Nerven senden falsche Signale: Ursachen, Symptome und Behandlungen

Das Nervensystem ist ein komplexes Netzwerk, das eine entscheidende Rolle bei der Steuerung und Koordination der Körperfunktionen spielt. Es ermöglicht uns zu denken, zu fühlen, uns zu bewegen und auf unsere Umwelt zu reagieren. Wenn Nerven falsche Signale senden, kann dies zu einer Vielzahl von Symptomen und Erkrankungen führen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Nervenfehlfunktionen.

Einführung

Nerven sind die Kommunikationswege des Körpers. Sie leiten Informationen in Form von elektrischen und chemischen Signalen zwischen dem Gehirn, dem Rückenmark und dem Rest des Körpers. Wenn diese Signale gestört werden, können verschiedene Probleme auftreten.

Ursachen für Nervenfehlfunktionen

Die Ursachen für Nervenfehlfunktionen sind vielfältig und können in verschiedene Kategorien eingeteilt werden:

1. Direkte Nervenschädigung

  • Verletzungen: Traumatische Ereignisse wie Stürze, Autounfälle oder Sportverletzungen können Nerven direkt schädigen.
  • Kompression: Eingeklemmte Nerven, beispielsweise durch Bandscheibenvorfälle oder das Karpaltunnelsyndrom, können die Nervenfunktion beeinträchtigen.
  • Entzündungen: Entzündungen der Nerven (Neuritis) können durch Infektionen, Autoimmunerkrankungen oder andere Ursachen entstehen.
  • Tumore: Tumore, die auf Nerven drücken, können deren Funktion stören.

2. Systemische Erkrankungen

  • Diabetes: Diabetes mellitus ist eine häufige Ursache für Nervenschäden, insbesondere die periphere Neuropathie. Hohe Blutzuckerwerte können die Nerven im Laufe der Zeit schädigen.
  • Alkoholmissbrauch: Übermäßiger Alkoholkonsum kann zu Nervenschäden führen, bekannt als alkoholische Neuropathie.
  • Vitaminmangel: Ein Mangel an bestimmten Vitaminen, insbesondere Vitamin B12, kann die Nervenfunktion beeinträchtigen.
  • Autoimmunerkrankungen: Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Guillain-Barré-Syndrom und Lupus können das Nervensystem angreifen und zu Nervenfehlfunktionen führen.
  • Infektionen: Bestimmte Infektionen, wie Borreliose, Herpes Zoster (Gürtelrose) und HIV, können Nervenschäden verursachen.
  • Nierenerkrankungen: Nierenerkrankungen können zu einem Ungleichgewicht von Elektrolyten und Toxinen im Körper führen, was die Nervenfunktion beeinträchtigen kann.
  • Schilddrüsenerkrankungen: Sowohl eine Über- als auch eine Unterfunktion der Schilddrüse können Nervenprobleme verursachen.

3. Toxische Einflüsse

  • Medikamente: Einige Medikamente, wie bestimmte Krebsmedikamente (z.B. Taxane), können als Nebenwirkung Nervenschäden verursachen.
  • Schwermetalle: Exposition gegenüber Schwermetallen wie Blei, Quecksilber und Arsen kann das Nervensystem schädigen.
  • Chemikalien: Bestimmte Chemikalien, die in der Industrie oder in Pestiziden verwendet werden, können neurotoxisch wirken.

4. Genetische Faktoren

  • Erbliche Neuropathien: Es gibt eine Reihe von erblichen Neuropathien, wie die Charcot-Marie-Tooth-Erkrankung, die durch genetische Defekte verursacht werden, die die Nervenfunktion beeinträchtigen.
  • Andere genetische Erkrankungen: Einige andere genetische Erkrankungen, wie die Huntington-Krankheit, können auch das Nervensystem betreffen.

5. Unbekannte Ursachen (Idiopathisch)

  • In einigen Fällen kann die Ursache für Nervenfehlfunktionen nicht identifiziert werden. Diese Fälle werden als idiopathische Neuropathien bezeichnet.

Symptome von Nervenfehlfunktionen

Die Symptome von Nervenfehlfunktionen können je nach betroffenem Nerv, Art der Schädigung und zugrunde liegender Ursache variieren. Einige häufige Symptome sind:

1. Sensibilitätsstörungen

  • Taubheitsgefühl: Verlust der Empfindung in bestimmten Körperteilen, oft in Händen und Füßen.
  • Kribbeln und Brennen: Unangenehme Empfindungen wie Kribbeln, Stechen oder Brennen, oft als "Ameisenlaufen" beschrieben.
  • Schmerzen: Nervenschmerzen (Neuralgie) können stechend, brennend, bohrend oder blitzartig sein.
  • Überempfindlichkeit: Erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Berührung oder Temperatur.
  • VerändertesTemperaturempfinden: Schwierigkeiten, zwischen warm und kalt zu unterscheiden.

