Nerv eingeklemmt in der Leiste: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Leistenschmerzen sind ein häufiges Problem, das viele Menschen betrifft. Sie können sich auf unterschiedliche Weise äußern und verschiedene Ursachen haben. Geprüft von Dr. med., können Leistenschmerzen am vorderen Teil des Beckens auftreten und durch Überlastung, zu viel Sitzen oder zu wenig Bewegung verursacht werden. Es ist wichtig zu wissen, wo die Leiste genau liegt und welche Funktionen sie im Körper übernimmt, um die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten besser zu verstehen.

Anatomie und Funktion der Leiste

Die Leiste befindet sich in einer Zwischenposition zwischen dem unteren Teil der Bauchwand und verbindet das Becken mit dem Oberschenkel. In der Leistengegend (Regio inguinalis) laufen weitere anatomische Strukturen zusammen, wodurch sie die Funktion des aktiven Verbindens übernimmt. Die Leiste stützt den Inhalt der gesamten Bauchhöhle, einschließlich Organe wie Leber, Bauchspeicheldrüse, Milz, Darm und Magen.

Aufgrund der Verbindung zu anderen Körperbereichen und Gewebestrukturen können Schmerzen in der Leiste in umliegende Bereiche ausstrahlen. Häufig ist verspanntes Muskel- und Fasziengewebe, das alle anatomischen Strukturen des Körpers durchzieht, der Auslöser für Schmerzen in der Leistenregion. Zu wenig Bewegung oder monotone Bewegung können dazu führen, dass sich Muskeln und Faszien verspannen und verkleben.

Ursachen von Leistenschmerzen

Leistenschmerzen können verschiedene Ursachen haben, darunter:

1. Muskelverspannungen und fasziale Überspannungen

Die häufigste Ursache für Leistenschmerzen ist verspanntes Muskel- und Fasziengewebe. Langes Sitzen, monotone Bewegungen und eine schlechte Haltung können dazu führen, dass sich Muskeln und Faszien im vorderen Körperbereich verkürzen und verspannen. Dies führt zu Gegenspannungen, die die Flächen der Gelenke und Wirbelkörper stark aufeinanderpressen. Die Leiste hat eine wichtige Stützfunktion im unteren Bereich des Körpers und ist von den umgebenden Strukturen wie Bauch, Becken, Rücken, Oberschenkel, Schambein und Hüftgelenk abhängig.

Lesen Sie auch: Diagnose von Schmerzen an der Außenseite des Knies

Überspannungen in den Oberschenkeln, im Becken, Rücken oder in der Hüfte können ebenfalls zu Beschwerden in den Leisten führen. Muskeln, die überspannt sind, können Strukturen wie Knochen, Knorpel und Sehnen schädigen. Die Art und Intensität der Schmerzen helfen bei der Diagnose des überlasteten Bereichs und geben einen Hinweis darauf, wo Spannungen abgebaut werden müssen.

2. Sportlerleiste und Leistenzerrung

Die "Sportlerleiste" ist ein Begriff, der darauf hindeutet, dass hauptsächlich Sportler betroffen sind. Becken-, Rumpf-, Bauch- und Oberschenkelmuskulatur stehen in wechselseitiger Beziehung zueinander, nicht nur bei Bewegung. Unser moderner Alltag und die schlechte Haltung am Schreibtisch mit langen Sitzphasen lassen Muskeln und Faszien verspannen und verkleben, was in allen genannten Bereichen spürbar sein kann.

Eine Leistenzerrung ist ähnlich wie die Sportlerleiste und tritt häufig bei Sportlern auf, insbesondere bei Läufern, Fußballern und Eishockeyspielern. Sie wird durch Überbelastungen einzelner Muskelpartien und Sehnen, meistens der Adduktoren, verursacht. Im Unterschied zur Sportlerleiste sind bei einer Leistenzerrung neben den Adduktoren auch Oberschenkel und Hüfte betroffen.

3. Leisten- und Schenkelbruch (Hernie)

Bei Hernien handelt es sich um Eingeweidebrüche, bei denen Eingeweide den Leistenkanal durchbrechen und eingeklemmt werden. In Deutschland treten jährlich etwa 200.000 Neuerkrankungen auf, wobei 80 Prozent davon Leistenhernien sind. Männer sind häufiger betroffen als Frauen, die eher Schenkelbrüche erleiden.

