Augenklinik Erlangen: Interdisziplinäre Zusammenarbeit in Neurologie und darüber hinaus

Das Universitätsklinikum Erlangen hat sich als ein Zentrum für interdisziplinäre Zusammenarbeit etabliert, insbesondere im Bereich der Neurologie und Augenheilkunde. Diese Kooperation ermöglicht eine umfassende Patientenversorgung und innovative Forschung, die neue Therapieansätze hervorbringt.

Post-COVID-Zentrum: Eine interdisziplinäre Anlaufstelle

Das am Universitätsklinikum Erlangen eingerichtete Post-COVID-Zentrum ist ein Paradebeispiel für diese interdisziplinäre Zusammenarbeit. Hier arbeiten die Augenklinik (Prof. Dr. Friedrich E. Kruse), die Medizinische Klinik 3 - Rheumatologie & Immunologie (Prof. Dr. med. univ. Georg Schett) sowie die Psychosomatik (Prof. Dr. (TR) Yesim Erim) eng zusammen, um Patienten mit schweren und komplexen Nachwirkungen von COVID-19 zu behandeln. Die direkte Patientenversorgung erfolgt durch Spezialisten wie Dr. Johannes Krehbiel, Dr. Friederike Fuchs, PD Dr. Jürgen Rech und Prof. Dr. Christian Mardin. Das Zentrum zielt darauf ab, die Folgen einer COVID-19-Erkrankung besser zu verstehen und wirksame Therapien zu entwickeln.

Behandlung von Long-COVID-Symptomen mit BC 007

Ein bemerkenswertes Beispiel für den Erfolg dieser interdisziplinären Zusammenarbeit ist die Behandlung von Long-COVID-Patienten mit dem Medikament BC 007. Nachdem die Augenklinik des Universitätsklinikums Erlangen Anfang Juli den weltweit ersten erfolgreichen Heilversuch bei einem 59-jährigen Long-COVID-Patienten verkündet hatte, konnten auch zwei weitere Patienten dank BC 007 auf dem Weg der Besserung unterstützt werden.

Die behandelten Patienten litten unter verschiedenen Symptomen wie massiver Abgeschlagenheit, Gleichgewichtsstörungen, Koordinations-, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen sowie "Brain Fog". PD Dr. Dr. Bettina Hohberger erklärte, dass nach einer COVID-19-Erkrankung spezielle Autoantikörper im Blut zirkulieren, die den eigenen Organismus schädigen und die Durchblutung beeinträchtigen können. BC 007, ursprünglich für Patienten mit schweren Herzerkrankungen entwickelt, neutralisiert diese schädlichen Autoantikörper und verbessert die retinale Mikrozirkulation, was mithilfe der Optischen Kohärenztomografie-Angiografie (OCT-A) nachgewiesen werden konnte.

Die Erfolge dieser Behandlungen sind vielversprechend. Ein Patient berichtete von der Rückkehr seiner körperlichen, kognitiven und psychischen Leistungsfähigkeit, während eine andere Patientin eine deutliche Verbesserung ihrer neurologischen Symptome feststellte.

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Forschung zur Netzhautdurchblutung bei Long-COVID

Im Rahmen der ReCOVer-Studie hatten Ärzte der Augenklinik sowie der Medizinischen Klinik 1 und 3 des Uni-Klinikums Erlangen herausgefunden, dass Patienten nach einer COVID-19-Erkrankung eine deutlich eingeschränkte Durchblutung der Netzhaut aufweisen. Die Forscher vermuten, dass diese veränderte Durchblutung nicht auf das Auge begrenzt ist, sondern den gesamten Körper betrifft. BC 007 scheint zu einer besseren Durchblutung und damit zum Abklingen der Long-COVID-Beschwerden zu führen. Die genauen Wirkmechanismen sollen in Zukunft noch genauer erforscht werden.

Entwicklung innovativer Therapien für Netzhautdystrophie

Ein weiteres Beispiel für die erfolgreiche Forschung an der Augenklinik ist die Entwicklung innovativer Verfahren zum Monitoring von Therapien für erbliche Netzhautdystrophien. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert in einem Schwerpunktprogramm Experten aus der Sehforschung und der klinischen Ophthalmologie, darunter auch die Forschergruppe um Prof. Jan Kremers und Dr. Cord Huchzermeyer an der FAU.

Die Erlanger Forschergruppe erhält eine Förderung von 400.000 Euro, um einen wichtigen Beitrag bei der Entwicklung innovativer Verfahren zum Monitoring der neu entwickelten Therapien zu leisten. Das Schwerpunktprogramm SPP 2127 "Gen- und zellbasierte Therapien zur Behandlung von neuroretinaler Degeneration" ist interdisziplinär ausgerichtet und besteht aus einem deutschlandweiten Konsortium von Wissenschaftlern aus verschiedenen Bereichen.

Die Erlanger Forschergruppe nutzt dabei Sehtests, mit denen die visuelle Wahrnehmung unter sehr genau beschriebenen Bedingungen untersucht wird. Diese Technik ermöglicht es, die Aktivitäten der Sehzellen und deren nachgeschalteten Nervenzellen nach Zelltyp getrennt zu messen. Die Ergebnisse dieser Forschung sollen in die Grundlagenforschung eingebunden werden, um eine noch bessere Beschreibung der Funktion der Netzhaut zu erhalten.

