Nervenschmerzen im Bereich der Halswirbelsäule (HWS), oft durch Einklemmung verursacht, können eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität darstellen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und vielfältigen Behandlungsmöglichkeiten von Nervenschmerzen im Zusammenhang mit einer HWS-Einklemmung.
Was ist ein HWS-Syndrom?
Der Begriff "HWS-Syndrom" oder "Zervikalsyndrom" beschreibt Schmerzzustände, die von der Halswirbelsäule ausgehen oder diesen Bereich betreffen. Die Symptome können variieren und reichen von Nackenschmerzen und -steifheit über Kopfschmerzen und Schwindel bis hin zu Empfindungsstörungen in Armen und Händen. Die Begriffe "Zervikalsyndrom" und "Zervikalneuralgie" werden oft synonym verwendet.
Die Halswirbelsäule, bestehend aus den ersten sieben Wirbeln, ist im Vergleich zu anderen Abschnitten der Wirbelsäule besonders beweglich, was sie anfälliger für Verletzungen und Verschleißerscheinungen macht. Sie trägt den Kopf und ist somit einer ständigen mechanischen Belastung ausgesetzt. In den meisten Fällen von Zervikalsyndrom sind die Nackenschmerzen unspezifisch, d.h. es lässt sich keine eindeutige Ursache feststellen.
Das Zervikalsyndrom kann akut oder chronisch auftreten. Das akute Zervikalsyndrom beschreibt eine plötzliche und starke Schmerzsymptomatik, oft ausgelöst durch plötzliche Krafteinwirkungen, wie beim Schleudertrauma. Das chronische Zervikalsyndrom hingegen beschreibt Beschwerden, die ihren Ursprung in der Halswirbelsäule haben und länger andauern.
Ursachen für einen eingeklemmten Nerv im Nacken
Ein eingeklemmter Nerv im Nacken- oder Halswirbelsäulenbereich (HWS) ist häufig die Folge einer mechanischen Kompression, Reizung oder Schädigung der Nervenwurzeln, die aus der Halswirbelsäule austreten. Diese Einklemmungen können zu Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und neurologischen Symptomen führen. Die Ursachen sind vielfältig und können sowohl degenerative als auch funktionelle Gründe haben.
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Häufige Ursachen sind:
- Haltungsprobleme und Fehlbelastungen: Eine schlechte Haltung, wie z. B. ein Rundrücken oder das Vorstrecken des Kopfes (z. B. bei der Nutzung von Smartphones, sogenannter "Handynacken"), kann zu einer Überlastung der Nackenmuskulatur führen.
- Muskuläre Verspannungen: Durch Fehlhaltung, Bewegungsmangel oder Stress kann es zu Verspannungen der Nacken- und Schultermuskulatur kommen.
- Degenerative Veränderungen: Mit zunehmendem Alter kommt es zu Verschleißerscheinungen an den Bandscheiben und Wirbelgelenken der Halswirbelsäule. Diese können zu einer Verengung des Wirbelkanals führen und die Nervenwurzeln beeinträchtigen. Hierzu zählen zervikaler Bandscheibenschaden.
- Fehlstellungen: Angeborene oder erworbene Fehlstellungen der Halswirbelsäule können ebenfalls zu Nervenkompressionen führen.
- Unfälle und Traumata: Bei Auffahrunfällen kann es zu einem heftigen und ruckartigen nach vorne und hinten Reißen des Kopfes und der Halswirbelsäule kommen, was zu Muskelverspannungen und Nervenreizungen führen kann.
- Weitere Faktoren: Stress, psychische Krankheiten, Bewegungsmangel oder einseitige Belastungen können ebenfalls eine Rolle spielen.
Symptome eines eingeklemmten Nervs in der HWS
Das Leitsymptom eines eingeklemmten Nerven im Nacken ist der lokaler Schmerz in dem Bereich, wo es zu einer Einklemmung gekommen ist. Der Schmerz ist einschießend und lässt den Betroffenen in der Regel sofort die gerade durchgeführte Bewegung stoppen.
Weitere typische Symptome sind:
- Steifer Nacken: Man kann den Kopf nicht mehr drehen.
- Ausstrahlende Schmerzen: Die Schmerzen strahlen in angrenzende Bereiche wie die Schulter oder Arme ein.