2. Motorische Störungen

  • Muskelschwäche: Schwierigkeiten, Muskeln zu bewegen oder zu kontrollieren.
  • Muskelzucken: Unwillkürliche Muskelkontraktionen (Faszikulationen).
  • Muskelkrämpfe: Schmerzhafte, unwillkürliche Muskelkontraktionen.
  • Muskelschwund (Atrophie): Abnahme der Muskelmasse.
  • Lähmungen: Verlust der Fähigkeit, Muskeln zu bewegen.

3. Autonome Funktionsstörungen

  • Verdauungsprobleme: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung oder Schwierigkeiten beim Schlucken.
  • Blutdruckschwankungen: Schwindel oder Ohnmacht aufgrund von Blutdruckabfällen.
  • Herzrhythmusstörungen: Unregelmäßiger Herzschlag.
  • Schweißstörungen: Vermehrtes oder vermindertes Schwitzen.
  • Blasen- und Darmfunktionsstörungen: Schwierigkeiten beim Wasserlassen oder Stuhlgang.
  • Sexuelle Funktionsstörungen: Erektionsstörungen oder vaginale Trockenheit.

4. Spezifische Syndrome

  • Restless-Legs-Syndrom: Unangenehme Empfindungen in den Beinen, die den Drang verursachen, sie zu bewegen.
  • Karpaltunnelsyndrom: Taubheitsgefühl, Kribbeln und Schmerzen in Hand und Fingern, verursacht durch Kompression des Nervus medianus im Handgelenk.
  • Tarsaltunnelsyndrom: Kribbeln, Brennen oder Taubheitsgefühle in den Zehen und Schmerzen im Bereich des inneren Fußknöchels, verursacht durch Kompression des Nervus tibialis im Fuß.
  • Morbus Menière: Schwindelanfälle, Tinnitus und Druckgefühl im Ohr, verursacht durch eine Störung im Innenohr.
  • Guillain-Barré-Syndrom: Eine seltene Autoimmunerkrankung, die zu Muskelschwäche und Lähmungen führen kann.

Diagnose von Nervenfehlfunktionen

Die Diagnose von Nervenfehlfunktionen umfasst in der Regel eine Kombination aus:

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  • Anamnese: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte des Patienten, einschließlich der Symptome, des Beginns, der Dauer und der auslösenden Faktoren.
  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht die neurologische Funktion des Patienten, einschließlich der Sensibilität, der Muskelkraft, der Reflexe und der Koordination.
  • Neurologische Tests:
    • Elektromyographie (EMG): Misst die elektrische Aktivität der Muskeln und kann helfen, Nervenschäden zu erkennen.
    • Elektroneurographie (ENG): Misst die Geschwindigkeit, mit der elektrische Signale durch die Nerven wandern, und kann helfen, die Art und das Ausmaß der Nervenschädigung zu bestimmen.
    • Elektroenzephalographie (EEG): Zeichnet die Hirnströme auf und kann helfen, epileptische Anfälle oder andere Hirnfunktionsstörungen zu erkennen.
  • Bildgebende Verfahren:
    • Magnetresonanztomographie (MRT): Kann detaillierte Bilder des Gehirns, des Rückenmarks und der Nerven liefern und helfen, Ursachen für Nervenkompression oder Entzündungen zu identifizieren.
    • Computertomographie (CT): Kann ebenfalls Bilder des Gehirns und des Rückenmarks liefern, ist aber weniger detailliert als ein MRT.
  • Laboruntersuchungen:
    • Blutuntersuchungen: Können helfen, Ursachen für Nervenschäden zu identifizieren, wie Diabetes, Vitaminmangel, Schilddrüsenerkrankungen oder Autoimmunerkrankungen.
    • Liquoruntersuchung: Kann helfen, Infektionen oder Entzündungen des Gehirns und des Rückenmarks zu erkennen.
  • Nervenbiopsie: In seltenen Fällen kann eine Nervenbiopsie erforderlich sein, um die Ursache der Nervenschädigung zu bestimmen. Dabei wird eine kleine Gewebeprobe eines Nervs entnommen und unter dem Mikroskop untersucht.
  • Quantitative Sensorische Testung (QST): Hier werden durch verschiedene Gefühlstests an der Haut Werte ermittelt, um zu erkennen, welche Nervenfasern genau geschädigt sind und wie stark die Schädigung fortgeschritten ist.
  • Thermode: Computergesteuerte Temperaturreize werden eingesetzt, um das Temperaturempfinden exakt zu messen.

