Einführung
Nervenerkrankungen können vielfältige Ursachen haben, darunter auch Infektionen. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Infektionen und der Entstehung von Nervenerkrankungen, insbesondere im Kontext der chronisch inflammatorisch demyelinisierenden Polyneuropathie (CIDP) und Polyneuropathie.
Was ist eine Polyneuropathie?
Bei einer Polyneuropathie sind die peripheren Nerven betroffen, also die Nerven außerhalb des Gehirns und des Rückenmarks. Diese Nerven sind essenziell für die Wahrnehmung von Reizen, die Bewegung der Muskeln und die Steuerung der Organe. Eine Schädigung dieser Nerven kann zu Missempfindungen und Schmerzen führen. Mindestens fünf Prozent aller älteren Menschen haben eine Polyneuropathie.
Symptome der Polyneuropathie
Die Symptome einer Polyneuropathie können vielfältig sein und hängen davon ab, welche Nervenabschnitte betroffen sind. Oft beginnen die Beschwerden in den Füßen und breiten sich dann aus. Häufige Symptome sind:
- Kribbeln
- Taubheitsgefühle
- Vermindertes Temperaturempfinden
- Schmerzen (oft als Brennen oder Stechen empfunden)
- Muskelschwäche
- Gangschwierigkeiten
Auch autonome Nerven können betroffen sein, was zu Verdauungsstörungen, Blasenentleerungsstörungen und Störungen der Herzfunktion führen kann.
Ursachen der Polyneuropathie
Die Liste möglicher Auslöser einer Polyneuropathie ist lang. Häufige Ursachen sind:
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- Diabetes mellitus (diabetische Neuropathie)
- Alkoholmissbrauch (alkoholische Polyneuropathie)
- Medikamente (z.B. Chemotherapie)
- Grunderkrankungen (z.B. Nierenerkrankungen, Tumorerkrankungen)
- Autoimmunerkrankungen (z.B. Guillain-Barré-Syndrom)
- Infektionen (z.B. Borreliose, HIV-Infektion)
- Vergiftungen (z.B. Schwermetalle)
- Stoffwechselstörungen (z.B. Schilddrüsenstörungen)
- Vitaminmangel (z.B. Vitamin-B12-Mangel)
Chronisch inflammatorisch demyelinisierende Polyneuropathie (CIDP)
Die chronisch inflammatorisch demyelinisierende Polyneuropathie (CIDP) ist eine seltene Erkrankung des peripheren Nervensystems, die als autoimmunologisch bedingt gilt. Sie tritt bei etwa 4 - 8 von 100.000 Menschen auf und betrifft häufiger Männer im 6. und 7. Lebensjahrzehnt.
Symptome der CIDP
Die klassische Ausprägung der CIDP äußert sich durch eine sich langsam entwickelnde Schwäche der Beine und Arme, die sowohl körperstammnah als auch körperfern auftritt. Betroffene haben Schwierigkeiten beim Treppensteigen und in der Feinmotorik. Sensible Störungen wie Taubheitsgefühle und Gangunsicherheit können ebenfalls auftreten. Neben der klassischen Form gibt es auch atypische Varianten.
Ursachen und Mechanismen der CIDP
Die CIDP gilt als Autoimmunerkrankung, die eher im späteren Erwachsenenalter auftritt. Eine mögliche Ursache ist eine Kreuzreaktion (Molekulare Mimikry), bei der eine Immunantwort aufgrund einer Infektion mit Komponenten des peripheren Nervensystems reagiert. Diese Reaktion kann sich gegen die Myelinschicht richten und zu einer Demyelinisierung führen. Eine Vorschädigung der Nerven kann ebenfalls eine Rolle spielen, indem sie bestimmte Epitope freisetzt.
Diagnose der CIDP
Die Diagnose der CIDP basiert auf der klinischen Präsentation, dem Ausschluss anderer Ursachen für eine demyelinisierende Polyneuropathie und dem Nachweis einer Demyelinisierung in der elektrophysiologischen Untersuchung. Unterstützend ist die Untersuchung des Nervenwassers, die bei vielen Patienten eine Eiweißerhöhung zeigt. Auch MRT- und Ultraschalluntersuchungen können Hinweise liefern.
Therapie der CIDP
Wirksame Therapien bei CIDP sind die immunmodulatorische Therapie mit intravenösen Immunglobulinen (IVIG), Glukokortikosteroiden (GS) und Plasmaaustauschverfahren. Bei Versagen dieser Therapien kommen auch Immunsuppressiva oder therapeutische Antikörper in Betracht.
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Infektionen als Auslöser von Nervenerkrankungen
Infektionen können auf verschiedene Weisen Nervenerkrankungen auslösen:
- Direkte Schädigung: Einige Erreger können die Nervenzellen direkt schädigen.
