Nervenstimulation nach Implantat-OP: Innovative Ansätze zur Schmerzlinderung

Chronische Schmerzen, insbesondere Rückenschmerzen, stellen für viele Betroffene eine erhebliche Belastung dar. Sie schränken nicht nur die Lebensqualität ein, sondern können auch zu einer Abhängigkeit von Schmerzmitteln führen, die wiederum unerwünschte Nebenwirkungen verursachen können. Glücklicherweise gibt es innovative Methoden zur Schmerzlinderung, wie die Nervenstimulation, die eine vielversprechende Alternative oder Ergänzung zu herkömmlichen Behandlungen darstellt.

Grundlagen der Neuromodulation

Die Nervenstimulation, auch Neuromodulation genannt, ist eine Methode, bei der elektrische Impulse eingesetzt werden, um die Schmerzweiterleitung im Nervensystem zu beeinflussen. Dabei werden Schmerzsignale, die von der Haut oder dem Körperinneren zum Gehirn geleitet werden, gestört oder verringert. Dies geschieht durch die Stimulation von Nervengewebe, wodurch die eigentlichen Schmerzsignale überlagert werden. Die meisten Patienten empfinden diese Stimulation als angenehm.

Rückenmarkstimulation (SCS)

Eine häufig angewandte Form der Neuromodulation ist die Rückenmarkstimulation (SCS), auch epidurale Rückenmarkstimulation genannt. Bei diesem Verfahren wird ein kleines Gerät, ein sogenannter Schmerzschrittmacher, unter die Haut implantiert, das elektrische Impulse an das Rückenmark sendet. Diese Impulse dämmen die Schmerzleitung im Rückenmark ein und können so Rückenschmerzen lindern. In Deutschland sind bereits viele Patienten mit diesem System versorgt.

Periphere Nervenfeldstimulation (PNFS)

Eine weitere Form der Nervenstimulation ist die Periphere Nervenfeldstimulation (PNFS). Sie wird vor allem bei lokal begrenzten, chronischen Schmerzen eingesetzt, meist im Bereich des Rückens. Bei der PNFS werden feine Elektroden, knapp unterhalb der Haut (subkutan) in das betroffene Areal implantiert und mit einem Generator verbunden, der elektrische Impulse generiert. Diese Impulse werden an die Elektroden weitergeleitet und an die peripheren Nerven abgegeben. Infolgedessen wird die Schmerzweiterleitung der Nerven gehemmt und überlagert.

Okzipitale Nervenstimulation (ONS)

Die Okzipitale Nervenstimulation (ONS) ist eine neuromodulatorische Therapie, die vor allem zur Behandlung von chronischen Kopfschmerzen, insbesondere von Clusterkopfschmerzen und Migräne, eingesetzt wird. Sie basiert auf der Stimulation der Nerven im Bereich des Nackens, insbesondere des okzipitalen Nervs, um die Schmerzwahrnehmung zu modulieren und die Schmerzintensität zu reduzieren.

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Funktionsweise der Rückenmarkstimulation

Die Schmerzweiterleitung erfolgt über sensible Nerven, das Rückenmark und den Thalamus zu bestimmten Gebieten des Gehirns. Dort werden Schmerzen bewusst wahrgenommen und emotional bewertet. Die Rückenmarkstimulation greift in diesen Prozess ein, indem sie elektrische Impulse an das Rückenmark sendet.

Komponenten und Implantation

Für die Neuromodulation sind folgende Komponenten erforderlich:

  • Impulsgeber mit Elektroden
  • Fernbedienung

Die Elektroden werden unter örtlicher Betäubung über eine Nadel in den Epiduralraum der Wirbelsäule eingeführt. Der Epiduralraum ist der Raum außerhalb der Rückenmarkshaut. Die Elektroden werden so platziert, dass der gesamte schmerzhafte Bereich abgedeckt ist. Sie sind mit dem Impulsgenerator verbunden, der in räumlicher Nähe unter der Hautoberfläche eingesetzt wird.

