Die Magnetresonanztomographie (MRT) hat sich zu einer unverzichtbaren Methode in der modernen medizinischen Diagnostik entwickelt. Sie ermöglicht detaillierte Einblicke in den menschlichen Körper, ohne dabei auf schädliche Röntgenstrahlung zurückgreifen zu müssen. Besonders im Bereich der Neuroradiologie und der Zahnmedizin hat die MRT in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte gemacht. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung der MRT zur Untersuchung des Nervus alveolaris inferior, der Zähne, des Kiefers und der umliegenden Strukturen.
Einführung in die MRT-Technologie
Die Magnetresonanztomographie (MRT), auch Kernspintomographie genannt, ist ein bildgebendes Verfahren, das auf Magnetfeldern und Radiowellen basiert. Im Gegensatz zu Röntgenuntersuchungen oder der Computertomographie (CT) kommt die MRT ohne ionisierende Strahlung aus, was sie besonders für Kinder und junge Erwachsene attraktiv macht. Die MRT erzeugt hochauflösende Bilder von Weichteilgeweben, Knochen und anderen Strukturen im Körper.
Der Nervus alveolaris inferior im Fokus der MRT
Der Nervus alveolaris inferior ist ein Unterast des fünften Hirnnerven, des Nervus trigeminus. Er verläuft im Unterkiefer (Mandibula) und innerviert die unteren Seit- und Frontzähne. Die periphere MR-Neurographie ermöglicht eine hochauflösende Darstellung dieses wichtigen Nervs.
Anwendungsbereiche der MRT des Nervus alveolaris inferior
- Diagnostik von Nervenschädigungen: Die MRT kann Schädigungen des Nervus alveolaris inferior, beispielsweise durch Traumata, Entzündungen oder Tumore, sichtbar machen.
- Planung von chirurgischen Eingriffen: Vor zahnärztlichen oder kieferchirurgischen Eingriffen, insbesondere bei der Entfernung von Weisheitszähnen oder der Insertion von Implantaten, kann die MRT helfen, den Verlauf des Nervs genau zu bestimmen und so das Risiko von Nervverletzungen zu minimieren.
- Abklärung von unklaren Gesichtsschmerzen: Bei unklaren Gesichtsschmerzen, insbesondere im Bereich des Unterkiefers, kann die MRT dazu beitragen, Nervenkompressionen oder andere Ursachen zu identifizieren.
Dental-MRT: Innovative Bildgebung für Zähne und Kiefer
Die Dental-MRT ist ein innovatives MRT-Verfahren, das speziell für die hochauflösende Darstellung der Zähne, des Zahnhalteapparates und der angrenzenden Weichteil- und Knochenstrukturen entwickelt wurde. Sie bietet eine strahlenfreie Alternative zu herkömmlichen Röntgenverfahren wie der digitalen Volumentomographie (DVT).
Vorteile der Dental-MRT
- Keine Strahlenbelastung: Ein wesentlicher Vorteil der Dental-MRT gegenüber Röntgenverfahren ist, dass keine belastende Röntgenstrahlung erzeugt wird. Dies ist besonders wichtig bei Kindern und jungen Erwachsenen, bei denen das Strahlungsrisiko besonders hoch ist.
- Hochauflösende Darstellung von Weichteilgeweben: Im Gegensatz zu Röntgenverfahren kann die Dental-MRT Weichteilgewebe wie Muskulatur, Schleimhaut, Nerven und Blutgefäße detailliert darstellen. Dies ermöglicht die Erkennung von Entzündungen, Tumoren und anderen Erkrankungen, die mit Röntgenaufnahmen möglicherweise nicht sichtbar wären.
- Dreidimensionale Bildgebung: Die Dental-MRT ermöglicht die dreidimensionale Darstellung der Zähne und des Kiefers, was eine präzisere Diagnose und Therapieplanung ermöglicht.
- Dynamische Aufnahmen: Die Dental-MRT kann auch dynamische Aufnahmen der Kiefergelenke erstellen, um deren Bewegung filmartig darzustellen. Dies ist besonders hilfreich bei der Diagnose von craniomandibulären Dysfunktionen (CMD).