Ein Schenkelbruch tritt knapp unterhalb des Leistenkanals am Oberschenkel auf. Aufgrund der Enge des Leistenkanals ist eine Einklemmung der Organe hier meistens schmerzhafter als beim Leistenbruch. Die Symptomatik von Schenkelbrüchen ist jedoch oft schwerer zu erkennen, da sie optisch kaum durch eine Beule erkennbar sind, sondern eher zu ertasten sind.

Lesen Sie auch: Nurvet Kautabletten Nerven: Die Inhaltsstoffe und ihre Wirkung.

4. Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft können hormonbedingte Bindegewebslockerungen im Beckenbereich zu Leistenschmerzen führen. Die Muskulatur und Bänder im Beckenboden geben im Schwangerschaftsverlauf nach und der Beckenring lockert sich. Dies kann auch im unteren Rücken (LWS-Schmerzen) und in den Lenden oder Oberschenkel-Innenseiten zu spüren sein und zu Reizungen des Iliosakralgelenks (ISG-Schmerzen, ISG-Arthrose) führen.

5. Hodenverdrehung (Hodentorsion)

Eine Hodenverdrehung ist eine Fehlstellung des männlichen Genitals, bei der sich der Samenstrang und die Blutgefäße verdrehen, sodass die Hoden nicht mehr ausreichend durchblutet werden. Eine Hodentorsion ist ein urologischer Notfall und muss frühzeitig erkannt werden.

6. Hüftprobleme

Die Hüfte hat eine stützende Funktion und stabilisiert das Becken und kontrolliert viele tägliche Bewegungen. Schmerzen, die zunächst in der Leiste auftreten, sich aber auch im Gesäß oder vermehrt in der Hüftregion bemerkbar machen, können auf eine Hüftgelenksentzündung oder eine Gelenkkapselentzündung im Hüftknochen hinweisen. In der Sportmedizin wird die Leiste immer in Verbindung mit der Hüfte gebracht, da Muskeln zusammenwirken, die die Hüfte beugen, zur Körpermitte heranziehen und strecken.

Morgendliche Anlaufschmerzen nach dem Aufstehen sowie generelle Beschwerden, die nach kurzen Ruhephasen auftreten, sind typische Anzeichen von Knorpelschäden im Hüftgelenk. Bei fortgeschrittenen Abnutzungserscheinungen (Hüftarthrose-Stadien) diagnostizieren Ärzte oft eine Hüftarthrose. Ein Impingement (Einklemmung) in der Hüfte kann ebenfalls Leistenschmerzen verursachen, wobei Bewegungen in der Hüfte sehr eingeschränkt möglich sind. In schweren Fällen kann das Absterben des Hüftkopfes auftreten.

7. Nervenkompression

Da verschiedene Nervenstränge die Leiste beziehungsweise den Leistenkanal durchziehen, können komprimierte Nerven Schmerzen auslösen. Das dicke Nervengeflecht in der Leistenregion trägt dazu bei, dass die Leiste äußerst sensibel auf Veränderungen reagiert. Schmerzen strahlen oft in den Oberschenkel oder die Hüfte aus. Ursache für diese Nervenreizung kann eine Sehnenentzündung in der Leiste sein.

Lesen Sie auch: Warum Eltern manchmal nerven

Überspannungen im Bereich der Wirbelsäule können bestimmte Nervenbahnen, beispielsweise den Ischiasnerv in der Lendenwirbelsäule, so stark einengen, dass die Signalübertragung beeinträchtigt ist. Taubheitsgefühle und Lähmungserscheinungen, Nervenwurzelentzündungen und Verengungen des Spinalkanals können unmittelbare Auswirkungen auf den Leistenbereich haben.

Ein spezifisches Beispiel ist die Meralgia paraesthetica, bei der der Nervus cutaneus femoris lateralis, ein rein sensibler Hautnerv, unter dem Leistenband komprimiert wird. Dies führt zu Gefühlstörungen mit Taubheit, Kribbeln und schmerzhaften Missempfindungen im Bereich der Oberschenkelaußenseite.

8. Entzündungen

Entzündungen können sich durch Schmerzen in der Leiste äußern, manchmal auch durch angeschwollene Lymphknoten. Betroffene können Beschwerden jedoch auch als Oberschenkelschmerzen wahrnehmen. Eine Sehnenentzündung an der Innenseite der Oberschenkel kann sich vordergründig als Schmerz in der Leiste äußern. Die Adduktoren sind gerade an ihren Ansätzen durch zu hohe Zugspannungen schnell überspannt. Eine Schambeinentzündung kann ebenfalls Schmerzen in der Schambeinregion mit Ausstrahlung in die Leiste verursachen.