- Kribbeln oder Taubheitsgefühl: Je nachdem, welcher Nerv von der Einklemmung betroffen ist, kann es an unterschiedlichen Stellen zu einem Kribbeln oder zu einem Taubheitsgefühl kommen.
- Bewegungsbeeinträchtigung: Die gewohnten Bewegungen können nur noch eingeschränkt durchgeführt werden, vor allem Bewegungen der oberen Extremität.
- Art des Schmerzes: Die Schmerzen fühlen sich brennend, beißend und ziehend an. Sie starten zunächst lokal im Bereich des Nackens und sind vor allem zunächst bei Bewegung auszulösen. Bei starken Einklemmungen kann es auch zu einem Ruheschmerz kommen.
Diagnose eines HWS-Syndroms und eingeklemmter Nerven
Vor jeder Therapie muss eine ausführliche Diagnose stehen, um nachfolgende Schritte gezielt auf den jeweiligen Patienten abstimmen zu können.
Die Diagnose umfasst:
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- Ausführliches Patientengespräch und Anamnese: Hierbei werden Einflüsse wie psychische Faktoren oder schwere körperliche Tätigkeiten ermittelt. Durch die Schmerzanamnese macht sich der Arzt ein Bild vom bisherigen Krankheitsverlauf. Ein Schmerztagebuch kann helfen, festzuhalten, wann und wie stark die Beschwerden auftreten.
- Körperliche Untersuchung: Die verspannte oder verhärtete Muskulatur wird genauestens untersucht. Der Patient wird gebeten, den Kopf in verschiedene Richtungen zu bewegen, um die Beweglichkeit und Schmerzhaftigkeit zu beurteilen. Neurologische Tests mit einem Reflexhammer oder einer Stimmgabel können durchgeführt werden, um neurologische Auffälligkeiten zu überprüfen.
- Bildgebende Verfahren:
- Röntgenuntersuchungen: Zeigen den Zustand der Halswirbelsäule und eventuelle Verschleißerscheinungen. Nach einem Unfall ist ein Röntgenbild der Halswirbelsäule wichtig, um Verletzungen der Knochen auszuschließen.
- Computertomografie (CT): Wird in der Regel durchgeführt, wenn Symptome auf einen Bandscheibenvorfall schließen lassen.
- Magnetresonanztomografie (MRT): Kommt zum Einsatz, wenn man sich nicht genau sicher ist, was die Schmerzen der Halswirbelsäule auslöst oder wenn die Beschwerden auch nach einer längeren Zeit und einer entsprechenden Behandlung nicht abklingen. Im MRT kann man Nerven, Muskeln, Knochen, Bandscheiben und Blutgefäße sehen.
- Ultraschall: Kann helfen, Muskelverdickungen im Bereich der Halswirbelsäule zu sehen. Auch Flüssigkeitsansammlungen, die oftmals entzündlich bedingt sind und auf einen Nerven drücken, können mithilfe eines Ultraschalls meistens gesehen werden.
- Weitere Untersuchungen:
- Muskuläre Dysbalance Check: Hierbei werden sich gegenüberstehende Muskeln bei Belastung und in Ruhe untersucht, um chronische Fehlbelastungen zu erkennen.
- Elektromyografie (EMG): Eine neurologische Untersuchung, bei der die elektrische Aktivität von ruhenden und sich bewegenden Muskeln untersucht wird.
- Vermessung der Wirbelsäule: Eine Methode, um Fehlhaltungen und Fehlbelastungen herauszufinden.
Konservative Behandlungsmethoden
Zur Behandlung eines HWS-Syndroms kommen zunächst konservative Methoden zum Einsatz.
Diese umfassen:
- Schmerzmittel: Zur Schmerzreduktion. Dazu werden beispielsweise entzündungshemmende Substanzen wie Diclofenac oder Ibuprofen verschrieben. Bei akuten und/oder besonders schmerzhaften Beschwerden können auch kurzfristig Medikamente, die die Muskeln entspannen (sogenannte Muskelrelaxantien) verordnet werden.
- Injektionen: In bestimmten Fällen (z.B. bei einem Bandscheibenvorfall) wendet der Arzt eine sogenannte minimal-invasive Injektionstherapie an. Dabei wird ein örtlich wirkendes Betäubungsmittel mit einer Nadel direkt in den betroffenen Teil der Wirbelsäule (Infiltration) gespritzt.