Anwendungsbereiche der Dental-MRT
- Zahnärztliche Chirurgie und Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie:
- Nachweis bzw. Ausschluss von Entzündungen an der Zahnwurzelspitze (periapikale Läsion)
- Nachweis bzw. Ausschluss einer Knochenentzündung (Osteomyelitis)
- Dreidimensionale Planung von Operationen, z.B. vor der Entfernung von Weisheitszähnen mit engem Lagebezug zum Unterkiefernerv
- Nachweis bzw. Ausschluss einer Schädigung des Unterkiefernervs
- Abklärung von unklaren Raumforderungen bzw. Tumoren im Unter-/Oberkiefer zur genauen Erfassung der Lage, Ausdehnung und Einengung der möglichen Tumorarten
- Zahnerhaltung:
- Entzündungen des Zahnbetts (Parodontitis) zur genauen Erfassung der Ausbreitung und Schwere der Erkrankung
- Bestätigung bzw. Ausschluss des Bruchs eines Zahns (Zahnfrakturen) oder in Fällen von unfallbedingter Krafteinwirkung auf einen Zahn mit sonst nicht eindeutigen Untersuchungsergebnissen
- Nach Bruch von zahnmedizinischen Instrumenten und unklarer Lage der abgebrochenen Instrumententeile im Zahn oder Zahnbett
- Kieferorthopädie:
- Nachweis, Größen- und Lagebestimmung von Zahnanlagen (z. B. bei Nichtanlagen von Zähnen)
- Darstellung von Zahnfehlstellungen, Zahnanlagen und Kieferanomalien bei Kindern und Jugendlichen
- Prothetik:
- Vor Anbringung von Kronen und Brücken, wenn Zweifel an der Gesundheit des Zahns bestehen, an dem diese befestigt werden sollen
- Implantologie:
- Implantatplanung bei deutlichen Formabweichungen des Kiefers von der normalen Norm
- Beurteilung benachbarter Strukturen zum geplanten Implantationsort, wenn diese auf zweidimensionalen Röntgenbildern nicht sicher beurteilt werden können
- Beurteilung zuvor operierter Stellen der Kieferhöhle oder bei Verdacht auf eine Erkrankung der Kieferhöhle (z. B. Nasennebenhöhlenentzündung) im Oberkiefer
- Nach unklarem Erfolg eines Knochenaufbaus
- Bei Problemen nach Implantation oder Knochenaufbau
MRT des Schädels, Halses und Rückenmarks
Neben der Untersuchung des Nervus alveolaris inferior und der Dental-MRT kann die MRT auch zur Beurteilung anderer Strukturen im Kopf-Hals-Bereich eingesetzt werden.
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MRT des Schädels
Die MRT des Schädels ermöglicht einen genauen Einblick in die Gesundheit des Gehirns. Sie kann Veränderungen und Erkrankungen am Schädel, Gehirn oder dem zentralen Nervensystem feststellen - und das ganz ohne Strahlenbelastung. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Hirnkammern und Hirnstrukturen sowie auf den umliegenden Organen wie Nasennebenhöhlen, Augenhöhlen, Ohren, Kiefer und Arterien.
Anwendungsbereiche der MRT des Schädels
- Abklärung von Kopfschmerzen und Schwindel: Die MRT ist besonders dann erforderlich, wenn nach Ursachen bei wiederkehrenden Kopfschmerzen oder Schwindelgefühlen gesucht wird.
- Diagnostik von neurologischen Erkrankungen: Eine MRT des Schädels ist immer dann erforderlich, wenn der Verdacht auf Schlaganfall, Hirntumor, Hirnhautentzündung, Hirnblutung, Demenzerkrankung oder Parkinsonerkrankung besteht.
- Lokalisation von Entzündungen und strukturellen Veränderungen: Entzündete als auch strukturelle Veränderungen können exakt lokalisiert und diagnostiziert werden.
MRT des Halses
Mittels der MRT im Halsbereich lassen sich eventuelle Schädigungen der kleinen und größeren Blutgefäße oder Einengungen der Halsgefäße darstellen. Die Untersuchung des Kopf-Hals-Bereiches erfolgt in Rückenlage auf einer Liege.
Anwendungsbereiche der MRT des Halses
- Abklärung von Gefäßerkrankungen: Die MRT im Halsbereich kommt in der Regel nur zum Einsatz, wenn bei einem Gefäßultraschall keine klaren Bilder und eine undifferenzierte Einengung der Gefäße festgestellt wurde.
- Beurteilung krankhafter Veränderungen: Neben den Strukturen des Halsbereichs können auch krankhafte Veränderungen beurteilt werden.
MRT des Rückenmarks
Als Verbindung zwischen dem Gehirn und dem Körper stellt das Rückenmark einen wichtigen Kommunikationsweg dar. Mittels der MRT des Rückenmarks können frühzeitig Bandscheibenvorfälle, Wirbelsäulenverletzungen, Tumore, Entzündungen und degenerative Erkrankungen wie die spinale Stenose diagnostiziert und anschließend behandelt werden.
Anwendungsbereiche der MRT des Rückenmarks
- Diagnostik von Bandscheibenvorfällen: Die MRT kann Bandscheibenvorfälle frühzeitig erkennen und deren Ausmaß bestimmen.
- Abklärung von Wirbelsäulenverletzungen: Nach Unfällen oder Verletzungen kann die MRT helfen, das Ausmaß der Schädigung der Wirbelsäule und des Rückenmarks zu beurteilen.
