist. Die verödeten Nerven können sich vorübergehend entzünden, was sich ähnlich anfühlt wie ein Sonnenbrand. Um dies zu vermeiden, wird nach der Verödung manchmal etwas Kortison an die Nerven gespritzt. Die Verödung kann diese Muskeln und die Bandscheiben daher etwas schwächen. Meist hat dies keine gesundheitlichen Folgen. Es ist aber nicht ganz auszuschließen, dass dadurch die Wirbelsäule instabiler wird. Wenn bei der Behandlung versehentlich eine Nervenwurzel erhitzt wird, kann es vorübergehend zu Beinschmerzen, einem Schwächegefühl oder Taubheit in den Beinen kommen.

Rückenmarkstimulation (Neuromodulation)

Bei der Neuromodulation sendet ein kleines, unter der Haut liegendes Gerät elektrische Impulse an das Rückenmark. So können Rückenschmerzen gelindert werden.

  • Ablauf: Die Elektroden werden unter örtlicher Betäubung über eine Nadel in den Epiduralraum der Wirbelsäule eingeführt. Der Epiduralraum ist der Raum außerhalb der Rückenmarkshaut. Rückenmark platziert,dass der gesamte schmerzhafte Bereich abgedeckt ist. Die Elektroden sind mit dem Impulsgenerator verbunden, der in räumlicher Nähe unter der Hautoberfläche eingesetzt wird.
  • Wirkung: Durch diese Stimulationen wird das betroffene Nervengewebe so gereizt, dass die eigentlichen Schmerzsignale überlagert werden.
  • Geeignet für: Die Methode ist vor allem für die Patienten geeignet, deren Rückenschmerzen oder Ischiasschmerzen durch eine Operation nicht gelindert werden konnten (Failed-Back-Surgery-Syndrom), dauerhafte, quälende Nervenschmerzen nach Nervenschädigungen oder bei Erkrankungen wie dem Morbus Sudeck, nach einer Gürtelrose oder im Rahmen einer diabetischen Polyneuropathie. Außerdem wird die Methode zur Behandlung von Patienten mit schweren Durchblutungsstörungen eingesetzt, bei denen Medikamente oder Gefäßoperationen nicht geholfen haben.
  • Vorteile: Viele Patienten berichten von einer deutlichen Schmerzlinderung, z.T. 50 bis zu 80 %. Viele können im Zuge dessen ihre Schmerzmedikamente stark reduzieren. Ein weiterer Vorteil ist, dass kein Nervengewebe zerstört wird und das Verfahren damit reversibel ist.
  • Nachteile: Nach der Implantation kann es zu Komplikationen mit dem Gerät kommen. So kann der Impulsgenerator ausfallen, ein Kabel brechen oder sich die Elektrode verlagern. Bei manchen Patienten kommt es durch die Stimulation zu unangenehmen Empfindungen wie Kribbeln oder Ameisenlaufen. In einigen Fällen lässt eine zunächst gute Wirkung relativ schnell wieder nach.

Wie lange dauert die Heilung?

Die Dauer der Beschwerden hängt von der Ursache der Nervenkompression ab. Bei kurzzeitigem Druck kann sich der Nerv vollständig regenerieren - oft innerhalb weniger Wochen. Je länger der Druck andauert, desto größer ist die Gefahr bleibender Schäden. Bei Verspannungen heilt der eingeklemmte Nerv in der Regel von selbst.

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Grundsätzlich kann es sein, dass sich die neurologischen Ausfälle nach einer Operation nicht vollständig legen.

Prävention von Nervenkompressionen

Mit gezielten Maßnahmen lässt sich das Risiko einer Nervenkompression deutlich reduzieren:

  • Ergonomie am Arbeitsplatz: Eine ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes hilft, eingeklemmten Nerven vorzubeugen. Bei sitzenden Tätigkeiten im Büro sind eine aufrechte Haltung, passende Stühle und Tische sowie Hilfsmittel wie Handauflagen sinnvoll.Wer überwiegend steht, profitiert von gut gedämpften Schuhen und regelmäßigen Pausen zur Entlastung der Gelenke. Beim Heben schwerer Lasten sollte die Kraft aus den Beinen kommen, um den Rücken zu schonen.
  • Regelmäßige Bewegung: Körperliche Aktivität beugt Verspannungen vor und stärkt die Muskulatur. Besonders geeignet sind Sportarten mit kontinuierlichen Bewegungsabläufen, wie Schwimmen, Radfahren oder Yoga.
  • Stressmanagement: Muskelverspannungen können durch Stress begünstigt werden. Entspannungsverfahren wie die Progressive Muskelrelaxation (PMR) können unterstützend helfen, um Muskelverspannungen zu lösen und Stress zu senken.
  • Übergewicht reduzieren: Ein gesundes Körpergewicht entlastet die Wirbelsäule und verhindert zusätzlichen Druck auf Nerven.
  • Vermeiden Sie Haltungen oder wiederholende Tätigkeiten, bei denen es zu solchen Druckschäden kommen kann.

Was tun bei akuten Beschwerden?

  • Vermeiden Sie schmerzhafte Bewegungen nicht vollständig und gehen Sie nicht in eine unnatürliche Schonhaltung. Dies bewirkt sonst oft, dass Sie auch weitere Muskelpartien übermäßig beanspruchen.
  • Bei stark verspannter Muskulatur hilft häufig eine sanfte Gymnastik, Yoga oder eine Massage.
  • Schonende Wärme kann helfen, die Verspannung zu lösen und den eingeklemmten Nerv zu entlasten.

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