- Physiotherapie: Eine Physiotherapie (Krankengymnastik) zielt beim HWS-Syndrom darauf ab, Schmerzen nachhaltig zu lindern und Ihren Körper wieder beweglicher zu machen. Sie umfasst unter anderem Übungen, um Ihre Muskulatur zu stärken, Massagen und physikalische Maßnahmen (z.B. Anwendungen mit Wärme, Kälte, Licht oder elektrischen Reizen).
- Massagen: Helfen, die Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit der Wirbelgelenke zu verbessern, die beteiligten Muskeln zu stärken und Verspannungen zu lösen.
- Wärme: Wärme hilft, Verspannungen bei einem HWS-Syndrom zu lösen und Beschwerden zu lindern. Eine Wärmflasche oder eine Rotlichtlampe können angewendet werden. Auch ein warmes Bad hilft, die verspannten Muskeln zu lockern.
- Kälte: Kann bei akuten Schmerzen helfen.
- Entspannungstechniken: Bei stressbedingten Beschwerden können verschiedene Entspannungstechniken wie autogenes Training oder Yoga helfen. Auch mit der Progressiven Muskelentspannung nach Jacobson bauen Sie Verspannungen im Nackenbereich ab, die durch zu starke Anspannung entstanden sind.
- Ergonomie: Achten Sie auf eine ergonomische Gestaltung Ihres Arbeitsplatzes und Ihrer Freizeitaktivitäten. Der Bildschirm sollte auf Augenhöhe sein, und die Tastatur und Maus sollten so positioniert sein, dass Ihre Hände und Arme entspannt sind.
- Bewegung: Regelmäßige Bewegung ist wichtig, um die Muskulatur zu stärken und die Beweglichkeit der Halswirbelsäule zu erhalten. Ausdauersport (vor allem Schwimmen) und gezieltes Krafttraining verbessern in vielen Fällen die Beschwerden, die bei einem HWS-Syndrom auftreten.
Spezifische Übungen bei HWS-Syndrom
Folgende Übungen können helfen, Ihren Nacken zu dehnen und Symptome bei einem HWS-Syndrom zu lindern:
- Drehen Sie Ihren Kopf nach rechts, und nicken Sie langsam mehrmals. Dann drehen Sie Ihren Kopf nach links und nicken wieder mehrmals. Halten Sie Ihren Rücken dabei möglichst gerade.
- Bringen Sie Ihr Kinn in Richtung Brust, und drehen Sie den Kopf in dieser Haltung in einem Halbkreis langsam zur rechten und dann zur linken Schulter.
- Schieben Sie Ihren Kopf so weit nach vorne, wie es geht (langer Nacken), und dann wieder zurück, bis ein Doppelkinn entsteht.
- Verschränken Sie Ihre Finger auf dem Hinterkopf. Drücken Sie 10 Sekunden mit dem Kopf dagegen. Lassen Sie danach wieder locker. Achten Sie darauf, dass Ihr Körper aufrecht und Ihr Nacken gestreckt ist.
- Bilden Sie mit den Händen eine Faust, und drücken Sie zehn Sekunden gegen das Kinn. Achten Sie dabei darauf, dass Ihre Körperhaltung aufrecht ist.
- Neigen Sie Ihren Kopf nach rechts, und greifen Sie dabei mit der rechten Hand über den Kopf bis zur linken Schläfe. Neigen Sie nun den Kopf weiter nach rechts, und strecken Sie gleichzeitig Ihren linken Arm Richtung Boden aus, bis Sie eine Dehnung in der linken Nackenmuskulatur spüren. Halten Sie jede Seite für dreimal 30 Sekunden.
Es gibt zahlreiche Trainingsübungen, die zum Einsatz kommen, um eine Besserung eines eigeklemmten Nerven der Halswirbelsäule zu erreichen. So sollte der Kopf ganz nach links, dann nach rechts, nach vorne und nach hinten gebeugt werden, bis man eine entsprechende Spannung in den Muskeln der Halswirbelsäule spürt. Zu Beginn der Verklemmung wird man den Kopf nur wenige cm bewegen können, bis die Schmerzen beginnen. Diese Position sollte dann einige Sekunden gehalten und dann die Muskeln der Halswirbelsäule wieder entspannt werden. Mehrere Wiederholungen, auch über mehrere Tage werden schnell zeigen, dass es zu einer zunehmenden Lockerung der Muskeln kommt und der Kopf immer weiter in alle Richtungen bewegt werden kann.
