Nerven wie Drahtseile: Bedeutung, Funktion und Stärkung

"Nerven wie Drahtseile haben" - ein Wunsch vieler, um in stressigen Situationen gelassen zu bleiben. Doch Nerven sind mehr als nur ein Indikator für unsere Gefühlslage oder geistige Leistungsfähigkeit. Sie steuern die Abläufe im gesamten Körper und verdienen daher eine genauere Betrachtung.

Die vielfältigen Aufgaben der Nerven

Nerven sind die "Telefonleitungen" unseres Körpers, die Informationen zwischen Gehirn und Organen vermitteln. Sie ermöglichen Muskelbewegungen und die Wahrnehmung von Sinnesreizen. Auch unbewusste Reflexe und Stoffwechselprozesse werden von ihnen reguliert.

Nervenzellen als Bausteine

Oft wird der Begriff "Nerv" fälschlicherweise mit "Nervenzelle" (Neuron) gleichgesetzt. Die Nervenzelle ist die kleinste Baueinheit, eine hochspezialisierte Zelle, die motorische oder sensorische Informationen als elektrische Impulse weiterleitet. Dendriten empfangen Signale und leiten sie an den Zellkörper weiter. Von dort gelangen die Signale über das Axon zu den synaptischen Endknöpfchen, die das elektrische Signal zur nächsten Nervenzelle oder Muskelzelle übertragen.

Aufbau eines Nervs

Ein Axon bildet zusammen mit seiner Umhüllung aus Gliazellen eine Nervenfaser. Gliazellen isolieren das Axon und sorgen für eine schnelle und störungsfreie Signalübertragung. Ein Nerv besteht aus vielen Nervenfasern, die gebündelt und von Bindegewebe umgeben sind. Dieses Bindegewebe wird in Endoneurium, Perineurium und Epineurium unterteilt. Das Endoneurium umhüllt einzelne Nervenfasern und enthält Blutgefäße zur Versorgung. Das Perineurium fasst Nervenfasern zu Bündeln (Faszikeln) zusammen und übt eine stützende Funktion aus.

Das Nervensystem: Eine komplexe Kommunikationsplattform

Das menschliche Nervensystem ist eine faszinierende Kommunikationsplattform, auf der Milliarden Nervenzellen in ständigem Austausch stehen. Das zentrale Nervensystem (ZNS) umfasst Gehirn und Rückenmark, geschützt im Schädel und Wirbelkanal. Das periphere Nervensystem (PNS) besteht aus den Teilen, die nicht zum ZNS gehören.

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Innervation: Die Versorgung von Geweben und Organen

Die Innervation, die Versorgung von Geweben und Organen durch einen Nerv, erfolgt nach zwei Prinzipien: peripher und segmental. Bei der peripheren Innervation werden Körperbereiche oder Muskeln von einem peripheren Nerv versorgt, dessen Fasern aus unterschiedlichen Rückenmarkssegmenten stammen.

Periphere Neuropathie: Wenn die Nervenleitung gestört ist

Die periphere Neuropathie ist eine Erkrankung, bei der die Reizweiterleitung der peripheren Nerven gestört ist. Sinnesreize werden vermindert, verstärkt oder gar nicht an das Gehirn weitergeleitet. Betroffene verspüren oft Missempfindungen wie Kribbeln, Nadelstechen oder Brennen in den Füßen. Es gibt viele Risikofaktoren, die zur Entstehung einer peripheren Neuropathie beitragen können.

Efferente und afferente Nervenfasern

Je nachdem, in welche Richtung die Übertragung der Nervensignale erfolgt und welchem Nervensystem die Nerven zugeordnet werden, unterscheidet die Neurobiologie zwischen efferenten bzw. afferenten sowie somatischen bzw. vegetativen Fasern. Efferente Nerven senden Signale vom ZNS zum PNS bzw. zu Organen, Muskeln und Drüsen. Afferente Nerven leiten Informationen aus der Peripherie an das ZNS weiter. Afferente Fasern teilen dem Gehirn mit, was wir hören, fühlen oder sehen.

Somatisches und vegetatives Nervensystem

Nerven des somatischen Nervensystems steuern bewusste Wahrnehmung und willkürliche Bewegungen durch die Skelettmuskulatur. Nerven des vegetativen Nervensystems kontrollieren unbewusst lebenswichtige Funktionen wie Atmung, Verdauung und Stoffwechsel. Der Sympathikus versetzt den Körper in erhöhte Leistungsbereitschaft, während der Parasympathikus diese Reaktionen dämpft und die Organfunktionen in Ruhephasen reguliert.

Das enterische Nervensystem (ENS)

Das enterische Nervensystem (ENS) ist ein komplexes Geflecht aus Nervenzellen, das den Magen-Darm-Trakt durchzieht. Es steuert die Darmbewegung und sekretorische Prozesse während der Verdauung und vermittelt Befindlichkeiten wie Völlegefühl oder Schmerzen.