- Immunreaktionen: Infektionen können Autoimmunreaktionen auslösen, bei denen das Immunsystem körpereigene Nervenzellen angreift (z.B. CIDP, Guillain-Barré-Syndrom).
- Entzündungen: Infektionen können Entzündungen im Nervensystem verursachen (z.B. Myelitis).
Beispiele für Infektionen, die Nervenerkrankungen auslösen können
- Borreliose: Kann im Spätstadium Nervenschmerzen auslösen.
- HIV: Kann Nervenschmerzen verursachen.
- Herpes Zoster (Gürtelrose): Kann Nervenschmerzen verursachen.
- Campylobacter jejuni: Kann das Guillain-Barré-Syndrom auslösen.
- Herpes simplex Typ1 (Gesichtsherpes) und Typ2 (Genitalherpes)
- Varizella zoster (Windpocken)
- Zytomegalie-Virus (Zytomegalie)
- Eppstein-Barr-Virus (Pfeiffersches Drüsenfieber)
Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS)
Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) ist eine seltene, aber schwerwiegende Erkrankung des peripheren Nervensystems. Es tritt meist nach einer Infektion auf und wird als autoimmun vermittelte Reaktion verstanden. Das Immunsystem greift fälschlicherweise die eigenen Nervenzellen an. GBS beginnt in der Regel mit Schwäche und Kribbeln in den Beinen, das sich auf den Oberkörper und die Arme ausbreiten kann. In schweren Fällen kann es auch zu Lähmungen der Atemmuskulatur kommen.
Weitere immunvermittelte Polyneuropathien
Neben der CIDP und dem GBS gibt es weitere immunvermittelte Polyneuropathien, wie z.B.:
- Polyneuropathien aus dem rheumatischen Formenkreis (z.B. Lupus-assoziierte Polyneuropathien)
- Polyneuropathien im Rahmen von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen
- Polyneuropathien im Rahmen von monoklonalen Gammopathien unklarer Signifikanz (MGUS)
Präventive Maßnahmen
Einige präventive Maßnahmen können das Risiko für Nervenerkrankungen verringern:
- Kontrolle des Blutzuckerspiegels bei Diabetes mellitus: Eine gute Blutzuckereinstellung ist wichtig, um das Risiko einer diabetischen Neuropathie zu verringern.
- Ausgewogene Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung reich an Vitaminen und Mineralstoffen unterstützt die Nervengesundheit. Besonders wichtig sind B-Vitamine.
- Vermeidung von Alkohol und Rauchen: Starker Alkoholkonsum und Rauchen können Nervenschmerzen begünstigen.
- Gute Hygiene: Da bestimmte Infektionen mit dem Guillain-Barré-Syndrom (GBS) in Verbindung gebracht werden, sollte man auf gute Hygiene achten.
- Regelmäßige körperliche Aktivität: Fördert die Durchblutung und kann das Risiko einer Polyneuropathie verringern.
- Stressmanagement: Chronischer Stress kann das Immunsystem beeinträchtigen und das Risiko für Autoimmunerkrankungen erhöhen.
- Regelmäßige medizinische Untersuchungen: Helfen, Erkrankungen frühzeitig zu erkennen, so dass sie behandelt werden können.
- Impfungen: Den Impfstatus auf dem neuesten Stand halten, um Infektionen vorzubeugen, die Polyneuropathie oder GBS auslösen können.
- Sorgfältige Fußpflege: Bei bestehender Polyneuropathie ist eine sorgfältige Fußpflege wichtig, um Verletzungen und Wunden vorzubeugen.
Diagnose und Behandlung von Polyneuropathie
Die Diagnose einer Polyneuropathie beginnt mit einem ausführlichen ärztlichen Gespräch und einer neurologischen Untersuchung. Weitere Untersuchungen können sein:
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- Untersuchung der elektrischen Aktivität der Nerven (Elektroneurographie)
- Untersuchung der elektrischen Aktivität der Muskeln (Elektromyographie)
- Untersuchung von Blut- und Urinwerten
- Entnahme und Untersuchung von Nervenwasser (Lumbalpunktion)
- Genetische Untersuchungen
- Nervenbiopsie
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Polyneuropathie. Wenn möglich, wird die Grunderkrankung behandelt. Zusätzlich kommen Schmerzmittel, Physiotherapie und Ergotherapie zum Einsatz.
Die Rolle des peripheren Nervensystems
Das periphere Nervensystem (PNS) ist ein wesentlicher Bestandteil des gesamten Nervensystems und umfasst alle Nerven, die außerhalb des Gehirns und des Rückenmarks liegen. Es ist verantwortlich für die Übermittlung von Informationen zwischen dem Zentralnervensystem (ZNS) und dem Körper. Bei Polyneuropathie kommt es zu einer generalisierten Schädigung des PNS.
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