Weitere Selbsthilfemaßnahmen
- Stress vermeiden: Stress und psychische Belastung begünstigen unter Umständen ein HWS-Syndrom oder verstärken die Beschwerden. Achten Sie daher darauf, stressreiche Situationen zu meiden.
- Salben und Pflaster: Auch Salben oder Pflaster aus der Apotheke, die wärmend und schmerzstillend wirken (z.B. Wärmepflaster, Gels und Salben mit schmerzstillenden Wirkstoffen), lindern die Beschwerden bei einem Zervikalsyndrom.
- Kinesiotapes: Im Falle einer Nerveneinklemmung des Nackens kann man ein oder mehrere Kinesiotapes auf den Nacken kleben. Die Bänder sollen Tag und Nacht für einige Tage dort belassen und ein entsprechender Behandlungserfolg abgewartet werden.
- Osteopathie: Bei einem eingeklemmten Nerven im Nackenbereich kann mit Hilfe der ärztlichen Osteopathie eine entlastende Behandlung durchgeführt werden.
- Tigerbalsam: Das Einreiben mit Tigerbalsam 1-3 mal täglich kann eine deutliche Besserung bringen.
Minimal-invasive Methoden
Erzielen die konservativen Behandlungen keine Verbesserung, kommen bei einem Zervikalsyndrom auch minimalinvasive Methoden zum Einsatz.
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- Mikrolasertherapie: Über eine Kanüle und eine nur 0,2 Millimeter dünne Mikronadel wird Laserenergie gezielt in das Bandscheibengewebe eingebracht. Die Laserenergie lässt das Gewebe schrumpfen, verschweißt kleine Einrisse, unterbricht Schmerzfasern und stoppt so die Weiterleitung von Schmerzsignalen an das Gehirn.
- Hitzesondentherapie: Haben Schmerzen ihre Ursachen an den Wirbelgelenken, kann eine Behandlung mit der Hitzesonde Linderung bringen.
- Stoßwellentherapie: Sie wird eingesetzt, um Schmerzen zu lindern, Verspannungen zu lösen und die Heilung von Gewebe zu fördern.
Operative Behandlung
Wenn eine konservative Behandlung beim HWS-Syndrom keinen Erfolg erzielt, zieht der Arzt eine Operation in Erwägung. Dies ist beispielsweise bei einem Bandscheibenvorfall der Fall, wenn der Betroffene unter sehr starken Schmerzen leidet, Lähmungserscheinungen oder Inkontinenz auftreten.
Die Operation erfolgt heutzutage meist mikrochirurgisch, das heißt über einen kleinen Schnitt am Rücken. Dabei entfernt der Arzt (z.B. mit einer Fräse oder einem Laser) das Bandscheibengewebe, das auf die Nerven drückt und die Beschwerden hervorruft. Der Eingriff ist meist kurz (ca. 30 bis 60 Minuten). In der Regel ist der Betroffene während der Operation unter Vollnarkose und bleibt etwa drei Tage zur Beobachtung im Krankenhaus.
Nach der Entfernung des Vorfalles oder Erweiterung des Spinalkanals ist die Verwendung eines zervikalen Cages erste Wahl. Der Einsatz einer zervikalen Bandscheibenprothese ist - bei korrekter Indikation und unter Berücksichtigung bestimmten Voraussetzungen - sehr ratsam, um durch den Erhalt der Mobilität eine Anschlussdegeneration zu reduzieren.
Dauer eines eingeklemmten Nervs im Nacken
Die Dauer eines eingeklemmten Nervs im Nacken kann stark variieren und hängt von der Ursache, der Schwere der Nervenkompression, dem individuellen Heilungsverlauf und den durchgeführten Behandlungsmaßnahmen ab. Im Allgemeinen kann ein eingeklemmter Nerv im Nacken von wenigen Tagen bis hin zu mehreren Wochen dauern.
- Leichte Einklemmungen: Können sich innerhalb weniger Tage bis einer Woche bessern, besonders wenn schnell Maßnahmen wie Entlastung, Wärme und Trainingstherapie ergriffen werden.
- Stärkere Kompressionen: Können mehrere Wochen andauern, besonders wenn strukturelle Probleme wie ein Bandscheibenvorfall oder Arthrose vorliegen.
- Rechtzeitige Behandlung: Kann die Genesungszeit verkürzen.
- Vorerkrankungen: Können den Heilungsverlauf beeinflussen.
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