Testphase und Implantation des Impulsgebers

Vor der endgültigen Implantation des Impulsgebers erfolgt eine kurze Testphase. Dabei tragen die Patienten das mit den Elektroden verbundene Gerät z.B. in ihrer häuslichen Umgebung und im Alltag. Ist der Test positiv, d.h., werden die Schmerzen durch die elektronischen Impulse deutlich reduziert, steht der Implantation nichts mehr im Weg. Der Eingriff dauert etwa eine Stunde und ist mit einem kurzen stationären Aufenthalt verbunden.

Funktionsweise des Impulsgebers

Der eingepflanzte Impulsgeber sendet dann über die Elektroden dauerhaft schwachen elektrischen Strom an das betroffene Nervengewebe. Über die Fernbedienung lässt sich die Stimulationsstärke einstellen. Um elektrische Impulse abzugeben, benötigt der Impulsgeber Strom. Traditionell trägt er dafür eine nicht wiederaufladbare Batterie in sich. Die durchschnittliche Lebenszeit dieser Batterie beträgt ein bis fünf Jahre. Neuere Geräte enthalten einen Akku, den man mithilfe eines Ladegeräts von extern wieder aufladen kann. Ein Ladevorgang dauert etwa 45 bis 60 Minuten.

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Anwendungsbereiche der Nervenstimulation

Die Nervenstimulation wird in verschiedenen Bereichen eingesetzt, um chronische Schmerzen zu lindern. Dazu gehören:

  • Failed-Back-Surgery-Syndrom (FBSS): Die Methode ist vor allem für die Patienten geeignet, deren Rückenschmerzen oder Ischiasschmerzen durch eine Operation nicht gelindert werden konnten. Das FBSS wird auch als Postdiskektomie-Syndrom bezeichnet und beschreibt eine Zunahme der Schmerzen im Rücken oder im Ischiasnerv trotz Wirbelsäulenoperation.
  • Nervenschmerzen: dauerhafte, quälende Nervenschmerzen nach Nervenschädigungen oder bei Erkrankungen wie dem Morbus Sudeck, nach einer Gürtelrose oder im Rahmen einer diabetischen Polyneuropathie.
  • Durchblutungsstörungen: Die Methode wird auch zur Behandlung von Patienten mit schweren Durchblutungsstörungen eingesetzt, bei denen Medikamente oder Gefäßoperationen nicht geholfen haben.
  • Chronische Rückenschmerzen: Die PNFS wird vor allem bei lokal begrenzten, nicht-radikulären Schmerzen angewandt, bei denen bereits durchgeführte konventionelle Therapien wie Medikamente, Physiotherapie oder Operationen nicht ausreichend waren.
  • Chronische Kopfschmerzen: Die ONS wird in der Regel bei Patienten mit chronischen Kopfschmerzen eingesetzt, die auf andere Behandlungen wie Medikamente oder physikalische Therapien nicht ansprechen. Clusterkopfschmerzen sind sehr schmerzhafte, wiederkehrende Kopfschmerzattacken, die häufig hinter einem oder beiden Augen auftreten.

Vorteile der Nervenstimulation

Die Nervenstimulation bietet eine Reihe von Vorteilen gegenüber anderen Behandlungsmethoden:

  • Schmerzlinderung: Die meisten Patienten berichten von einer deutlichen Schmerzlinderung, z.T. 50 bis zu 80 %. Viele können im Zuge dessen ihre Schmerzmedikamente stark reduzieren.
  • Verbesserte Lebensqualität: chronische Schmerzpatienten manche Dinge erst wieder möglich, z. B. Stehen Tätigkeiten an, die die Rückenschmerzen verstärken, kann der Patient selbst passend dazu auch die elektrische Impulse erhöhen und danach wieder verringern.
  • Reduzierung von Schmerzmitteln: Meist können die Patienten aufgrund der Behandlung die Dosis ihrer Schmerzmittel reduzieren, manche können diese sogar ganz absetzen. Dadurch sinkt das Risiko für die oft nicht unerheblichen Nebenwirkungen.
  • Reversibilität: Ein weiterer Vorteil ist, dass kein Nervengewebe zerstört wird und das Verfahren damit reversibel ist. wiederhergestellt werden.
  • Langfristige Schmerzlinderung: Viele Patienten berichten von einer langfristigen Schmerzlinderung oder zumindest einer Reduktion der Schmerzintensität, was zu einer erheblichen Verbesserung der Lebensqualität führt.
  • Minimale Invasivität: Der Eingriff zur Implantation des Stimulators ist in der Regel relativ minimalinvasiv und erfordert keine umfangreiche Operation.
  • Anpassungsfähigkeit: Der Patient kann die Stimulation bei Bedarf anpassen, um auf Veränderungen der Schmerzintensität oder der Symptome zu reagieren.