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Hirnnerven: Vermittler der Sinne

Ein angenehmer Duft, leuchtende Farben oder ein leckeres Essen - um diese Erfahrungen wahrnehmen zu können, benötigen wir unsere Hirnnerven. Sie leiten die von den Sinnesorganen gewonnenen Eindrücke an das Gehirn weiter und übertragen Befehle aus dem Hirn an die Muskeln.

Die zwölf Hirnnerven sind:

I. Nervus olfactorius (Riechnerv)II. Nervus opticus (Sehnerv)III. Nervus oculomotorius (Augenbewegungsnerv)IV. Nervus trochlearis (Augenrollnerv)V. Nervus trigeminus (Drillingsnerv, bestehend aus N. ophthalmicus, N. maxillaris und N. mandibularis)VI. Nervus abducens (seitlicher Augenbewegungsnerv)VII. Nervus facialis (Gesichtsnerv)VIII. Nervus vestibulocochlearis (Hör- und Gleichgewichtsnerv)IX. Nervus glossopharyngeus (Zungen-Rachen-Nerv)X. Nervus vagus (umherschweifender Nerv)XI. Nervus accessorius (Beinerv)XII. Nervus hypoglossus (Unterzungennerv)

Spinalnerven: Verbindung zum Rückenmark

Spinalnerven treten jeweils paarig auf verschiedenen Höhen des Rückenmarks aus und verlassen den Wirbelkanal der Wirbelsäule durch Zwischenwirbellöcher. Im Hals-, Lenden- und Kreuzbeinbereich vereinigen sich die vorderen Äste der verschiedenen Spinalnerven miteinander und bilden Nervengeflechte (Plexus).

Nervenstärke: Was bedeutet das und wie kann man sie fördern?

"Nerven wie Drahtseile" beschreiben eine äußerst belastbare und widerstandsfähige psychische Konstitution. Jemand mit starken Nerven bleibt in stressigen Situationen gelassen und besonnen, kann unter Druck konzentriert arbeiten und seine Leistungsfähigkeit aufrechterhalten.

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Nervenstärke ist nicht angeboren

Starke Nerven sind nicht angeboren, sondern entwickeln sich durch Lebenserfahrungen und können aktiv beeinflusst und gestärkt werden. Wer im Alltag stetig psychischen Belastungen ausgesetzt ist, sollte versuchen, seine Nerven langfristig und dauerhaft zu stärken. Negative Erfahrungen in der Kindheit können dazu führen, dass Situationen als bedrohlicher eingestuft werden, was Stress auslöst und Kraft kostet.

Tipps für starke Nerven

Um in angespannten Situationen gelassen zu bleiben, ist es wichtig, in ruhigeren Zeiten Kraft zu tanken und die Nerven zu stärken.

  • Regelmäßige körperliche Bewegung: Wirkt positiv auf Körper und Nervensystem, besonders in der Natur.
  • Entspannungstechniken: Yoga, Meditation und progressive Muskelentspannung verbessern das Stressempfinden.
  • Atemtechniken: Fördern mentale Stabilität, bereits mehrmaliges tiefes Durchatmen kann in akuten Stresssituationen helfen.
  • Power Nap: Ein kurzer "Minutenschlaf" schafft Erholung und neue Kraft.
  • Zeit für sich selbst: Aktivitäten, die Freude bereiten, stärken die Nerven.
  • Selbstwertgefühl stärken: Eigene Stärken erkennen und vertrauen.
  • Realistische Ziele setzen: Erleichtern das Erreichen von Erfolgen.

Nervennahrung: Die richtige Ernährung für starke Nerven

Auch die Ernährung hat einen Einfluss auf unser Nervensystem. B-Vitamine, insbesondere Vitamin B12, sind wichtig für den Schutz und die Regeneration der Nervenzellen. Auch die Vitamine C, B1, B2, B9 (Folsäure) sowie Magnesium liefern viel Energie für die Nerven und fördern die Konzentrationsfähigkeit. Sie stecken vor allem in Nüssen, getrockneten Früchten, Rapsöl, Fisch, Paprika, Kakao, Avocados und Hülsenfrüchten.

Wann zum Arzt?

Bei häufiger Überbeanspruchung der Nerven sollte man sich nicht scheuen, einen Arzt aufzusuchen, um hilfreiche Tipps und Behandlungsempfehlungen zu erhalten.

Weitere Unterstützung für starke Nerven

Die AOK Sachsen-Anhalt bietet beispielsweise Gesundheitskurse mit dem Schwerpunkt Entspannung und Laufschulen an. Inspirationen für gesunde Rezepte finden sich unter dem Motto "Schneller als Fastfood". Auch BioProphyl bietet Produkte wie Innere Ruhe zur Unterstützung von Ausgeglichenheit und Entspannung an.

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