Zentrum für Physik und Medizin (ZPM)

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit in Erlangen wird durch das neue Zentrum für Physik und Medizin (ZPM) weiter gestärkt. Vertreter der Max-Planck-Gesellschaft, der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und des Universitätsklinikums Erlangen haben einen Kooperationsvertrag für das Projekt unterzeichnet, das die Bayerische Landesregierung mit 60 Millionen Euro fördert.

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Das ZPM soll eine neue Abteilung des Max-Planck-Instituts für die Physik des Lichts, zwei neue Lehrstühle für Biophysik und Mathematik in den Lebenswissenschaften, den neu zu besetzenden Lehrstuhl für Medizinische Physik der FAU sowie fünf weitere Forschungsgruppen beherbergen. Das geplante Gebäude zwischen den Kopfkliniken mit den Fächern Neurologie, Psychiatrie, Neurochirurgie sowie der Augenklinik und dem Internistischen Zentrum gewährleistet kurze Wege und engen Austausch zwischen Forschung und Klinik.

Das Praktische Jahr (PJ) in der Augenklinik

Die Augenklinik des Universitätsklinikums Erlangen bietet Medizinstudierenden die Möglichkeit, das Praktische Jahr (PJ) zu absolvieren. Es gibt eine Rotationsliste, die einen Einblick in verschiedene Bereiche der Klinik ermöglicht, darunter Station, OP, Laser/Sehschule und Ambulanz. Die Rotation kann an die eigenen Wünsche angepasst werden.

Im PJ können Studierende praktische Erfahrungen sammeln, beispielsweise bei Blutentnahmen, der Anlage von PVKs und der Assistenz bei Operationen. Die Assistenzärzte sind in der Regel sehr nett, aber oft überarbeitet, sodass wenig Zeit zum Erklären bleibt. In der Ambulanz können die Studierenden relativ viel selbstständig machen und lernen.

Neuroophthalmologie: Die Schnittstelle zwischen Auge und Gehirn

Ein weiterer wichtiger Bereich der Augenklinik ist die Neuroophthalmologie. Diese befasst sich mit Erkrankungen, die durch Störungen des Nervensystems zu Störungen im Bereich der Augen führen. Das Patientenkollektiv umfasst dabei alle Altersstufen, vom Neugeborenen bis ins hohe Alter.

Die Sektion für Strabologie und Neuroophthalmologie bietet umfassende Therapien nach neuesten Standards in Kooperation mit verschiedenen weiteren Fachdisziplinen. Zu den Schwerpunkten der Sektion zählen Schielen, Augenbewegungsstörungen, Augenzittern, Kopfschiefhaltungen und Pupillenstörungen.

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Zur Diagnostik werden standardmäßig Sehschärfenprüfung, Untersuchung der Pupillenreaktion, Untersuchung von Augenstellung, Augenbeweglichkeit und räumlichen Sehen durchgeführt. Je nach Fragestellung werden weitere Untersuchungen wie Gesichtsfelduntersuchung, Untersuchung des Sehnervens mittels OCT, Untersuchung des Sehnervens und der vorderen Augenhöhle mittels Sonographie sowie medikamentöse Pupillentestung ergänzt.

Orthoptik: Spezialisten für Sehstörungen

Die Orthoptik, früher als Sehschule bezeichnet, kümmert sich um die Untersuchung und Therapie aller möglicher Formen von Schielen, Augenbewegungsstörungen, Kopfschiefhaltungen und Augenzittern. Hochspezialisierte Orthoptistinnen und Orthoptisten führen eine ausführliche Diagnostik durch und entscheiden dann, ob eine konservative Therapie (z.B. Ausgleich mittels Prismen, Okklusionsbehandlung mit Augenpflastern) oder eine operative Therapie notwendig ist.

Weitere Serviceleistungen des Universitätsklinikums Erlangen

Das Universitätsklinikum Erlangen bietet eine Vielzahl weiterer Serviceleistungen für Patienten und deren Angehörige. Dazu gehören:

  • Sozialdienst: Der Sozialdienst bietet sozialrechtliche Beratung und psychosoziale Betreuung der Patientinnen und Patienten an. Er unterstützt bei der Anbahnung von medizinischer Rehabilitation und der Vermittlung in ambulante und stationäre Nachsorge.
  • Barrierefreiheit: Das Klinikum ist barrierefrei und verfügt über rollstuhlgerechte Sanitäranlagen und einen rollstuhlgerechten Zugang zu Serviceeinrichtungen.
  • Service für Patienten aus dem Ausland: Das Klinikum bietet fremdsprachiges Personal, das Albanisch, Englisch, Farsi, Französisch, Griechisch, Hindi und Punjabi, Italienisch, Koreanisch, Polnisch, Portugiesisch, Russisch, Spanisch, Tschechisch, Türkisch, Ukrainisch und Ungarisch spricht.
  • Ronald McDonald-Häuser: Für Eltern, die zur Behandlung ihres Kindes weit anreisen müssen, besteht die Möglichkeit der Unterbringung in einem der Ronald McDonald-Häuser.

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