Risiken und Einschränkungen

Trotz der vielen Vorteile gibt es auch einige Risiken und Einschränkungen bei der Nervenstimulation zu beachten:

  • Gerätekomplikationen: Nach der Implantation kann es zu Komplikationen mit dem Gerät kommen. So kann der Impulsgenerator ausfallen, ein Kabel brechen oder sich die Elektrode verlagern.
  • Missempfindungen: Bei manchen Patienten kommt es durch die Stimulation zu unangenehmen Empfindungen wie Kribbeln oder Ameisenlaufen.
  • Nachlassende Wirkung: In einigen Fällen lässt eine zunächst gute Wirkung relativ schnell wieder nach. Dann versuchen die Ärzte meist, den Stimulator anzupassen oder auszutauschen.
  • Nachsorge: Die Geräte müssen regelmäßig kontrolliert, evtl. Austausch der Batterie. Bei nicht wiederaufladbaren Systemen ist nach einigen Jahren ein Austausch der Batterie erforderlich. Das bedeutet einen weiteren Eingriff.
  • Infektionen und Wundheilungsstörungen: Wie bei allen operativen Eingriffen kann es auch bei der Implantation von Elektroden und Impulsgenerator zu Infektionen oder Störungen der Wundheilung kommen. Gleiches gilt für eine mögliche Schädigung von Nerven und Rückenmark.
  • Nicht für jeden geeignet: Nicht geeignet ist das System für Patienten, die bereits ein anderes aktives medizinisches Implantat tragen, z.B. einen Herzschrittmacher oder einen Defibrillator.

Leben mit einem Schmerzschrittmacher

Viele Patienten mit schweren chronischen Rückenschmerzen, die auf keine andere Behandlung ansprechen, erleben durch die Neuromodulation eine deutliche Reduktion ihrer Beschwerden. Stimulation an den Alltag anpassen. Stehen Tätigkeiten an, die die Rückenschmerzen verstärken, kann der Patient selbst passend dazu auch die elektrische Impulse erhöhen und danach wieder verringern.

Alltagstipps

  • Mit dem behandelnden Arzt halten.
  • Elektroden nicht verrutschen.
  • Ähnlich wie bei einem Schrittmacher müssen auch beim Rückenmarkstimulator Elektroden und Impulsgenerator anfangs optimal eingestellt und regelmäßig technisch geprüft werden.
  • bis sechs Monaten. Später können die Intervalle länger sein. Gleichzeitig wird auch die klinische Wirkung erfragt und dokumentiert.
  • Röntgen- und CT-Untersuchungen sind immer möglich. Die modernen Rückenmarkstimulatoren sind grundsätzlich auch MRT-fähig. Es kommt auf die Stärke des Magneten im MRT an (Tesla-Zahl).
  • immer darauf hingewiesen werden, dass der Betroffene ein solches System trägt.
  • Je nach Modell können Rückenmarkstimulatoren ein Signal bei Sicherheitsschleusen auslösen. Entladen wird die Batterie des Impulsgeber dadurch nicht.
  • Prinzipiell können die Geräte 24 Stunden am Tag laufen. Ob dies so genutzt wird, hängt individuell vom Patienten ab.
  • bzw. vermindern. Mit dem behandelnden Arzt muss besprochen werden, in welchen Situationen das Gerät abzuschalten ist. So sollte es z.B.
  • Der Impulsgenerator und die Kabel werden unter der Haut platziert. Dabei suchen Patient und Arzt gemeinsam die Stelle aus, die medizinisch sinnvoll und gleichzeitig am komfortabelsten und bequemsten ist.
  • Die ersten zwei Wochen nach dem Eingriff sollten Sie körperliche Belastungen so gut wie möglich vermeiden, also keine ruckartigen Bewegungen und kein schweres Heben! Wir empfehlen grundsätzlich eine sportfreie Zeit nach Entlassung aus der stationären Behandlung für eine Zeitdauer von vier Wochen.

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