- Diagnostik von Tumoren und Entzündungen: Die MRT kann Tumore und Entzündungen des Rückenmarks frühzeitig erkennen und lokalisieren.
- Diagnostik von degenerativen Erkrankungen: Die MRT kann degenerative Erkrankungen wie die spinale Stenose frühzeitig erkennen und deren Ausmaß bestimmen.
Ablauf einer MRT-Untersuchung
Um Sie optimal auf das MRT vorzubereiten, findet vor der Untersuchung ein gesetzlich vorgeschriebenes Aufklärungsgespräch statt. Bei dem Vorgespräch erhalten Sie alle wichtigen Informationen zu der Untersuchung.
Vorbereitung
- Aufklärungsgespräch: Vor der Untersuchung findet ein ausführliches Aufklärungsgespräch statt, in dem der Ablauf, mögliche Risiken und Kontraindikationen besprochen werden.
- Entfernung von Metallgegenständen: Vor der Untersuchung müssen alle Accessoires und metallischen Gegenstände entfernt werden, wie z.B. Uhren, Piercings, Ketten, Haarspangen, Ohrringe, Gürtel, BH-Bügel und Hörgeräte.
- Informationen über Allergien und Nierenfunktionsstörungen: Falls bei Ihnen für eine bestimmte Fragestellung die Gabe eines Kontrastmittels notwendig ist, sollten bekannte Allergien gegen Kontrastmittel oder Nierenfunktionsstörung vor der Untersuchung angegeben werden.
Durchführung
- Positionierung: Für die Untersuchung liegen Sie für ca. 30 min mit dem Kopf in einer MRT-Röhre auf einer bequemen Liege. Je nach zu untersuchendem Bereich werden spezielle Spulen verwendet, die um den Kopf oder Hals angelegt werden, um die Bildqualität zu verbessern.
- Dauer: Die gesamte Untersuchung dauert ca. 1 Stunde, einschließlich Vorbereitung, Kontrastmittelgabe (falls erforderlich) und Befundbesprechung.
- Ruhe bewahren: Während der Untersuchung ist es wichtig, ganz ruhig liegen zu bleiben, da Bewegungen die Bildqualität beeinträchtigen können. Das Gerät macht laute Klopfgeräusche, was für manche Patienten unangenehm sein kann.
- Kontrastmittel: Um eine detaillierte Darstellung des Rückenmarks zu ermöglichen, kommt bei dieser Untersuchung häufig ein Kontrastmittel zum Einsatz.
Nach der Untersuchung
- Auswertung: Direkt im Anschluss der Untersuchung werden die Bilder von einem Radiologen ausgewertet, ein schriftlicher Befundbericht erstellt und die Ergebnisse dem zuweisenden Arzt binnen 3 bis 4 Werktagen übermittelt.
- Befundbesprechung: Der zuweisende Arzt bespricht die Ergebnisse mit dem Patienten, um gegebenenfalls weitere Schritte oder Behandlungen zu planen.
- Fahrtüchtigkeit: Sollten Sie kein Beruhigungsmittel für die Untersuchung in Anspruch genommen haben, sind Sie direkt nach der MRT schon wieder einsatzfähig und fahrtüchtig. Das gilt in der Regel auch nach der Injektion eines Kontrastmittels.
Kosten und Abrechnung
Die Abrechnung der MRT-Untersuchung erfolgt in der Regel anhand der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Die Kosten können je nach Umfang der Untersuchung und der Region variieren. Es ist ratsam, sich vor der Untersuchung über die zu erwartenden Kosten zu informieren und gegebenenfalls mit der Krankenkasse abzuklären, ob die Kosten übernommen werden.
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Die Rolle der MRT bei der Trigeminusneuralgie
Die Trigeminusneuralgie ist eine Schmerzerkrankung, die durch heftige, blitzartige Schmerzen im Gesicht gekennzeichnet ist. Die Ursache ist meist ein Blutgefäß, das auf den Trigeminusnerv drückt. Die MRT spielt eine wichtige Rolle bei der Diagnose und Behandlung der Trigeminusneuralgie.
Diagnostik
- Ausschluss anderer Ursachen: Die MRT kann andere Ursachen für Gesichtsschmerzen ausschließen, wie z.B. Tumore oder Entzündungen.
- Darstellung des Trigeminusnervs: Die MRT kann den Trigeminusnerv hochaufgelöst darstellen und so mögliche Kompressionen durch Blutgefäße oder andere Strukturen sichtbar machen.
Therapieplanung
- Planung von Operationen: Wenn eine Operation zur Behandlung der Trigeminusneuralgie in Erwägung gezogen wird, kann die MRT helfen, die genaue Lage des Nervs und der umliegenden Blutgefäße zu bestimmen und so die Operation zu planen.
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