Behandlung von Nervenfehlfunktionen

Die Behandlung von Nervenfehlfunktionen zielt darauf ab, die zugrunde liegende Ursache zu behandeln, die Symptome zu lindern und die Funktion zu verbessern. Die Behandlungsmöglichkeiten können je nach Ursache und Schweregrad der Erkrankung variieren.

1. Behandlung der Grunderkrankung

  • Diabetes: Eine gute Blutzuckerkontrolle ist entscheidend, um weitere Nervenschäden zu verhindern. Dies kann durch Ernährungsumstellung, Bewegung und Medikamente erreicht werden.
  • Vitaminmangel: Die Einnahme von Vitaminpräparaten kann helfen, den Mangel zu beheben und die Nervenfunktion zu verbessern.
  • Alkoholmissbrauch: Der Verzicht auf Alkohol ist wichtig, um weitere Nervenschäden zu verhindern.
  • Autoimmunerkrankungen: Immunsuppressiva oder andere Medikamente können eingesetzt werden, um die Autoimmunreaktion zu unterdrücken und die Nervenschädigung zu reduzieren.
  • Infektionen: Antibiotika, antivirale Medikamente oder andere Medikamente können eingesetzt werden, um die Infektion zu behandeln.
  • Tumore: Operation, Strahlentherapie oder Chemotherapie können eingesetzt werden, um Tumore zu behandeln, die auf Nerven drücken.

2. Symptomatische Behandlung

  • Schmerzmittel: Schmerzmittel wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAIDs), Opioide oder Antidepressiva können eingesetzt werden, um Nervenschmerzen zu lindern.
  • Antikonvulsiva: Medikamente, die üblicherweise zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt werden, können auch bei Nervenschmerzen wirksam sein.
  • Topische Behandlungen: Cremes oder Pflaster mit Capsaicin oder Lidocain können helfen, lokale Nervenschmerzen zu lindern.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskelkraft, die Koordination und die Beweglichkeit zu verbessern.
  • Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, Alltagsaktivitäten zu erleichtern und die Lebensqualität zu verbessern.
  • Psychotherapie: Psychotherapie kann helfen, mit den emotionalen und psychologischen Auswirkungen von Nervenfehlfunktionen umzugehen.
  • TENS (Transkutane elektrische Nervenstimulation): Die Nerven werden durch Impulse aus einem speziellen Gerät so stimuliert, dass Erkrankte statt Schmerzen ein leichtes Kribbeln spüren.

3. Invasive Behandlungen

  • Injektionen: Kortikosteroide können in die Nähe von entzündeten Nerven injiziert werden, um die Entzündung zu reduzieren und die Schmerzen zu lindern.
  • Operation: In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um Nervenkompressionen zu beseitigen oder Tumore zu entfernen.
  • Nervenstimulation: Verfahren wie die Rückenmarkstimulation oder die periphere Nervenstimulation können eingesetzt werden, um Nervenschmerzen zu lindern.

4. Alternative Behandlungen

  • Akupunktur: Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur bei Nervenschmerzen helfen kann.
  • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen und die Symptome zu lindern.
  • Ernährungsumstellung: Eine gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann die Nervenfunktion unterstützen.

Prävention von Nervenfehlfunktionen

Einige Nervenfehlfunktionen können durch bestimmte Maßnahmen verhindert werden:

  • Kontrolle von Risikofaktoren: Eine gute Blutzuckerkontrolle bei Diabetes, ein moderater Alkoholkonsum und eine gesunde Ernährung können dazu beitragen, Nervenschäden vorzubeugen.
  • Schutz vor Verletzungen: Das Tragen von Schutzkleidung bei sportlichen Aktivitäten und die Vermeidung von Stürzen können helfen, Nervenverletzungen vorzubeugen.
  • Vermeidung von Toxinen: Die Vermeidung von Exposition gegenüber Schwermetallen, Chemikalien und bestimmten Medikamenten kann dazu beitragen, Nervenschäden vorzubeugen.
  • Impfungen: Impfungen gegen bestimmte Infektionen, wie Gürtelrose, können helfen, Nervenschäden vorzubeugen.

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