9. Erkrankungen des Intestinaltrakts

Erkrankungen des Intestinaltrakts, etwa Harn- und Nierensteine, können sich ungünstig auf die Leiste auswirken. Schmerzen treten dann oft akut auf und strahlen in die Leiste aus. Hinzu kommen mitunter Schwellungen oder Verfärbungen im Leistenbereich. Auch der Hoden kann sich dahingehend verändern.

10. Fußfehlstellungen und Haltungsschäden

Fuß-Fehlstellungen und Haltungsschäden können zu einer Überbelastung der Muskeln, Sehnen und Bänder im Beckenbereich führen. Auslöser für die Schäden sind meistens Körperfehlhaltungen im Alltag, die sich oft auf die Wirbelsäule auswirken.

Diagnose von Leistenschmerzen

Die Diagnose von Leistenschmerzen erfordert eine sorgfältige Untersuchung durch einen Arzt. Der Arzt wird nach dem zeitlichen Verlauf, der Stärke und der Art der Schmerzen fragen. Eine Ultraschalluntersuchung kann durchgeführt werden, um eine Vorwölbung des Leistenkanals zu sehen. Eine diagnostische Infiltration kann ebenfalls durchgeführt werden, um den Verdacht zu erhärten. In einigen Fällen können weitere Untersuchungen wie Röntgen, MRT oder CT erforderlich sein, um die genaue Ursache der Leistenschmerzen zu ermitteln.

Behandlung von Leistenschmerzen

Die Behandlung von Leistenschmerzen hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab. Zu den gängigen Behandlungsoptionen gehören:

1. Konservative Behandlung

  • Schmerzmittel: Schmerzmittel wie Ibuprofen können kurzfristig die Schmerzen lindern und Entzündungsprozesse hemmen.
  • Kühlpads: Die Anwendung von Kühlpads auf der betroffenen Stelle kann ebenfalls hilfreich sein.
  • Physiotherapie: Eine Physiotherapie kann helfen, Muskelverspannungen zu lösen, die Beweglichkeit zu verbessern und die Körperhaltung zu korrigieren.
  • Liebscher & Bracht Übungen: Diese Übungen können helfen, die Ursache der Schmerzen, also überspannte Muskeln und Faszien, zu bekämpfen.
  • Sportpause: Eine Sportpause und körperliche Schonung sind wichtig, um die betroffene Region zu entlasten und die Heilung zu fördern.
  • Vermeidung enger Kleidung: Das Tragen enger Hosen sollte vermieden werden, um den Nervus cutaneus femoris lateralis nicht zusätzlich zu komprimieren.
  • Gewichtsreduktion: Bei Übergewicht kann eine Gewichtsreduktion helfen, den Druck auf die Leistenregion zu verringern.

2. Operative Behandlung

In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um die Ursache der Leistenschmerzen zu beheben. Dies kann beispielsweise bei Leistenbrüchen, Schenkelbrüchen, Hüftimpingement oder Nervenkompressionen der Fall sein. Ziel der Operation ist die Verstärkung und Stabilisierung der Leistenkanalhinterwand, um die Nerven im Leistenkanal zu entlasten und somit die Ursache der Schmerzen zu beheben. Bei einer Nervenkompression kann der Nerv operativ freigelegt oder durchtrennt werden (Neurektomie).

Vorbeugung von Leistenschmerzen

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die man ergreifen kann, um Leistenschmerzen vorzubeugen:

  • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung und Sport können helfen, die Muskeln und Faszien geschmeidig zu halten und Verspannungen vorzubeugen.
  • Ergonomischer Arbeitsplatz: Ein ergonomischer Arbeitsplatz mit einem gut eingestellten Stuhl und Monitor kann helfen, eine schlechte Haltung zu vermeiden.
  • Dehnübungen: Regelmäßige Dehnübungen können helfen, die Muskeln und Faszien zu dehnen und Verspannungen zu lösen.
  • Gesunde Ernährung: Eine gesunde Ernährung kann helfen, Entzündungen im Körper zu reduzieren.
  • Vermeidung von Übergewicht: Übergewicht kann den Druck auf die Leistenregion erhöhen und Leistenschmerzen verursachen.
  • Richtige Schuhe: Das Tragen von Schuhen mit guter Unterstützung kann helfen, Fußfehlstellungen und Haltungsschäden vorzubeugen.

tags: #nerven #verklebt #leiste